Der Dreifachmord von Villingendorf

Polizisten in der Tatnacht in Villingendorf. Foto: Peter Arnegger

(Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt die Ereignisse in Villingendorf und Umgebung nach der Tat, aber vor der Festnahme des mut­maß­li­chen Täters. Aktuell berich­ten wir hier) In der Gemeinde Villingendorf (3300 Einwohner, Kreis Rottweil) waren in einem Wohnhaus in der Klippeneckstraße am spä­ten Donnerstagabend drei Menschen getö­tet wor­den: ein 34-jähriger Mann und ein sechs­jäh­ri­ger Junge. Eine 29-jährige Frau starb spä­ter, sie hat­te die Tat zunächst schwer ver­letzt über­lebt. Der mut­maß­li­che Täter, der aus Kroatien stam­men­de, 40-jährige Ex-Soldat Drazen D. konn­te zunächst ent­kom­men. Nach Tagen inten­si­ver Suche durch die Polizei und nun auch nach einer gestar­te­ten Öffentlichkeitsfahndung ist D. nach Informationen der NRWZ bei Neufra gefasst wor­den. Der getö­te­te Bub war sein Sohn. Hintergrund der Tragödie ist mut­maß­lich ein Familiendrama.

Zusammenfassung

Bei dem getö­te­ten klei­nen Jungen han­delt es sich um den Sohn des mut­maß­li­chen Täters. Ein gera­de erst in Villingendorf ein­ge­schul­ter Erstklässler. Die Tote ist der­weil nicht die Mutter des Sechsjährigen, son­dern eine enge Verwandte von ihr. Die Mutter und Ex-Ehefrau des Gesuchten konn­te vom Tatort flüch­ten, wand­te sich an eine Nachbarin und ist in Sicherheit. Sie wird von der Polizei und psy­cho­lo­gisch betreut.

Es gibt Hinweise auf die Motive des Täters: So war die klei­ne Familie, Mutter und Sohn, auf der Flucht vor dem Vater. Wie die NRWZ zunächst berich­tet hat, hat­te die Mutter das neue Umfeld in Villingendorf, wo sie etwa zwei Wochen vor den Sommerferien ange­kom­men sein sol­len, ange­wie­sen, ihren Aufenthaltsort geheim zu hal­ten. Die Mutter war mit einem neu­en Partner zusam­men – dem eben­falls getö­te­ten 34-Jährigen. D. hat nach NRWZ-Informationen zudem finan­zi­el­le Probleme, gilt seit 2014 als pri­vat­in­sol­vent. Er wird von den Ermittlern als sehr gefähr­lich ein­ge­stuft. Weil die Tatwaffe, ein Sturmgewehr, das ver­mut­lich aus jugo­sla­wi­schen Armeebeständen kommt, bis­her nicht gefun­den wor­den ist, nimmt die Polizei zudem an, dass D. bewaff­net ist.

Klar ist: Am Donnerstagabend soll er nach Villingendorf gefah­ren sein, dort über den Garten und die Terrasse in die neue Wohnung sei­ner Ex-Frau und sei­nes Sohnes ein­ge­drun­gen sein. Dann eröff­ne­te er das Feuer. Eine klei­ne Einschulungsparty für den Sechsjährigen ende­te auf die­se Weise.

Das Auto des mut­maß­li­chen Täters hat die Polizei tags dar­auf ver­las­sen bei Herrenzimmern auf­ge­fun­den. Einem Nachbarort von Villingendorf.  Suchmannschaften der Bereitschaftspolizei  durch­kämm­ten dar­auf­hin das weit­läu­fi­ge Waldstück Sektor für Sektor. „Das dau­ert”, so ein Sprecher der Polizei gegen­über der NRWZ.

Samstagnachmittag mel­de­te die Polizei:

Die Suchmaßnahmen nach Spuren und Beweismitteln wer­den heu­te ab 13 Uhr mit etwa 100 Einsatzkräften wei­ter­ge­führt. Das Suchgebiet umfasst zwei ins­ge­samt rund vier Quadratkilometer gro­ße Waldgebiete west­lich von Villingendorf. Die Beamten des Polizeipräsidiums Tuttlingen wer­den vom Polizeipräsidium Einsatz und benach­bar­ten Polizeipräsidien unter­stützt. An der Suche sind auch Polizeihundeführer betei­ligt. Aus der Luft wer­den die Maßnahmen durch einen Polizeihubschrauber und einer Drohne durch­ge­führt.

Sonntagnachmittag mel­de­te die Polizei:

Nachdem die Durchsuchungsmaßnamen am gest­ri­gen Samstag nicht zum Auffinden des Tatverdächtigen geführt haben, wer­den heu­te die Suchmaßnahmen in den rund vier Quadratkilometer gro­ßen Waldgebieten nord­west­lich von Villingendorf fort­ge­setzt. Aus dem Polizeipräsidium Tuttlingen, benach­bar­ten Polizeipräsidien und dem Polizeipräsidium Einsatz betei­li­gen sich rund 70 Einsatzkräfte an der Durchsuchung. Die Maßnahmen wer­den durch Polizeihundeführer unter­stützt. Wegen des dich­ten Waldgebietes und des star­ken Unterholzes wird die sys­te­ma­ti­sche Absuche vor­aus­sicht­lich den gan­zen heu­ti­gen Tag bean­spru­chen.

Wörtlich: „Von einer beson­de­ren Gefahrenlage wird der­zeit nicht aus­ge­gan­gen.”

Großaufgebot der Polizei. Hier: beim Schützenhaus in Villingendorf. Von dort wur­den etwa am Sonntag die Einsatzkräfte aus­ge­sandt. Foto: Peter Arnegger

 Aktualisierungen

 

 

UPDATE Dienstag, 14.25 Uhr:

 

Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters füh­ren, setzt die Staatsanwaltschaft Rottweil bis 5000 Euro Belohnung aus – die Polizei nimmt auch ver­trau­li­che Hinweise ent­ge­gen. 

Der Täter sei immer noch auf der Flucht, so die Polizei am Mittag. Nach ihm wer­de wei­ter­hin mit Hochdruck und auch inter­na­tio­nal gefahn­det. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Rottweil für Hinweise, die zur Ergreifung des gesuch­ten 40-jährigen Drazen D. füh­ren, eine Belohnung bis zu 5000 Euro aus­ge­setzt.

