Der Dreifachmord von Villingendorf

Polizisten in der Tatnacht in Villingendorf. Foto: Peter Arnegger

(Hin­weis: Dieser Beitrag beschreibt die Ereignisse in Villin­gen­dorf und Umge­bung nach der Tat, aber vor der Fes­t­nahme des mut­maßlichen Täters. Aktuell bericht­en wir hier) In der Gemeinde Villin­gen­dorf (3300 Ein­wohn­er, Kreis Rot­tweil) waren in einem Wohn­haus in der Klip­pe­neck­straße am späten Don­ner­stagabend drei Men­schen getötet wor­den: ein 34-jähriger Mann und ein sech­sjähriger Junge. Eine 29-jährige Frau starb später, sie hat­te die Tat zunächst schw­er ver­let­zt über­lebt. Der mut­maßliche Täter, der aus Kroa­t­ien stam­mende, 40-jährige Ex-Sol­dat Drazen D. kon­nte zunächst entkom­men. Nach Tagen inten­siv­er Suche durch die Polizei und nun auch nach ein­er ges­tarteten Öffentlichkeits­fah­n­dung ist D. nach Infor­ma­tio­nen der NRWZ bei Neufra gefasst wor­den. Der getötete Bub war sein Sohn. Hin­ter­grund der Tragödie ist mut­maßlich ein Fam­i­lien­dra­ma.

Zusammenfassung

Bei dem getöteten kleinen Jun­gen han­delt es sich um den Sohn des mut­maßlichen Täters. Ein ger­ade erst in Villin­gen­dorf eingeschul­ter Erstk­lässler. Die Tote ist der­weil nicht die Mut­ter des Sech­sjähri­gen, son­dern eine enge Ver­wandte von ihr. Die Mut­ter und Ex-Ehe­frau des Gesucht­en kon­nte vom Tatort flücht­en, wandte sich an eine Nach­barin und ist in Sicher­heit. Sie wird von der Polizei und psy­chol­o­gisch betreut.

Es gibt Hin­weise auf die Motive des Täters: So war die kleine Fam­i­lie, Mut­ter und Sohn, auf der Flucht vor dem Vater. Wie die NRWZ zunächst berichtet hat, hat­te die Mut­ter das neue Umfeld in Villin­gen­dorf, wo sie etwa zwei Wochen vor den Som­mer­fe­rien angekom­men sein sollen, angewiesen, ihren Aufen­thalt­sort geheim zu hal­ten. Die Mut­ter war mit einem neuen Part­ner zusam­men — dem eben­falls getöteten 34-Jähri­gen. D. hat nach NRWZ-Infor­ma­tio­nen zudem finanzielle Prob­leme, gilt seit 2014 als pri­vatin­sol­vent. Er wird von den Ermit­tlern als sehr gefährlich eingestuft. Weil die Tat­waffe, ein Stur­mgewehr, das ver­mut­lich aus jugoslaw­is­chen Armeebestän­den kommt, bish­er nicht gefun­den wor­den ist, nimmt die Polizei zudem an, dass D. bewaffnet ist.

Klar ist: Am Don­ner­stagabend soll er nach Villin­gen­dorf gefahren sein, dort über den Garten und die Ter­rasse in die neue Woh­nung sein­er Ex-Frau und seines Sohnes einge­drun­gen sein. Dann eröffnete er das Feuer. Eine kleine Ein­schu­lungspar­ty für den Sech­sjähri­gen endete auf diese Weise.

Das Auto des mut­maßlichen Täters hat die Polizei tags darauf ver­lassen bei Her­ren­z­im­mern aufge­fun­den. Einem Nach­barort von Villin­gen­dorf.  Such­mannschaften der Bere­itschaft­spolizei  durchkämmten daraufhin das weitläu­fige Wald­stück Sek­tor für Sek­tor. “Das dauert”, so ein Sprech­er der Polizei gegenüber der NRWZ.

Sam­sta­gnach­mit­tag meldete die Polizei:

Die Such­maß­nah­men nach Spuren und Beweis­mit­teln wer­den heute ab 13 Uhr mit etwa 100 Ein­satzkräften weit­erge­führt. Das Suchge­bi­et umfasst zwei ins­ge­samt rund vier Quadratk­ilo­me­ter große Waldge­bi­ete west­lich von Villin­gen­dorf. Die Beamten des Polizeiprä­sid­i­ums Tut­tlin­gen wer­den vom Polizeiprä­sid­i­um Ein­satz und benach­barten Polizeiprä­si­di­en unter­stützt. An der Suche sind auch Polizei­hun­de­führer beteiligt. Aus der Luft wer­den die Maß­nah­men durch einen Polizei­hub­schrauber und ein­er Drohne durchge­führt.

Son­nta­gnach­mit­tag meldete die Polizei:

Nach­dem die Durch­suchungs­maß­na­men am gestri­gen Sam­stag nicht zum Auffind­en des Tatverdächti­gen geführt haben, wer­den heute die Such­maß­nah­men in den rund vier Quadratk­ilo­me­ter großen Waldge­bi­eten nord­west­lich von Villin­gen­dorf fort­ge­set­zt. Aus dem Polizeiprä­sid­i­um Tut­tlin­gen, benach­barten Polizeiprä­si­di­en und dem Polizeiprä­sid­i­um Ein­satz beteili­gen sich rund 70 Ein­satzkräfte an der Durch­suchung. Die Maß­nah­men wer­den durch Polizei­hun­de­führer unter­stützt. Wegen des dicht­en Waldge­bi­etes und des starken Unter­holzes wird die sys­tem­a­tis­che Absuche voraus­sichtlich den ganzen heuti­gen Tag beanspruchen.

Wörtlich: “Von ein­er beson­deren Gefahren­lage wird derzeit nicht aus­ge­gan­gen.”

Großaufge­bot der Polizei. Hier: beim Schützen­haus in Villin­gen­dorf. Von dort wur­den etwa am Son­ntag die Ein­satzkräfte aus­ge­sandt. Foto: Peter Arneg­ger

 Aktualisierungen

 

 

UPDATE Dienstag, 14.25 Uhr:

 

Für Hin­weise, die zur Ergrei­fung des Täters führen, set­zt die Staat­san­waltschaft Rot­tweil bis 5000 Euro Beloh­nung aus — die Polizei nimmt auch ver­trauliche Hin­weise ent­ge­gen. 

Der Täter sei immer noch auf der Flucht, so die Polizei am Mit­tag. Nach ihm werde weit­er­hin mit Hochdruck und auch inter­na­tion­al gefah­n­det. Mit­tler­weile hat die Staat­san­waltschaft Rot­tweil für Hin­weise, die zur Ergrei­fung des gesucht­en 40-jähri­gen Drazen D. führen, eine Beloh­nung bis zu 5000 Euro aus­ge­set­zt.

