Freuen sich schon auf den Narrentag 2017: Marius Kirsner, Axel Saile und Claus Grimm (von links). Foto: privat

Rott­weil (nrwz). Der 21. und der 22. Janu­ar 2017, obwohl in mehr als einem Jahr, sind jetzt schon in vie­len Kalen­dern Rott­wei­ler Bür­ger vor­ge­merkt. Und in jenen in Elzach, Über­lin­gen und Obern­dorf. Denn dann ist wie­der Nar­ren­tag, end­lich wie­der. Ein när­ri­sches Groß­ereig­nis, das nur alle drei bis vier Jah­re statt­fin­det. Wäh­rend die einen sich freu­en, berei­ten die ande­ren sich vor. Etwa Axel Sai­le, aktiv im Quar­tiersaus­schuss der Nar­ren­zunft Rott­weil. Wir haben ihn inter­viewt.

Herr Sai­le, erin­nern Sie sich noch an Ihren ers­ten Nar­ren­tag? Was hat Sie damals am meis­ten beein­druckt?
Axel Sai­le: Das ist schon ein paar Tage her, da haben mich mei­ne Eltern mit zum Nar­ren­tag genom­men. 1973 war das, in Rott­weil, ich war zehn Jah­re alt. Mit mei­nem Vater habe ich den abend­li­chen Ster­nen­lauf ange­schaut. Ich weiß noch, dass mich die vie­len Nar­ren­ty­pen sehr fas­zi­niert haben. Vor allem die Elza­cher mit ihren roten Fle­cken und den fins­te­ren Lar­ven. Und ich erin­ne­re mich noch genau, wie ich danach, auf dem Heim­weg in die Ruhe-Chris­ti-Stra­ße, mei­ne Cow­boy-Pis­to­le im Gedrän­ge ver­lo­ren und nicht mehr gefun­den habe. Welch ein Unglück für einen zehn-jäh­ri­gen Jun­gen. Wenn ich heu­te zufäl­lig in der Ruhe-Christ-Stra­ße lau­fe, suche ich unbe­wusst immer noch nach die­ser blö­den Käp­se­le-Pis­to­le.

Wie kam es danach dazu, dass Sie sich ent­schlos­sen haben sich in der Nar­ren­zunft zu enga­gie­ren?
Sich für die­ses jahr­hun­der­te­al­te Brauch­tum ein­zu­set­zen, war schon immer mein Traum. Als Rott­wei­ler bei der Nar­ren­zunft mit­ma­chen zu dür­fen, heißt, sich per­ma­nent im Span­nungs­feld zwi­schen His­to­rie und Moder­ne zu bewe­gen. Das ist sozu­sa­gen der Olymp des Brauch­tums und hier heißt es tat­säch­lich: ‚Dabei sein ist alles.‘
Was ist Ihrer Mei­nung nach das Aus­schlag­ge­ben­de für den Erfolg eines sol­chen Nar­ren­ta­ges?
Das ist ganz klar zum einen die Ein­ma­lig­keit und Ein­zig­ar­tig­keit. Es gibt ein­fach nichts Ver­gleich­ba­res und natür­lich nur ein Ori­gi­nal – das bei uns im Vie­rer­bund. Zum ande­ren lebt jeder Ein­zel­ne in der Stadt die­ses beson­de­re Ereig­nis mit, fie­bert drauf hin, hilft mit, wo er kann. Dadurch wird die­ser Tag zu einem gro­ßen Fami­li­en­fest.

Ange­nom­men, Sie wären selbst am kom­men­den Nar­ren­tag 2017 in Rott­weil nicht im Namen der Nar­ren­zunft im Ein­satz, wie wür­den Sie dann am liebs­ten Ihre Zeit ver­brin­gen?
Mit das Schöns­te am Nar­ren­tag ist, dass abge­se­hen von der unglaub­li­chen Viel­falt an Nar­ren­ty­pen, die es zu bestau­nen gilt, Häu­ser ihre Pfor­ten öff­nen, die nor­ma­ler­wei­se ver­schlos­sen sind. Ich den­ke hier an zahl­rei­che Besen­wirt­schaf­ten, die teil­wei­se in Häu­sern ihre Spei­sen und Geträn­ke anbie­ten, die sonst nicht für Jeder­mann geöff­net sind. Als Zuschau­er wür­de mir aber natür­lich auch das nächt­li­che Sich-trei­ben-las­sen, gefal­len.
Was genau machen Sie in Bezug auf die Vor­be­rei­tun­gen zum Nar­ren­tag 2017 in Rott­weil?
Mit mei­nen Zunft­brü­dern Claus Grimm und Mari­us Kirs­ner haben wir als Quar­tier­aus­schuss den Auf­trag, für die Unter­brin­gung der Reprä­sen­tan­ten der Schwest­er­zünf­te aus Elzach, Über­lin­gen und Obern­dorf zu sor­gen. Dafür war es zunächst erfor­der­lich, den Bedarf unse­rer Gäs­te zu ermit­teln. Hört sich lapi­dar an, aber wir muss­ten bereits 2014 Zah­len in Erfah­rung brin­gen, die erst 2017 eine Rele­vanz besit­zen.

