(här). Eigent­lich soll­te der Pro­zess über den Dau­er­streit um das Erbe von Peter Duss­mann bereits Ende ver­gan­ge­nen Jah­res statt­fin­den. Doch die Anwäl­te bei­der Par­tei­en zie­hen alle Regis­ter des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs, es kommt zu immer neu­en Ver­zö­ge­run­gen. Jetzt naht die Ent­schei­dung. Der­weil drin­gen neue bri­san­te Details ans Licht.

Peter Duss­mann ver­ließ sei­ne Hei­mat­stadt Rott­weil mit 25 Jah­ren, grün­de­te in Mün­chen einen „Putz­dienst für Jung­ge­sel­len-Woh­nun­gen“, nach der Wen­de dreh­te er in Ber­lin das gan­ze gro­ße Rad und schuf ein ziem­lich ein­zig­ar­ti­ges Impe­ri­um. Der Kon­zern beschäf­tigt inzwi­schen welt­weit, in mehr als 20 Län­dern, 65.000 Mit­ar­bei­ter und erwirt­schaf­tet zwei Mil­li­ar­den Umsatz pro Jahr. Duss­mann ist im Sep­tem­ber 2013 nach einem Schlag­an­fall und fünf Jah­ren in einer Art Halb-Koma mit 74 Jah­ren gestor­ben. Jetzt lie­fern sich sei­ne zwei­te Frau, die gebür­ti­ge Ame­ri­ka­ne­rin Cathe­ri­ne-Ange­la von Fürs­ten­berg-Duss­mann (65) und die gemein­sa­me Toch­ter Ange­la Göthert (34) eine erbit­ter­te Schlamm­schlacht ums Erbe.
Es geht um viel Geld, um Gold, Gemäl­de, Vil­len, ein Was­ser­schloss – ins­ge­samt. um ein Pri­vat­ver­mö­gen von rund 500 Mil­lio­nen Euro. Aber es geht auch um die künf­ti­ge Hoheit über den Kon­zern.

Längst haben bei­de Sei­ten ihre Batail­lo­ne hin­ter sich geschart. Dazu gehö­ren die renom­mier­tes­ten Anwalts­kanz­lei­en der Repu­blik, teu­re Gut­ach­ter, aber auch die ein­fluss­reichs­ten Medi­en. Wäh­rend Bild und Bild am Sonn­tag den kur­zen Draht zur Wit­we haben, kann sich der Spie­gel offen­bar auf Inter­na von Sei­ten der Toch­ter beru­fen.
Dabei hat­te Peter Duss­mann bereits 1981 in sei­nem Tes­ta­ment alles klar gere­gelt: Frau und Toch­ter soll­ten jeweils die Hälf­te des Ver­mö­gens erben. Doch dann kam es zu einer plötz­li­chen Wen­dung, nach­dem Duss­mann 2008 sei­nen zwei­ten Schlag­an­fall erlit­ten hat­te und kaum noch ansprech­bar war.

Sei­ne Frau, eine gelern­te Schau­spie­le­rin, nutz­te das Macht­va­ku­um, dräng­te 2009 an die Spit­ze des Auf­sichts­rats. Der Patri­arch, der in einer Kli­nik in Mona­co lag, wur­de von sei­ner Frau voll­stän­dig abge­schirmt, nicht ein­mal sei­ne Schwes­tern aus Rott­weil durf­ten ihn besu­chen.

Im Jahr 2010 geschah dann, was zum Erb-Krieg geführt hat: Der schwer­kran­ke Kon­zern­chef soll plötz­lich eine Ände­rung des Tes­ta­ments ver­an­lasst und ange­ord­net haben, dass sei­ne Ehe­frau 75 Pro­zent bekommt und die Toch­ter gera­de noch den Pflicht­an­teil von 25 Pro­zent. Im April 2011 folg­te der nächs­te Schlag von Cathe­ri­ne von Fürs­ten­berg: Sie trenn­te sich von dem seit Herbst 2007 amtie­ren­den Vor­stands­vor­sit­zen­den Tho­mas Grei­ner – auch er ein Rott­wei­ler. Er stör­te offen­bar ihre Krei­se zu sehr, auch wenn er gera­de eine sehr erfolg­rei­che Bilanz für das Geschäfts­jahr 2010 vor­ge­legt hat­te.

Kern des Gerichts­streits sind zwei Punk­te:

  1. Ist bei der Ände­rung des Tes­ta­ments alles mit rech­ten Din­gen zuge­gan­gen, vor allem: War Peter Duss­mann ein­ein­halb Jah­re nach sei­nem schwe­ren Schlag­an­fall über­haupt noch geschäfts­fä­hig?
  2. Ist die Wit­we mit zuläs­si­gen Mit­teln an die Macht im Kon­zern gekom­men?

