Die Freu­de war groß in der Regi­on, als der Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan 2030 bekannt wur­de. Gleich sechs Stra­ßen­pro­jek­te – dar­un­ter die Umge­hun­gen Neu­kirch und Schram­berg – schaff­ten es in den „Vor­dring­li­chen Bedarf“. Als dann auch noch die Gäu­bahn gleich­sam in letz­ter Minu­te in die höchs­te Stu­fe nach­no­mi­niert wur­de, brach so etwas wie Jubel aus. Aller­dings nur kurz. Schnell kehr­te Ernüch­te­rung ein. Die Bahn gab den Stim­mungs­kil­ler, wie im Regio­nal­ver­band und im Rott­wei­ler Gemein­de­rat glei­cher­ma­ßen zu besich­ti­gen war.

Kaufmann platzt der Kragen

Rai­ner Kauf­mann, der Geschäfts­füh­rer des Inter­essenverbands Gäu­bahn, ist vom Typ her eher ein Diplo­mat. Wenn es aber um die Bahn und da spe­zi­ell um die Gäu­bahn geht, platzt ihm inzwi­schen der Kra­gen, da legt er alle ver­bind­li­chen Töne ab. Eine klei­ne Lis­te sei­ner Voka­beln vor dem Rott­wei­ler Gemein­de­rat belegt das ein­drück­lich: „Bla­ma­bel“, „fas­sungs­los“, „begreift kein Mensch“, „Lei­dens­ge­schich­te son­der­glei­chen“, „Die haben kei­nen Bock“.

Es geht um den zwei­glei­si­gen Aus­bau der Gäu­bahn auf den drei Teil­ab­schnit­ten bei Rott­weil, Rie­t­heim-Weil­heim und Horb. Damit und mit Hil­fe von Nei­ge­tech­nik­zü­gen soll die Rei­se­zeit zwi­schen Zürich und Stutt­gart von bis­her drei auf zwei­ein­halb Stun­den ver­kürzt wer­den. Das ist im Ver­trag von Luga­no aus dem Jahr 1996 ver­ein­bart. Die Schweiz hat ihren Teil längst erle­digt, es geht auch um eine von drei Zulauf­stre­cken für den im Som­mer fer­tig­ge­stell­ten Gott­hard-Basis­tun­nel, ein Jahr­hun­dert­werk.

Deutsche Bahn kommt nicht voran

Auf deut­scher Sei­te ist noch nichts pas­siert, schlim­mer: „Es kam zu Rück­schrit­ten, Ver­schlech­te­run­gen“, sagt Rai­ner Kauf­mann. Er ging noch­mals auf die vie­len Rück­schlä­ge seit 1999 ein und benann­te vor allem das Jahr 2010 als Knack­punkt, als die Nei­ge­zü­ge abge­schafft und trotz aller ziem­lich voll­mun­di­gen Ankün­di­gun­gen von Bahn­chef Rüdi­ger Gru­be per­sön­lich bis­her nicht ersetzt wur­den. Die Bahn zei­ge wei­ter­hin wenig Inter­es­se, das in Zukunft zu tun, berich­te­te Kauf­mann. In naher Zukunft müs­se man mit einem wei­te­ren Rück­schritt rech­nen: Die von der Bahn ange­kün­dig­ten Ver­bes­se­run­gen mit neu­en Dop­pel­stock­wa­gen sei­en in Wirk­lich­keit kei­ne Ver­bes­se­run­gen, weil die­se Züge nicht auf Schwei­zer Glei­se fah­ren könn­ten und somit Umstie­ge in Sin­gen droh­ten.

Noch eine schlech­te Nach­richt wur­de im Regio­nal­ver­band bekannt: Die Stre­cke zwi­schen Her­ren­berg und Böb­lin­gen wird wäh­rend der kom­men­den Som­mer­fe­ri­en wegen Gleis­ar­bei­ten kom­plett gesperrt. Die Fahrt nach Stutt­gart dau­ert dann eine Stun­de län­ger. Und selbst wenn der Bun­des­tag am 2./3. Dezem­ber den Ver­kehrs­we­ge­plan 2030 abseg­ne, war­te­ten wei­te­re hohe Hür­den. Dann müss­ten die Finan­zie­rung, Pla­nung, Aus­schrei­bung, der Ver­trag zwi­schen Bund und Bahn sowie die Pla­nung der drei Teil­ab­schnit­te sicher­ge­stellt wer­den. Ganz zu schwei­gen von der noch völ­lig offe­nen Anbin­dung an den Flug­ha­fen Stutt­gart.

Gemeinderat Rottweil verfasst Resolution

Das alles erfor­dert Zeit, viel Zeit. Eigent­lich soll der Gäu­bahn-Aus­bau mit Stutt­gart 21, also im Jahr 2021 fer­tig­ge­stellt sein. Rai­ner Kauf­mann woll­te sich auf kei­nen Ter­min fest­le­gen, nur soviel: „Ich bin Opti­mist, trotz allem.“ Sei­ne Schil­de­run­gen las­sen aber Schlim­mes befürch­ten. Stadt­rat Her­mann Breu­cha sprach es dann deut­lich aus: „Ich hal­te eher 2030 für rea­lis­tisch.“

Der Gemein­de­rat ent­schloss sich auf Antrag der CDU zu einer Reso­lu­ti­on, die von Bund und Bahn „einen zeit­na­hen Aus­bau samt Finan­zie­rung“ for­dert. Aber sol­che Reso­lu­tio­nen hat es in all den Jah­ren schon vie­le gege­ben. Ergeb­nis: gleich null.

Neukirch und Schramberg in der höchsten Ausbaustufe

Acht Stra­ßen­bau­pro­jek­te aus der Regi­on, durch­weg Orts­um­fah­run­gen, haben es in den „Vor­dring­li­chen Bedarf“ des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans 2030 und damit in die höchs­te Dring­lich­keits­stu­fe geschafft: Spai­chin­gen, Rie­t­heim-Weil­heim, Immen­din­gen, Vil­lin­gen (B 523), Zoll­haus, Ran­den, Schram­berg und Rott­weil-Neu­kirch. „Das ist toll, eine sol­che Anzahl hat­ten wir noch nie“, sag­te Jür­gen Roth (Tunin­gen), der CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de in der Sit­zung des Regio­nal­ver­bands im Aldin­ger Rat­haus. Es wer­de jetzt dar­auf ankom­men, beton­ten mit ihm auch die ande­ren Frak­ti­ons­spre­cher, auf den nächs­ten Schritt zu drän­gen und mög­lichst schnell die Pla­nun­gen ein­zu­lei­ten. „Wir müs­sen da jetzt kon­se­quent dran­blei­ben“, for­der­ten der frü­he­re Vil­lin­ger Land­rat Karl Heim (Freie Wäh­ler). und Bern­hard Schnee (CDU). Anton Knapp (SPD) for­mu­lier­te es in der Fuß­ball­spra­che: „Jetzt kommt die zwei­te Halb­zeit, da wird das Spiel letzt­lich ent­schie­den.“ Ger­hard Aden (FDP) unk­te: „Ich hof­fe, dass wir die Fer­tig­stel­lung noch erle­ben.“ Er mein­te auch die Gäubahn.här