Zu der Fah­n­dung nach dem aus Bosnien stam­menden kroat­is­chen Staat­sange­höri­gen Drazen D. ist ein Fah­n­dungsplakat in deutsch­er und kroat­is­ch­er Sprache ange­fügt.

In diesem Zusam­men­hang teilt die bei der Krim­i­nalpolizei­di­rek­tion Rot­tweil ange­siedelte Soko “Hochwald” mit, dass einge­hende Hin­weise im Einzelfall auch VERTRAULICH behan­delt wer­den kön­nen. Die Son­derkom­mis­sion ermit­telt weit­er unter Hochdruck mit über 60 Beamtin­nen und Beamten.

Im Laufe des heuti­gen Dien­stags wird voraus­sichtlich die Durch­suchung eines let­zten Teil­stücks des nord­west­lich von Villin­gen­dorf gele­ge­nen Wald­stücks auf dem Gewann Hochwald abgeschlossen wer­den kön­nen. Bei der Durch­suchung des Hochwaldes sind, wie schon am Mon­tag, etwa 100 Beamte einge­set­zt.

Hin­weis zum Verbleib des gesucht­en Drazen D. nimmt die Soko “Hochwald” unter dem bei der Krim­i­nalpolizei­di­rek­tion Rot­tweil ein­gerichteten Hin­weis­tele­fon mit der Rufnum­mer 0741 / 477–107 oder auch jede andere Polizei­di­en­st­stelle ent­ge­gen.

UPDATE Dienstag, 9.30 Uhr:

Ein Team des Fernsehsenders RTL hat sich an dem Fall fest gebis­sen. Wie Leser der NRWZ berichtet haben, waren die TV-Jour­nal­is­ten in den ver­gan­genen Tagen in Rot­tweil und Villin­gen­dorf unter­wegs. Ihr Ziel, so heißt es: O-Töne aus dem Umfeld der Opfer­fam­i­lie zu bekom­men, beispiel­sweise. So forschen sie nach Infor­ma­tio­nen der NRWZ gezielt auch nach Adressen von Mitschülern des getöteten Jun­gen an der GWRS Villin­gen­dorf. Nach Adressen von Erstk­lässlern.

Gestern dann der vor­läu­fige Höhep­unkt: Wie die NRWZ ver­schiedentlich erfahren hat, war das RTL-Team in der Schule selb­st. Offen­bar ohne sich anzukündi­gen, sind die TV-Leute in zwei Klassen­räume einge­drun­gen, um die Lehrer vor der ver­sam­melten Klasse zu inter­viewen. Zunächst haben die Reporter die Klasse ver­wech­selt — und wur­den vom über­rascht­en Lehrer hochkant raus gewor­fen.

Dann fan­den sie den richti­gen Klassen­raum. Die Klassen­lehrerin — die in diesen Stun­den eigentlich auch den kleinen Jun­gen unter­richt­en sollte, der am Don­ner­stag von seinem Vater getötet wor­den ist —  reagierte dem Vernehmen nach geis­tes­ge­gen­wär­tig. Sie schmiss die TV-Jour­nal­is­ten nicht nur raus, sie ver­wies sie auch der Schule.

Zu erwarten ist nun, dass es die Leute von RTL heute Abend, bei ein­er Eltern­ver­samm­lung der Schule wieder ver­suchen wer­den, an das Umfeld der Opfer her­an zu kom­men. Die Ver­samm­lung war schon länger geplant, sie wird nun aber auch von den Ereignis­sen über­schat­tet sein. Die Polizei wird, wie die NRWZ schon berichtet hat, mit zwei Beamten vor Ort sein, um Fra­gen zu beant­worten.

UPDATE Montag, 22.15 Uhr:

Was im Tages­geschäft unterge­gan­gen ist: Heute war wieder Schul­t­ag an der GWRS Villin­gen­dorf. Jen­er Schule, an der der sech­sjährige Junge ger­ade eingeschult wor­den war, als sein Vater ihn, nach Sach­lage, umge­bracht hat. Ein Schul­t­ag, der unter beson­deren Vorze­ichen stand.

Am Son­ntag, gestern also, hat­te die Schule gemein­sam mit der Polizei noch darauf hingewiesen, dass der Schulbe­such sich­er sei. Oder, um es in den Worten des Rek­tors der Schule, Rain­er Kropp-Kur­ta, zu sagen: “Seit dem Zeit­punkt der Ken­nt­nis­nahme (von der Fam­i­lien­tragödie) in den frühen Mor­gen­stun­den des Fre­itags (haben wir) eng mit der Gemein­de­v­er­wal­tung Villin­gen­dorf, der Polizei und dem Schulpsy­chol­o­gis­chen Dienst Donaueschin­gen kooperiert. Es bestand nach polizeilich­er Ein­schätzung zu kein­er Zeit eine Gefährdungssi­t­u­a­tion für die Schü­lerin­nen und Schüler.” Diese Darstel­lung haben auch Chris­tine Bren­ner (Eltern­beiratsvor­sitzende), Euge­nia Remisch (Kon­rek­torin) unter­schrieben.

Vere­inzelt haben am Fre­itag Eltern ihre Kinder zuhause gelassen. Die NRWZ wollte nun wis­sen, ganz sach­lich, wie der heutige Tag ver­lief. Rek­tor Kropp-Kur­ta: “Es waren alle recht gefasst, alle Kids waren an Bord. Die zuge­sagte Polizeipräsenz war da, aber wohltuend dezent und im Hin­ter­grund.”

Mor­gen ist eine tur­nus­gemäße Eltern­vol­lver­samm­lung geplant, deren Ter­min schon länger fest­ste­ht. Sie wird von den Ereignis­sen über­schat­tet. Deshalb wer­den Dieter Popp, Sprech­er des Tut­tlinger Polizeiprä­sid­i­ums, und Michael Schlüssler, Chef des Rot­tweil­er Polizeire­viers, erscheinen, um für Fra­gen zur Ver­fü­gung zu ste­hen.

Die Home­page der Schule weist eine Menge an Hil­f­sange­boten aus. Es heißt dort: “Auf Anrat­en der Psy­cholo­gen haben wir die The­matik nicht von uns aus mit den Kindern the­ma­tisiert, son­dern haben Rah­menbe­din­gun­gen geschaf­fen, die eventuell aufk­om­mende Äng­ste und Betrof­fen­heit hät­ten auf­fan­gen kön­nen.”

