Jürgen Grässlin bei seinem Vortrag im Marienheim. Foto: him

SCHRAMBERG  (him) –  Im Rah­men der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Litt­le glo­cal City“ sprach am Mitt­woch der Frie­dens­ak­ti­vist und Buch­au­tor Jür­gen Gräss­lin im Mari­en­heim über Rüs­tungs­ex­por­te und die „kri­mi­nel­len Ver­flech­tun­gen von Waf­fen­in­dus­trie und Behör­den“.

Der eher über­schau­ba­ren Zahl von Zuhö­rern gab Gräss­lin einen brei­ten Über­blick über die deut­sche Rüs­tungs­ex­port­po­li­tik und die Ver­wick­lung in die­se Geschäf­te auch von Fir­men aus unse­rer Regi­on wie den bei­den bekann­ten Obern­dor­fer Unter­neh­men Heck­ler und Koch und Mau­ser, aber auch Jung­hans-Micro­tec in See­dorf.

Deutsch­land sei bei „Groß­ge­rä­ten“ wie Pan­zern, Kriegs­schif­fen und Flug­zeu­gen welt­weit an der fünf­ten Stel­le bei den Rüs­tungs­ex­por­ten, bei Klein­waf­fen wie Geweh­ren,  Gra­na­ten und Pis­to­len an der drit­ten Stel­le.  „Von 100 Kriegs­to­ten ster­ben 95 an Klein­waf­fen“,  mach­te Gräss­lin deut­lich. Mit Geweh­ren wür­den etwa zwei Drit­tel aller in Krie­gen Gefal­le­nen getö­tet.

Nach dem mit gro­ßem Abstand füh­ren­den rus­si­schen Sturm­ge­wehr Kalasch­ni­kow sei das G 3 von Heck­ler und Koch welt­weit an zwei­ter Stel­le. Er schät­ze, dass mit die­sem Gewehr etwa zwei Mil­lio­nen Men­schen getö­tet und wei­te­re sechs bis acht Mil­lio­nen ver­letzt und ver­stüm­melt wur­den.

Gräss­lin pran­ger­te an, das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Gabri­el (SPD)  ent­ge­gen sei­ner Ankün­di­gung im Wahl­kampf die Rüs­tungs­ex­por­te nicht gedros­selt son­dern enorm gestei­gert habe. Und zwar nicht nur in befreun­de­te NATO-Staa­ten, son­dern auch in Län­der, in denen die Men­schen­rech­te mas­siv ver­letzt wer­den wie die Tür­kei, Sau­di-Ara­bi­en und Alge­ri­en.

In die­sem Zusam­men­hang mach­te Gräss­lin dar­auf auf­merk­sam, dass beson­ders  vie­le Waf­fen aus Deutsch­land in Län­der gelie­fert wer­den, in denen Chris­ten ver­folgt wer­den. Er for­der­te die Zuhö­rer auf, den hie­si­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und Uni­ons­frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Vol­ker Kau­der danach zu fra­gen. „Kau­der setzt sich für ver­folg­te Chris­ten ein, aber auch für die hie­si­gen Waf­fen­fa­bri­ken.“

Und einen zwei­ten Zusam­men­hang fin­det Gräss­lin bemer­kens­wert: Aus den Län­dern und Regio­nen, in die  beson­ders vie­le Waf­fen expor­tiert wer­den, kom­men beson­ders vie­le Flücht­lin­ge zu uns.

Aus­führ­lich ging er auch auf die Waf­fen­ex­por­te nach Mexi­ko von Heck­ler und Koch ein. Die­sen Fall hat­te Gräss­lin über eine Straf­an­zei­ge im Jahr 2010 öffent­lich gemacht. Die Stutt­gar­ter Staats­an­walt­schaft habe mehr als fünf Jah­re ermit­telt, bis sie end­lich Ankla­ge erho­ben habe. Im kom­men­den Früh­jahr wer­de der Pro­zess in Stutt­gart gegen sechs ehe­ma­li­ge HK-Mana­ger eröff­net.

Wesent­lich schnel­ler sei­en die Staats­an­wäl­te mit einer Ankla­ge gegen den Fil­me­ma­cher Dani­el Har­rich und ihn gewe­sen, weil sie Doku­men­te ver­öf­fent­licht hät­ten, die sie zuvor der Staats­an­walt­schaft über­ge­ben hat­ten. Er freue sich auf den Pro­zess in Mün­chen, so er denn tat­säch­lich statt­fin­de.

Eigent­lich sei nur in Aus­nah­men ein Export von Kriegs­waf­fen in Dritt­län­der erlaubt, inzwi­schen gin­gen 55 Pro­zent der Waf­fen­ex­por­te in sol­che Staa­ten, berich­te­te Gräss­lin wei­ter. „Das ist ein per­ma­nen­ter Rechts­bruch der Regie­rung“, wet­tert Gräss­lin.

Erst­mals habe die Bun­des­re­gie­rung auch eine lan­ge gel­ten­de Regel gebro­chen und in ein Land Waf­fen gelie­fert, gegen die die Ver­ein­ten Natio­nen ein Waf­fen­em­bar­go ver­hängt hat­ten. Gemeint sind die G‑36-Lie­fe­run­gen an kur­di­sche Peschmer­ga-Kämp­fer im Irak. Die Begrün­dung  – Kampf gegen den IS – will Gräss­lin nicht gel­ten las­sen: „Auf ira­ki­schen Waf­fen­märk­ten kön­nen Sie G‑3 Geweh­re aus Bun­des­wehr­be­stän­den für 1500 Dol­lar kau­fen.“ Eine alte Erkennt­nis sei, dass „Waf­fen wan­dern“. Inzwi­schen brüs­te sich die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on „Isla­mi­scher Staat“ sogar damit,  vie­le Waf­fen aus Deutsch­land zu besit­zen: Vom G 3 über Pis­to­len von Walt­her bis hin zu Luft­ab­wehr­ra­ke­ten. Gräss­lin: „Der IS schießt deutsch.“

In der Dis­kus­si­on berich­te­te Gräss­lin von einem geplan­ten Pro­test­staf­fel­lauf nach Pfings­ten von Obern­dorf nach Ber­lin. Die­se Akti­on sol­le von Künst­ler­ak­tio­nen ent­lang der Stre­cke beglei­tet wer­den und auf die Akti­on Auf­schrei auf­merk­sam machen. In die­ser Grup­pe haben sich mehr als 140 Orga­ni­sa­tio­nen, kirch­li­che Ein­rich­tun­gen und Ver­ei­ni­gun­gen zusam­men­ge­schlos­sen, um gegen Rüs­tungs­ex­por­te anzu­ge­hen.

 

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