Gefährlicher Glanzruß: Feuerwehr Rottweil bekommt Kaminbrand rechtzeitig in den Griff

Feuer statt Rauch: Was am Donnerstag aus einem Kamin eines Hauses in der Mittelstadt schlug, war alarmierend. 400 Grad haben die Rottweiler Feuerwehrleute, mit 14 Mann und sechs Fahrzeugen zur Einsatzstelle geeilt, am Kamin auf dem Dach gemessen. Sie bekamen die heraus schlagenden Flammen allerdings in den Griff, bevor sie auf das Haus übergreifen konnten. Schuld am Desaster: Glanzruß. 

Glanzruß ist eine teerähnliche Ablagerung im Inneren einer erkalteten Heizanlage oder eines Schornsteins. Er ist entzündbar – was schlimme Folgen haben kann. Steht Glanzruß – und damit das Innere des Kamins – erst einmal in Flammen, können Höchsttemperaturen von 1500 Grad Celsius entstehen. Das ist gefährlich, denn die Entflammungstemperatur gängiger Holzarten liegt unter 300 Grad. 

In Rottweil kamen auch unachtsame Ablagerungen rund um den Schornstein im nicht ausgebauten Dachgeschoss dazu – leicht entzündliches Zeug. Allein die Strahlungswärme des Kamins kann so etwas in Brand setzen. Auch, wie zuletzt in Dietingen geschehen, kann eine Zwischendecke zu brennen beginnen.

Zurück vom Dach: zwei Atemschutzträger und ihre Kameraden. Foto: gg
Zurück vom Dach: zwei Atemschutzträger und ihre Kameraden. Foto: gg

Die Rottweiler Feuerwehr musste daher schnell handeln und die Temperatur herunter bekommen. Dies geschah, indem sie den Kamin frei räumte. Zwei Atemschutzträger sind mit der Drehleiter zur Spitze des Schornsteins aufgestiegen und haben eine Kugel in den dort bereits 400 Grad heißen Kamin abgelassen. Das geschah, um den Kaminzug freizumachen und die Entfaltung des Brandes nach oben zu erhalten. Währenddessen schossen Flammen aus dem Schornstein.

Minuten später konnte Stadtbrandmeister Frank Müller „Brand unter Kontrolle“ vermelden. Dass es für das Gebäude knapp war, bestätigte er auf Nachfrage der NRWZ. Ein Löschfahrzeug stand jedenfalls schon direkt neben dem Haus bereit. 

Stadtbrandmeister Frank Müller (Bildmitte) bespricht sich mit den angerückten Polizeibeamten. Foto: gg
Stadtbrandmeister Frank Müller (Bildmitte) bespricht sich mit den angerückten Polizeibeamten. Foto: gg

Eine angerückte Polizeistreife konnte da bereits wieder den Einsatzort verlassen, nun kümmerte sich ein Schornsteinfeger um den Kamin. Und sicherlich auch um die Unterrichtung der Bewohner des Hauses.

Dass es knapp war, zeigt auch etwa, dass die Eisenkette, die an der Kaminkugel hängt, bereits zu glühen begonnen hatte. 

Infos

Ein Kaminbrand entsteht, das hat die Feuerwehr Herzebrock schön zusammen getragen, wenn sich durch eine unvollständige Verbrennung abgelagerter Ruß im Schornstein entzündet. Ruß entsteht beim Verbrennen von festen Stoffen. Er lagert sich nach und nach an den Innenwänden des Kamins ab. Dieser sogenannte Glanzruß muss regelmäßig durch den Schornsteinfeger entfernt werden. Werden die Ablagerungen nicht regelmäßig entfernt, kann es zu einem Entzünden des Glanzrußes kommen.

Glanzruß wird durch folgende Kriterien verstärkt: Es wird zu feuchtes Holz verwendet. Für eine saubere Verbrennung wird zu wenig Sauerstoff zugeführt. Es wird ein ungeeigneter Brennstoff verwendet. Zuviel Brennholz auflegt, dadurch Entstehung eines Schwelbrandes. Stark windiges Wetter. Bauliche Mängel des Kamins.

Wie läuft ein Kaminbrand ab? Hat sich der Kamin entzündet, steigt bei bis zu 600 Grad erst einmal nur starker Rauch aus dem Kamin. Dann lässt der Rauch langsam nach und die Brandphase beginnt. Es schlagen Flammen aus dem Kamin und die Temperatur im Kamin steigt auf 1000 bis 1300 Grad. Jetzt beginnt der gefährlichste Moment. Durch die große Hitze beginnt der Ruß, im Kamin aufzuquellen. Dabei kann das Volumen auf das Siebenfache ansteigen. Der Querschnitt des Kamins wird immer kleiner. Die Folge: Die Hitze und der Rauch können nicht mehr nach oben entweichen und verteilen sich deshalb sehr schnell im Gebäude. Größere Schäden sind nun nicht mehr zu vermeiden..

Warum löscht die Feuerwehr den Kaminbrand nicht? Ein Kaminbrand darf nicht mit Wasser gelöscht werden. Bei den hohen Temperaturen im Kamin (mehr als 1000 Grad) wird aus einem Liter Löschwasser explosionsartig etwa  1700 Liter Wasserdampf. Der schlagartige Druckanstieg würde den Schornstein schwer beschädigen, möglicherweise sogar explodieren lassen.

Was muss ich bei einem Kaminbrand tun? Verwenden Sie niemals Wasser zum Löschen eines Kaminbrandes! Rufen Sie sofort die Feuerwehr über den Notruf 112! Verständigen und warnen Sie die Menschen in dem betroffenen Gebäude und weisen Sie die Feuerwehr ein.

 

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