Inzwis­chen komme die Frage nach ein­er Trauer­feier kommt auf, so Kropp-Kur­ta auf Nach­frage der NRWZ. Seine Schule habe die Entschei­dung getrof­fen, “hier einen würdi­gen Rah­men zu set­zen, ohne ins­beson­dere die Erstk­lässler emo­tion­al belas­ten zu wollen.” Weit­ere Details nen­nt er noch nicht.

UPDATE Montag, 16.45 Uhr:

Die Suche nach dem flüchti­gen Täter in Tatort­nähe wird auch heute nicht zum Abschluss kom­men. Das Wet­ter hat zwar (einiger­maßen) mit­gemacht, aber das verbliebene Wald­stück nord­west­lich von Villin­gen­dorf ist ein­fach zu dicht bewach­sen. Mor­gen wird nochmals eine Such­mannschaft, mut­maßlich eine Hun­dertschaft der Polizei aus­rück­en. Das wurde der NRWZ vor weni­gen Minuten mit­geteilt.

Warum wird genau dieses Wald­stück durch­sucht? Den Hin­weis darauf gab das vom Täter zurück gelassene Flucht­fahrzeug. Bish­er hieß es, der Wagen sei in Her­ren­z­im­mern gefun­den wor­den. Gegenüber der NRWZ hat die Polizei nun diesen Auffind­e­ort präzisiert in “west­lich von Her­ren­z­im­mern.” Im Bere­ich des soge­nan­nten “Dun­ninger Wegs”. Daher die The­o­rie, dass der mut­maßliche Dreifach­mörder nicht durch Her­ren­z­im­mern hin­durch Rich­tung Tal­hausen / Bahn­lin­ie geflo­hen sein kön­nte, son­dern eben in den näch­st­gele­ge­nen Wald. Dort, wo sie das Fluchtau­to ent­deckt haben, waren zulet­zt immer wieder starke Polizeikräfte präsent.

Mor­gen, Dien­stag, also will die Polizei endlich Gewis­sheit haben, dass der Gesuchte nicht  in diesem Wald­stück zu find­en ist. Und auch keine Spur von ihm. Oder sein Leich­nam.

Wie geht es dann weit­er? Im Moment wird in Tut­tlin­gen offen­bar darüber berat­en, wie die Öffentlichkeit noch bess­er in die Fah­n­dung ein­be­zo­gen wer­den kann. “Wir bere­it­en etwa ger­ade ein Fah­n­dungsplakat vor”, erk­lärte ein Sprech­er der Polizei Tut­tlin­gen. Außer­dem will sich die Polizei mor­gen nochmals mit einem Aufruf an die Bevölkerung wen­den. Sie erhofft sich auch Infor­ma­tio­nen, wer das Flucht­fahrzeug wann und wo vor der Tat gese­hen hat.

Dabei beson­ders wichtig: Es wird eine Zusage der Ermit­tlungs­be­hör­den geben, Hin­weise ver­traulich zu behan­deln. Das bedeutet die Garantie, dass der Name des Hin­weis­ge­bers und weit­ere Infor­ma­tio­nen über ihn nicht in den Ermit­tlungsak­ten auf­tauchen. Diese soge­nan­nte “Ver­traulichkeit­szusage”, so erk­lärte der Tut­tlinger Polizist, stammt dann von der Staat­san­waltschaft. Sie soll es Hin­weis­ge­bern erle­ichtern, ihre Aus­sage gegenüber der Polizei zu machen.

In diesem Zusam­men­hang immer wieder erwäh­nenswert: Die Polizei hat ein Hin­weis­tele­fon (0741 477–107) ein­gerichtet.

UPDATE Montag, 14.05 Uhr:

Die Suche nach dem mut­maßlichen Dreifach­mörder Drazen D. geht weit­er. Die Speku­la­tio­nen schießen ins Kraut. Viele ver­muten, dass sich der Täter längst abge­set­zt hat. Dass er die Tat vor­bere­it­et und geplant hat, und dass er vielle­icht sog­ar Fluchthelfer hat­te. Ob er sich zu den Bah­n­gleisen bei Tal­hausen durchgeschla­gen hat und dort auf einen Güterzug aufge­sprun­gen ist, noch in der Tat­nacht? Ob er in Her­ren­z­im­mern sein Auto ver­lassen hat, weil er abge­holt wor­den ist? Ob er ein­fach längst über alle Berge ist? Oder vielmehr: in den Bergen, in einem ser­bis­chen sehr entle­ge­nen Bergdorf, wo die Welt eine andere sein soll? Und wo man auch Kin­der­mörder schützt, vielle­icht sog­ar das?

Man kann davon aus­ge­hen, dass die Polizei diese Möglichkeit­en in ihrer Fah­n­dung berück­sichtigt. Sie konzen­tri­ert sich schließlich vor allem deshalb auf das Waldge­bi­et nahe des Tatorts, weil sie nicht auss­chließen kann, dass er sich dort noch aufhält beziehungsweise dass er dort irgend­wo liegt, im Dic­kicht. Auch das ist reine Speku­la­tion. Und es ist nicht zulet­zt eine Form der Gefahren­ab­wehr für die Bevölkerung.

Wohin der Todess­chütze nach sein­er Tat geflüchtet ist, wer­den wir jeden­falls hof­fentlich erfahren. Der­weil wird es wohl kaum etwas brin­gen, sich auf die eine, die andere oder eine dritte speku­la­tive Flucht­vari­ante festzule­gen. Oder?

Die Nach­frage hat ergeben: Die Polizei ist heute mit ein­er Hun­dertschaft von 80 Beamten (das ist kein Wider­spruch in sich) seit zehn Uhr im Wald bei Villin­gen­dorf unter­wegs. Sie durch­suchen jet­zt noch ein let­ztes verbliebenes Stück, hof­fen, heute endlich damit fer­tig zu wer­den, gestern hat­te ihnen die Wit­terung einen Strich durch die Rech­nung gemacht. Dann seien die Durch­suchungs­maß­nah­men vor Ort abgeschlossen, hieß es ger­ade auf Nach­frage der NRWZ seit­ens der Polizei. Hin­ter­grund ist, dass die Polizei hofft, Hin­weise auf einen Aufen­thalt des Täters im Wald zu find­en. Und vielle­icht auch auf seine mögliche Fluchtroute. Auch beste­ht die Möglichkeit, dass D. längst tot ist. All das muss ermit­telt wer­den.

Zugle­ich aber arbeit­et die Polizei vom Prä­sid­i­um Tut­tlin­gen aus inten­siv mit anderen Behör­den zusam­men. Dem Bun­des- und dem Lan­deskrim­i­nalamt, dem Zoll und den Polizeibehör­den vor allem in Öster­re­ich und den Balkan-Län­dern, wie ein Sprech­er der Polizei der NRWZ erk­lärte. Es wird inten­siv, und das nicht nur bei Villin­gen­dorf, nach dem Todess­chützen gefah­n­det. Etwa auch in den Nach­bar­län­dern.

