Carola Gruber: Neuneinhalb Lieblingsmomente

Hat ihre Zeit in Rottweil genossen: Stadtschreiberin Carola Gruber. Foto: al

Kurz vor Weih­nach­ten hat die dies­jäh­ri­ge Stadt­schrei­be­rin Caro­la Gru­ber ihren drei­mo­na­ti­gen Auf­ent­halt abge­schlos­sen. Zen­tra­le Ein­drü­cke ihrer Zeit in Rott­weil hat sie bei der Ver­ab­schie­dung zusam­men­ge­fasst. Die NRWZ ver­öf­fent­licht hier ihre Abschieds­re­de.

Von Stadt­schrei­be­rin Caro­la Gru­ber

„Vor eini­gen Tagen ging ich in Rott­weils Süden spa­zie­ren – am Schwimm­bad vor­bei in Rich­tung Büh­lin­gen, über die Fel­der und am Wald ent­lang. Den Vor­mit­tag hat­te ich am Schreib­tisch ver­bracht, an einem Text gear­bei­tet und jetzt ging ich spa­zie­ren, um den Kopf „aus­zulüf­ten“. Es war kalt und win­dig auf den Fel­dern, aber die Son­ne brach durch die Wol­ken. Zeit­wei­se ging ich ihr genau ent­ge­gen, kniff ich die Augen zusam­men.

Mir wur­de bei­na­he warm. Es war ein wun­der­ba­rer Moment. Ich dach­te dar­an, was für ein Glück ich hat­te und habe, dass ich in den ver­gan­ge­nen drei Mona­ten eini­ge sol­cher Spa­zier­gän­ge im Wech­sel mit inten­si­ver Text­ar­beit unter­neh­men durf­te – eine herr­li­che Kom­bi­na­ti­on, da für mich Den­ken, Gehen und Schrei­ben zusam­men­ge­hö­ren.

In dem Moment emp­fand ich eine gro­ße Dank­bar­keit dafür, dass von mir drei Mona­te lang nichts ande­res erwar­tet wur­de, als dass ich mich dem Schrei­ben wid­me und mei­ne Begeis­te­rung für das Schrei­ben und die Lite­ra­tur mit ande­ren Men­schen tei­le – und genau genom­men wur­de auch dies wenig „erwar­tet“ im Sin­ne einer Ver­pflich­tung, son­dern viel eher wur­den mir, so sehe ich es zumin­dest, Mög­lich­kei­ten gebo­ten: Ver­an­stal­tun­gen und Begeg­nun­gen ermög­licht, die ohne das Sti­pen­di­um nicht oder nicht in der Form zustan­de gekom­men wären.

Dar­un­ter waren auch Expe­ri­men­te wie der „Schreib­s­port“ mit musi­ka­li­scher Beglei­tung, bei dem ich Tex­te auf Bestel­lung des Publi­kums schrieb – ein Expe­ri­ment, das glück­te. Ich emp­fand den Abend als einen der schöns­ten, die ich hier in Rott­weil ver­bracht habe.

In die­sem Augen­blick, letz­te Woche auf den Fel­dern bei Büh­lin­gen – bei kal­tem Wind, war­mer Son­ne und unter einem frisch­blau­en Him­mel – fühl­te ich mich rich­tig ange­kom­men in der Rol­le als Stadt­schrei­be­rin. Ich war zutiefst beglückt über die Chan­ce, die ich hier erhal­ten habe. Und ich hat­te das Gefühl, jetzt könn­te es gera­de so wei­ter­ge­hen – ein, zwei oder drei Mona­te lang. Doch der Moment ist gekom­men, von die­ser Erfah­rung nicht mehr im Prä­sens, son­dern im Prä­ter­itum zu spre­chen: abge­schlos­se­nes Gesche­hen.

Die­sen Tem­pus­wech­sel möch­te ich dazu nut­zen, gemein­sam mit Ihnen zurück­zu­schau­en. Natür­lich las­sen sich die Mona­te hier in Rott­weil kaum zusam­men­fas­sen, des­halb möch­te ich auch kein abschlie­ßen­des „Resü­mee“ zie­hen – viel­leicht auch, weil ich es noch nicht ganz wahr­ha­ben möch­te, dass die Zeit wirk­lich vor­bei ist. Eher möch­te ich mit Ihnen auf ein­zel­ne Momen­te zurück­bli­cken, sagen wir: Lieb­lings­mo­men­te. Genau genom­men: 9 ½ Lieb­lings­mo­men­te.  