Zu der Fahndung nach dem aus Bosnien stam­men­den kroa­ti­schen Staatsangehörigen Drazen D. ist ein Fahndungsplakat in deut­scher und kroa­ti­scher Sprache ange­fügt.

In die­sem Zusammenhang teilt die bei der Kriminalpolizeidirektion Rottweil ange­sie­del­te Soko „Hochwald” mit, dass ein­ge­hen­de Hinweise im Einzelfall auch VERTRAULICH behan­delt wer­den kön­nen. Die Sonderkommission ermit­telt wei­ter unter Hochdruck mit über 60 Beamtinnen und Beamten.

Im Laufe des heu­ti­gen Dienstags wird vor­aus­sicht­lich die Durchsuchung eines letz­ten Teilstücks des nord­west­lich von Villingendorf gele­ge­nen Waldstücks auf dem Gewann Hochwald abge­schlos­sen wer­den kön­nen. Bei der Durchsuchung des Hochwaldes sind, wie schon am Montag, etwa 100 Beamte ein­ge­setzt.

Hinweis zum Verbleib des gesuch­ten Drazen D. nimmt die Soko „Hochwald” unter dem bei der Kriminalpolizeidirektion Rottweil ein­ge­rich­te­ten Hinweistelefon mit der Rufnummer 0741 / 477–107 oder auch jede ande­re Polizeidienststelle ent­ge­gen.

UPDATE Dienstag, 9.30 Uhr:

Ein Team des Fernsehsenders RTL hat sich an dem Fall fest gebis­sen. Wie Leser der NRWZ berich­tet haben, waren die TV-Journalisten in den ver­gan­ge­nen Tagen in Rottweil und Villingendorf unter­wegs. Ihr Ziel, so heißt es: O-Töne aus dem Umfeld der Opferfamilie zu bekom­men, bei­spiels­wei­se. So for­schen sie nach Informationen der NRWZ gezielt auch nach Adressen von Mitschülern des getö­te­ten Jungen an der GWRS Villingendorf. Nach Adressen von Erstklässlern.

Gestern dann der vor­läu­fi­ge Höhepunkt: Wie die NRWZ ver­schie­dent­lich erfah­ren hat, war das RTL-Team in der Schule selbst. Offenbar ohne sich anzu­kün­di­gen, sind die TV-Leute in zwei Klassenräume ein­ge­drun­gen, um die Lehrer vor der ver­sam­mel­ten Klasse zu inter­view­en. Zunächst haben die Reporter die Klasse ver­wech­selt – und wur­den vom über­rasch­ten Lehrer hoch­kant raus gewor­fen.

Dann fan­den sie den rich­ti­gen Klassenraum. Die Klassenlehrerin – die in die­sen Stunden eigent­lich auch den klei­nen Jungen unter­rich­ten soll­te, der am Donnerstag von sei­nem Vater getö­tet wor­den ist –  reagier­te dem Vernehmen nach geis­tes­ge­gen­wär­tig. Sie schmiss die TV-Journalisten nicht nur raus, sie ver­wies sie auch der Schule.

Zu erwar­ten ist nun, dass es die Leute von RTL heu­te Abend, bei einer Elternversammlung der Schule wie­der ver­su­chen wer­den, an das Umfeld der Opfer her­an zu kom­men. Die Versammlung war schon län­ger geplant, sie wird nun aber auch von den Ereignissen über­schat­tet sein. Die Polizei wird, wie die NRWZ schon berich­tet hat, mit zwei Beamten vor Ort sein, um Fragen zu beant­wor­ten.

UPDATE Montag, 22.15 Uhr:

Was im Tagesgeschäft unter­ge­gan­gen ist: Heute war wie­der Schultag an der GWRS Villingendorf. Jener Schule, an der der sechs­jäh­ri­ge Junge gera­de ein­ge­schult wor­den war, als sein Vater ihn, nach Sachlage, umge­bracht hat. Ein Schultag, der unter beson­de­ren Vorzeichen stand.

Am Sonntag, ges­tern also, hat­te die Schule gemein­sam mit der Polizei noch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Schulbesuch sicher sei. Oder, um es in den Worten des Rektors der Schule, Rainer Kropp-Kurta, zu sagen: „Seit dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme (von der Familientragödie) in den frü­hen Morgenstunden des Freitags (haben wir) eng mit der Gemeindeverwaltung Villingendorf, der Polizei und dem Schulpsychologischen Dienst Donaueschingen koope­riert. Es bestand nach poli­zei­li­cher Einschätzung zu kei­ner Zeit eine Gefährdungssituation für die Schülerinnen und Schüler.” Diese Darstellung haben auch Christine Brenner (Elternbeiratsvorsitzende), Eugenia Remisch (Konrektorin) unter­schrie­ben.

Vereinzelt haben am Freitag Eltern ihre Kinder zuhau­se gelas­sen. Die NRWZ woll­te nun wis­sen, ganz sach­lich, wie der heu­ti­ge Tag ver­lief. Rektor Kropp-Kurta: „Es waren alle recht gefasst, alle Kids waren an Bord. Die zuge­sag­te Polizeipräsenz war da, aber wohl­tu­end dezent und im Hintergrund.”

Morgen ist eine tur­nus­ge­mä­ße Elternvollversammlung geplant, deren Termin schon län­ger fest­steht. Sie wird von den Ereignissen über­schat­tet. Deshalb wer­den Dieter Popp, Sprecher des Tuttlinger Polizeipräsidiums, und Michael Schlüssler, Chef des Rottweiler Polizeireviers, erschei­nen, um für Fragen zur Verfügung zu ste­hen.

Die Homepage der Schule weist eine Menge an Hilfsangeboten aus. Es heißt dort: „Auf Anraten der Psychologen haben wir die Thematik nicht von uns aus mit den Kindern the­ma­ti­siert, son­dern haben Rahmenbedingungen geschaf­fen, die even­tu­ell auf­kom­men­de Ängste und Betroffenheit hät­ten auf­fan­gen kön­nen.”

Inzwischen kom­me die Frage nach einer Trauerfeier kommt auf, so Kropp-Kurta auf Nachfrage der NRWZ. Seine Schule habe die Entscheidung getrof­fen, „hier einen wür­di­gen Rahmen zu set­zen, ohne ins­be­son­de­re die Erstklässler emo­tio­nal belas­ten zu wol­len.” Weitere Details nennt er noch nicht.