Wo immer D. sich aufhal­ten kön­nte, nach Wis­sen der Polizei jeden­falls, wird nach ihm gesucht.

 

UPDATE Sonntag, 20.45 Uhr:

Polizis­ten haben in den ver­gan­genen Tagen inten­siv nach dem Geflüchteten gesucht. Zugle­ich wer­den jet­zt aber Vor­würfe gegen die Polizei laut. Fest ste­ht, darüber hat die NRWZ am Fre­itag zuerst berichtet, dass die Ex-Frau des mut­maßlichen Täters samt dem gemein­samen sech­sjähri­gen Sohn auf der Flucht vor Drazen D. gewe­sen ist. Nun wird bekan­nt, dass der Mann die bei­den bere­its bedro­ht haben soll. Dass er gesagt habe, er wolle sie umbrin­gen. Die Polizei sei im Vor­feld der Tat darüber informiert wor­den. Außer­dem habe die Frau, die die Tat über­lebt hat, ver­sucht, ein Annäherungsver­bot gegen ihren Ex-Mann durchzuset­zen. Inwieweit die Polizei hier schon aktiv gewor­den — oder untätig geblieben — ist, soll sich am morgi­gen Mon­tag zeigen. Dann will sich die Polizei zu diesen Vor­wür­fen äußern.

Der kroat­is­chen Zeitung “24sata” zufolge, die viel im famil­iären und pri­vat­en Umfeld des mut­maßlichen Dreifach­mörders recher­chiert, soll D. Medika­mente genom­men haben. Die Tren­nung von sein­er Frau habe ihm zu schaf­fen gemacht, heißt es dort.

Eines von Ds. Opfern, der neue Part­ner sein­er Ex-Frau, hat nach NRWZ-Infor­ma­tio­nen in Wil­flin­gen bei einem Drehteile­hersteller gear­beit­et. Dort habe er die Frau ken­nen gel­ernt. Die bei­den sollen bere­its ein gemein­sames Kind erwartet haben.

Auch der mut­maßliche Täter soll bei ein­er Dreherei gear­beit­et haben. Ob er dort vor kurzem gekündigt hat, weil er “famil­iäre Angele­gen­heit­en zu erledi­gen” habe, ist unbestätigt, wird aber etwa von der “Schwäbis­chen Zeitung” berichtet.

Der­weil wollen einige Men­schen ihre Abscheu vor der Tat des Todess­chützen äußern. Sie tun dies auf der Face­book­seite des mut­maßlichen Mörders. Wech­sel­seit­ig sehen sie Schuld beim Täter, aber auch bei der Ex-Frau, die sich vor ihm hat in Sicher­heit brin­gen kön­nen.

UPDATE Sonntag, 19.30 Uhr:

Die Suche ist für heute eingestellt wor­den. Der Täter bleibt unauffind­bar. Mor­gen, Mon­tag geht es weit­er. Es gibt immer noch uner­forschte Teile des Waldes.

UPDATE Sonntag, 16.30 Uhr:

Es ist unklar, ob die Such­mannschaften der Polizei es am heuti­gen Son­ntag schaf­fen wer­den, das verbliebene Wald­stück bei Villin­gen­dorf nach dem Täter zu durch­suchen. Ein lei­t­en­der Beamter vor Ort — in der “Basis Schützen­haus Villin­gen­dorf” — wollte schon am frühen Nach­mit­tag den Opti­mis­mus seines Kol­le­gen aus der Press­es­telle in Tut­tlin­gen nicht teilen.

UPDATE Sonntag, 13 Uhr:

Die GWRS Villin­gen­dorf hat eine Stel­lung­nahme zu dem tödlichen Ver­brechen her­aus­gegeben. Denn eines der Opfer war für ger­ade einen Tag an dieser Schule gewe­sen, als Erstk­lässler. 

Hier die von Rek­tor Rain­er Kropp-Kur­ta unterze­ich­nete Botschaft:

Wir sind bestürzt und betrof­fen über den tragis­chen Tod eines Erstk­lässlers.

Nach Auskun­ft der Polizei beste­ht jedoch keine Gefährdungssi­t­u­a­tion für unsere Schule. Daher find­et der Unter­richt auch am morgi­gen Mon­tag, 18. Sep­tem­ber 2017 nach Plan statt. Die Ver­wal­tung ist bei Rück­fra­gen ab 6.00 Uhr für Sie tele­fonisch erre­ich­bar (0741 – 347 543)

Die Polizei wird zu Schul­be­ginn und während des Schul­be­triebs präsent sein um die Sicher­heit jed­erzeit zu gewährleis­ten.

Weit­er­hin wird die Polizei bei der ohne­hin im Rah­men der Klassenpflegschaftsabende geplanten Eltern­vol­lver­samm­lung am kom­menden Dien­stag, 19. Sep­tem­ber 2017 um 19.30 Uhr in der Turn- und Fes­thalle ihr Vorge­hen während der Krise erläutern.

Die bei der Krim­i­nalpolizei in Rot­tweil ein­gerichtete Son­derkom­mis­sion “Hochwald” ermit­telt und fah­n­det der­weil mit über 50 Beamten mit Hochdruck nach dem Tatverdächti­gen. In die Fah­n­dung sind auch das Lan­deskrim­i­nalamt Baden-Würt­tem­berg, das Bun­deskrim­i­nalamt und die Behör­den im europäis­chen Aus­land einge­bun­den.

Die Polizei ist in Villin­gen­dorf nach wie vor präsent. “Derzeit beste­ht keine Ver­an­las­sung dazu, von einem geregel­ten Tagesablauf, Schulbe­suchen, Spaziergän­gen oder der­gle­ichen abzuwe­ichen”, so die Polizei.

Für Hin­weise, welche die Tat betr­e­f­fen, ist bei der Krim­i­nalpolizei­di­rek­tion Rot­tweil ein Hin­weis­tele­fon unter der Tele­fon­num­mer 0741 477–107 ein­gerichtet.

UPDATE Sonntag, 10.30 Uhr:

Heute soll es endlich klap­pen: Wieder mit einem Großein­satz an Beamten sucht die Polizei nun das let­zte verbliebene Wald­stück bei Villin­gen­dorf ab, in dem der Todess­chütze ver­mutet wird. Wie die Polizei der NRWZ am Mor­gen erk­lärte, werde nun ein Gebi­et namens “Hochwald” durch­forstet, es liegt nord-west­lich des Tatortes. Ein dicht­es Wald­stück, weshalb der Hub­schrauber wieder zum Ein­satz käme, wohl aber nicht die Foto­drohne, mit der die Beamten am Sam­stag teils freies Gelände — das Gebi­et “Fron­hof” — über­flo­gen haben. Eine Drohne, die von einem Anbi­eter von Drohnen­flü­gen aus Villin­gen­dorf stammt.

