Sie kämp­fen für den Erhalt von Bäu­men und gegen ein neu­es Gefäng­nis. Ers­te­re müs­sen teils den­noch gefällt wer­den, letz­te­res kommt, das haben die Bür­ger ent­schie­den. Nun – da hat die Grup­pie­rung Forum für Rott­weil um die bei­den Stadt­rä­te Hei­de Frie­de­richs und Rei­ner Hils ein neu­es Ziel aus­ge­macht. Alfons Bürk. Die bei­den fra­gen: Wer ist die­ser Mann, der bei allen wich­ti­gen The­men mit­zu­mi­schen scheint? Die Ant­wort mag auf der Hand lie­gen, kann auch aus dem Ärmel geschüt­telt – aber an einem Don­ners­tag­abend nicht mehr veri­fi­ziert wer­den. Ver­su­chen wir es trotz­dem …

… mit einer Ein­schät­zung.

Um das vor­weg zu schi­cken: Forum für Rott­weil (FFR), das ist kei­ne Par­tei. Das ist im Gemein­de­rat nach dem frak­ti­ons­lo­sen Stadt­rat Jens Jäger die kleins­te poli­ti­sche Ein­heit, hat des­halb kei­nen Frak­ti­ons­sta­tus, ist bei wich­ti­gen Bespre­chun­gen des Ältes­ten­ra­tes außen vor und mit­hin nur eine Grup­pie­rung – was für Dau­er­frust bei den FFR-Leu­ten sorgt, aber das ist ein ande­res The­ma. Das Forum ist auch nir­gends anders enga­giert als im Gemein­de­rat. Aber sei­ne dort sit­zen­den bei­den Mit­glie­der sind mit die lau­tes­ten, kri­tischs­ten und mit­un­ter rede­freu­digs­ten im gan­zen Rund.

Ihre Kri­tik rich­te­te sich gegen den thyssenkrupp-Test­turm, sie rich­te­te sich gegen das auf dem Esch geplan­te Gefäng­nis. Der eine steht, das ande­re kommt, wohin also mit dem kri­ti­schen Blick? Er ruht nun auf Alfons Bürk. Pro­jekt­be­auf­trag­ter im Diens­te der Stadt Rott­weil.

Als Träger von Hemd und Jackett eventuell der Vetterleswirtschaft verdächtig? Alfons Bürk. Archiv-Foto: NRWZ
Als Trä­ger von Hemd und Jackett even­tu­ell der Vet­terles­wirt­schaft ver­däch­tig? Alfons Bürk. Archiv-Foto: NRWZ

Aber was ist denn das, „Pro­jekt­be­auf­trag­ter”? Das fra­gen sich die FFR-Leu­te, und sie tun es öffent­lich. Per offe­nem Brief an den Ober­bür­ger­meis­ter, den sie per E‑Mail auch gleich an die Pres­se schi­cken. Der Wirk­sam­keit wegen.

Es wer­de „immer offen­sicht­li­cher”, heißt es dar­in, „in wie vie­len Berei­chen Herr Alfons Bürk ein­ge­bun­den ist – in der Gefäng­nis­de­bat­te tauch­te Herr Bürk eben­so auf wie zuletzt im neu gebil­de­ten Bünd­nis der Stadt Rott­weil für Flücht­lin­ge”, haben Frie­de­richs und Hils fest­ge­stellt. Bürk wer­de häu­fig zitiert, zuletzt im Zusam­men­hang mit der Bericht­erstat­tung über den mög­li­chen Bau eines Hotels auf dem Ber­ner Feld.

FFR haben damit ein Pro­blem: Bürk war, so schrei­ben sie, Pro­jekt­be­ra­ter bei thyssenkrupp Ele­va­tor – oder ist es „viel­leicht immer noch?” „Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Stadt”, schrei­ben Frie­de­richs und Hils wei­ter, „haben ein Recht auf Infor­ma­ti­on” über den Sta­tus von Bürk, „zumal die­se Posi­ti­on haus­halts­re­le­vant ist.”