UPDATE Montag, 16.45 Uhr:

Die Suche nach dem flüch­ti­gen Täter in Tatortnähe wird auch heu­te nicht zum Abschluss kom­men. Das Wetter hat zwar (eini­ger­ma­ßen) mit­ge­macht, aber das ver­blie­be­ne Waldstück nord­west­lich von Villingendorf ist ein­fach zu dicht bewach­sen. Morgen wird noch­mals eine Suchmannschaft, mut­maß­lich eine Hundertschaft der Polizei aus­rü­cken. Das wur­de der NRWZ vor weni­gen Minuten mit­ge­teilt.

Warum wird genau die­ses Waldstück durch­sucht? Den Hinweis dar­auf gab das vom Täter zurück gelas­se­ne Fluchtfahrzeug. Bisher hieß es, der Wagen sei in Herrenzimmern gefun­den wor­den. Gegenüber der NRWZ hat die Polizei nun die­sen Auffindeort prä­zi­siert in „west­lich von Herrenzimmern.” Im Bereich des soge­nann­ten „Dunninger Wegs”. Daher die Theorie, dass der mut­maß­li­che Dreifachmörder nicht durch Herrenzimmern hin­durch Richtung Talhausen / Bahnlinie geflo­hen sein könn­te, son­dern eben in den nächst­ge­le­ge­nen Wald. Dort, wo sie das Fluchtauto ent­deckt haben, waren zuletzt immer wie­der star­ke Polizeikräfte prä­sent.

Morgen, Dienstag, also will die Polizei end­lich Gewissheit haben, dass der Gesuchte nicht  in die­sem Waldstück zu fin­den ist. Und auch kei­ne Spur von ihm. Oder sein Leichnam.

Wie geht es dann wei­ter? Im Moment wird in Tuttlingen offen­bar dar­über bera­ten, wie die Öffentlichkeit noch bes­ser in die Fahndung ein­be­zo­gen wer­den kann. „Wir berei­ten etwa gera­de ein Fahndungsplakat vor”, erklär­te ein Sprecher der Polizei Tuttlingen. Außerdem will sich die Polizei mor­gen noch­mals mit einem Aufruf an die Bevölkerung wen­den. Sie erhofft sich auch Informationen, wer das Fluchtfahrzeug wann und wo vor der Tat gese­hen hat.

Dabei beson­ders wich­tig: Es wird eine Zusage der Ermittlungsbehörden geben, Hinweise ver­trau­lich zu behan­deln. Das bedeu­tet die Garantie, dass der Name des Hinweisgebers und wei­te­re Informationen über ihn nicht in den Ermittlungsakten auf­tau­chen. Diese soge­nann­te „Vertraulichkeitszusage”, so erklär­te der Tuttlinger Polizist, stammt dann von der Staatsanwaltschaft. Sie soll es Hinweisgebern erleich­tern, ihre Aussage gegen­über der Polizei zu machen.

In die­sem Zusammenhang immer wie­der erwäh­nens­wert: Die Polizei hat ein Hinweistelefon (0741 477–107) ein­ge­rich­tet.

UPDATE Montag, 14.05 Uhr:

Die Suche nach dem mut­maß­li­chen Dreifachmörder Drazen D. geht wei­ter. Die Spekulationen schie­ßen ins Kraut. Viele ver­mu­ten, dass sich der Täter längst abge­setzt hat. Dass er die Tat vor­be­rei­tet und geplant hat, und dass er viel­leicht sogar Fluchthelfer hat­te. Ob er sich zu den Bahngleisen bei Talhausen durch­ge­schla­gen hat und dort auf einen Güterzug auf­ge­sprun­gen ist, noch in der Tatnacht? Ob er in Herrenzimmern sein Auto ver­las­sen hat, weil er abge­holt wor­den ist? Ob er ein­fach längst über alle Berge ist? Oder viel­mehr: in den Bergen, in einem ser­bi­schen sehr ent­le­ge­nen Bergdorf, wo die Welt eine ande­re sein soll? Und wo man auch Kindermörder schützt, viel­leicht sogar das?

Man kann davon aus­ge­hen, dass die Polizei die­se Möglichkeiten in ihrer Fahndung berück­sich­tigt. Sie kon­zen­triert sich schließ­lich vor allem des­halb auf das Waldgebiet nahe des Tatorts, weil sie nicht aus­schlie­ßen kann, dass er sich dort noch auf­hält bezie­hungs­wei­se dass er dort irgend­wo liegt, im Dickicht. Auch das ist rei­ne Spekulation. Und es ist nicht zuletzt eine Form der Gefahrenabwehr für die Bevölkerung.

Wohin der Todesschütze nach sei­ner Tat geflüch­tet ist, wer­den wir jeden­falls hof­fent­lich erfah­ren. Derweil wird es wohl kaum etwas brin­gen, sich auf die eine, die ande­re oder eine drit­te spe­ku­la­ti­ve Fluchtvariante fest­zu­le­gen. Oder?

Die Nachfrage hat erge­ben: Die Polizei ist heu­te mit einer Hundertschaft von 80 Beamten (das ist kein Widerspruch in sich) seit zehn Uhr im Wald bei Villingendorf unter­wegs. Sie durch­su­chen jetzt noch ein letz­tes ver­blie­be­nes Stück, hof­fen, heu­te end­lich damit fer­tig zu wer­den, ges­tern hat­te ihnen die Witterung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dann sei­en die Durchsuchungsmaßnahmen vor Ort abge­schlos­sen, hieß es gera­de auf Nachfrage der NRWZ sei­tens der Polizei. Hintergrund ist, dass die Polizei hofft, Hinweise auf einen Aufenthalt des Täters im Wald zu fin­den. Und viel­leicht auch auf sei­ne mög­li­che Fluchtroute. Auch besteht die Möglichkeit, dass D. längst tot ist. All das muss ermit­telt wer­den.

Zugleich aber arbei­tet die Polizei vom Präsidium Tuttlingen aus inten­siv mit ande­ren Behörden zusam­men. Dem Bundes- und dem Landeskriminalamt, dem Zoll und den Polizeibehörden vor allem in Österreich und den Balkan-Ländern, wie ein Sprecher der Polizei der NRWZ erklär­te. Es wird inten­siv, und das nicht nur bei Villingendorf, nach dem Todesschützen gefahn­det. Etwa auch in den Nachbarländern.

Wo immer D. sich auf­hal­ten könn­te, nach Wissen der Polizei jeden­falls, wird nach ihm gesucht.

