Formaldehyd in Berufsschule: Sanierung kommt

Ursache: wahrscheinlich Deckenplatten

SCHRAMBERG (him) – Schlechte Nachricht für den Kreis: Bei Luftmessungen wegen der anstehenden Umbaumaßnahmen in der Ludwig-Erhard-Berufsschule auf dem Sulgen haben Sachverständige schon Ende März bei einer Routinemessung erhöhte Formaldehyd-Werte in der Raumluft gemessen.

Wegen dieser Ergebnisse hat das Landratsamt Anfang Mai eine zweite Messung angeordnet und erneut erhöhte Werte festgestellt. Formaldehyd kommt in der Natur, im Zigarettenrauch, aber besonders in Baustoffen vor. Bei höheren Konzentrationen kann es zu Haut- und Atemwegsreizungen führen. Bei einem Pressegespräch am Donnerstag hat Schul-Dezernent Gerald Kramer vom Landratsamt berichtet, dass gleich klar war, „es besteht Handlungsbedarf“.

Ernste Mienen beim Pressetermin (von links): Schulleiter Jörg Wiesemann, Dr. Dieter Zöltzer und die Dezernenten Gerald Kramer und Dr. Heinz-Joachim Adam vom Landratsamt. Foto: him
Ernste Mienen beim Pressetermin (von links): Schulleiter Jörg Wiesemann, Dr. Dieter Zöltzer und die Dezernenten Gerald Kramer und Dr. Heinz-Joachim Adam vom Landratsamt. Foto: him

Die gemessenen Werte lagen bei einem ungelüfteten Raum bei bis zu 296 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter Luft. Der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation liegt bei 124 Mikrogramm. Wenn die Räume gelüftet wurden, sanken die Werte zwar deutlich, lagen aber immer noch über dem Grenzwert. Deshalb hatte die Schulleitung angeordnet, dass im Bau C regelmäßig zu jeder Unterrichtsstunde „fünf bis zehn Minuten quer gelüftet werden muss“, so Schulleiter Jörg Wiesemann.

Das Lüften werde als Sofortmaßnahme weiter betrieben, betont Dezernent Kramer.Auch möchte man eine vor Jahren stillgelegte Lüftungsanlage reinigen und wieder in Betrieb nehmen.Gleichzeitig werden zwei Klassenräume der 1979 erbauten Schule gesperrt. “Wir wollen untersuchen, wo die Belastung herkommt und ein Konzept entwickeln, wie der Bau C saniert werden kann.“ Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Heinz-Joachim Adam, betonte, Ziel sei, den Richtwert 124 Mikrogramm zu erreichen. Die derzeitigen Formaldehydwerte würden aber keine Gesundheitsgefahren darstellen. In einem Gutachten der Uni Freiburg heißt es, es läge „keine unmittelbar gefährliche Situation“ vor. Eine Forderung, die Schule zu schließen, hielte Dr. Dieter Zöltzer von der Materialprüfungsanstalt Stuttgart für „völlig überzogen.“

Der Chemiker Zöltzer vermutet, dass das Formaldehyd aus den Deckenplatten stammt. In den 80er Jahren hatte das Berufsschulzentrum schon einmal Formaldehydprobleme, damals stammte der Stoff aus Einbauschränken. Nachdem diese entfernt waren, sanken die Formaldehyd-Werte. Dass sie nun wieder angestiegen sind, könnte mit dem Einbau der neuen Fenster vor zwei, drei Jahren zusammenhängen, mutmaßen die Fachleute. Sie wurden vor rund drei Jahren eingebaut. „Wer gut dämmt, muss auch gut lüften“, laute eine wichtige Regel der Umweltmedizin, so Adam. In den vergangenen Jahren seien ihm „keine signifikanten Beschwerden“ über Reizungen oder Kopfschmerzen von Seiten der Lehrerschaft oder der Schüler zugetragen worden, so Wiesemann. Das betroffene Gebäude C mit seinen 25 Klassenräumen besuchen etwa 250 Schüler der LES und weitere Schüler der Friedrich-Ebert-Schule.

Gasen die Deckenelemente das Formaldehyd aus?
Gasen die Deckenelemente das Formaldehyd aus?

Nach den Sommerferien werden die beiden Schulen zu einer zusammengeschlossen. Als Konsequenz aus den Sulgener Messergebnissen will Kramer auch in den anderen Kreisberufsschulen die Raumluft messen lassen. „Wir denken da prophylaktisch.“ Ab 11. Juli soll der Umbau des Gebäudes C wie geplant beginnen. Dabei würden selbstverständlich auch die verursachenden Stoffe entfernt, erläutert Kramer. Er hofft, dass die Ergebnisse aus den beiden Testräumen bald vorliegen, damit anschließend die Klassenräume möglichst in den Sommerferien saniert werden können. Was das kostet, könne er noch nicht beziffern, nur: „Es wird sicher teuer.“

 

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