70 Beamte sollen heute im Ein­satz sein. Das wären einige weniger als gestern. Wobei die Erk­lärung falsch wäre, die Polizei würde sich allmäh­lich zurückziehen. “Wir set­zen ein, was an Kräften zur Ver­fü­gung ste­ht”, so ein Polizeis­prech­er zur NRWZ. Der polizeiliche All­t­ag laufe weit­er, heute etwa mit einem Stadt­fest in Tut­tlin­gen und mit ein­er AfD-Ver­anstal­tung am Abend in Villin­gen-Schwen­nin­gen, die wie der Tatort in Villin­gen­dorf im Zuständigkeits­bere­ich des Prä­sid­i­ums Tut­tlin­gen liegen.

Die Polizei hofft, das Gebi­et, in dem sie den mut­maßlichen Dreifach­mörder ver­mutet, heute abschließend durch­suchen zu kön­nen. Wenn die Beamten bald genug losle­gen kön­nten, sollte das zu schaf­fen sein, so der Sprech­er weit­er. Gestern began­nen sie gegen 13 Uhr, heute wollen sie früher starten.

Immer wieder kommt es dabei zu punk­tuellem, massiertem Auf­tauchen von Bere­itschaft­spolizis­ten. “Wenn Hin­weise auf eine mögliche Sich­tung des Gesucht­en einge­hen, dann über­prüfen wir das sofort”, so der Sprech­er der Polizei gegenüber der NRWZ weit­er. Und wenn es sich dann um Wohnge­bäude etwa in Her­ren­z­im­mern oder Unter­schlüpfe im Wald han­delt, in denen der Täter ver­mutet wird, dann wer­den Kräfte zusam­men gezo­gen. Das sind übri­gens immer wieder Momente, in denen sich NRWZ-Leser per Face­book bei der Redak­tion melden und glauben, man habe den Gesucht­en endlich geschnappt.

Doch bleibt es dabei: Wenn der 40-Jährige Kroate, der seinen Sohn, dessen Cou­sine und den neuen Part­ner sein­er Ex-Frau getötet haben soll, geschnappt oder gefun­den wird, wird die Polizei das sofort ver­melden. Erstens, um die dann über­flüs­sige Öffentlichkeits­fah­n­dung zurück zu nehmen, zweit­ens, um die Nachricht an die Bürg­er weit­er zu leit­en, um sie, let­ztlich, zu beruhi­gen.

Der­weil läuft auch die Zusame­nar­beit mit der Polizei in Kroa­t­ien sehr gut, wie der Polizeis­prech­er der NRWZ weit­er berichtet. So wird auch ver­sucht, den Lebenslauf des Mannes zu rekon­stru­ieren. Es gibt Gerüchte, wonach es sich bei dem gesucht­en Ex-Sol­dat­en (das ist gesichert) zudem um einen gut aus­ge­bilde­ten Ange­höri­gen ein­er polizeilichen Spezialein­heit han­delt — aber das kann der Sprech­er nicht bestäti­gen. “Wir wis­sen es ein­fach nicht”, so der Beamte aus Tut­tlin­gen gegenüber der NRWZ.

Auch ist längst klar, dass der mut­maßliche Täter Ver­wandtschaft in Rot­tweil hat. Die NRWZ hat das am Fre­itag bere­its ver­meldet, es wurde auf ihre Nach­frage hin bei der Pressekon­ferenz zur Tat indi­rekt bestätigt. Doch gibt es dazu keine weit­eren Angaben seit­ens der Polizei. Die Ver­wandten des mut­maßlichen Täters wer­den mit der Tat selb­st nicht in Verbindung gebracht, weshalb es über sie keine Details gibt.

UPDATE Samstag, 10 Uhr:

Dies ist wohl das let­zte Update bis auf weit­eres. Im besten Falle bis zur Ergrei­fung des Gesucht­en oder bis zum Zeit­punkt des Auffind­ens sein­er, sagen wir’s doch, Leiche. Die Lage ist laut dem zuständi­gen Polizeiprä­sid­i­um Tut­tlin­gen, mit dem die NRWZ immer wieder in Kon­takt ste­ht, unverän­dert. Weit­er­hin suchen hun­derte Beamte nach dem mut­maßlichen Dreifach­mörder. Und sie wer­den diese Suche heute fort­set­zen.

Die Such­maß­nah­men in dem Waldge­bi­et — “für das wir nicht auss­chließen kön­nen, dass sich der Gesuchte darin aufhält”, wie ein Sprech­er am Mor­gen vor­sichtig for­mulierte — diese Maß­nah­men sind in der Nacht zurück gefahren wor­den. Grund: Der Hub­schrauber kon­nte wegen Nebels nicht mehr fliegen. Sobald dieser ein­set­zbar sei, würde weit­er nach dem Täter gesucht. Stück für Stück, bis sie den Wald zwis­chen Her­ren­z­im­mern und Dun­nin­gen durchkämmt haben.

Dabei geht die Polizei weit­er­hin vor­sichtig vor. Zur Eigen­sicherung. Der Mann, sollte er noch leben und sich irgend­wo ver­ber­gen, kann sehr gefährlich sein. Er kön­nte die Tat­waffe noch bei sich haben.

Die Bevölkerung sei recht gefasst und ruhig geblieben, beobachtete der Sprech­er der Polizei. Es gin­gen beim Bürg­ertele­fon (07461/941–117) nur wenige Anrufe Besorgter ein. So dürfe es bleiben, meinte der Beamte zur NRWZ. Es gebe keinen Grund für irgen­deine Panik.

Hil­f­sange­bote nimmt die Polizei aktuell gerne zur Ken­nt­nis. Woh­nun­gen oder Über­nach­tungs­gele­gen­heit­en benötigt sie allerd­ings nicht. Auch ist es nicht erwün­scht, dass nun Bürg­er sich selb­st auf die Suche nach dem mut­maßlichen Täter machen. “Die Such­maß­nah­men sind Teil unser­er Ermit­tlun­gen”, so ein Sprech­er der Polizei zur NRWZ. Beto­nung auf “unser­er”. Also polizei­in­tern. Ein Leser hat­te ange­fragt, ob er helfen solle. “Das über­lässt man lieber den Profis”, so der Polizist klar und bes­timmt weit­er.