FFR fragt des­halb wört­lich:

  1. Wel­che Auf­ga­ben­be­schrei­bung liegt sei­ner Bera­ter­tä­tig­keit im sicher­lich abge­schlos­se­nen Bera­ter­ver­trag zugrun­de?
  2. Mit wel­chen Kom­pe­ten­zen und Rech­ten wur­de der Bera­ter zum Han­deln inner­halb der Ver­wal­tung aber auch nach außen zum Bei­spiel gegen­über Grund­stücks­ei­gen­tü­mern, Trä­gern über­ge­ord­ne­ter Belan­ge, Ver­wal­tungs­be­hör­den usw. aus­ge­stat­tet?
  3. Wel­che fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on bezie­hungs­wei­se Erfah­rung prä­de­sti­niert den Bera­ter in beson­de­rer Wei­se für den vor­ge­se­he­nen Auf­trag?
  4. Aus wel­chen Grün­den besteht über­haupt die Erfor­der­nis sich in dem vor­ge­se­he­nen und inzwi­schen deut­lich aus­ge­wei­te­ten Umfang (sie­he Pres­se­be­rich­te, auch städ­ti­sche) bera­ten zu las­sen? Kann die erfor­der­li­che Leis­tung nicht von der eige­nen Ver­wal­tung erbracht wer­den?

Klar ist: Die Stadt­ver­wal­tung scheint Bürk nach und nach in die Rol­le und Posi­ti­on gebracht zu haben, in der er jetzt ist. „Pro­jekt­be­auf­trag­ter” im All­ge­mei­nen wur­de er über die Sta­tio­nen „Frei­er Mit­ar­bei­ter der Stadt Rott­weil im Pro­jekt­ma­nage­ment JVA” und „Pro­jekt­ko­or­di­na­tor”. Und, ja, er war auch schon „Pro­jekt­be­auf­trag­ter von thyssenkrupp, der span­nen­de Ein­bli­cke in das Bau­ge­sche­hen” auf der Turm­bau­stel­le gebo­ten habe.

Aber was ist er jetzt? Ganz ein­fach: eine Hono­rar­kraft. Kein Ange­stell­ter, son­dern ein mit einem Dienst­leis­tungs­ver­trag Aus­ge­stat­te­ter. Bürk übt für die Stadt eine Bera­ter­tä­tig­keit aus, erhält im Gegen­zug Geld. Wie­viel, das unter­liegt dem Per­sön­lich­keits­recht und ist des­halb geheim (bis der nächs­te Haus­halts­be­richt her­aus­kommt, da wird sein Hono­rar drin­ste­hen). Zudem ist Bürk gelern­ter Archi­tekt. Und er hat Kon­tak­te. Wert­vol­le, wie die Stadt­ver­wal­tung glaubt.

Es ist üblich, dass die Stadt hier und da Auf­ga­ben an exter­ne Kräf­te ver­gibt. Die­se Leu­te – oder die Mit­ar­bei­ter die­ser Büros – tau­chen dann ein‑, zwei­mal in Gemein­de­rats­sit­zun­gen auf und ver­schwin­den dann wie­der im Tages­ge­schäft. Der Ver­kehrs­pla­ner Prof. Gun­ter Kölz ist bei­spiels­wei­se so einer.

Externe Honorarkraft: Grünplaner Johann Senner. Foto: Thomas Decker
Exter­ne Hono­rar­kraft: Grün­pla­ner Johann Sen­ner. Foto: Tho­mas Decker

Da sind illus­tre, span­nen­de Men­schen dar­un­ter. Der Grün­pla­ner Johann Sen­ner ist so einer. Wenn er sei­ne Visio­nen von einer ergrün­ten, erleb­nis­rei­chen, erhol­sa­men Innen­stadt aus­brei­tet, hören die FFR-Leu­te ihm ger­ne zu. Sie wür­den ihn mut­maß­lich nicht ange­hen.

Aber es ist ja auch kei­ner so omni­prä­sent wie Alfons Bürk. Und kei­ner hat die­se Geschich­te in Rott­weil: Gefei­ert als einer der Stadt­ju­gend­ring-Sanie­rer. Das war in Zei­ten frü­hen Farb­fern­se­hens eine Grup­pe geschei­ter jun­ger Leu­te, die hand­werk­lich sehr geschickt waren und die sich alter Häu­ser in der Stadt annah­men. Vor­bild­haft. Und weit weg vom Estab­lishe­ment. Mehr so alter­na­tiv.