 

UPDATE Sonntag, 20.45 Uhr:

Polizisten haben in den ver­gan­ge­nen Tagen inten­siv nach dem Geflüchteten gesucht. Zugleich wer­den jetzt aber Vorwürfe gegen die Polizei laut. Fest steht, dar­über hat die NRWZ am Freitag zuerst berich­tet, dass die Ex-Frau des mut­maß­li­chen Täters samt dem gemein­sa­men sechs­jäh­ri­gen Sohn auf der Flucht vor Drazen D. gewe­sen ist. Nun wird bekannt, dass der Mann die bei­den bereits bedroht haben soll. Dass er gesagt habe, er wol­le sie umbrin­gen. Die Polizei sei im Vorfeld der Tat dar­über infor­miert wor­den. Außerdem habe die Frau, die die Tat über­lebt hat, ver­sucht, ein Annäherungsverbot gegen ihren Ex-Mann durch­zu­set­zen. Inwieweit die Polizei hier schon aktiv gewor­den – oder untä­tig geblie­ben – ist, soll sich am mor­gi­gen Montag zei­gen. Dann will sich die Polizei zu die­sen Vorwürfen äußern.

Der kroa­ti­schen Zeitung „24sata” zufol­ge, die viel im fami­liä­ren und pri­va­ten Umfeld des mut­maß­li­chen Dreifachmörders recher­chiert, soll D. Medikamente genom­men haben. Die Trennung von sei­ner Frau habe ihm zu schaf­fen gemacht, heißt es dort.

Eines von Ds. Opfern, der neue Partner sei­ner Ex-Frau, hat nach NRWZ-Informationen in Wilflingen bei einem Drehteilehersteller gear­bei­tet. Dort habe er die Frau ken­nen gelernt. Die bei­den sol­len bereits ein gemein­sa­mes Kind erwar­tet haben.

Auch der mut­maß­li­che Täter soll bei einer Dreherei gear­bei­tet haben. Ob er dort vor kur­zem gekün­digt hat, weil er „fami­liä­re Angelegenheiten zu erle­di­gen” habe, ist unbe­stä­tigt, wird aber etwa von der „Schwäbischen Zeitung” berich­tet.

Derweil wol­len eini­ge Menschen ihre Abscheu vor der Tat des Todesschützen äußern. Sie tun dies auf der Facebookseite des mut­maß­li­chen Mörders. Wechselseitig sehen sie Schuld beim Täter, aber auch bei der Ex-Frau, die sich vor ihm hat in Sicherheit brin­gen kön­nen.

UPDATE Sonntag, 19.30 Uhr:

Die Suche ist für heu­te ein­ge­stellt wor­den. Der Täter bleibt unauf­find­bar. Morgen, Montag geht es wei­ter. Es gibt immer noch uner­forsch­te Teile des Waldes.

UPDATE Sonntag, 16.30 Uhr:

Es ist unklar, ob die Suchmannschaften der Polizei es am heu­ti­gen Sonntag schaf­fen wer­den, das ver­blie­be­ne Waldstück bei Villingendorf nach dem Täter zu durch­su­chen. Ein lei­ten­der Beamter vor Ort – in der „Basis Schützenhaus Villingendorf” – woll­te schon am frü­hen Nachmittag den Optimismus sei­nes Kollegen aus der Pressestelle in Tuttlingen nicht tei­len.

UPDATE Sonntag, 13 Uhr:

Die GWRS Villingendorf hat eine Stellungnahme zu dem töd­li­chen Verbrechen her­aus­ge­ge­ben. Denn eines der Opfer war für gera­de einen Tag an die­ser Schule gewe­sen, als Erstklässler. 

Hier die von Rektor Rainer Kropp-Kurta unter­zeich­ne­te Botschaft:

Wir sind bestürzt und betrof­fen über den tra­gi­schen Tod eines Erstklässlers.

Nach Auskunft der Polizei besteht jedoch kei­ne Gefährdungssituation für unse­re Schule. Daher fin­det der Unterricht auch am mor­gi­gen Montag, 18. September 2017 nach Plan statt. Die Verwaltung ist bei Rückfragen ab 6.00 Uhr für Sie tele­fo­nisch erreich­bar (0741 – 347 543)

Die Polizei wird zu Schulbeginn und wäh­rend des Schulbetriebs prä­sent sein um die Sicherheit jeder­zeit zu gewähr­leis­ten.

Weiterhin wird die Polizei bei der ohne­hin im Rahmen der Klassenpflegschaftsabende geplan­ten Elternvollversammlung am kom­men­den Dienstag, 19. September 2017 um 19.30 Uhr in der Turn- und Festhalle ihr Vorgehen wäh­rend der Krise erläu­tern.

Die bei der Kriminalpolizei in Rottweil ein­ge­rich­te­te Sonderkommission „Hochwald” ermit­telt und fahn­det der­weil mit über 50 Beamten mit Hochdruck nach dem Tatverdächtigen. In die Fahndung sind auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, das Bundeskriminalamt und die Behörden im euro­päi­schen Ausland ein­ge­bun­den.

Die Polizei ist in Villingendorf nach wie vor prä­sent. „Derzeit besteht kei­ne Veranlassung dazu, von einem gere­gel­ten Tagesablauf, Schulbesuchen, Spaziergängen oder der­glei­chen abzu­wei­chen”, so die Polizei.

Für Hinweise, wel­che die Tat betref­fen, ist bei der Kriminalpolizeidirektion Rottweil ein Hinweistelefon unter der Telefonnummer 0741 477–107 ein­ge­rich­tet.

UPDATE Sonntag, 10.30 Uhr:

Heute soll es end­lich klap­pen: Wieder mit einem Großeinsatz an Beamten sucht die Polizei nun das letz­te ver­blie­be­ne Waldstück bei Villingendorf ab, in dem der Todesschütze ver­mu­tet wird. Wie die Polizei der NRWZ am Morgen erklär­te, wer­de nun ein Gebiet namens „Hochwald” durch­fors­tet, es liegt nord-westlich des Tatortes. Ein dich­tes Waldstück, wes­halb der Hubschrauber wie­der zum Einsatz käme, wohl aber nicht die Fotodrohne, mit der die Beamten am Samstag teils frei­es Gelände – das Gebiet „Fronhof” – über­flo­gen haben. Eine Drohne, die von einem Anbieter von Drohnenflügen aus Villingendorf stammt.