Moment 1
Vor drei Mona­ten, am 16. Sep­tem­ber, kom­me ich an – mit drei Ruck­sä­cken, einer davon ein 60-Liter-Ding, das dem Rei­sen­den wie ein trag­ba­res Haus, eine Art über­di­men­sio­na­les Schne­cken­haus, am Rücken hängt. Das Umstei­gen in Stutt­gart hat­te bei­na­he sport­li­che Qua­li­tä­ten. Chris­tia­ne Frank vom Kul­tur­amt holt mich am Bahn­hof in Rott­weil ab. Sie meint, ich hät­te ja gar nicht so viel Gepäck – sie hat wohl schon Schlim­me­res gese­hen.

Nach mei­nem ers­ten Tag in Rott­weil schrei­be ich in mein Tage­buch: „Dass ich 3 Mona­te hier blei­ben wer­de, kapie­re ich noch immer nicht. Ich bin leicht­fer­tig hier ange­kom­men.“ Und auch das notie­re ich: „Die Mahl­zei­ten zie­hen über mich hin­weg wie ein Sturm. Gera­de eben: das Mit­tag­essen. (Es gibt Leu­te, die schaf­fen es, in 15 Minu­ten 3 Gän­ge zu essen: Salat, Maul­ta­schen, Eis.)“ Inzwi­schen kann ich sagen: Ich bemü­he mich, zu den genann­ten „Leu­ten“ dazu­zu­ge­hö­ren. Manch­mal gelingt es mir eben­falls, bis zum Gong am Ende des Mit­tag­essens fer­tig zu sein. Ich habe mich ein­ge­lebt.

Moment 2
In mei­ner zwei­ten Woche in Rott­weil wer­de ich offi­zi­ell als 15. Stadt­schrei­be­rin begrüßt. Mein Vor­gän­ger Johann Rei­ßer über­gibt mir das Amt mit dem Hin­weis, als Stadt­schrei­ber sei man „ein gela­de­ner Dieb, der etwas aus der Stadt mit­neh­men soll, um ein Kuckucks­ei dafür zu hin­ter­las­sen“. Zum Zei­chen dafür schenkt er mir „Die­bes­gut“ aus sei­ner Rott­wei­ler Zeit: eine Glas­ket­te, die er von einem Kron­leuch­ter in der Dut­ten­ho­fer-Vil­la mit­ge­nom­men hat.

Die­se Glas­ket­te habe ich auf­ge­hängt an einem Haken in mei­nem Stadt­schrei­ber­zim­mer (das frü­her ein­mal Johanns Stadt­schrei­ber­zim­mer war). Wenn ich die Glas­ket­te strei­fe oder wenn ein star­ker Luft­zug geht, dann schwingt sie und klingt eine Wei­le nach. Das Geräusch erin­nert mich dar­an, dass ich ein „gela­de­ner Dieb“ bin. Die­se Berufs­be­zeich­nung fin­de ich ganz wun­der­bar. Was das „Kuckucks­ei“ sein wird, das ich hin­ter­las­se, weiß ich noch nicht. Aber viel­leicht beur­tei­len das ande­re sowie­so bes­ser als ich.

Moment 3
In mei­ner drit­ten Woche in Rott­weil lei­te ich zum ers­ten Mal die offe­ne Jugend­schreib­werk­statt im Kon­vikt. Zu die­sem Zeit­punkt habe ich bereits mit­be­kom­men, wie durch­ge­plant der Ter­min­ka­len­der der Kon­vik­to­ren ist – nach der Schu­le und der Stu­dier­zeit am Nach­mit­tag fal­len an den Aben­den noch ver­pflich­ten­de AGs an. Vor dem Hin­ter­grund fin­de ich es beacht­lich, dass sich bei unse­rer ers­ten Sit­zung acht Teil­neh­mer zusam­men­fin­den, die an dem Abend auf Frei­zeit ver­zich­ten, um sich mit dem Schrei­ben zu beschäf­ti­gen.

An die­sem ers­ten Abend lis­ten die Schü­ler – pas­send zum The­ma der Schreib­werk­statt „Orte und Unor­te“ – belieb­te und weni­ger belieb­te Orte auf. Dass in der ers­ten Kate­go­rie Bett, Meer und Büche­rei genannt wer­den, ver­ste­he ich gut. Dass in der zwei­ten Kate­go­rie, bei den unbe­lieb­ten Orte, neben Schu­le und Schreib­tisch auch ein­mal „zuhau­se“ genannt wird, berührt mich sehr.

