Bisherige Attraktion: die wohl weltgrößte Kuckucksuhr. Foto: privat
Bisherige Attraktion: die wohl weltgrößte Kuckucksuhr. Foto: privat

Ein Inves­tor aus Hes­sen will für drei bis vier Mil­lio­nen Euro in Tri­berg „Deutsch­lands größ­ten Eulen- und Greif­vo­gel­park“ bau­en. Der Gemein­de­rat hat gera­de den Bebau­ungs­plan geneh­migt, inzwi­schen lau­fen bereits die Arbei­ten für die Zufahrt. Doch die Bau­ge­neh­mi­gung steht noch aus und die Pro­tes­te von Natur- und Tier­schutz-Orga­ni­sa­tio­nen häu­fen sich.

Dr. Gal­lus Stro­bel, der Bür­ger­meis­ter, ist kei­ner die­ser Beden­ken­trä­ger. Gal­lus Stro­bel denkt ger­ne groß. Dafür hat er durch­aus Grün­de: Tri­berg kann für sich nicht nur die höchs­ten Was­ser­fäl­le Deutsch­lands (713 Meter) ver­bu­chen, son­dern auch die welt­weit größ­te Kuckucks­uhr (fünf Jah­re Bau­zeit, acht Meter Pen­del­län­ge). 2014 kamen nach Anga­ben der Stadt mehr als 300.000 Tou­ris­ten zu den Was­ser­fäl­len; 2015 waren es dem­nach sogar 400.000, von denen aller­dings nur zwi­schen 120.000 und 123.000 über­nach­te­ten. Die Gäs­te rei­sen aus der gro­ßen wei­ten Welt wie Japan, Chi­na oder den USA an. Sie kön­nen nicht schnell genug eine Kuckucks­uhr erste­hen.

Trotz­dem ist Tri­berg klein, und ein Pro­blem ist, dass es immer klei­ner wird. Die Ein­woh­ner­zahl ist auf 4780 geschrumpft. Im Jahr 2009 war­ten es noch mehr als 5000.
Immer drän­gen­der wird die Erkennt­nis, dass die in einem Tal­kes­sel extrem ein­ge­eng­te Schwarz­wald-Stadt neue Impul­se braucht, um sich wei­ter­ent­wi­ckeln zu kön­nen.

Im Jahr 2007 schien die Ret­tung greif­bar nahe. Zwei Söh­ne der Stadt, bei­de zu Reich­tum gekom­men, zeig­ten sich ent­schlos­sen, das ganz gro­ße Ding zu wagen: Der ehe­ma­li­ge SAP-Chef­ent­wick­ler Gün­ther Mökesch und Tho­mas Weis­ser, der in Tri­berg das „Haus der 1000 Uhren“ betreibt, ent­war­fen das Pro­jekt „Erleb­nis­welt Tri­berg“ und waren bereit, um die 90 Mil­lio­nen Euro zu inves­tie­ren. Die Plä­ne waren bereits fix und fer­tig. Tri­berg war auf dem Weg zu „Klein-Dis­ney­land“, und Bür­ger­meis­ter­meis­ter Gal­lus Stro­bel kämpf­te an vor­ders­ter Front für die Umset­zung. Doch kurz vor dem Ziel platz­ten die Träu­me, weil sich die bei­den Geld­ge­ber nicht über das Mar­ke­ting-Kon­zept eini­gen konn­ten.

Von den hoch­tra­ben­den Plä­nen blieb ein schmuck­lo­ses Park­haus auf der ver­hei­ßungs­vol­len Indus­trie­bra­che im Her­zen der Klein­stadt. Damit konn­te und woll­te sich der Bür­ger­meis­ter nicht begnü­gen und so ver­such­te er es mit einem sehr spe­zi­el­len Mar­ke­ting-Gag: Er ließ im Park­haus „die bun­des­weit ers­ten bei­den „Män­ner-Park­plät­ze“ aus­wei­sen. Begrün­dung: Frau­en am Steu­er wären ange­sichts der beeng­ten Ver­hält­nis­se an die­ser Stel­le über­for­dert Das Echo war groß – der Ärger eben­falls.

Aber weil der Bür­ger­meis­ter, den sei­ne Mit­ar­bei­ter Dr. Stro­bel nen­nen, ger­ne groß denkt, hol­te er vor ziem­lich genau einem Jahr aus zum ulti­ma­ti­ven Mar­ke­ting-Gag aus: Er ließ ein Hin­weis­schild für „Deutsch­lands ers­te Män­ner-Park­plät­ze“ kre­ieren: Zu sehen war eine Frau mit leicht gespreiz­ten Bei­nen, die Brüs­te auf­rei­zend nach oben gestreckt. Dazu der Begleit­text: „Stei­le Ber­ger, feuch­te Täler“. Die­ses Mal reich­te die Empö­rung über die ein­hei­mi­schen Wäl­der weit hin­aus. Stro­bel ver­stand das nicht so recht und erklär­te, er habe ja nur einen Bei­trag zur Stei­ge­rung des Frem­den­ver­kehrs in Tri­berg und „zum Humor in der Gesell­schaft“ leis­ten wol­len. Doch nie­mand lach­te, fast alle reagier­ten empört. Der Bür­ger­meis­ter muss­te schließ­lich das Bild, auch auf Geheiß des Gemein­de­rats, über­streich­cn las­sen.