70 Beamte sol­len heu­te im Einsatz sein. Das wären eini­ge weni­ger als ges­tern. Wobei die Erklärung falsch wäre, die Polizei wür­de sich all­mäh­lich zurück­zie­hen. „Wir set­zen ein, was an Kräften zur Verfügung steht”, so ein Polizeisprecher zur NRWZ. Der poli­zei­li­che Alltag lau­fe wei­ter, heu­te etwa mit einem Stadtfest in Tuttlingen und mit einer AfD-Veranstaltung am Abend in Villingen-Schwenningen, die wie der Tatort in Villingendorf im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Tuttlingen lie­gen.

Die Polizei hofft, das Gebiet, in dem sie den mut­maß­li­chen Dreifachmörder ver­mu­tet, heu­te abschlie­ßend durch­su­chen zu kön­nen. Wenn die Beamten bald genug los­le­gen könn­ten, soll­te das zu schaf­fen sein, so der Sprecher wei­ter. Gestern began­nen sie gegen 13 Uhr, heu­te wol­len sie frü­her star­ten.

Immer wie­der kommt es dabei zu punk­tu­el­lem, mas­sier­tem Auftauchen von Bereitschaftspolizisten. „Wenn Hinweise auf eine mög­li­che Sichtung des Gesuchten ein­ge­hen, dann über­prü­fen wir das sofort”, so der Sprecher der Polizei gegen­über der NRWZ wei­ter. Und wenn es sich dann um Wohngebäude etwa in Herrenzimmern oder Unterschlüpfe im Wald han­delt, in denen der Täter ver­mu­tet wird, dann wer­den Kräfte zusam­men gezo­gen. Das sind übri­gens immer wie­der Momente, in denen sich NRWZ-Leser per Facebook bei der Redaktion mel­den und glau­ben, man habe den Gesuchten end­lich geschnappt.

Doch bleibt es dabei: Wenn der 40-Jährige Kroate, der sei­nen Sohn, des­sen Cousine und den neu­en Partner sei­ner Ex-Frau getö­tet haben soll, geschnappt oder gefun­den wird, wird die Polizei das sofort ver­mel­den. Erstens, um die dann über­flüs­si­ge Öffentlichkeitsfahndung zurück zu neh­men, zwei­tens, um die Nachricht an die Bürger wei­ter zu lei­ten, um sie, letzt­lich, zu beru­hi­gen.

Derweil läuft auch die Zusamenarbeit mit der Polizei in Kroatien sehr gut, wie der Polizeisprecher der NRWZ wei­ter berich­tet. So wird auch ver­sucht, den Lebenslauf des Mannes zu rekon­stru­ie­ren. Es gibt Gerüchte, wonach es sich bei dem gesuch­ten Ex-Soldaten (das ist gesi­chert) zudem um einen gut aus­ge­bil­de­ten Angehörigen einer poli­zei­li­chen Spezialeinheit han­delt – aber das kann der Sprecher nicht bestä­ti­gen. „Wir wis­sen es ein­fach nicht”, so der Beamte aus Tuttlingen gegen­über der NRWZ.

Auch ist längst klar, dass der mut­maß­li­che Täter Verwandtschaft in Rottweil hat. Die NRWZ hat das am Freitag bereits ver­mel­det, es wur­de auf ihre Nachfrage hin bei der Pressekonferenz zur Tat indi­rekt bestä­tigt. Doch gibt es dazu kei­ne wei­te­ren Angaben sei­tens der Polizei. Die Verwandten des mut­maß­li­chen Täters wer­den mit der Tat selbst nicht in Verbindung gebracht, wes­halb es über sie kei­ne Details gibt.

UPDATE Samstag, 10 Uhr:

Dies ist wohl das letz­te Update bis auf wei­te­res. Im bes­ten Falle bis zur Ergreifung des Gesuchten oder bis zum Zeitpunkt des Auffindens sei­ner, sagen wir’s doch, Leiche. Die Lage ist laut dem zustän­di­gen Polizeipräsidium Tuttlingen, mit dem die NRWZ immer wie­der in Kontakt steht, unver­än­dert. Weiterhin suchen hun­der­te Beamte nach dem mut­maß­li­chen Dreifachmörder. Und sie wer­den die­se Suche heu­te fort­set­zen.

Die Suchmaßnahmen in dem Waldgebiet – „für das wir nicht aus­schlie­ßen kön­nen, dass sich der Gesuchte dar­in auf­hält”, wie ein Sprecher am Morgen vor­sich­tig for­mu­lier­te – die­se Maßnahmen sind in der Nacht zurück gefah­ren wor­den. Grund: Der Hubschrauber konn­te wegen Nebels nicht mehr flie­gen. Sobald die­ser ein­setz­bar sei, wür­de wei­ter nach dem Täter gesucht. Stück für Stück, bis sie den Wald zwi­schen Herrenzimmern und Dunningen durch­kämmt haben.

Dabei geht die Polizei wei­ter­hin vor­sich­tig vor. Zur Eigensicherung. Der Mann, soll­te er noch leben und sich irgend­wo ver­ber­gen, kann sehr gefähr­lich sein. Er könn­te die Tatwaffe noch bei sich haben.

Die Bevölkerung sei recht gefasst und ruhig geblie­ben, beob­ach­te­te der Sprecher der Polizei. Es gin­gen beim Bürgertelefon (07461/941–117) nur weni­ge Anrufe Besorgter ein. So dür­fe es blei­ben, mein­te der Beamte zur NRWZ. Es gebe kei­nen Grund für irgend­ei­ne Panik.

Hilfsangebote nimmt die Polizei aktu­ell ger­ne zur Kenntnis. Wohnungen oder Übernachtungsgelegenheiten benö­tigt sie aller­dings nicht. Auch ist es nicht erwünscht, dass nun Bürger sich selbst auf die Suche nach dem mut­maß­li­chen Täter machen. „Die Suchmaßnahmen sind Teil unse­rer Ermittlungen”, so ein Sprecher der Polizei zur NRWZ. Betonung auf „unse­rer”. Also poli­zei­in­tern. Ein Leser hat­te ange­fragt, ob er hel­fen sol­le. „Das über­lässt man lie­ber den Profis”, so der Polizist klar und bestimmt wei­ter.

