Alexandra Zink-Colacicco und Barbara Kunst. Foto: pm

Im Rah­men von „Frau­en­Zeit-Mäd­chen- und Frau­en­wo­chen 2018“ lud der Frau­en­bei­rat der Stadt Schram­berg in den gro­ßen Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses zu einer öffent­li­chen Sit­zung ein. Dar­über berich­tet Bar­ba­ra Olo­win­sky von Frau­en­bei­rat:

Im Mit­tel­punkt stand der Equal Pay Day – also die sym­bo­li­sche Mar­ke für die Ent­gelt­gleich­heit zwi­schen Män­nern und Frau­en. In die­sem Jahr war er am Sonn­tag, den 18. März 2018, ver­kün­de­ten die Busi­ness and Pro­fes­sio­nal Women (BPW) Ger­ma­ny, Initia­to­rin­nen des Akti­ons­tags für Ent­gelt­gleich­heit in Deutsch­land. Nach den aktu­el­len Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts ver­dien­ten Frau­en im Jahr 2016 durch­schnitt­lich 21 Pro­zent weni­ger als Män­ner.

Rech­net man den Pro­zent­wert in Tage um, arbei­ten Frau­en 77 Tage, vom 1. Janu­ar bis zum 18. März, umsonst. Nicht zu ver­wech­seln mit dem sym­bo­li­schen Steu­ern-Stich­tag, im ver­gan­ge­nen Jahr am 19. Juli, ab dem alle Steu­er­zah­ler in Deutsch­land end­lich für die eige­ne Tasche arbei­ten. Hier wird berech­net, was in der eige­nen Tasche bleibt nach Abzug aller direk­ten und indi­rek­ten Steu­ern – von einem Euro blei­ben nur 45,4 Cent!

Nach einer kur­zen Vor­stel­lung des Frau­en­bei­rats und der dar­in ver­tre­te­nen Grup­pie­run­gen ging es am 21. März zuerst ein­mal an die Daten und Fak­ten: Alex­an­dra Zink-Cola­cic­co und Bar­ba­ra Kunst erläu­ter­ten die sta­tis­ti­schen Grund­la­gen und die mög­li­chen Ursa­chen für die Ver­dienst­un­ter­schie­de von Män­nern und Frau­en.

Dabei wur­de deut­lich, dass der grö­ße­re Teil die­ser Dif­fe­renz auf die Ent­loh­nung der ver­schie­de­nen Berufs­grup­pen liegt, also bereits durch die Berufs­wahl ent­schie­den wird (etwa 15 Pro­zent), der klei­ne­re Teil (etwa 6 bis 7 Pro­zent) auf tat­säch­li­che Lohn­un­ter­schie­de bei glei­cher oder gleich­wer­ter Tätig­keit. 21 Pro­zent beträgt die Ein­kom­mens­lü­cke zwi­schen Frau­en und Män­nern (Gen­der Pay Gap). Das sind genau 21 Pro­zent zu viel.

Nach wie vor belegt Deutsch­land mit die­sem Ergeb­nis eine der Spit­zen­po­si­tio­nen im euro­päi­schen Ver­gleich. Die Lohn­lü­cke hat sich in den letz­ten Jah­ren kaum geän­dert. Die bei­den Refe­ren­tin­nen zogen Daten des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes Baden-Würt­tem­berg aus einer Befra­gung von Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten der Dua­len Hoch­schu­le und der Hoch­schu­le für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten her­an, in der wegen der Aus­wahl der Befrag­ten die Pro­blem­fel­der Teil­zeit bezie­hungs­wei­se Eltern­zeit noch wenig ein­flos­sen.

Trotz­dem war auch hier bereits nach kur­zer Berufs­zeit ein deut­li­cher Unter­schied zwi­schen Frau­en und Män­nern fest­zu­stel­len. Hier wur­den mög­li­che Ursa­chen ange­spro­chen: so zum Bei­spiel Teil­zeit­fal­le und Ver­ein­bar­keits­pro­ble­me Beruf/Familie, weni­ger Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen, “Sack­gas­sen-Arbeits­plät­ze ohne Auf­stiegs­per­spek­ti­ve“, Nach­ge­ben und Kon­flikt­ver­mei­dung in Gehalts­ver­hand­lun­gen, „har­tes“ Ver­han­deln wird Frau­en eher nega­tiv ange­rech­net als Män­nern.

Und nicht zuletzt füh­ren Bewer­tung von Belas­tung und Leis­tung zu gerin­ge­rer Bezah­lung in „Frau­en­be­ru­fen“, beson­ders in sozia­len Berufs­fel­dern. Die sich dar­aus erge­ben­den gerin­ge­ren Ren­ten­ein­künf­te wirk­ten dann schon fast logisch. Wie kann nun Trans­pa­renz dabei hel­fen, damit Frau­en zu mehr Gerech­tig­keit und Gleich­stel­lung in Gesell­schaft, Fami­lie und Beruf gelan­gen? Glei­ches Ent­gelt für Frau­en und Män­ner bei glei­cher oder gleich­wer­ti­ger Arbeit. Die­sen indi­vi­du­el­len Anspruch durch­zu­set­zen ist das Ziel, das mit dem Ent­gelt­trans­pa­renz­ge­setz erreicht wer­den soll. Beschäf­tig­te kön­nen ihn ab dem 6. Janu­ar 2018 erst­ma­lig gel­tend machen.

Anspruchs­be­rech­tigt sind Beschäf­tig­te in Betrie­ben mit mehr als 200 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern. Der Anspruch muss gemäß § 10 Abs. 2 Ent­g­Tran­spG in Text­form erfol­gen und ist grund­sätz­lich nur alle zwei Jah­re mög­lich. Der Anspruch bezieht sich nur auf Beschäf­tig­te des jeweils ande­ren Geschlechts, die eine glei­che oder gleich­wer­ti­ge Tätig­keit, aus­üben. Aller­dings kön­nen die Beschäf­tig­ten auch eine Erläu­te­rung zur Ent­gelt­fin­dung bezüg­lich des eige­nen Ent­gelts ver­lan­gen. Mit dem Aus­kunfts­an­spruch soll die Durch­set­zung des Anspruchs auf glei­chen Lohn erleich­tert wer­den.

Zum Abschluss wur­de auf wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen im Rah­men von „Frau­en­Zeit“ hin­ge­wie­sen, zum Bei­spiel das Semi­nar der vhs: „Gut gefragt und klar gesagt – Gekonn­te Gesprächs­füh­rung – für Frau­en“ am 13. April. In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on wur­de aus eige­nen Erfah­run­gen berich­tet, Pro­ble­me der Teil­zeit- bezie­hungs­wei­se des Job-Sharings ange­spro­chen und fest­ge­stellt, dass sich bis zu einer Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on noch eini­ges an den Rah­men­be­din­gun­gen, der Ein­stel­lung von Arbeit­ge­bern sowie von Frau­en und Män­nern ändern muss.