Wenn der Gesuchte gefun­den oder geschnappt wird — die NRWZ wird es schnell­st­möglich erfahren. Und ihren Lesern mit­teilen. Das gewährleis­ten bei­de Seit­en, Polizei und Lokalredak­tion. Ziel bei­der ist es, die Bürg­er schnell­st­möglich über den Abschluss der Fah­n­dungs­maß­nah­men in Ken­nt­nis zu set­zen. Die Polizei in Tut­tlin­gen hat ihre Struk­turen darauf aus­gerichtet — der jew­eilige im Ressort Öffentlichkeit­sar­beit arbei­t­ende Beamte ist direkt ans Lagezen­trum ange­dockt. Die einge­hen­den Mel­dun­gen der Beamten draußen bekomme er in Echtzeit mit, so der Sprech­er weit­er zur NRWZ. Den­noch stün­den er und sein Team auch jet­zt übers Woch­enende durchge­hend für Fra­gen zur Ver­fü­gung.

Der Ein­satz wird aus Tut­tlin­gen koor­diniert. Dort befind­et sich das Lagezen­trum, von dem aus die “Großlage” gem­anagt wird, die sich auf den Bere­ich Villin­gen­dorf / Rot­tweil erstreckt, die aber um die Strecke durch Bay­ern Rich­tung Kroa­t­ien erweit­ert ist und die an den Lan­des­gren­zen Deutsch­lands nicht Halt macht. Rund um die Uhr arbeit­en die Beamten dort, aber weit­er­hin auch draußen im Gelände, an den Gren­zübergän­gen und ent­lang der Straßen weit­er.

Wir wollen alle, dass der Gesuchte gefasst wird”, so der Polizeis­prech­er zur NRWZ. “Wir set­zen alles daran, ihn zu fassen”, sagte er. 

UPDATE Samstag, 6 Uhr:

Der mut­maßliche Dreifach­mörder bleibt nach wie vor ver­schwun­den. In der Nacht ist die Suche nach ihm inten­siv fort­ge­set­zt wor­den.

UPDATE Freitag, 21.30 Uhr

… ist gar kein richtiges, nachrichtlich­es, wie die anderen bish­er. Es erzählt eine Anek­dote am Rande. Eine Gruppe der vie­len Polizis­ten, die am Suchein­satz nach dem mut­maßlichen Mörder beteiligt sind (und sich auch jet­zt in der kalten Herb­st­nacht die Beine in den Bauch ste­hen müssen, schw­er bewaffnet und vielle­icht in der Gefahr, jenen Mörder plöt­zlich aufzuscheuchen), eine Gruppe jen­er Bere­itschaft­spolizis­ten also war am Rot­tweil­er Heg­neberg einge­set­zt. Vielle­icht ein­fach, um Präsenz zu zeigen. So gut sicht­bar, wie sie da ges­tanden haben.

Ein Beobachter nahm sich ein Herz und holte an der nahe gele­ge­nen Tankstelle in der Obern­dor­fer Straße Kaf­fee für die Her­ren. Oder wollte es — er merk­te dort, dass sein Bargeld nicht reichen würde. “Ach, das ist kein Prob­lem, das geht auf mich”, soll da die Tankstel­len­be­treiberin gesagt haben. Und: “Toll ist diese Sol­i­dar­ität mit den Jungs da draußen”, lautete wiederum das Urteil des Kaf­fee holen­den Beobachters. Und die Polizis­ten? Sie sollen dankbar gewe­sen sein für das heiße Gebräu.

Apro­pos Zusam­men­halt — den hat auch Villin­gen­dorfs Bürg­er­meis­ter Karl-Heinz Buch­er am Mit­tag aus­gemacht. Er war ange­fragt wor­den: Die Polizei suche ein Haup­tquarti­er vor Ort. Irgen­dein Gebäude, das nicht zu zen­tral liege, aber gut erre­ich­bar. Und beleg­bar. Buch­er fiel die Sta­dion­gast­stätte in Villin­gen­dorf ein. Er fand die Num­mer des Betreibers in seinem Handy. Er habe gar nicht lange bit­ten müssen, so Buch­er zur NRWZ — der Wirt sper­rte seine Türen gerne auf. Buch­ers Faz­it lautet: “Die Sol­i­dar­ität, der Zusam­men­halt sind angesichts der schreck­lichen Tat wirk­lich toll.”

UPDATE Freitag, 19 Uhr:

Seit dem Nach­mit­tag ste­ht auch fest, warum es der Polizei so schw­er fällt, den flüchti­gen Mann einzuschätzen, mögliche Hin­wen­dung­sorte, wie das heißt, zu bes­tim­men. Der 40-Jährige (Details unten)  hat­te zulet­zt nur bei ver­schiede­nen Fre­un­den und Bekan­nten Unter­schlupf gefun­den, haben die Ermit­tler her­aus­ge­fun­den. Selb­st für den von ihm genutzten Wagen mussten die Beamten auf unvoll­ständi­ge Zeu­ge­naus­sagen zurück­greifen. Marke, Typ, Farbe und die Buch­staben KN. Mehr nicht. Auf ihn zuge­lassen war der Klein­wa­gen nicht. 

Ein Mann, der nichts mehr zu ver­lieren hat und der gestern Nacht, bei der kleinen und von der Zahl der Gäste her über­schaubaren pri­vat­en Ein­schu­lungs­feier seines Sohnes allem Anschein nach zum mehrfachen Mörder gewor­den ist. Indem er durch den Garten, über die Ter­rasse ins Haus marschiert ist, so die Sach­lage. Und dann geschossen hat. Auf sein eigenes Kind.

Die vie­len Ein­satzkräfte set­zten, so wurde der NRWZ ver­sichert, alles daran, ihn bald zu find­en.

UPDATE Freitag, 18.30 Uhr:

Lei­der: Es gibt keine Neuigkeit. Das Waldge­bi­et zwis­chen Her­ren­z­im­mern — wo das Tat­fahrzeug ver­lassen aufge­fun­den wor­den ist — und Dun­nin­gen wird durchkämmt. “Sek­tor für Sek­tor, das dauert lei­der”, so ein Sprech­er des Polizeiprä­sid­i­ums Tut­tlin­gen ger­ade zur NRWZUnd: Man könne ihm da glauben — wenn sie den Täter find­en, dann würde die Polizei-Press­es­telle das mit großem Tam­tam verkün­den. Inklu­sive Selb­st­lob für die erfol­gre­iche Arbeit (wenn diese am Ende nicht Kom­mis­sar Zufall erledi­ge). Die Beamten erhofften sich näm­lich alle­samt nichts anderes, als dass sie diesen Mann endlich auf­spürten. “Auch, wenn er nun irgend­wo nur noch im Wald liegt”, wie der Tut­tlinger Beamte, voller Emo­tio­nen nach einem lan­gen und arbeitsin­ten­siv­en Tag, etwas moralisch inko­r­rekt anfügte. Schließlich habe der Täter nichts mehr zu ver­lieren. Ander­er­seits mache ihn genau das für andere weit­er­hin gefährlich, weshalb die Polizei beson­nen und plan­voll vorge­he. Und mit dem größt­möglichen Aufge­bot an Ein­satzkräften.