Wenn der Gesuchte gefun­den oder geschnappt wird – die NRWZ wird es schnellst­mög­lich erfah­ren. Und ihren Lesern mit­tei­len. Das gewähr­leis­ten bei­de Seiten, Polizei und Lokalredaktion. Ziel bei­der ist es, die Bürger schnellst­mög­lich über den Abschluss der Fahndungsmaßnahmen in Kenntnis zu set­zen. Die Polizei in Tuttlingen hat ihre Strukturen dar­auf aus­ge­rich­tet – der jewei­li­ge im Ressort Öffentlichkeitsarbeit arbei­ten­de Beamte ist direkt ans Lagezentrum ange­dockt. Die ein­ge­hen­den Meldungen der Beamten drau­ßen bekom­me er in Echtzeit mit, so der Sprecher wei­ter zur NRWZ. Dennoch stün­den er und sein Team auch jetzt übers Wochenende durch­ge­hend für Fragen zur Verfügung.

Der Einsatz wird aus Tuttlingen koor­di­niert. Dort befin­det sich das Lagezentrum, von dem aus die „Großlage” gema­nagt wird, die sich auf den Bereich Villingendorf / Rottweil erstreckt, die aber um die Strecke durch Bayern Richtung Kroatien erwei­tert ist und die an den Landesgrenzen Deutschlands nicht Halt macht. Rund um die Uhr arbei­ten die Beamten dort, aber wei­ter­hin auch drau­ßen im Gelände, an den Grenzübergängen und ent­lang der Straßen wei­ter.

Wir wol­len alle, dass der Gesuchte gefasst wird”, so der Polizeisprecher zur NRWZ. „Wir set­zen alles dar­an, ihn zu fas­sen”, sag­te er. 

UPDATE Samstag, 6 Uhr:

Der mut­maß­li­che Dreifachmörder bleibt nach wie vor ver­schwun­den. In der Nacht ist die Suche nach ihm inten­siv fort­ge­setzt wor­den.

UPDATE Freitag, 21.30 Uhr

… ist gar kein rich­ti­ges, nach­richt­li­ches, wie die ande­ren bis­her. Es erzählt eine Anekdote am Rande. Eine Gruppe der vie­len Polizisten, die am Sucheinsatz nach dem mut­maß­li­chen Mörder betei­ligt sind (und sich auch jetzt in der kal­ten Herbstnacht die Beine in den Bauch ste­hen müs­sen, schwer bewaff­net und viel­leicht in der Gefahr, jenen Mörder plötz­lich auf­zuscheu­chen), eine Gruppe jener Bereitschaftspolizisten also war am Rottweiler Hegneberg ein­ge­setzt. Vielleicht ein­fach, um Präsenz zu zei­gen. So gut sicht­bar, wie sie da gestan­den haben.

Ein Beobachter nahm sich ein Herz und hol­te an der nahe gele­ge­nen Tankstelle in der Oberndorfer Straße Kaffee für die Herren. Oder woll­te es – er merk­te dort, dass sein Bargeld nicht rei­chen wür­de. „Ach, das ist kein Problem, das geht auf mich”, soll da die Tankstellenbetreiberin gesagt haben. Und: „Toll ist die­se Solidarität mit den Jungs da drau­ßen”, lau­te­te wie­der­um das Urteil des Kaffee holen­den Beobachters. Und die Polizisten? Sie sol­len dank­bar gewe­sen sein für das hei­ße Gebräu.

Apropos Zusammenhalt – den hat auch Villingendorfs Bürgermeister Karl-Heinz Bucher am Mittag aus­ge­macht. Er war ange­fragt wor­den: Die Polizei suche ein Hauptquartier vor Ort. Irgendein Gebäude, das nicht zu zen­tral lie­ge, aber gut erreich­bar. Und beleg­bar. Bucher fiel die Stadiongaststätte in Villingendorf ein. Er fand die Nummer des Betreibers in sei­nem Handy. Er habe gar nicht lan­ge bit­ten müs­sen, so Bucher zur NRWZ – der Wirt sperr­te sei­ne Türen ger­ne auf. Buchers Fazit lau­tet: „Die Solidarität, der Zusammenhalt sind ange­sichts der schreck­li­chen Tat wirk­lich toll.”

UPDATE Freitag, 19 Uhr:

Seit dem Nachmittag steht auch fest, war­um es der Polizei so schwer fällt, den flüch­ti­gen Mann ein­zu­schät­zen, mög­li­che Hinwendungsorte, wie das heißt, zu bestim­men. Der 40-Jährige (Details unten)  hat­te zuletzt nur bei ver­schie­de­nen Freunden und Bekannten Unterschlupf gefun­den, haben die Ermittler her­aus­ge­fun­den. Selbst für den von ihm genutz­ten Wagen muss­ten die Beamten auf unvoll­stän­di­ge Zeugenaussagen zurück­grei­fen. Marke, Typ, Farbe und die Buchstaben KN. Mehr nicht. Auf ihn zuge­las­sen war der Kleinwagen nicht. 

Ein Mann, der nichts mehr zu ver­lie­ren hat und der ges­tern Nacht, bei der klei­nen und von der Zahl der Gäste her über­schau­ba­ren pri­va­ten Einschulungsfeier sei­nes Sohnes allem Anschein nach zum mehr­fa­chen Mörder gewor­den ist. Indem er durch den Garten, über die Terrasse ins Haus mar­schiert ist, so die Sachlage. Und dann geschos­sen hat. Auf sein eige­nes Kind.

Die vie­len Einsatzkräfte setz­ten, so wur­de der NRWZ ver­si­chert, alles dar­an, ihn bald zu fin­den.

UPDATE Freitag, 18.30 Uhr:

Leider: Es gibt kei­ne Neuigkeit. Das Waldgebiet zwi­schen Herrenzimmern – wo das Tatfahrzeug ver­las­sen auf­ge­fun­den wor­den ist – und Dunningen wird durch­kämmt. „Sektor für Sektor, das dau­ert lei­der”, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen gera­de zur NRWZUnd: Man kön­ne ihm da glau­ben – wenn sie den Täter fin­den, dann wür­de die Polizei-Pressestelle das mit gro­ßem Tamtam ver­kün­den. Inklusive Selbstlob für die erfolg­rei­che Arbeit (wenn die­se am Ende nicht Kommissar Zufall erle­di­ge). Die Beamten erhoff­ten sich näm­lich alle­samt nichts ande­res, als dass sie die­sen Mann end­lich auf­spür­ten. „Auch, wenn er nun irgend­wo nur noch im Wald liegt”, wie der Tuttlinger Beamte, vol­ler Emotionen nach einem lan­gen und arbeits­in­ten­si­ven Tag, etwas mora­lisch inkor­rekt anfüg­te. Schließlich habe der Täter nichts mehr zu ver­lie­ren. Andererseits mache ihn genau das für ande­re wei­ter­hin gefähr­lich, wes­halb die Polizei beson­nen und plan­voll vor­ge­he. Und mit dem größt­mög­li­chen Aufgebot an Einsatzkräften.

