DEISSLINGEN/ROTTWEIL (him) – Die Bluttat vom 6. Oktober ist zwar weitgehend aufgeklärt, doch noch sammeln Polizei und Staatsanwaltschaft die Einzelheiten für eine Anklage. Wie berichtet, hatte ein 61-Jähriger Wohnsitzloser am frühen Morgen des 6. Oktober auf dem Heiligenhof bei Deißlingen einen 38-Jährigen mit einem Messerstich getötet.

Die Staatsanwaltschaft hatte tags darauf Haftbefehlt wegen Mordes und räuberischer Erpressung gegen den mutmaßlichen Täter beantragt. Seither befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Wegen Mordes, weil die Staatsanwaltschaft von Vorsatz ausging und ausgeht, betont der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frank Grundke auf Nachfrage der NRWZ. „Das war von vornherein so, an der Bewertung hat sich nichts geändert.“ Auch das Tatgeschehen sei im Großen und Ganzen feststehend. „Wir sammeln jetzt die Ermittlungsergebnisse.“ Dazu gehören gerichtsmedizinische Gutachten und Antworten auf Auslandsnachfragen, um das Vorleben des 61-Jährigen aufzuklären.

Der Mann, der aus dem früheren Jugoslawien stammt und staatenlos in Ungarn gelebt hatte, war wohl schon in der Nacht in den Hofladen des Heiligenhofs eingedrungen. Als die Schwägerin des späteren Opfers am Morgen in den Laden kam, hatte der 61-Jährige sie bedroht, gefesselt und Geld verlangt. Auch andere Familienmitglieder waren im Laden und wurden vom mutmaßlichen Täter bedroht.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil Frank Grundke. Archiv-Foto: him
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil Frank Grundke. Archiv-Foto: him

Wenig später kam der 37-Jährige seiner Schwägerin zu Hilfe. „Er hat in dem Täter wohl keine große Gefahr gesehen, er war dem Täter körperlich überlegen“, vermutet Staatsanwalt Grundke, „der Mann ist von Statur her kein Riese.“ Dass der 61-Jährige da schon ein Messer in der Hand hatte, gilt als sicher. Im anschließenden Gerangel stach der mutmaßliche Täter zu und sein Opfer starb wenig später noch am Tatort.

Weil der mutmaßliche Täter seine Opfer bedroht und von ihnen Geld verlangt und erhalten hatte, kommt zum Vorwurf Mord noch räuberische Erpressung hinzu. Bei der Strafzumessung könne das „enorme Bedeutung“ haben, so Grundke. Sollte das Gericht statt auf Mord auf Totschlag erkennen, oder wenn es darum geht, bei einer möglichen lebenslangen Strafe auf eine besondere Schwere der Schuld zu erkennen, kann dieser zweite Tatvorwurf wichtig sein. Grundke rechnet damit, dass die Ermittlungen in zwei bis drei Monaten abgeschlossen werden. Dann wird die Staatsanwaltschaft Anklage erheben.