Stand jetzt muss sich von Fürs­ten­berg in bei­den Punk­ten Sor­gen machen. Sie hat zuletzt diver­se Rück­schlä­ge ein­ste­cken müs­sen. Die Zwei­fel an ihrer Rol­le wach­sen, da nützt es wenig, wenn sie gegen­über der Bild am Sonn­tag beteu­er­te: „Ich lie­be mei­ne Toch­ter, ich lie­be sie so sehr. Das müs­sen Sie mir glau­ben.“

Trotz­dem sieht sich die Toch­ter hef­ti­gen Vor­wür­fen aus­ge­setzt. Im Mit­tel­punkt steht dabei ihr Ehe­mann Ronald Göthert. Er ist Eso­te­ri­ker, wirbt auf sei­ner Web­site für „Ange­wand­te Fein­stoff­leh­re“ zur „Bele­bung mensch­li­chen Ener­gie­flus­ses“. Unter ande­rem heißt es: „Das Fein­stoff­li­che durch­dringt und umgibt jeg­li­che beleb­te und unbe­leb­te Mate­rie.“ Das sei ihrem Mann alles nicht geheu­er gewe­sen, sagt Cathe­ri­ne von Fürs­ten­berg. Die­se Ansicht tei­len sogar ihe Geg­ner.

Ande­rer­seits miss­fällt Ange­la Göthert das Geba­ren ihrer Mut­ter. Die Toch­ter for­dert des­halb deren Ent­er­bung plus deren Rück­zug von der Kon­zern­spit­ze.

Die­sen zwei­ten Punkt woll­ten die Anwäl­te der Duss­mann-Gat­tin in einem geson­der­ten Ver­fah­ren behan­deln, doch das Land­ge­richt Ber­lin lehn­te ab, und auch in der Haupt­sa­che kann Göthert einen Etap­pen­sieg ver­bu­chen: Die Rich­ter haben einen Gut­ach­ter bestellt, der klä­ren soll, ob Peter Duss­mann damals geis­tig noch in der Lage war, das Tes­ta­ment zu ändern.

Die Zwei­fel wach­sen, was unter ande­rem die Aus­sa­gen einer Zeu­gin bele­gen, die nach Spie­gel-Anga­ben akten­kun­dig sind: Die Gemah­lin habe ihrem schwer kran­ken Mann ein Jahr nach sei­nem Schlag­an­fall bei­brin­gen wol­len, dass sie für ihn den Kon­zern lei­ten müs­se, weil er das gesund­heit­lich nicht mehr kön­ne.

Die ein­zi­ge Reak­ti­on des Erb­las­sers bestand dar­in“, heißt es in dem Schrift­stück, „dass er in die Haa­re“ sei­ner Frau „gegrif­fen und ihren Kopf auf das Bett gehau­en hat.“ Das habe die Zeu­gin eher als feh­len­de Zustim­mung gedeu­tet, erklä­ren die Anwäl­te. Sie füh­ren eine Lis­te wei­te­rer Zeu­gen auf, die nach frü­he­ren Gesprä­chen mit Duss­mann die Über­zeu­gung gewon­nen hät­ten, der Self­made-Unter­neh­mer habe sei­ner Frau wirt­schaft­li­che Kom­pe­tenz abge­spro­chen und sie des­halb auch bewusst vom Geschäft fern­hal­ten wol­len.

Dabei fällt unter ande­rem der Name Tho­mas Grei­ner, der zu Duss­mann über Jah­re – Grei­ner begann als Pres­se­spre­cher – ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis hat­te. Der frü­he­re Rott­wei­ler Kul­tur­amts­lei­ter wird des­halb wohl auch im Pro­zess als Zeu­ge benannt wer­den. Auch der Ghost­wri­ter, mit dem Duss­mann bis kurz vor dem Schlag­an­fall ein Buch über sein Lebens­werk vor­be­rei­tet hat, stützt die Göthert-Ver­si­on.

Die Anwäl­te der Gegen­sei­te stel­len die Situa­ti­on völ­lig anders dar: Es stim­me nicht, dass Peter Duss­mann gegen­über sei­ner Frau hand­greif­lich gewor­den sei. Sie habe die Geschäf­te in sei­nem Sinn gere­gelt. Und sie haben ein Gegen­gut­ach­ten parat, das der The­se wider­spricht, wonach Duss­mann nicht mehr tes­tier­fä­hig gewe­sen sein soll. Es habe durch­aus lich­te Pha­sen gege­ben.