Die Polizei bleibt für die Presse als Ansprechpartner nun auch am Wochenende in Bereitschaft. Sollte es also zu einem Auffinden des Täters und / oder einer Festnahme kom­men, wer­den die Journalisten umge­hend infor­miert. Daran hät­ten die Beamten ein gro­ßes Interesse, hieß es.

UPDATE Freitag, 16.55 Uhr:

Das heu­te in der Krone in Villingendorf geplan­te „Wohldädigkeitsfäscht” zuguns­ten „Glücksmomente4Kids” ist abge­sagt. Das tei­len uns die Veranstalter mit. „Wir wün­schen den Angehörigen viel Kraft und spre­chen unser Mitgefühl aus”, schrei­ben sie auch. Die Veranstalter wol­len das Fest neu pla­nen.

Und: Für mor­gen war ein Kinderflohmarkt in Villingendorf geplant. Auch die­ser wur­de aus gege­be­nem Anlass abge­sagt.

UPDATE Freitag, 16.35 Uhr:

Sie haben ihn noch nicht. Der mut­maß­li­che Täter ist auf der Flucht. Weiter kon­zen­triert sich die Suche auf das Waldgebiet bei Herrenzimmern. Dort sind Bereitschaftspolizisten in gro­ßer Stärke bereit. Sie rücken teils aller­dings nicht vor, war­ten ab. Das, obwohl „die Nacht unser Feind ist”, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen der NRWZ sagt. Bei Dunkelheit sei­en eine Suche und ein mög­li­cher Zugriff bedeu­tend schwie­ri­ger. Und gefähr­li­cher. Die Beamten gehen davon aus, einen hoch­ge­fähr­li­chen Täter zu suchen, der nichts mehr zu ver­lie­ren, der sein Kind schon getö­tet hat. Ein Ex-Soldat aus dem Kosovo Kroatien (Details unten).

Mehr als 250 Polizisten sol­len ihm allein in Baden-Württemberg auf den Fersen sein, wie sie hof­fen. Die Grenzübergänge in die Schweiz, nach Frankreich und Österreich wer­den nach Angaben des lei­ten­den Ermittlers bei der Pressekonferenz am Mittag schär­fer kon­trol­liert. In Bayern sind wei­te­re hun­dert Beamte im Einsatz, um dem mut­maß­li­chen Täter (Details unten) den mög­li­chen Fluchtweg abzu­schnei­den.

Der Suchhubschrauber, der am Nachmittag lan­ge über dem Waldstück gestan­den hat, in dem der Täter ver­mu­tet wird, war zwi­schen­zeit­lich auch über Teilen Rottweils geflo­gen. Das sei völ­lig nor­mal, dass ein Suchgebiet je nach aktu­el­lem Sachstand auch mal erwei­tert wer­de. Die Suche kon­zen­triert sich nicht auf das Stadtgebiet. Der Hubschrauber ist zur Stunde auch abge­rückt.

UPDATE Freitag, 15.05 Uhr:

Spezialeinheiten sind bei einem Waldgebiet bei Herrenzimmern sta­tio­niert – aus Sicherheitsgründen durch­käm­men sie es offen­bar nicht. Es soll ver­ein­zelt zu Sprengungen kom­men, wenn sich die Beamten irgend­wo Zutritt ver­schaf­fen müs­sen, wur­de der NRWZ bestä­tigt. Die vom Flüchtigen aus­ge­hen­de Gefahr sei sehr hoch, hieß es. Ein Hubschrauber über­fliegt das Gelände erneut.

UPDATE Freitag, 14.33 Uhr:

Der mut­maß­li­che Täter soll fami­liä­re Beziehungen nach Rottweil haben. Ein Bruder lebt offen­bar in der Stadt.

UPDATE Freitag, 14.15 Uhr:

Das Fluchtauto ist bei Herrenzimmern gefun­den wor­den. Leer. Die Suche der Polizei kon­zen­triert sich auf die­sen Nachbarort Villingendorfs.

Der Täter hat eine Langwaffe genutzt. Ein Gewehr. Er war Soldat, ist zudem bereits wegen Körperverletzung vor­be­straft.

Es gibt ein drei­jäh­ri­ges Kind, das Tatzeuge gewe­sen sein muss. Ein Geschwisterchen des getö­te­ten Sechsjährigen.  Die Tochter der getö­te­ten Cousine des Sechsjährigen.

UPDATE Freitag, 13.05 Uhr

(zusätz­lich zu den Informationen in der Folge):

Mutter und Kind waren nach gesi­cher­ten Informationen der NRWZ auf der Flucht vor dem spä­te­ren Täter, dem Kindsvater. Erst vor 14 Tagen sind die Beiden dem­nach in Villingendorf ange­kom­men. Sie hat­ten ihr Umfeld wie auch die Schule gebe­ten, ihre neue Adresse geheim zu hal­ten. Offenbar hat der Vater die­se den­noch her­aus gefun­den. Nach aktu­el­lem Stand hat er dann am Donnerstag gegen 21.30 Uhr sei­nen Sohn und mut­maß­lich den neu­en Lebensgefährten sei­ner Ex-Partnerin getö­tet. Und deren die Cousine des getö­te­ten Jungen, die sich für die Einschulungsfeier bei der klei­nen Familie auf­ge­hal­ten hat­te. Am Abend hat eine Party statt­ge­fun­den, für das Kind. Der Täter ist durch den Garten und über die Terrasse ins Haus ein­ge­drun­gen und begann, zu schie­ßen.

Weiter hat die NRWZ Erkenntnisse dar­über, dass finan­zi­el­le Schwierigkeiten Auslöser für die Trennung gewe­sen sind. Der mut­maß­li­che Täter (Details wei­ter unten) wird seit 2014 als pri­vat­in­sol­vent geführt.

