Alle staunten über den Bau des ThyssenKrupp-Testturms in Rottweil. Ruckzuck kam die Baugenehmigung, schnurstracks war das Fundament bis in 38 Meter Tiefe gelegt. Nahtlos ging es – jeden Tag mehr – in die Höhe bis auf 246 Meter. Doch jetzt stockt der Ausbau – und alle wundern sich.

Ursprünglich sollte die Montage der Außenhülle im Mai beginnen, dann war von Juli die Rede. Nichts passierte. Der Turm steht immer noch nackt da. Dabei laufen längst die Vorbereitungen für die offizielle Einweihung im Mai. Von Tag zu Tag wachsen die Zweifel, ob dieser Termin gehalten werden kann.

Michael Ridder der Sprecher von ThyssenKrupp Elevator, räumt auf Anfrage Komplikationen ein: „Innen ist alles fertig“, versichert er, „und wir werden auch, wie geplant, im Dezember mit dem Forschungsbetrieb beginnen. Aber bei der Außenhülle ist es zu Verzögerungen gekommen.” Der mit den Arbeiten beauftrage Subunternehmer, die Firma Taiyo „hat ein paar Probleme.“ Das liege vor allem daran, dass es sich um ein völlig neues Material und neues Verfahren handle, für das es keine Erfahrungswerte gebe.

„Trotzdem sind wir relativ gelassen“, betont Ridder. An eine Absage der Einweihung denke man vorerst nicht. „Die ersten Arbeiten im unteren Bereich haben ja auch inzwischen begonnen. Wir warten jetzt mal noch ab und werden im November sehen, wie es weitergeht.”

Noch Ende September hatte ThyssenKrupp offiziell mitgeteilt: „Im Mai 2017 planen wir die Eröffnungsfeier und die Freigabe der Besucherplattform für die Öffentlichkeit.“ Mit der Ausarbeitung der Feierlichkeiten wurde unter mehreren Bewerbern die Rottweiler Agentur Trendfactory beauftragt. „Bezüglich Daten, Details und Programmen bitten wir noch um ein wenig Geduld.“

Der Entwurf stammt vom Star-Architekten Helmut Jahn (Chicago). Für die Außenhülle hat er ein spezielles Material aus Glasfaser gewählt, das eine besondere Strahlkraft entwickeln und sich selbst reinigen soll. Entsprechend groß sind die Herausforderungen. 16.000 Meter Stoff müssen in Bahnen von 20 auf zwölf Meter um den Turm herum montiert werden. Der Kran reicht nur bis in etwa 80 Meter, der Rest muss aus Körben befestigt werden, die an einem Seil hängen.

„Das ist eine bisher einmalige Herausforderung“, sagen Experten. Seit Monaten tüfteln sie fieberhaft an Lösungen. Für die Montage haben sie etwa ein halbes Jahr veranschlagt. här

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