Floating Piers von Christo. Alle Fotos: bvz

SCHRAMBERG (bvz) – Die Schram­ber­ge­rin Bär­bel von Zep­pe­lin ist seit vie­len Jah­ren eine gro­ße Freun­din der Arbei­ten von Chris­to. Sie steht mit dem Künst­ler seit Jah­ren in Kon­takt und wur­de auch in die­sem Jahr von ihm vor­ab ein­ge­la­den, sich die „Floa­ting Piers“ auf dem Iseo-See anzu­schau­en. Für die NRWZ hat von Zep­pe­lin ihre Ein­drü­cke zusam­men­ge­fasst, die wir ger­ne zusam­men mit ihren Fotos ver­öf­fent­li­chen.

Ich war so froh, dass ich die Tage zuvor schon in aller Ruhe Gele­gen­heit hat­te, die Orte des Gesche­hens zu erfor­schen, Posi­tio­nen weit oben am Berg zu fin­den, von denen man einen guten Über­blick hat­te über die Piers vom Fest­land bezie­hungs­wei­se der Iso­la Mon­te und hin­über zur klei­nen Insel San Pao­lo. Das hat mich mein dama­li­ger Besuch im Cen­tral Park bei „The Gates” gelehrt.

Noch konn­te man sich gemüt­lich in eines der ein­hei­mi­schen Loka­le set­zen, bum­melnd auf den mit wei­ßem Filz beleg­ten Ufer­we­gen in Sulza­no, der Mon­te Iso­la (von Peschie­ra M. bis Sen­so­le) ent­lang gehen – wenn auch noch nicht übers Was­ser! Es war ganz herr­lich. Bin übri­gens von mei­nem Wohn­ort, etwa zwölf Kilo­me­ter ent­fernt – fast immer mit dem Zug gefah­ren, denn die Park­mög­lich­kei­ten in den Orten am See sind schnell erschöpft.

Per­sön­lich habe ich Chris­to nicht getrof­fen, ihn aber mehr­mals auch vor der Eröff­nung auf einem der Piers gese­hen, immer umge­ben von einem Tross von Jour­na­lis­ten und Per­sön­lich­kei­ten, meist sol­che aus Ita­li­en, die das Pro­jekt mit­tru­gen.

Wol­fi Volz, dem auto­ri­sier­ten Foto­gra­fen und „rech­te Hand“ von Chris­to bin ich per Zufall an einem der Wege ent­lang der Mon­te Iso­la begeg­net (in Beglei­tung sei­ner schwe­di­schen Frau/Lebensgefährtin). Er war auf Foto­pirsch. Da ich gera­de bei einem klei­nen Unfall mei­ne Video-Kame­ra beschä­digt hat­te, gab er mir Tipps, was ich tun könn­te. Spä­ter sah ich ihn von Fer­ne vor dem Gebäu­de auf der klei­nen Insel San Pao­lo auf Motiv­su­che hin- und her­ge­hen. Mit mei­nen neu­en Foto­ap­pa­rat konn­te ich ihn auch über einen Kilo­me­ter ent­fernt gut erken­nen.

Anders als bei sons­ti­gen Eröff­nun­gen fand die­se nicht in einem Raum statt, son­dern natür­lich am Ort des Pro­jekts. Es gab nicht mal einen fes­ten Ter­min, da die Öff­nung der Piers ja auch vom Wet­ter abhän­gig war. Am Frei­tag kur­sier­ten meh­re­re Mög­lich­kei­ten, schließ­lich war es Sams­tag­mor­gen, hät­te auch Sonn­tag wer­den kön­nen. Klar, bei Gewit­ter und Sturm hät­te man Publi­kum nicht los­ge­hen las­sen kön­nen.

Ein gewis­ses Gedrän­ge erleb­te ich am Sams­tag­mor­gen in der Frü­he, etwa 7 Uhr. Vie­le Men­schen stan­den wohl schon seit Stun­den auf dem zen­tra­len Platz in Sulza­no, um auf den „Start­schuss“ zu war­ten. Um 7.40 Uhr kam die Men­ge in Bewe­gung.

