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Die Kanal­sa­nie­run­gen im Auf­trag des ENRW-Eigen­be­triebs Stadt­ent­wäs­se­rung in Rott­weil dau­ern an – mit Begleit­erschei­nun­gen. Zuletzt gab es Pro­ble­me nach einem Stark­re­gen, als Kel­ler in der Wald­tor­stra­ße voll­ie­fen. Nun beschwert sich ein Anwoh­ner über nächt­li­chen Lärm. Doch der ist amt­lich erlaubt, ver­si­chert die ENRW.

Hei­ko Pol­lok sitzt im Mief. Und er bekommt nachts kaum ein Auge zu. Der Grund: die Kanal­ar­bei­ten, mit denen die ENRW zur­zeit eine Ber­li­ner Fir­ma im Rott­wei­ler Innen­stadt­ge­biet beauf­tragt hat. Die lau­fen auch nachts, genau­so wie die Die­sel­mo­to­ren, die die Fir­ma ver­wen­det. Die machen Lärm und ver­brei­ten einen Gestank, der Pol­lok die Fens­ter geschlos­sen hal­ten lässt.

Nun wohnt der NRWZ-Leser aber nicht etwa direkt neben einem sol­chen zu sanie­ren­den Kanal. Viel­mehr eine Gas­se wei­ter. Die Bau­stel­le befin­det sich aktu­ell im Schwar­zen Gra­ben, der vom Schwar­zen Tor zum Stadt­gra­ben ver­läuft. Und Pol­lok wohnt in der Hoch­mai­en­gas­se, bekannt von frü­he­ren Boule-Tur­nie­ren des Stadt­ju­gend­rings im Stadt­gra­ben, als ihr Name geru­fen wur­de, wenn einer wie­der eine Kugel zu weit gewor­fen hat­te. Gra­ben und Gas­se trennt eine gan­ze Stadt­mau­er. Man soll­te also mei­nen, dass die für Ruhe sor­gen wür­de, aber Pus­te­ku­chen.

Seit Tagen arbei­tet eine Fir­ma aus Ber­lin an den Gul­lys”, berich­tet Pol­lok. Dage­gen hat er nichts ein­zu­wen­den, „das ist bestimmt gut”, schreibt er, samt Aus­ru­fe­zei­chen. Doch lie­fe dabei – zumin­dest abends – per­ma­nent ein Die­sel­mo­tor. Die­ser ver­pes­te die Luft nicht nur mit Abga­sen, son­dern auch mit einer immensen Lärm­be­läs­ti­gung. „Wis­sen Sie, was das soll”, fragt Pol­lok die NRWZ. Denn: „Ich kann bei dem Lärm und dem Gestank schon seit drei Tagen nicht mehr lüf­ten. Tue ich es trotz­dem, habe ich Nebel in der Woh­nung.”

Ein Lärm, ein Gestank, die auch ande­ren Innen­stadt­be­woh­nern bevor­ste­hen, denn die Sanie­rung der Kanä­le im Auf­trag der ENRW ist eine Wan­der­bau­stel­le.

Es gehe alles mit rech­ten Din­gen zu, ver­si­chert ENRW-Spre­cher Dr. Jochen Schicht auf Nach­fra­ge. Er wirbt zudem um Ver­ständ­nis für die Akti­on.

Schicht schreibt: „Die Kanal­sa­nie­rungs­fir­ma, die der­zeit in Rott­weil soge­nann­te ‚Clo­se-Fit-Liner‘* ein­zieht, muss nach dem Ein­zug die­ser Roh­re für etwa vier bis sechs Stun­den – je nach Län­ge des Kanal­ab­schnitts – 90 Grad hei­ßen Was­ser­dampf in den Liner ein­bla­sen, damit sich die­ser an das alte, bestehen­de Rohr anpas­sen kann.” Danach wer­de in den Liner kal­te Luft ein­ge­bla­sen, damit das neue Rohr aus­här­ten kann. Der nächs­te Schritt ist dann das Auf­frä­sen der Haus­an­schlüs­se, damit das Abwas­ser der umlie­gen­den Häu­ser wie­der abflie­ßen kann.

Die von der ENRW beauf­trag­te Fir­ma habe die offi­zi­el­le Geneh­mi­gung, die­se Arbei­ten auch nachts aus­zu­füh­ren, erklärt der Unter­neh­mens­spre­cher.

Kanal­sa­nie­rungs­ar­bei­ten hät­ten der­weil den gro­ßen Vor­teil, dass defek­te und maro­de Kanä­le in geschlos­se­ner Bau­wei­se erneu­ert wer­den könn­ten, so Schicht. „Anwoh­ner wer­den nur weni­ge Tage mit Maschi­nen­lärm und so wei­ter beläs­tigt.”

Bei einer offe­nen Bau­wei­se wür­den die Anwoh­ner über meh­re­re Wochen mit Bau­stel­len­lärm, Schmutz und Staub beläs­tigt. Der ENRW-Eigen­be­trieb Stadt­ent­wäs­se­rung sanie­re des­halb, wo es mög­lich ist, die Kanä­le in geschlos­se­ner Bau­wei­se. „Gänz­lich ohne Lärm und Geruchs­emis­sio­nen”, so Schicht, „las­sen sich die­se Arbei­ten, wel­che mit dem Ziel durch­ge­führt wer­den, auch künf­tig eine funk­tio­nie­ren­de Abwas­ser­ent­sor­gung zu gewähr­leis­ten, lei­der nicht erle­di­gen.”

*Info: Beim Clo­se-Fit-Lining wer­den werk­sei­tig her­ge­stell­te und ver­form­te (qua­si gefal­te­te) Roh­re aus PE-HD oder modi­fi­zier­tem PVC-U-Mate­ri­al in der Regel über vor­han­de­ne Kon­troll­schäch­te in das zu sanie­ren­de Rohr ein­ge­zo­gen. Die vor­ver­form­ten Rohr­strän­ge sind in die­sem Zustand auf etwa 40 % des Ursprungs- bzw. End­durch­mes­sers redu­ziert. Im Alt­rohr wer­den die­se unter Druck und Dampf­zu­fuhr so rück­ver­formt, dass die Liner eng an der Alt­rohr­wand anlie­gen. Die Clo­se-Fit-Ver­fah­ren wer­den auch als Ver­for­mungs­ver­fah­ren bezeich­net. Quel­le: Bun­des-Umwelt­mi­nis­te­ri­um