Hier soll also das Gefäng­nis hin?” Einen wah­ren Men­schen­auf­lauf hat das Esch, poten­zi­el­ler Rott­wei­ler Stand­ort einer neu­en Lan­des-Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt, am Don­ners­tag­abend erlebt. Der Ein­la­dung zu einer Info-Ver­an­stal­tung, initi­iert von der Erwach­se­nen­bil­dung Die­tin­gen und unter­stützt von der Begleit­grup­pe zum Bür­ger­ent­scheid bestehend aus Pro­jekt­be­tei­lig­ten und Bür­gern, sind gut 250 Men­schen gefolgt.

Foto: Thomas Decker, Team Ralf Graner Photodesign
Foto: Tho­mas Decker, Team Ralf Gra­ner Pho­to­de­sign

Knast­mau­er 1,4 Km”. An einem Bag­ger hängt die­ses Trans­pa­rent, steht dies mah­nend weiß auf pech­schwarz. Sagt: Ein Unding, was hier geplant wird. Stan­gen, wie wir sie von anste­hen­den Bau­pro­jek­ten aus der Schweiz ken­nen und wie sie dort die Dimen­sio­nen eines geplan­ten Neu­baus sicht­bar machen, sind auf­ge­stellt wor­den. Bür­ger sind gekom­men, dazu Ver­wal­tungs­leu­te und Stadt­rä­te. Eine fest­li­che Stim­mung herrscht bei herbst­li­chem Son­nen­schein. Alle machen sich noch­mal ein Bild vom ver­blie­be­nen Rott­wei­ler Knast­stand­ort, über den Sonn­tag in einer Woche ent­schie­den wer­den soll.

Das Land Baden-Würt­tem­berg, die Bür­ger­initia­ti­ve Neckar­burg ohne Gefäng­nis, das Bür­ger­fo­rum Per­spek­ti­ven Rott­weil als Gefäng­nis­be­für­wor­ter, die Stadt Rott­weil und Mit­glie­der des Gemein­de­rats sind ver­tre­ten. Auch der Grün­pla­ner ist da, den die Stadt­ver­wal­tung enga­giert hat, und der die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ein­ge­bet­tet in einen Grün­gür­tel sieht, der von der Innen­stadt bis zur Neckar­burg reicht, inklu­si­ve der Ver­le­gung des bestehen­den Rad­wegs weg von der künf­ti­gen Gefäng­nis­mau­er.

Foto: Thomas Decker, Team Ralf Graner Photodesign
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Rund 300.000 Euro Mehr­ein­nah­men für die Stadt Rott­weil.” „Rund 200 Arbeits­plät­ze.” Mit Wäsche­klam­mern an eine Lei­ne gepinnt hat­te die Stadt­ver­wal­tung ihre Argu­men­te. Sie erreicht beim Orts­ter­min auf dem Esch vor­wie­gend Bür­ger aus Die­tin­gen und Vil­lin­gen­dorf, erklär­ter­ma­ßen gegen das Gefäng­nis direkt vor ihren Haus­tü­ren, über das nur Rott­wei­ler ent­schei­den kön­nen.

Foto: Thomas Decker, Team Ralf Graner Photodesign
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Bei der Bür­ger­initia­ti­ve Neckar­burg ohne Gefäng­nis wird Zopf­brot gereicht und ein Nein zum Esch gefor­dert. „Die  natür­li­chen Flä­chen sind zu schüt­zen”, heißt es da. Und über allem strahlt die Son­ne, lässt die gel­ben und oran­ge­nen Warn­wes­ten leuch­ten, die schon die Knast­geg­ner aus Zepfen­han und Neu­kirch bei ihrem Pro­test sei­ner­zeit gegen das Bitz­wäld­le getra­gen haben.

Dicht bei­sam­men ste­hen der­weil die Rott­wei­ler Stadt­rä­te, die ihr Ja, ihren Namen und ihr Gesicht bereits gege­ben haben. Und die jetzt nur noch von den Bür­gern über­stimmt wer­den kön­nen.

Grün­pla­ner Johann Sen­ner, der städ­ti­sche Fach­be­reichs­lei­ter Lothar Huber und der Pro­jekt­be­auf­trag­te Alfons Bürk – drei cha­ris­ma­ti­sche Men­schen, die jeder auf ihre Art zu begeis­tern ver­su­chen und zu unter­hal­ten ver­ste­hen – füh­ren die Bür­ger in drei Grup­pen über den Acker, der das Esch zur­zeit ist. Bezie­hungs­wei­se über die schüt­zens­wer­te, intak­te Natur­land­schaft, je nach Sicht­wei­se.

Foto: Thomas Decker, Team Ralf Graner Photodesign
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Und wenn die Drei auch den einen oder ande­ren Zuhö­rer, zumeist Geg­ner des Stand­orts oder des Gefäng­nis­ses über­haupt, über­zeu­gen haben kön­nen – Vil­lin­gen­dorfs Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Bucher, auch so ein mit Cha­ris­ma Geseg­ne­ter, macht am Ende eini­ges davon zunich­te, als er sanft lächelnd auf die „tol­le Land­schaft” ver­weist, die das Esch dar­stel­le.

Hier soll also das Gefäng­nis hin?” „Ja, klar!”, rufen die Befür­wor­ter wei­ter­hin. „Im Leben nicht!”, ant­wor­ten wei­ter die Geg­ner. Aber immer­hin war es ein schö­ner Spät­som­mer­abend in der frei­en Natur für bei­de.

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