Die Polizei bleibt für die Presse als Ansprech­part­ner nun auch am Woch­enende in Bere­itschaft. Sollte es also zu einem Auffind­en des Täters und / oder ein­er Fes­t­nahme kom­men, wer­den die Jour­nal­is­ten umge­hend informiert. Daran hät­ten die Beamten ein großes Inter­esse, hieß es.

UPDATE Freitag, 16.55 Uhr:

Das heute in der Kro­ne in Villin­gen­dorf geplante “Wohldädigkeits­fäscht” zugun­sten “Glücksmomente4Kids” ist abge­sagt. Das teilen uns die Ver­anstal­ter mit. “Wir wün­schen den Ange­höri­gen viel Kraft und sprechen unser Mit­ge­fühl aus”, schreiben sie auch. Die Ver­anstal­ter wollen das Fest neu pla­nen.

Und: Für mor­gen war ein Kinder­flohmarkt in Villin­gen­dorf geplant. Auch dieser wurde aus gegeben­em Anlass abge­sagt.

UPDATE Freitag, 16.35 Uhr:

Sie haben ihn noch nicht. Der mut­maßliche Täter ist auf der Flucht. Weit­er konzen­tri­ert sich die Suche auf das Waldge­bi­et bei Her­ren­z­im­mern. Dort sind Bere­itschaft­spolizis­ten in großer Stärke bere­it. Sie rück­en teils allerd­ings nicht vor, warten ab. Das, obwohl “die Nacht unser Feind ist”, wie ein Sprech­er des Polizeiprä­sid­i­ums Tut­tlin­gen der NRWZ sagt. Bei Dunkel­heit seien eine Suche und ein möglich­er Zugriff bedeu­tend schwieriger. Und gefährlich­er. Die Beamten gehen davon aus, einen hochge­fährlichen Täter zu suchen, der nichts mehr zu ver­lieren, der sein Kind schon getötet hat. Ein Ex-Sol­dat aus dem Koso­vo Kroa­t­ien (Details unten).

Mehr als 250 Polizis­ten sollen ihm allein in Baden-Würt­tem­berg auf den Fersen sein, wie sie hof­fen. Die Gren­zübergänge in die Schweiz, nach Frankre­ich und Öster­re­ich wer­den nach Angaben des lei­t­en­den Ermit­tlers bei der Pressekon­ferenz am Mit­tag schär­fer kon­trol­liert. In Bay­ern sind weit­ere hun­dert Beamte im Ein­satz, um dem mut­maßlichen Täter (Details unten) den möglichen Fluchtweg abzuschnei­den.

Der Such­hub­schrauber, der am Nach­mit­tag lange über dem Wald­stück ges­tanden hat, in dem der Täter ver­mutet wird, war zwis­chen­zeitlich auch über Teilen Rot­tweils geflo­gen. Das sei völ­lig nor­mal, dass ein Suchge­bi­et je nach aktuellem Sach­stand auch mal erweit­ert werde. Die Suche konzen­tri­ert sich nicht auf das Stadt­ge­bi­et. Der Hub­schrauber ist zur Stunde auch abgerückt.

UPDATE Freitag, 15.05 Uhr:

Spezialein­heit­en sind bei einem Waldge­bi­et bei Her­ren­z­im­mern sta­tion­iert — aus Sicher­heits­grün­den durchkäm­men sie es offen­bar nicht. Es soll vere­inzelt zu Spren­gun­gen kom­men, wenn sich die Beamten irgend­wo Zutritt ver­schaf­fen müssen, wurde der NRWZ bestätigt. Die vom Flüchti­gen aus­ge­hende Gefahr sei sehr hoch, hieß es. Ein Hub­schrauber über­fliegt das Gelände erneut.

UPDATE Freitag, 14.33 Uhr:

Der mut­maßliche Täter soll famil­iäre Beziehun­gen nach Rot­tweil haben. Ein Brud­er lebt offen­bar in der Stadt.

UPDATE Freitag, 14.15 Uhr:

Das Fluchtau­to ist bei Her­ren­z­im­mern gefun­den wor­den. Leer. Die Suche der Polizei konzen­tri­ert sich auf diesen Nach­barort Villin­gen­dorfs.

Der Täter hat eine Lang­waffe genutzt. Ein Gewehr. Er war Sol­dat, ist zudem bere­its wegen Kör­per­ver­let­zung vorbe­straft.

Es gibt ein drei­jähriges Kind, das Tatzeuge gewe­sen sein muss. Ein Geschwis­terchen des getöteten Sech­sjähri­gen.  Die Tochter der getöteten Cou­sine des Sech­sjähri­gen.

UPDATE Freitag, 13.05 Uhr

(zusät­zlich zu den Infor­ma­tio­nen in der Folge):

Mut­ter und Kind waren nach gesicherten Infor­ma­tio­nen der NRWZ auf der Flucht vor dem späteren Täter, dem Kinds­vater. Erst vor 14 Tagen sind die Bei­den dem­nach in Villin­gen­dorf angekom­men. Sie hat­ten ihr Umfeld wie auch die Schule gebeten, ihre neue Adresse geheim zu hal­ten. Offen­bar hat der Vater diese den­noch her­aus gefun­den. Nach aktuellem Stand hat er dann am Don­ner­stag gegen 21.30 Uhr seinen Sohn und mut­maßlich den neuen Lebens­ge­fährten sein­er Ex-Part­ner­in getötet. Und deren die Cou­sine des getöteten Jun­gen, die sich für die Ein­schu­lungs­feier bei der kleinen Fam­i­lie aufge­hal­ten hat­te. Am Abend hat eine Par­ty stattge­fun­den, für das Kind. Der Täter ist durch den Garten und über die Ter­rasse ins Haus einge­drun­gen und begann, zu schießen.

Weit­er hat die NRWZ Erken­nt­nisse darüber, dass finanzielle Schwierigkeit­en Aus­lös­er für die Tren­nung gewe­sen sind. Der mut­maßliche Täter (Details weit­er unten) wird seit 2014 als pri­vatin­sol­vent geführt.