Fer­ner haben wir Unter­künf­te für zahl­rei­che Musik­ka­pel­len orga­ni­siert. Genau­so wie wir den Musi­kern auch ein Instru­men­tela­ger besorgt haben. Nicht jeder Tuba­spie­ler einer Kapel­le möch­te sein Instru­ment den gan­zen Tag oder die gan­ze Nacht mit sich her­um­schlep­pen. Zudem war es unse­re Auf­ga­be, eine Lis­te von Anbie­tern von Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten im Umkreis von Rott­weil zusam­men­zu­stel­len.

Wie ist der Stand der Din­ge beim Quar­tier­aus­schuss?
Wich­tig für alle Rott­wei­ler Bür­ger dürf­te sein, dass auf­grund der gerin­gen Kapa­zi­tä­ten am Nar­ren­tag in Rott­weil für aus­wär­ti­ge Nar­ren kei­ne Hotel­bet­ten mehr ver­füg­bar sind. Alles ist bereits aus­ge­bucht.

Hän­de­rin­gend wird daher noch nach Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten gesucht. Fer­ner konn­te der Quar­tier­aus­schuss die Tou­rist-Info für die Ver­ga­be der ver­blie­be­nen Rott­wei­ler Feri­en­woh­nun­gen und für die Ver­ga­be von Quar­tie­ren in den Nach­bar­ge­mein­den Zim­mern, Die­tin­gen, Vil­lin­gen­dorf und Deiß­lin­gen gewin­nen. Seit dem Stadt­fest 2015 fragt die Tou­rist-Info alle poten­ti­el­len Quar­tier­an­bie­ter an, ob noch Plät­ze zur Ver­fü­gung ste­hen und pflegt eine Lis­te von noch ver­füg­ba­ren Bet­ten. Die Ver­ga­be der ver­füg­ba­ren Bet­ten erfolgt dann über die Tou­rist-Info.

Was ist für Sie per­sön­lich die größ­te Her­aus­for­de­rung im Hin­blick auf die Orga­ni­sa­ti­on?
Obwohl in den Stun­den von Frei­tag- bis Sonn­tag­abend für vie­le Gäs­te aus den drei ande­ren Städ­ten die Näch­te recht kurz sein dürf­ten, soll jeder, der in Rott­weil über­nach­ten möch­te, die Rott­wei­ler Gast­lich­keit füh­len. Er soll ein Bett, ein Sofa oder eine Matrat­ze haben, wo er sich mal eini­ge Stun­den erho­len kann und beim Auf­wa­chen den Ein­druck gewinnt, er wäre zu Hau­se. Der Vie­rer­bund ist eine gro­ße Fami­lie und es wäre toll, wenn die­ser Geist der Ver­bun­den­heit und Herz­lich­keit auch von unse­ren Über­nach­tungs­an­bie­tern und Gast­fa­mi­li­en gelebt wür­de.

Was war Ihr schöns­tes oder kurio­ses­tes Erleb­nis in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an einem Nar­ren­tag?
Es war beim Nar­ren­tag 1987 in Rott­weil. Ich war 23 Jah­re alt. Nach dem Ster­nen­lauf habe ich als Feder­a­han­nes einen sehr agi­len Schud­dig ken­nen­ge­lernt, mit dem ich eini­ge Zeit unter­wegs war, um vor allem die weib­li­chen Wesen zu necken. Wir haben uns so gut ver­stan­den, als wür­den wir uns schon ewig ken­nen.

Zu vor­ge­rück­ter Stun­de sind wir im Schud­dig­zim­mer im Gast­haus Hoch­brü­cke ein­ge­kehrt und haben dort auch zum ers­ten Mal, seit wir zusam­men unter­wegs waren, jeweils unse­re Lar­ven gelüf­tet. Mei­ne Über­ra­schung war groß, einen min­des­tens dop­pelt so alten, grau­haa­ri­gen Mann zu sehen, der mir aber in Spaß und Kon­di­ti­on in nichts nach­stand.