Moment 4
Im Okto­ber feie­re ich mei­nen Geburts­tag in Rott­weil. Am Nach­mit­tag fah­re ich nach Bad Dür­rheim in die Ther­me. In einem Salz­was­ser­be­cken stre­cke ich Arme und Bei­ne von mir, lie­ge im Was­ser, ohne einen ein­zi­gen Mus­kel zu rüh­ren, und füh­le mich ent­spannt. Fast döse ich ein. In die­sem Moment habe ich das Gefühl, dass ich all­mäh­lich tat­säch­lich an- und zur Ruhe kom­me. Die letz­ten Mona­te vor dem Stadt­schrei­bersti­pen­di­um war ich viel unter­wegs, habe eine Wei­ter­bil­dung in Mün­chen gemacht, war zum Teil par­al­lel auch Stadt­schrei­be­rin in Regens­burg, habe ein paar Tage vor Antritt der Stadt­schrei­ber­stel­le in Rott­weil noch einen Vor­trag in Ham­burg gehal­ten … kurz­um: Ich kam etwas abge­hetzt in Rott­weil an. In Bad Dür­rheim, als ich wie ein See­stern im Was­ser lie­ge, löst sich etwas von der Anspan­nung der letz­ten Wochen. Ich kom­me noch ein Stück­chen mehr an – und genie­ße es.

Moment 5
Ich lie­ge krank im Bett. Inner­halb von zwei Tagen fül­le ich einen Müll­ei­mer aus­schließ­lich mit gebrauch­ten Taschen­tü­chern, lee­ren Taschen­tuch­ver­pa­ckun­gen und benutz­ten Tee­beu­teln. Eine hal­be Woche ver­schmilzt zu einem ein­zi­gen Tag, den ich erkäl­tet im Bett lie­ge – mit einem kur­zen Aus­flug zu mei­ner ers­ten Lesung als Stadt­schrei­be­rin im Schwar­zen Lamm. Die Bude ist voll. Ich lese den Text, mit dem ich mich als Stadt­schrei­be­rin bewor­ben habe – eine trau­ri­ge Geschich­te, die die Stim­mung im Raum auf den Null­punkt bringt.

Anschlie­ßend lese ich einen Text über das Stadt­schrei­be­rin-Dasein in Rott­weil. Der Text nimmt die Zuhö­rer mit auf einen Spa­zier­gang durch die Stadt und durch mei­ne Gedan­ken – und wird sehr freund­lich auf­ge­nom­men. Ich habe den Ein­druck, – trotz Schnup­fen und einem leich­ten Schwin­del­ge­fühl – so rich­tig ange­kom­men zu sein.

Moment 6
In mei­ner neun­ten Woche als Stadt­schrei­be­rin erle­be ich gemein­sam mit 14 wei­te­ren Kon­vikt-Neu­lin­gen die obli­ga­to­ri­sche „Tau­fe“ durch die ange­stamm­ten Kon­vik­to­ren: ein Initia­ti­ons­ri­tu­al, das nicht nur freund­lich ist, son­dern auch einen Hang zu mili­tä­ri­schem Drill, wenn nicht Sadis­mus hat. Wir ver­sam­meln uns in zwei Grup­pen auf dem Hof des Kon­vikts: die Neu­lin­ge auf der einen, die Alt­ein­ge­ses­se­nen auf der ande­ren Sei­te. Wir Neu­lin­ge lösen ein paar Auf­ga­ben, die uns gestellt wer­den, unter ande­rem lau­fen, sprin­gen, klet­tern und balan­cie­ren wir.

Wenn wir Feh­ler machen, wer­den wir mit Was­ser­bom­ben bewor­fen. Am Schluss des Ritu­als fin­det die eigent­li­che Tau­fe statt: Was­ser, viel Was­ser ergießt sich aus Schläu­chen und Eimern auf die Neu­lin­ge im Hof. Nach einer Drei­vier­tel­stun­de ver­las­sen wir geprüft und bis auf die Unter­wä­sche durch­nässt den Hof des Inter­nats. Wir gehö­ren jetzt offi­zi­ell dazu.

