Dieter E. Albrecht. Archiv-Foto: Peter Arnegger

In einer per­sön­li­chen Stel­lung­nah­me hat sich der frü­he­re Gefäng­nis­in­sas­se Ger­hard „Gisch­bl” Mauch – er saß wegen Wehr­dienst­ver­wei­ge­rung ein – gegen ein Gefäng­nis der Grö­ße aus­ge­spro­chen, wie es bei Rott­weil geplant ist. Heu­te liegt die Ant­wort vor. Ein wei­te­rer Ex-Kna­cki berich­tet: „In klei­nen Haft­an­stal­ten gibt es nur stu­pi­de Arbei­ten. Wenn es mal Stress mit ande­ren gibt, hat eine klei­ne JVA kaum Aus­weich- und Rück­zugs­mög­lich­kei­ten.”

Gisch­bl” Mauchs Kern­the­se zum Gefäng­nis mit 400 Insas­sen, wie es das Land auf dem Esch bei Rott­weil bau­en will: „Eine Anstalt in die­ser Grö­ße und ohne Garan­tie auf Ein­zel­be­treu­ung wird nie Garant für eine sinn­vol­le Reso­zia­li­sie­rung sein. Schon gar nicht ein Voll­zug in die­ser Grö­ße.”

Das sieht ein wei­te­rer Ex-Häft­ling anders: „Das Absit­zen in einem klei­nen Gefäng­nis ist ver­lo­re­ne Zeit.” Die Aus­sa­ge stammt von Vol­ker S. Sein ehe­ma­li­ger Arbeit­ge­ber hat ihn inter­viewt. Dabei han­delt es sich um Die­ter E. Albrecht, Betrei­ber eines Abschlepp-, Pan­nen- und Schlüs­sel­diens­tes in Rott­weil. Albrecht ist zudem Stadt­rat der Frei­en Wäh­ler und Befür­wor­ter des Gefäng­nis­baus auf dem Esch. Daher sei­ne Reak­ti­on.

Die Fir­ma Albrecht beschäf­tig­te dem­nach 17 Jah­re lang einen ehe­ma­li­gen Schwer­kri­mi­nel­len. Vol­ker S. (Name auf sei­nen Wunsch geän­dert) wur­de als Her­an­wach­sen­der, wegen zwei schwe­ren Haupt­straf­ta­ten, zu zwei Haft­stra­fen mit mehr­jäh­ri­gem Frei­heits­ent­zug ver­ur­teilt. Ins­ge­samt muss­te er in ver­schie­de­nen Jus­tiz­voll­zugs­an­stal­ten sechs Jah­re tat­säch­lich absit­zen. Er wur­de wegen guter Füh­rung vor­zei­tig ent­las­sen.

Noch in der Bewäh­rungs­zeit ist Vol­ker S. damals vom heu­ti­gen Fir­men­in­ha­ber Die­ter E. Albrecht ange­wor­ben und ein­ge­stellt wor­den. „Anfangs hat­te ich ein mul­mi­ges Gefühl, jeman­den mit solch einem Lebens­lauf ein­zu­stel­len”, so Albrecht. „Nach und nach stell­te sich her­aus, dass es ein sehr zuver­läs­si­ger und flei­ßi­ger Mit­ar­bei­ter war.

Nach eini­gen Jah­ren hat Albrecht den Ex-Kna­cki sogar zusätz­lich für eine Ver­trau­ens­po­si­ti­on als Schlüs­sel­not­dienst­mon­teur aus­ge­bil­det, wie es der Unter­neh­mer beschreibt, er habe sei­nem Mit­ar­bei­ter qua­si das Ein­bre­chen erst rich­tig bei­gebracht, so der Not­dienst­leis­ter.

Ich habe ins­ge­samt sehr gute Mit­ar­bei­ter, doch jemand, der auch bei den Kun­den so über­durch­schnitt­lich beliebt und erfolg­reich war, ist mir bis heu­te nicht mehr unter­ge­kom­men”, so der Unter­neh­mer. Heu­te sei Vol­ker S. ein wert­vol­les Mit­glied unse­rer Gesell­schaft, habe sich nach sei­ner Zeit bei Albrecht noch­mals beruf­lich ver­än­dert. „Er ist”, so der Stadt­rat, „Eigen­tü­mer eines Sied­lungs­hau­ses (nicht in Rott­weil), hat eine bezahl­te Har­ley David­son, bezahl­te Som­mer- und Win­ter­au­tos, sowie ein mit einem Freund  gemein­sam betrie­be­nes Wohn­mo­bil.”

Anläss­lich der Rott­wei­ler Gefäng­nis­dis­kus­si­on führ­te der Rott­wei­ler Stadt­rat mit sei­nem ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter ges­tern nach eige­nen Anga­ben ein län­ge­res Gespräch, aus wel­chem das Ein­gangs­zi­tat stammt. Vol­ker S. berich­te­te laut Albrecht dabei: „In klei­nen Haft­an­stal­ten gibt es nur stu­pi­de Arbei­ten. Wenn es mal Stress mit ande­ren gibt, hat eine klei­ne JVA kaum Aus­weich- und Rück­zugs­mög­lich­kei­ten. Betreu­en­des Per­so­nal ist eben­falls weni­ger ver­füg­bar.”

Erst bei sei­ner zwei­ten, län­ge­ren Haft­stra­fe sei er in die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Ravens­burg mit 477 Haft­plät­zen gekom­men. „Hier gab es her­vor­ra­gen­de Betreu­er, Sozi­al­ar­bei­ter und Psy­cho­lo­gen”, so der ehe­ma­li­ge Häft­ling heu­te. „Mir wur­de schnell eine Aus­bil­dung als Kfz-Mecha­ni­ker ange­bo­ten, wel­che ich auch in der Haft­an­stalt mit einer erfolg­rei­chen Gesel­len­prü­fung abschloss.” Die­se Aus­bil­dung sei der Grund­stein dafür gewe­sen, dass er nach sei­ner vor­zei­ti­gen Ent­las­sung kurz in einem Auto­haus und dann fast zwei Jahr­zehn­te in Albrechts Unter­neh­men habe arbei­ten und sich eine Zukunft auf­bau­en kön­nen.

Eine sol­che Reso­zia­li­sie­rung funk­tio­niert nur in einer grö­ße­ren JVA”, kom­men­tiert das Vol­ker S., wel­cher übri­gens  in Rott­weil aufs Gym­na­si­um gegan­gen ist und flie­ßend eng­lisch und fran­zö­sisch spricht.