Bücher zur Fas­net gibt es zuhauf. Ein neu­er Band jedoch ragt aus der Fül­le her­aus – im the­ma­ti­schen Zuschnitt wie in der Mach­art. Es ist ein impo­san­ter Bild­band, der unter dem Titel „Lar­ven der Rott­wei­ler Fast­nacht“ epo­chen­prä­gen­de Rott­wei­ler Mas­ken­schnitz­kunst prä­sen­tiert. Das Buch erscheint am 9. Dezem­ber.

Stolz auf das neue Buch: Horst Langenfeld, Jürgen Reiter und Prof. Frank Huber (von links). Foto: al
Stolz auf das neue Buch: Horst Lan­gen­feld, Jür­gen Rei­ter und Prof. Frank Huber (von links). Foto: al

Gemeinschaftsprojekt

Das groß­for­ma­ti­ge Werk ist ein Gemein­schafts­pro­jekt. Das Bild­ma­te­ri­al und die apar­te Gestal­tung stam­men von Jür­gen Rei­ter. Den kennt­nis­rei­chen Text haben Zunftschrei­ber Prof. Frank Huber sowie der Lar­ven­schnit­zer und lan­ge bei der Zunft mit der Kleid­le-Prü­fung betrau­te Horst Lan­gen­feld ver­fasst, auf den auch die Idee zurück­geht. Sie ent­stand bei den Kleid­le-Abnah­men 2010 und 2011. Nach dem Aus­lau­fen restrik­ti­ver Beschrän­kun­gen wur­den damals meh­re­re Hun­dert Nar­ren­klei­der zur Begut­ach­tung vor­ge­zeigt. „Mir hat das vor Augen geführt, welch unglaub­li­che Band­brei­te es in der Rott­wei­ler Lar­ven­schnitz­kunst gibt“, erläu­tert Horst Lan­gen­feld, im Gespräch mit der NRWZ.

"Da Bart" aus dem Herrenkramerschen Fundus. Grafik: Buchausschnitt
„Da Bart” aus dem Her­ren­kramer­schen Fun­dus. Gra­fik: Buch­aus­schnitt

Das war die Initi­al­zün­dung für eine sich über Jah­re hin­zie­hen­den Recher­che. Sys­te­ma­tisch haben die Macher nach stil­prä­gen­den, aber auch nach mar­kant indi­vi­du­el­len Zeug­nis­sen der Fas­nets-Schnitz­kunst gesucht. Als Refe­renz dien­te dabei eine Auf­nah­me von einer Narr­hal­la-Ver­an­stal­tung 1898, die um die 20 Nar­ren ver­sam­melt. Vie­le der dort gezeig­ten Lar­ven sind im Buch nun zu fin­den.

Einzigartige Chance”

Teils erfor­der­te dies regel­rech­te Detek­tiv­ar­beit, bei der Lar­ven por­trai­tiert wer­den konn­ten, die an der Fas­net nie lau­fen, weil sie zu alt und kost­bar sind. „Es war eine ein­zig­ar­ti­ge Chan­ce, die­se Kunst zu doku­men­tie­ren“, unter­streicht Frank Huber. Denn vie­le der gehei­men Schät­ze dro­hen ver­lo­ren zu gehen, weil Samm­ler, die nichts mit Rott­weil zu tun haben, sie auf­kau­fen.

Die­ser fata­le Trend stimmt einen weh­mü­tig, wenn man die knapp 120 Lar­ven bestaunt, die der Band nun ein­drucks­voll fest­hält. Und zum Nach­den­ken anzu­re­gen gehört durch­aus zu den Inten­tio­nen der Macher des Lar­ven-Ban­des. Sie wol­len, wie sie sagen, den Leser auch „ins Grü­beln brin­gen, wohin sich mor­gen und über­mor­gen wohl die Lar­ven­schnitz­kunst in Rott­weil ent­wi­ckelt.“

Fesselnder Prachtband

Vor allem aber erläu­tern sie Geschich­te und Gegen­wart die­ser fas­zi­nie­ren­den Sei­te der Fas­net. Zunächst skiz­zie­ren Huber und Lan­gen­feld, aus­ge­hend von den ers­ten Quel­len zur Fas­net im 14. Jahr­hun­dert, die His­to­rie, fächern die Nar­ren­ty­pen auf und prä­sen­tie­ren dann Ein­zel­fi­gu­ren von Ron­nys Schant­le bis zu S’Franz Ammas Brie­ke­re und Schier­mai­ers Gul­ler, eben­so wie die Lar­ven der Ben­ner-Röss­le. Sodann fol­gen Anga­ben zu berühm­ten Rott­wei­ler Lar­ven­schnit­zern, begin­nend mit Adam Bert­sche (1686–1755), bis hin zu Ger­ma­na Klai­ber-Kas­per (1926–2005) und Erich Hau­ser (1930–2004). Der Schluss­teil bie­tet mit einem Inter­view mit Horst Lan­gen­feld und Mathi­as Aip­le einen Ein­blick in das Schnit­zen und Fas­sen.

Der Pracht­band fes­selt auf Anhieb, nicht zuletzt dank der Foto­gra­fi­en von Jür­gen Rei­ter. Er hat die Lar­ven in ein so dra­ma­ti­sches, kon­zen­trier­tes Licht gehüllt, dass sie einem fast wie rea­le Per­so­nen gegen­über­tre­ten – und dabei eben­so geheim­nis­voll wie frap­pie­rend leben­dig wir­ken, auch ganz ohne das quir­li­ge Drum­her­um der Fas­net. al

Info: Das Buch erscheint in einer Auf­la­ge von 750 Exem­pla­ren und kos­tet 49,90 Euro. Es kann über www.fastnacht-rottweil.de bestellt wer­den. Am 12. Dezem­ber gibt es um 19 Uhr in „Glück­see­lig­kei­ten“ (ehe­mals Duss­mann) in der Haupt­stra­ße auch eine Buch­vor­stel­lung.