Wäh­rend ein neu­er Schü­ler neben mir laut­hals Rache schwört, emp­fin­de ich weni­ger Wut als Befrem­dung. Bis jetzt sehe ich das Ritu­al zwie­späl­tig: Einer­seits bin ich dank­bar für das Ver­trau­en und die Offen­heit, mich als Gast so weit in das Kon­vikt­ge­sche­hen ein­zu­be­zie­hen – eine lehr­rei­che Erfah­rung für mich, die zuvor kei­ner­lei Inter­nat-Erfah­rung hat­te; ande­rer­seits fin­de ich die kon­kre­te Gestal­tung der „Tau­fe“ in eini­gen Punk­ten ver­bes­se­rungs­wür­dig. Ich wür­de dem Ritu­al mehr Humor und Selbst­iro­nie, dafür weni­ger Was­ser und Käl­te wün­schen. Dann wür­de die „Tau­fe“ bes­ser zum Kon­vikt pas­sen, das ich ansons­ten als hel­len, freund­li­chen Ort erlebt habe.

Moment 7
Die Kunst­stif­tung Erich Hau­ser öff­net ihre Pfor­ten: Im frü­he­ren Wohn­haus (und heu­ti­gen Muse­um) des Künst­lers darf ich – umge­ben von Kunst­wer­ken – Tex­te von mir vor­tra­gen. Ich lese von Tie­ren, die es noch nicht gibt, aber geben soll­te, vom Stadt­schrei­ber Stof­fel­hop­pel, der an sei­ner Rol­le in einem thü­rin­gi­schen Ort ver­zwei­felt, und ich lese lite­ra­ri­sche Bild­pro­to­kol­le zu Wer­ken Kan­din­skys.

Wäh­rend­des­sen erin­ne­re ich mich, wie ich knapp zwei Mona­te zuvor, Ende Sep­tem­ber, ehr­fürch­tig und nicht ahnend, dass ich hier ein­mal eine Lesung gestal­ten wür­de, durch das Gelän­de der Kunst­stif­tung ging. Nun stel­le ich mei­ne Tex­te wie zusätz­li­che Expo­na­te im Hauser’schen Muse­um aus – und emp­fin­de das als Ehre.

Moment 8
Wir haben es aus­pro­biert, in Gedan­ken alles durch­ge­spielt, die tech­ni­sche Sei­te gleich an zwei ver­schie­de­nen Tagen geprüft. Trotz­dem bleibt es ein Expe­ri­ment, als ich mich an einem Frei­tag vor dem Publi­kum im Kut­schen­haus an mei­nen Lap­top set­ze und auf Bestel­lun­gen war­te. Wird das Publi­kum genug Bestel­lun­gen abge­ben? Wird mir etwas zu den bestell­ten Wör­tern ein­fal­len? Wer­den die Anwe­sen­den es inter­es­sant fin­den, den Schreib­pro­zess mit­zu­ver­fol­gen, der per Bea­mer auf die Lein­wand hin­ter mir pro­ji­ziert wird? Wer­de ich mich kon­zen­trie­ren kön­nen, wenn neben mir eine elek­trisch ver­stärk­te Band bra­si­lia­ni­sche Klän­ge spielt? Die Ant­wort ist: vier­mal Ja. Es klappt!

An dem Abend wer­den acht Anre­gun­gen aus dem Los­topf gezo­gen und ich ver­ar­bei­te sie zu neu­en Tex­ten. Dass das Publi­kum an man­chen Stel­len lacht über Din­ge, die ich mir aus­den­ke, noch bevor ich sie vor­le­se, ist unge­wohnt, aber sehr schön.

Moment 9
Am Frei­tag letz­ter Woche gestal­te ich eine Haus­le­sung. Ein pri­va­ter Gast­ge­ber öff­net sei­ne Woh­nung für gela­de­ne Gäs­te und mich, die ihre Tex­te vor­stellt. Der Rah­men ist sen­sa­tio­nell: Der Haus­herr hat sei­ne Woh­nung zu einer Gale­rie umfunk­tio­niert und stellt Bil­der eines zeit­ge­nös­si­schen Malers aus. Außer­dem hat er einen Bar­kee­per enga­giert, der aus mei­nen Lieb­lings­säf­ten lecke­re Cock­tails mischt, eini­ge davon hat er eigens für den Abend erfun­den. Ein groß­ar­ti­ger Rah­men für eine Lesung. Für man­che im Publi­kum ist es die ers­te Lesung ihres Lebens.

Gemein­sam spre­chen wir über die Tex­te und den Ein­druck, den sie bei den Zuhö­rern hin­ter­las­sen haben – es ist ein schö­nes Gespräch, an dem ich vor allem die Unver­stellt­heit schät­ze. Es wird ein lan­ger Abend. Und am Ende den­ke ich: Viel öfter soll­te man Lite­ra­tur genau so rezi­pie­ren – nicht in Lite­ra­tur­häu­sern, bei Podi­ums­dis­kus­sio­nen oder im Deutsch­un­ter­richt, son­dern in pri­va­ten Räu­men, mit Freun­den oder net­ten Leu­ten, die es wer­den könn­ten.

