Am Mon­tag beginnt vor dem Land­ge­richt Rott­weil der Pro­zess gegen einen 25-jähr­ti­gen Mann aus Russ­land, der in einer dubio­sen, sek­ten­ähn­li­chen Ein­rich­tung in Tros­sin­gen unter­ge­bracht war und im Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res eine ihm völ­lig frem­de 45-jäh­ri­ge Frau in deren Gar­ten ersto­chen hat.

Das Gericht geht davon aus, dass der Mann schuld­un­fä­hig ist, wes­halb die Ver­hand­lung vor allem die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus zum Ziel hat. Wei­te­re Ter­mi­ne sind für den 22. Febru­ar, 23. Febru­ar und 4. März vor­ge­se­hen. 

In einer Vor­ab-Mit­tei­lung des Land­ge­richts Rott­weil heißt es:

Das Siche­rungs­ver­fah­ren hat die Unter­brin­gung des Beschul­dig­ten in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus zum Gegen­stand. Des­halb ist damit zu rech­nen, dass der psy­chi­sche Gesund­heits­zu­stand des Beschul­dig­ten inten­siv zu erör­tern sein wird, was mög­li­cher­wei­se dazu führt, dass die Öffent­lich­keit für Tei­le der Haupt­ver­hand­lung aus­ge­schlos­sen wer­den wird.

Zudem rech­net das Gericht mit einem erhöh­ten Medi­en­in­ter­es­se und hat sit­zungs­po­li­zei­li­che Maß­nah­men erlas­sen, die den Besu­chern den Zutritt zur Ver­hand­lung erschwe­ren dürf­ten. Per­so­nen­kon­trol­len sind ange­kün­digt wor­den. Die Rich­ter wol­len wis­sen, wer den Saal betritt, auch unter den Zuschau­ern. Han­dys und Lap­tops sind nur Jour­na­lis­ten erlaubt. Um zu ver­hin­dern, dass Waf­fen in den Sit­zungs­saal gelan­gen, wer­den die Zuschau­er durch­sucht und müs­sen einen Metall­de­tek­tor pas­sie­ren.

Zum Fall: Der Mann war nach Tros­sin­gen gekom­men, um sich in einer Ein­rich­tung des Ver­eins „Healt­hy Ger­nera­ti­on“ behan­deln zu las­sen. Der Ver­ein unter­hielt Ver­bin­dun­gen nach Russ­land und gab in sei­ner Sat­zung als Zweck „die För­de­rung des öffent­li­chen Gesund­heits­we­sens eines gegen Dro­gen­kon­sum gerich­te­ten Bewusst­seins” an. Auch christ­li­che und ethi­sche Wer­te hät­ten eine ent­schei­den­de Bedeu­tung, hieß es wei­ter.

Die Anga­ben, war­um der Mann behan­delt wer­den soll­te, sind wider­sprüch­lich. Bei der Tat waren nach einem Bericht der Ermitt­ler weder Alko­hol noch Dro­gen im Spiel.

Egon Frie­sen, der Vor­sit­zen­der von „Healt­hy Genera­ti­on”, hat lan­ge zur Tat geschwie­gen. Dann erklär­te er in einer schrift­li­chen Mit­tei­lung, dass er den Ver­ein auf­ge­löst und die Tros­sin­ger Reha-Ein­rich­tung geschlos­sen habe.