Ganz klar, das Gehen über die „pas­sa­rel­le” ver­mit­telt schon ein ganz beson­de­res Gefühl, ins­be­son­de­re wenn Boo­te vor­bei fah­ren (auch Ret­tungs­boo­te immer im Ein­satz für alle Fäl­le!) geht eine deut­lich wahr­nehm­ba­re wel­len­ar­ti­ge Bewe­gung unter einem durch, es schwappt mal das Was­ser über den Rand. Die­ser Eröff­nungs­tag war vom Wet­ter begüns­tigt und die unend­lich vie­len Besu­cher mach­ten es sich bald auf dem brei­ten Pier bequem, mach­ten Pick­nick, hiel­ten Sies­ta wie an einem Strand.

Auf mei­nem Rück­weg von der Iso­la San Pao­lo hör­te ich plötz­lich Klat­schen und lau­te Rufe. Als ich mich umdreh­te, sah ich das Son­der­schiff von Chris­to, auf dem es ein zwei­tes „Stock­werk“ gibt. Dort oben stand Chris­to mit eini­gen Repor­tern. Die Per­so­nen auf den Piers, die an dem Punkt gera­de ein Drei­eck bil­den, applau­dier­ten und beju­bel­ten ihn. Ich glau­be in dem Moment hat sogar Chris­to die Ova­tio­nen genos­sen. Es wur­de ihm von der Men­ge damit bestä­tigt, dass er etwas Groß­ar­ti­ges geschaf­fen hat.

Die Men­schen­mas­sen, die am Sonn­tag unter­wegs waren, bedeu­te­ten war­ten, war­ten, war­ten: An den Hal­te­sta­tio­nen der Shut­tle-Bus­se, die die Besu­cher nach Sulza­no brach­ten, am Zugang zur Pier in Sulza­no. Da stau­ten sich durch­ge­hend meh­re­re hun­dert, ich wür­de sagen bis zu tau­send Per­so­nen auf und wur­den in Schlan­gen­li­ni­en nach und nach Rich­tung Zugang am Ufer geschleust.

Das Wet­ter war an die­sem Tag sehr wech­sel­haft, es reg­ne­te zum Teil auch hef­tig. Noch ein­mal woll­te ich auf den pas­sa­rel­le (ins­ge­samt etwa drei Kilo­me­ter) ent­lang gehen und noch ein paar Fotos machen. Auf dem Rück weg fie­len mir dann auch gewis­se nega­ti­ve Begleit­erschei­nun­gen auf: Die wirk­lich reich­lich auf­ge­stell­ten Müll­con­tai­ner quol­len schon über. Vor allem Plas­tik­fla­schen, – becher, die sich ja nicht so ohne wei­te­res zusam­men­drü­cken las­sen, lagen außer­halb. Da dach­te ich mir: Ds braucht nur ein Wind­stoß zu kom­men, dann liegt das alles im See!

An den fol­gen­den Tagen muss­ten die Piers nachts geschlos­sen wer­den, damit Abfäl­le und gewis­se Schä­den an den Piers besei­tigt wer­den konn­ten. Ver­ein­zelt tauch­ten irgend­wel­che Chao­ten auf, die Ärger bei den Ver­an­stal­tern und den Besu­cher ver­ur­sach­ten – das ent­nahm ich Pres­se­be­rich­ten und Vide­os.
Am Ende wer­den die posi­ti­ven Erin­ne­run­gen blei­ben: Ins­be­son­de­re das Gehen über das Was­ser, den See, ob mit Schu­hen oder bar­fuß, hin­ter­las­sen einen blei­ben­den Ein­druck.

Ins­ge­samt war es sehr vor­teil­haft für mich, die ein­hei­mi­schen Leu­te zu ver­ste­hen und mit ihnen spre­chen zu kön­nen: egal ob die Eigen­tü­mer mei­nes Appar­te­ments, die Per­so­nen im Zug, im Bus und in den War­te­schlan­gen.“