Moment 9 ½
Heu­te Abend. (Der Moment zählt nur halb, weil er noch nicht vor­bei ist.) Hier heu­te mit Ihnen die Ergeb­nis­se aus der Schreib­werk­statt zu hören und jetzt vor Ihnen zu ste­hen und mit Ihnen gemein­sam auf mei­ne Lieb­lings­mo­men­te, mei­ne Beu­te als gela­de­ne Die­bin, zurück­zu­bli­cken, wird sicher zu mei­nen Lieb­lings­mo­men­ten gehö­ren. Nicht dass mir der Abschied leicht fal­len wür­de von die­ser – wie mein Vor­gän­ger Johann Rei­ßer sag­te und wie ich unein­ge­schränkt bestä­ti­gen kann – bes­ten aller Stadt­schrei­ber­stel­len. Das Gegen­teil ist der Fall. Umso wich­ti­ger ist für mich der heu­ti­ge Abend.

Über Aus­lands­auf­ent­hal­te habe ich ein­mal gehört, man sol­le alle Über­gangs­ri­tua­le, alle Abschieds­fei­ern und jede Gele­gen­heit, die sich einem bie­tet, sich selbst den Über­gang begreif­lich zu machen, nut­zen. Viel­leicht gilt das auch für Stadt­schrei­ber­stel­len. Ich jeden­falls bin sehr froh, dass mir heu­te Abend die Gele­gen­heit gebo­ten wur­de, noch ein­mal – etwas weh­mü­tig, aber vor allem dank­bar – zurück­zu­bli­cken.       

Neben die­sen 9 ½ Lieb­lings­mo­men­ten gibt es noch vie­le klei­ne Momen­te, für die ich eben­falls sehr dank­bar bin. Oft sind es klei­ne Beob­ach­tun­gen wie das Auf­plat­zen einer Kas­ta­ni­en­scha­le vor mei­nen Füßen, das Kau­en eines Pfer­des, dem das Heu aus dem Maul fällt, oder auch die direk­te Sicht auf den Him­mel hin­ter einem Haus, die für mich Momen­te des Glücks aus­ma­chen. Vie­le die­ser Momen­te spie­len im Kon­vikt – Tisch­ge­sprä­che mit den Schü­lern, ein gemein­sam gelös­tes Kreuz­wort­rät­sel, Nach­mit­ta­ge in der Biblio­thek.

Eini­ge Ein­drü­cke habe ich wäh­rend mei­ner Zeit als Stadt­schrei­be­rin in einer Art Tage­buch im Inter­net, einem Blog, fest­ge­hal­ten. Viel­leicht haben Sie Lust ein­mal rein­zu­schau­en: rottweil.carolagruber.de.       

Zum Schluss möch­te ich mich ganz herz­lich bedan­ken für die­se wun­der­ba­re Gele­gen­heit, drei Mona­te ohne finan­zi­el­le Sor­gen an mei­nen Tex­ten zu arbei­ten, neue For­ma­te aus­zu­pro­bie­ren, herz­li­chen Men­schen zu begeg­nen – und mei­ne Begeis­te­rung fürs Schrei­ben und für Lite­ra­tur zu tei­len, nicht zuletzt in der Schreib­werk­statt des Kon­vikts. Auch für die freund­li­che Auf­nah­me dort möch­te ich viel­mals dan­ken. Ganz beson­ders dan­ken möch­te ich Chris­tia­ne Frank, der welt­bes­ten Stadt­schrei­ber-Betreue­rin, Lesungs-Orga­ni­sa­to­rin und Spa­zier­gangs-Initia­to­rin, die dar­über hin­aus ein groß­ar­ti­ger Mensch ist.

Sehr dan­ken möch­te ich dem gesam­ten Kul­tur­amt, ins­be­son­de­re Herrn Schaf­fert und Anne Probst, sowie der Stadt Rott­weil, beson­ders Herrn Broß. Dar­über hin­aus möch­te ich ganz herz­lich Herrn Dr. Fied­ler sowie allen Kon­vik­to­ren dan­ken dafür, dass sie mich drei Mona­te bei sich auf­ge­nom­men haben. Dan­ken möch­te ich auch allen, die das Zustan­de­kom­men des Stadt­schrei­bersti­pen­di­ums auf die eine oder ande­re Wei­se ermög­licht haben bzw. ermög­li­chen. Vie­len Dank!“