Die SPD Rott­weil bekommt auf Face­book mäch­tig die Levi­ten gele­sen. Ihr Vor­stoß für eine weit­ge­hend auto­freie Innen­stadt sei „dumm”, „irre” und „weit weg von der Rea­li­tät”, heißt es online. Die Idee sei abseits der Inter­es­sen der Bür­ger. Die NRWZ hat des­halb noch­mal bei der SPD nach­ge­fragt, um Prä­zi­sie­rung gebe­ten.

Das ging schnell: Kaum hat­te die NRWZ den Bei­trag „SPD Rott­weil macht ernst: Frak­ti­on will weit­ge­hend auto­freie Innen­stadt” ver­öf­fent­licht, hagel­te es Kri­tik. Bereits die ers­ten Kom­men­ta­to­ren, inzwi­schen haben rund 5000 Face­book-Nut­zer die Ver­öf­fent­li­chung gese­hen, lasen den Stadt­rä­ten die Levi­ten.

Die Rottweiler Kernstadt autofrei …

Der Prüf­auf­trag der Genos­sen an die Stadt­ver­wal­tung: Sie soll­te her­aus­fin­den, „wel­che Mög­lich­kei­ten zur Schaf­fung einer vom Durch­gangs­ver­kehr auto­frei­en his­to­ri­schen Kern­stadt ergrif­fen wer­den kön­nen.” Bus­se, Anwoh­ner-Fahr­zeu­ge und der Lie­fe­ran­ten­ver­kehr soll­ten frei­lich davon aus­ge­nom­men sein.

…, das kommt gar nicht gut an

Anschei­nend hät­te den ört­li­chen Her­ren von der SPD nichts schlech­te­res ein­fal­len kön­nen. Der Vor­schlag sei „dumm”, „abso­lut irre”, „weit weg von der Rea­li­tät”, hieß es bereits weni­ge Minu­ten nach Ver­öf­fent­li­chung durch die NRWZ auf deren Face­book­sei­te.

Der (bisher einzige) positive Kommentar

Eini­ge Leser geben dem Bei­trag zwar ein „Gefällt mir” – kom­men­tie­ren aber nicht, wes­halb ihre Mei­nung schlecht ein­zu­schät­zen ist. Man­che zei­gen sich per soge­nann­tem Emo­ti­con wütend. Immer­hin: Einen posi­ti­ven Kom­men­tar gibt es bis­lang. Der Leser schreibt:

End­lich… das ist nur zu begrü­ßen. Am Wochen­en­de hat man es deut­lich mit anse­hen kön­nen wie viel Mehr­wert das bringt. Beim Stadt­lauf war das rich­tig ange­nehm sobald die Schleu­sen auf­gin­gen war es das reins­te Cha­os. Bit­te schnell umset­zen.

[fb_embed_post href=„https://www.facebook.com/NRWZ.de/posts/1148985368499970/” width=„550”/]

Die negativen Kommentare

Die Leser kom­men­tie­ren (im Ori­gi­nal-Wort­laut):

ja klaaar.… is doch immer gut, wenn man potzeni­el­le Käu­fer aus­sperrt aus Rott­weil. Wer hat heu­te schon noch die Zeit (und die Lust) ewig weit zu lau­fen, um „mal eben” was ein­zu­kau­fen beim Metz­ger, Bäcker oder im Dro­ge­rie­markt? Das macht jetzt schon kei­ne Lau­ne mehr – da geht man / frau doch lie­ber gleich auf der Sali­ne oder in Zim­mern ein­kau­fen.

Das gab mehr­fach den „Dau­men hoch”. Wei­te­rer Kom­men­tar:

Das ent­spricht der all­ge­mei­nen Entwicklung.…Deutschland schafft sich rasant ab.… so auch RW.…mit Voll­gas an die Wand

Oder:

Nur wei­ter so wenn die Innen­stadt auto­frei ist läuft bald nichts mehr in Rott­weil. Dann kön­nen alle Läden zu machen. Und dann wun­dert man sich war­um nichts in Rott­weil mehr geht.

Und:

Die 20er zone ist schon scheis­se und dann noch das!!die spin­nen doch

Und auch:

Hier sieht man genau, wie sich die Poli­tik für die Anlie­gen der Bür­ger interessiert.…schlimm, schlim­mer —> Rott­weil

Einer schaut etwas über den eigent­li­chen Vor­schlag hin­aus:

Das Pro­blem ist die weit­ge­hend sinn­freie Rege­lung des Ver­kehrs durch die Innen­stadt. Seit Ein­füh­rung der 20er Zone und dem Weg­fall der Ampel­kreu­zung in Ver­bin­dung mit einem Zebra­strei­fen an allen drei Sei­ten der Haupt­kreu­zung in der Stadt­mit­te ist das Cha­os und der sto­cken­de Ver­kehr ja vor­pro­gram­miert. Das Pro­blem ist haus­ge­macht. Ent­we­der zurück­ru­dern oder die Hoch­brü­cke als Zug­brü­cke aus­füh­ren und dann bleibt jeg­li­cher Ver­kehr drau­ßen. Damit auch lei­der dann die Kun­den für den Ein­zel­han­del, der ja sowie­so schon lan­ge schwä­chelt…

Nachgefragt

Die NRWZ hat geschwind bei der SPD nach­ge­hakt: Wie weit­räu­mig stel­len sich die Genos­sen eine Sper­rung der Kern­stadt für den Durch­gangs­ver­kehr vor? Arved Sass­nick, Spre­cher der SPD-Stadt­rats­frak­ti­on, anwor­tet: „In unse­rem Antrag haben wir die vier his­to­ri­schen Kern­stadt­vier­tel genannt, die wir ger­ne ver­kehrs­be­ru­higt haben möch­ten.”

Haben sie eine mög­li­che Umlei­tungs- / Umge­hungs­stre­cke im Blick? Sass­nick: „Unser Antrag ist ein Prüf­an­trag an die Stadt­ver­wal­tung. Da im Hin­blick auf die Ein­wei­hung des  thyssenkrupp-Turms über Ver­kehrs­len­kungs­maß­nah­men sei­tens der Stadt­ver­wal­tung ohne­hin nach­ge­dacht wird, soll­te sie unse­rer Mei­nung nach das Über­le­gen in unse­rem Sinn fort­set­zen.”

Und wie wol­len sie den Durch­gangs­ver­kehr von Ziel­ver­kehr tren­nen – also Auto­fah­rer, die nicht anhal­ten von jenen, die ein­kau­fen gehen oder ins Büro wol­len? „In die­ser Fra­ge lie­gen einer gan­zen Rei­he von Städ­ten der unter­schied­lichs­ten Grö­ßen, wie sie bei­spiel­haft in unse­rem Antrag genannt wor­den sind, bereits mehr­jäh­ri­ge Erfah­run­gen vor.” Gemeint sind Ravens­burg, Wan­gen und Kon­stanz.