Gal­lus Stro­bel ist 62 Jah­re alt, 2018 endet sei­ne zwei­te Amts­zeit. Bis dahin will er etwas Gro­ßes, Blei­ben­des schaf­fen. Die nächs­te Idee ist – nach all den Fehl­schlä­gen – bereits weit gedie­hen, natür­lich wie­der ein Super­la­tiv: Jetzt soll „Deutsch­lands größ­ter Eulen- und Greif­vo­gel­park“ Tri­berg zu einem neu­en Höhen­flug ver­hel­fen. Auf einer Flä­che von 1,1 Hekt­ar wer­den, so der Plan, zwi­schen Was­ser­fäl­len und Hoch­seil­gar­ten mehr als 40 Vögel zu bestau­nen sein. Für die Besu­cher ist eine Tri­bü­ne mit 550 Plät­zen vor­ge­se­hen.

Der nament­lich nicht bekann­te Unter­neh­mer will drei bis vier Mil­lio­nen Euro inves­tie­ren. Er rech­net mit rund 100.000 Besu­chern pro Jahr. Etwa 100 neue Park­plät­ze sind geplant.
Doch es for­mie­ren sich Wider­stand und Ein­spruch. Die Lan­des­be­auf­trag­te für Tier­schutz, Dr. Cor­ne­lie Jäger, gab eine eher zah­me Stel­lung­nah­me ab: „Greif­vo­gel­schau­en und Vogel­parks erfül­len nach mei­ner Erfah­rung häu­fig die Bedin­gun­gen für einen fach­lich und for­mal kor­rek­ten Betrieb nicht.“ Ein­deu­ti­ger äußer­ten sich die loka­len und über­re­gio­na­len Natur­schutz­ver­bän­de, die das Pro­jekt alle­samt strikt ableh­nen und war­nen, die Käfig­hal­tung sei nicht art­ge­recht.

Peta, die sich als „welt­weit größ­te Tier­rechts-Orga­ni­sa­ti­on“ bezeich­net und not­falls auch mal zu mili­tan­ten Mit­teln greift, hat dem Bür­ger­meis­ter einen Brief geschrie­ben und höf­lich dar­um gebe­ten, „den Bau des „Tier­ge­fäng­nis­ses zu stop­pen“. Den Vögeln stün­de „ein Leben vol­ler Ent­beh­rung und Leid bevor“. Für den Tou­ris­mus in Tri­berg wäre es, so eine Peta-Spre­che­rin, daher sinn­vol­ler, „den Besu­chern durch vogel­kund­li­che Füh­run­gen die atem­be­rau­ben­de Natur der Regi­on und ihre Tier­welt näher zu brin­gen“. Das wür­de auch dem Namen Natur­er­leb­nis Tri­berg gerecht wer­den.

Doch die Stadt Tri­berg denkt offen­bar nicht dar­an, ihre Plä­ne zu über­den­ken. Dar­auf lässt die Reak­ti­on von Haupt­amts­lei­te­rin Bar­ba­ra Duff­ner schlie­ßen: „Das Schrei­ben von Peta wird zur Kennt­nis genom­men; es ändert nichts am Ver­fah­ren“, erklär­te sie auf Anfra­ge. Der Gemein­de­rat habe in sei­ner letz­ten Sit­zung vor der Som­mer­pau­se den Bebau­ungs­plan „Natur­er­leb­nis“ ein­stim­mig beschlos­sen. Damit sei die pla­nungs­recht­li­che Grund­la­ge für den Greif­vo­gel­park geschaf­fen wor­den. Dies ver­deut­li­che die posi­ti­ve Hal­tung der Stadt Tri­berg, so Bar­ba­ra Duff­ner wei­ter. Im Übri­gen sei­en am Ver­fah­ren alle zustän­di­gen Behör­den und betrof­fe­nen Orga­ni­sa­tio­nen, auch Tier- und Natur­schutz, betei­ligt wor­den.

Die Stadt, erklärt Duff­ner, rech­ne bereits im Sep­tem­ber mit der Bau­ge­neh­mi­gung. Auch der noch aus­ste­hen­den Zoo-Geneh­mi­gung durch das Land­rats­amt Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen sieht man in Tri­berg zuver­sicht­lich ent­ge­gen. Dar­auf deu­tet unter ande­rem die Tat­sa­che hin, dass die Stadt bereits mit dem Bau der Zufahrts­stra­ße begon­nen hat. Kri­ti­ker bean­stan­den das, doch Bar­ba­ra Duff­ner weist dar­auf hin, dass die­ser Weg „nicht geneh­mi­gungs­pflich­tig“ sei.
Und was ist, wenn auch das neue Groß­pro­jekt schei­tert? Ein Tri­ber­ger sagt es so: „Wir haben ja noch einen Super­la­tiv, den bis­her kaum einer kennt – die kleins­te Kuckucks­uhr der Welt.“