Auch der „Spie­gel” berich­te­te sei­ner­zeit –  über eine Scheu­ne bei einem Pfarr­haus, die „längst auf der Rott­wei­ler Bau­schutt­de­po­nie” (läge), hät­te nicht der damals 18-jäh­ri­ge Abitu­ri­ent Alfons Bürk ‚aus rei­ner Neu­gier‘ das ver­wahr­los­te Gemäu­er inspi­ziert.” Bürk habe an das Lan­des­denk­mal­amt geschrie­ben und erwirkt, dass das Gebäu­de unter Denk­mal­schutz gestellt wur­de. Eine Sanie­rung aber – viel zu teu­er. „Da ergriff”, so der „Spie­gel” wei­ter, „Schü­ler Bürk wie­der die Initia­ti­ve. Er mobi­li­sier­te eine Jugend­grup­pe des Stadt­ju­gend­rin­ges. 20 Jun­gen und Mäd­chen, sonst in ihrer Frei­zeit damit beschäf­tigt, Film­aben­de und Wett­spie­le zu orga­ni­sie­ren, arbei­te­ten 8500 Stun­den in dem erhal­tungs­wer­ten Fach­werk­haus. So wur­de – zu einem Drit­tel der geschätz­ten Kos­ten – die Pfarr­scheu­er eines der schöns­ten Gebäu­de am Ran­de der Rott­wei­ler Alt­stadt.” Das sei 1977 gewe­sen und „nur ein Anfang. Inzwi­schen haben die Jugend­li­chen von Rott­weil, die sich ‚Instand­set­zer‘ nen­nen, 30 Fach­werk­häu­ser, zwei Kapel­len und einen Bau­ern­hof vor dem Ver­fall oder der Abriß­bir­ne geret­tet.”

Lob und Prei­se gab es damals für all das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment. Doch jetzt scheint die­ser Bürk aus­ge­schert zu sein, die Sei­ten gewech­selt zu haben. Wie ein Klein­ga­no­ve, der Poli­zist gewor­den ist, wie ein Demons­trant gegen den Nato-Dop­pel­be­schluss, der als Berufs­sol­dat Lauf­bahn macht. Bürk – der frü­he­re Lin­ke, der heu­te zum Groß­ka­pi­tal gehört?

Des­halb kom­men sie jetzt: der ehe­ma­li­ge Weg­ge­fähr­te, dem die ört­li­che Tages­zei­tung eine gan­ze Sei­te wid­met, und der nicht so recht weiß, was er mit dem frü­he­ren Freund in heu­ti­ger Posi­ti­on anfan­gen soll. Und die Ewig-Kri­ti­schen von FFR. Sie ver­mu­ten Ver­rat, Draht­zie­he­rei, Vet­terles­wirt­schaft, den Unter­gang Rott­weils, wenn nicht gar.

Ihnen sei erklärt: Herr Alfons Bürk, wie Frie­de­richs und Hils ihn nen­nen, ist jeden­falls dem deut­li­chen Anschein nach ein Mann, der wirkt und bewirkt. Jemand, der Ide­en hat, Posi­tio­nen, der die­se auch ver­tritt und des­halb gege­be­nen­falls aneckt. Ihn des­halb jetzt per­sön­lich und öffent­lich anzu­ge­hen – nach dem Mot­to: „man wird ja wohl noch fra­gen dür­fen” -, das ist wenigs­tens ein wenig unschön, denn es wird die Per­son Bürk beschä­di­gen, viel­leicht den Men­schen.

Und – über­schätzt man Bürk nicht, wenn man glaubt, er kön­ne im Hin­ter­grund Pro­jek­te der Aus­ma­ße des thyssenkrupp-Test­turms und des Lan­des­ge­fäng­nis­ses ein­fä­deln, gleich­sam an den Bür­gern vor­bei? Gehört nicht eine Por­ti­on Para­noia dazu, Bürk als even­tu­ell mit zu weit­rei­chen­den Kom­pe­ten­zen aus­ge­stat­tet zu emp­fin­den? Sei­ne „fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on bezie­hungs­wei­se Erfah­rung” öffent­lich infra­ge zu stel­len?

Aber das ist eigent­lich nur eine emo­tio­na­le Ein­schät­zung. Die sach­li­che wird die Stadt­ver­wal­tung fol­gen las­sen. Wenn sie die Zeit gefun­den hat, sich wäh­rend der lau­fen­den Haus­halts­be­spre­chun­gen dar­auf zu ver­stän­di­gen, was zur Rol­le Bürks zu sagen sein wird. Öffent­lich.