Die Polizei ist aktu­ell mit mehr als 100 Beamten, dar­un­ter vie­le Bereitschaftspolizisten, in Villingendorf und der Umgebung. Das Waldgebiet selbst ist bis­lang, wie ein Sprecher mit­teil­te, aus Sicherheitsgründen noch nicht durch­sucht wor­den. Ganze Fahrzeugkolonnen der Bereitschaftspolizei wer­den aber der­zeit an ver­schie­de­ne Orte geschickt, um die­se auf den mut­maß­li­chen Täter hin zu unter­su­chen.

Um 14 Uhr soll eine Pressekonferenz in der Turn- und Sporthalle im Ort statt­fin­den. Die gro­ße Räumlichkeit sei ange­sichts des gro­ßen Medienansturms gewählt wor­den, so ein Polizeisprecher zur NRWZ. In der Zwischenzeit ver­trei­ben sich ein­zel­ne Medienvertreter die Zeit damit, Kinder zu inter­view­en, die an der sel­ben Schule sind, an der der getö­te­te Sechsjährige hät­te sein sol­len.

Der mut­maß­li­che Täter (Details unten) ist wei­ter­hin auf der Flucht. Er könn­te bewaff­net, also gefähr­lich sein. 

Die Nachbarländer und die Bundespolizei sind in die Fahndung ein­ge­bun­den. Insgesamt sind mit dem Verbrechen 250 Beamte befasst, etwa auch im Präsidium Tuttlingen.

Bereitschaftspolizei im Großeinsatz. Foto: Peter Arnegger

Unsere bis­he­ri­ge Berichterstattung:

 

+++ Aktuell +++ Fahndungsaufruf der Polizei

Nach dem Tötungsdelikt ist der Täter immer noch auf der Flucht. In die­sem Zusammenhang sucht die Polizei Tuttlingen nach einem 40-jährigen, der Tat drin­gend ver­däch­ti­gen Mann.

Dabei han­delt es sich um den 40-jährigen Kroaten Drazen D. 

Zur Personenbeschreibung: Dunkle, kur­ze Haare, brau­ne Augen und dün­ne Lippen. Er ist 1,77 Meter groß und wur­de zuletzt mit einer schwar­zen, län­ge­ren Jacke beklei­det gese­hen. Unterwegs ist er even­tu­ell mit einem grü­nen Seat-Ibiza, wel­cher mög­li­cher­wei­se mit einem Kurzzeit-Kennzeichen mit KN-Zulassung ver­se­hen ist.

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle ent­ge­gen.

ACHTUNG: Die Polizei geht davon aus, dass der Gesuchte wei­ter­hin bewaff­net ist. Nach Informationen der NRWZ ist bis­her kei­ne Tatwaffe gefun­den wor­den.

Die Kriminalpolizei Rottweil hat eine Ermittlungsgruppe ein­ge­rich­tet. Die Spurensuche in dem Mehrfamilienhaus, in der Wohnung und im Bereich des Mehrfamilienhauses dau­ert der­zeit an. Ein star­kes Aufgebot an Einsatzkräften ist am Tatort und in der Umgebung prä­sent. Die Fahndung nach dem flüch­ti­gen Tatverdächtigen läuft auf Hochtouren.

Für den frü­hen Nachmittag hat die Polizei eine Pressekonferenz ange­kün­digt, die sie ent­we­der im Rathaus in Villingendorf oder im nahe gele­ge­nen Sitz der Polizei in Rottweil abhal­ten will. „Wir hof­fen, dass wir den mut­maß­li­chen Täter bis dahin geschnappt haben”, so ein Sprecher des Präsidiums Tuttlingen gera­de zur NRWZ.

Einsatzkommando bei Herrenzimmern. Foto: Peter Arnegger

Nach einem Familiendrama in einer gut bür­ger­li­chen Wohnstraße in Villingendorf mit drei Toten ist der Täter wei­ter­hin (Stand: 9.45 Uhr) flüch­tig. Die Polizei hat einen Verdacht, kennt sei­ne mut­maß­li­chen Personalien, fahn­det nach sei­nem Wagen. Sie such­te in der Nacht die Gegend mit Streifenbeamten, teils in Amok-Schutzausrüstung, und einem Hubschrauber ab. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen bestä­tig­te die­se Angaben gegen 1.30 Uhr vor Ort.

Am Morgen erklär­te der Sprecher auf Nachfrage der NRWZ: Der mut­maß­li­che Täter sei der Vater des Jungen. Es wer­de mit Hochdruck nach dem 40-Jährigen gefahn­det. Mehr als 50 Beamte sol­len seit der Nacht im Einsatz sein.

Polizei in der Tatnacht in Villingendorf. Foto: SDMG/Friebe

+++ WEITERE WICHTIGE INFOS +++

1. Der mut­maß­li­che Täter ist laut Polizei bekannt. Es soll sich um den 40-jährigen Vater des sechs­jäh­ri­gen Jungen han­deln. Das erfuhr die NRWZ exklu­siv. Siehe jetzt auch obi­gen Fahndungsaufruf.

2. Es bestehe kein Grund, vom Tagesablauf wie Schulbesuch, Einkäufen oder der­glei­chen abzu­wei­chen. Der Schulweg zur Villingendorfer GWRS sei gesi­chert, sagt uns die Polizei. Eine besorg­te Mutter berich­tet der NRWZ gera­de den­noch: Ihr Kind bleibt heu­te zuhau­se, wird erst Montag wie­der zur Schule in Villingendorf gehen. Ein Erstklässler. Gerade ein­ge­schult.

3. Die Polizei hat ein Bürgertelefon ein­ge­rich­tet: Tel. 07461 941–117.

4. Für Hinweise, wel­che die Tat betref­fen, ist bei der Kriminalpolizeidirektion Rottweil ein Hinweistelefon unter der Telefonnummer 0741 477–107 ein­ge­rich­tet.

5. Es sind wei­ter­hin Kräfte der Polizei vor Ort. Sie sol­len auch der Beruhigung und zum Schutz der Bevölkerung die­nen.

6. Der Täter ist wei­ter flüch­tig.

7. Es könn­te sein, dass die getö­te­te Familie auf Besuch gewe­sen ist. Die Polizei wird spä­ter wei­te­re Einzelheiten bekannt geben.

 

Der Tatort: die Klippeneckstraße in  Villingendorf. Foto: SDMG/Maurer

 

Unsere Erstmeldung aus der Tatnacht fin­den Sie hier.