Landesminister Guido Wolf (Mitte) mit dem kommissarischen Leiter des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Bernd Seemann (links) und Thomas Wolf, IHK-Bereichsleiter International. PLandesminister Guido Wolf (Mitte) mit dem kommissarischen Leiter des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Bernd Seemann (links) und Thomas Wolf, IHK-Bereichsleiter International. Foto: pm

Mit einer Ein­schät­zung der tur­bu­len­ten Poli­tik- und Han­dels­si­tua­ti­on run­de­te der Lan­des­mi­nis­ter der Jus­tiz und für Euro­pa, Gui­do Wolf, die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung des Außen­wirt­schafts­aus­schus­ses der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg ab: Gui­do Wolf prä­sen­tier­te laut IHK-Pres­se­mit­tei­lung den rund 40 Unter­neh­mens­ver­tre­tern im Kon­fe­renz­saal des Thys­sen­krupp-Test­turms die Sicht der Lan­des­re­gie­rung auf das aktu­el­le Gesche­hen rund um Bre­x­it, US-Han­dels­strei­tig­kei­ten und die poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen in Ost­eu­ro­pa im Kon­text der Wah­len zum Euro­pa­par­la­ment Ende Mai.

Wohl kaum ein ehren­amt­li­ches Gre­mi­um der IHK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg hat der­zeit so vie­le unge­wohn­te und schwer zu beant­wor­ten­de Fra­gen auf dem Tisch wie der Außen­wirt­schafts­aus­schuss: Ver­tre­ter von inter­na­tio­nal täti­gen Unter­neh­men aus der Regi­on kamen zusam­men, um sich in ihrer kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung auf eine neue Peri­ode als Bera­tungs­gre­mi­um ein­zu­stim­men.

Gui­do Wolf wid­me­te sich in sei­nem rund ein­stün­di­gen Impuls­vor­trag vor dem Gre­mi­um und eini­gen wei­te­ren Gäs­ten aus­führ­lich den aktu­el­len Fra­ge­stel­lun­gen – „Lei­der zu einem ungüns­ti­gen Moment: Die Abstim­mung im bri­ti­schen Unter­haus zum Bre­x­it-Abkom­men folgt erst auf Ihre Rede“, bedau­er­te Bernd See­mann (Aes­cu­lap AG), kom­mis­sa­ri­scher Vor­sit­zen­der des Aus­schus­ses, scherz­haft in sei­ner kur­zen Begrü­ßung des Minis­ters.

Tho­mas Wolf, IHK-Geschäfts­be­reichs­lei­ter Inter­na­tio­nal, zeig­te sich in sei­nem kur­zen Gruß­wort eben­falls gespannt auf die Ein­schät­zun­gen des Minis­ters. „Die aktu­el­le Situa­ti­on ohne kla­re Per­spek­ti­ve, wie der bri­ti­sche Aus­stieg aus der EU aus­se­hen wird, ist ver­häng­nis­voll für die Wirt­schaft“, so sein Fazit.

Ein „har­ter“ Bre­x­it sei für Unter­neh­men in Baden-Würt­tem­berg ein ech­tes Pro­blem: Rund elf Mil­li­ar­den Euro betra­ge das Export­vo­lu­men nach Groß­bri­tan­ni­en aus dem Land – ein gro­ßes Export­ge­schäft, für das es plötz­lich völ­lig unkla­re Rah­men­be­din­gun­gen geben könn­te, so der Minis­ter.

Kri­tisch betrach­te­te Gui­do Wolf auch die Ent­wick­lung in eini­gen ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten,  die sich der­zeit von euro­päi­schen Wer­ten wie Rechts­staat­lich­keit und Rechts­si­cher­heit abwen­de­ten. Das Erstar­ken von Kräf­ten an den poli­ti­schen Rän­dern sei ein wei­te­res Pro­blem, dem sich die EU gegen­über­se­he. „Den Laden zusam­men­hal­ten, das ist die vor­dring­li­che Auf­ga­be im Moment“, unter­strich der Minis­ter.

Dass die EU unver­zicht­bar sei, um in der Welt­po­li­tik über­haupt eine Stim­me zu haben, dar­aus mach­te Wolf kei­nen Hehl: „Ein ein­zel­nes klei­nes Land kann im Dia­log mit USA, Chi­na, Russ­land oder Indi­en kaum etwas errei­chen. Wir brau­chen die gemein­sa­me Stim­me Euro­pas.“ Dass die EU ler­nen müs­se, für die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen gemein­sa­me Lösun­gen zu fin­den, sei eine oft gehör­te Mah­nung. Den­noch sei die EU – trotz ihrer der­zei­ti­gen Schwie­rig­kei­ten – unver­zicht­bar für den Erhalt von Frie­den, Frei­heit und Sicher­heit in Euro­pa.

Die Mehr­heit der jun­gen Men­schen lebt die euro­päi­sche Idee längst, wir müs­sen aber deut­lich machen, dass das ohne die EU nicht mög­lich wäre. Man­chen jun­gen Men­schen wür­de man ger­ne für zwei Tage in die Zei­ten vor den offe­nen Gren­zen und der gemein­sa­men Wäh­rung zurück­bea­men kön­nen, um zu zei­gen, wie wert­voll die EU ist“, so Gui­do Wolf.

War­um EU-Vor­ga­ben wie die Fein­staub-Richt­li­nie oder die Daten­schutz­grund­ver­ord­nung gera­de in Deutsch­land so vie­le Pro­ble­me berei­te­ten, auf die­se Fra­ge aus der Run­de hat­te Wolf eine durch­aus prag­ma­ti­sche Ant­wort: „Wir machen vie­les oft 120-pro­zen­tig, gehen frei­wil­lig über die Vor­ga­ben der EU hin­aus. Viel­leicht müss­ten wir in Deutsch­land ler­nen, die Din­ge nur zu 100 Pro­zent umzu­set­zen, wie es die meis­ten ande­ren EU-Staa­ten auch tun.“ Bei vie­lem sei die EU auch noch zu lang­sam, räum­te Gui­do Wolf auf die Fra­ge von Bernd See­mann ein, wes­halb seit 1993 ein Über­gangs­recht in Sachen Umsatz­steu­er­ge­setz­ge­bung gel­te und seit­her nichts pas­siert sei.

Gui­do Wolf in sei­nem Schluss­wort: „Wir wer­den den Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft nur begeg­nen kön­nen, wenn wir als EU zusam­men­ste­hen. Immer­hin haben die Bre­x­it-Ver­hand­lun­gen gezeigt, dass sich die EU der 27 nicht aus­ein­an­der­di­vi­die­ren lässt. So bedenk­lich der Bre­x­it für uns ist, so war das für die Zukunft doch ein ermu­ti­gen­des Zei­chen für eine EU, die zusam­men­hält.“