Die Polizei ist aktuell mit mehr als 100 Beamten, darunter viele Bere­itschaft­spolizis­ten, in Villin­gen­dorf und der Umge­bung. Das Waldge­bi­et selb­st ist bis­lang, wie ein Sprech­er mit­teilte, aus Sicher­heits­grün­den noch nicht durch­sucht wor­den. Ganze Fahrzeugkolon­nen der Bere­itschaft­spolizei wer­den aber derzeit an ver­schiedene Orte geschickt, um diese auf den mut­maßlichen Täter hin zu unter­suchen.

Um 14 Uhr soll eine Pressekon­ferenz in der Turn- und Sporthalle im Ort stat­tfind­en. Die große Räum­lichkeit sei angesichts des großen Medi­en­ansturms gewählt wor­den, so ein Polizeis­prech­er zur NRWZ. In der Zwis­chen­zeit vertreiben sich einzelne Medi­en­vertreter die Zeit damit, Kinder zu inter­viewen, die an der sel­ben Schule sind, an der der getötete Sech­sjährige hätte sein sollen.

Der mut­maßliche Täter (Details unten) ist weit­er­hin auf der Flucht. Er kön­nte bewaffnet, also gefährlich sein. 

Die Nach­bar­län­der und die Bun­de­spolizei sind in die Fah­n­dung einge­bun­den. Ins­ge­samt sind mit dem Ver­brechen 250 Beamte befasst, etwa auch im Prä­sid­i­um Tut­tlin­gen.

Bere­itschaft­spolizei im Großein­satz. Foto: Peter Arneg­ger

Unsere bish­erige Berichter­stat­tung:

 

+++ Aktuell +++ Fahndungsaufruf der Polizei

Nach dem Tötungs­de­likt ist der Täter immer noch auf der Flucht. In diesem Zusam­men­hang sucht die Polizei Tut­tlin­gen nach einem 40-jähri­gen, der Tat drin­gend verdächti­gen Mann.

Dabei han­delt es sich um den 40-jähri­gen Kroat­en Drazen D. 

Zur Per­so­n­enbeschrei­bung: Dun­kle, kurze Haare, braune Augen und dünne Lip­pen. Er ist 1,77 Meter groß und wurde zulet­zt mit ein­er schwarzen, län­geren Jacke bek­lei­det gese­hen. Unter­wegs ist er eventuell mit einem grü­nen Seat-Ibiza, welch­er möglicher­weise mit einem Kurzzeit-Kennze­ichen mit KN-Zulas­sung verse­hen ist.

Hin­weise nimmt jede Polizei­di­en­st­stelle ent­ge­gen.

ACHTUNG: Die Polizei geht davon aus, dass der Gesuchte weit­er­hin bewaffnet ist. Nach Infor­ma­tio­nen der NRWZ ist bish­er keine Tat­waffe gefun­den wor­den.

Die Krim­i­nalpolizei Rot­tweil hat eine Ermit­tlungs­gruppe ein­gerichtet. Die Spuren­suche in dem Mehrfam­i­lien­haus, in der Woh­nung und im Bere­ich des Mehrfam­i­lien­haus­es dauert derzeit an. Ein starkes Aufge­bot an Ein­satzkräften ist am Tatort und in der Umge­bung präsent. Die Fah­n­dung nach dem flüchti­gen Tatverdächti­gen läuft auf Hoch­touren.

Für den frühen Nach­mit­tag hat die Polizei eine Pressekon­ferenz angekündigt, die sie entwed­er im Rathaus in Villin­gen­dorf oder im nahe gele­ge­nen Sitz der Polizei in Rot­tweil abhal­ten will. “Wir hof­fen, dass wir den mut­maßlichen Täter bis dahin geschnappt haben”, so ein Sprech­er des Prä­sid­i­ums Tut­tlin­gen ger­ade zur NRWZ.

Ein­satzkom­man­do bei Her­ren­z­im­mern. Foto: Peter Arneg­ger

Nach einem Fam­i­lien­dra­ma in ein­er gut bürg­er­lichen Wohn­straße in Villin­gen­dorf mit drei Toten ist der Täter weit­er­hin (Stand: 9.45 Uhr) flüchtig. Die Polizei hat einen Ver­dacht, ken­nt seine mut­maßlichen Per­son­alien, fah­n­det nach seinem Wagen. Sie suchte in der Nacht die Gegend mit Streifen­beamten, teils in Amok-Schutzaus­rüs­tung, und einem Hub­schrauber ab. Ein Sprech­er des Polizeiprä­sid­i­ums Tut­tlin­gen bestätigte diese Angaben gegen 1.30 Uhr vor Ort.

Am Mor­gen erk­lärte der Sprech­er auf Nach­frage der NRWZ: Der mut­maßliche Täter sei der Vater des Jun­gen. Es werde mit Hochdruck nach dem 40-Jähri­gen gefah­n­det. Mehr als 50 Beamte sollen seit der Nacht im Ein­satz sein.

Polizei in der Tat­nacht in Villin­gen­dorf. Foto: SDMG/Friebe

+++ WEITERE WICHTIGE INFOS +++

1. Der mut­maßliche Täter ist laut Polizei bekan­nt. Es soll sich um den 40-jähri­gen Vater des sech­sjähri­gen Jun­gen han­deln. Das erfuhr die NRWZ exk­lu­siv. Siehe jet­zt auch obi­gen Fah­n­dungsaufruf.

2. Es beste­he kein Grund, vom Tagesablauf wie Schulbe­such, Einkäufen oder der­gle­ichen abzuwe­ichen. Der Schul­weg zur Villin­gen­dor­fer GWRS sei gesichert, sagt uns die Polizei. Eine besorgte Mut­ter berichtet der NRWZ ger­ade den­noch: Ihr Kind bleibt heute zuhause, wird erst Mon­tag wieder zur Schule in Villin­gen­dorf gehen. Ein Erstk­lässler. Ger­ade eingeschult.

3. Die Polizei hat ein Bürg­ertele­fon ein­gerichtet: Tel. 07461 941–117.

4. Für Hin­weise, welche die Tat betr­e­f­fen, ist bei der Krim­i­nalpolizei­di­rek­tion Rot­tweil ein Hin­weis­tele­fon unter der Tele­fon­num­mer 0741 477–107 ein­gerichtet.

5. Es sind weit­er­hin Kräfte der Polizei vor Ort. Sie sollen auch der Beruhi­gung und zum Schutz der Bevölkerung dienen.

6. Der Täter ist weit­er flüchtig.

7. Es kön­nte sein, dass die getötete Fam­i­lie auf Besuch gewe­sen ist. Die Polizei wird später weit­ere Einzel­heit­en bekan­nt geben.

 

Der Tatort: die Klip­pe­neck­straße in  Villin­gen­dorf. Foto: SDMG/Maurer

 

Unsere Erst­mel­dung aus der Tat­nacht find­en Sie hier.