Dr. Andreas Schwab, seit dem Jahr 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments, in der Veranstaltung der Frauen-Union im Kapuziner in Rottweil: Wir brauchen das vereinte Europa. Foto: pm

ROTTWEIL – Mit der recht pro­vo­ka­ti­ven Fra­ge­stel­lung „Ist Euro­pa noch zu ret­ten?“ hat­te der Kreis­vor­stand Rott­weil der Frau­en-Uni­on in den Kapu­zi­ner nach Rott­weil ein­ge­la­den, wo der Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Dr. Andre­as Schwab, in der Kreis­stadt gebo­ren und dort auf­ge­wach­sen, die Fra­gen beant­wor­te­te und auf die kri­ti­schen Anmer­kun­gen der zahl­rei­chen Besu­cher ein­ging.

Der 43-jäh­ri­ge christ­de­mo­kra­ti­sche Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te schlug den enor­men und für den Betrach­ter nahe­zu unüber­sicht­li­chen Bogen vom Bre­x­it und den mög­li­chen Fol­gen über TTIP und die Bedeu­tung für die Rechts­si­cher­heit in Euro­pa, die Flücht­lings­pro­ble­ma­tik in Afri­ka („In der Saha­ra sind schon über eine Mil­li­on Men­schen gestor­ben – das fin­det in Euro­pa kaum Beach­tung“), bis zu den Umtrie­ben der Macht­ha­ber in Ungarn und in der Tür­kei, Putins Unter­stüt­zung der AfD in Deutsch­land und der Par­tei von Mari­ne Le Pen in Frank­reich. „Wir befin­den uns in einem neu­en Kal­ten Krieg“, so Andre­as Schwab in sei­nem fast schon ernüch­tern­den Vor­trag zu all den Kon­flik­ten in Euro­pa und dar­über hin­aus.

Auch des­we­gen war sein Plä­doy­er umso wich­ti­ger: Die christ­de­mo­kra­ti­schen Wer­te Soli­di­tät, Soli­da­ri­tät und Sub­si­dia­ri­tät müs­sen wei­ter­hin erkämpft und ver­bind­lich bewahrt wer­den.

Bei umstrit­te­nen The­men­be­rei­chen wie den in der Dis­kus­si­on hef­tig umstrit­te­nen Frei­han­dels­ab­kom­men konn­te der CDU-Poli­ti­ker man­che Klar­stel­lung errei­chen und tat­säch­li­che oder auch „künst­lich erzeug­te Befürch­tun­gen“ zer­streu­en, ohne berech­tig­te Anlie­gen der Bür­ger von vorn­her­ein abzu­tun. Wie es ihm auch gelang, in der Öffent­lich­keit immer wie­der vor­ge­brach­te Argu­men­te gegen die Euro­päi­sche Uni­on zu zer­pflü­cken.

Nicht Euro­pa, nicht das Euro­päi­sche Par­la­ment bür­de den Bür­gern man­che unlieb­sa­me Kos­ten und Rege­lun­gen auf: „Viel­mehr schie­ben regio­na­le, loka­le Insti­tu­tio­nen ger­ne die Ver­ant­wor­tung nach Euro­pa: Da wer­den häu­fig Ver­ant­wor­tun­gen gegen­ein­an­der aus­ge­spielt, was jedoch nie­man­dem nützt.“ Mit kla­ren und erläu­tern­den Aus­sa­gen gelang es Andre­as Schwab, der sei­nen Wahl­kreis Süd­ba­den bereits in der drit­ten Wahl­pe­ri­ode im Euro­päi­schen Par­la­ment ver­tritt, auch, so unter­schied­li­che und umstrit­te­ne The­men wie die Maut und die Flücht­lings­po­li­tik ein­zu­ord­nen.

Es geht gera­de in die­ser Zeit der Kri­sen und der gro­ßen Aus­ein­an­der­set­zun­gen dar­um, Euro­pa stark zu machen und gemein­sam für ein star­kes Euro­pa ein­zu­ste­hen.“ Sein brei­tes Spek­trum zeig­te Andre­as Schwab auch dar­in, wie er Fra­gen nach Fir­men­über­nah­men durch Groß­kon­zer­ne oder auch den Schutz der hei­mi­schen Pro­duk­te kom­pe­tent und über­zeu­gend beant­wor­te­te. Als bin­nen­markt­po­li­ti­scher Spre­cher der EVP-Frak­ti­on im Euro­päi­schen Par­la­ment sowie­so eines sei­ner Schwer­punkt­the­men.

Jen­seits aller Berei­che, die mehr oder manch­mal auch weni­ger ratio­nal zu behan­deln sind, erbrach­te die Debat­te um die fürch­ter­li­chen Vor­gän­ge um Alep­po („Was kön­nen wir tun außer fas­sungs­los die Fern­seh­be­rich­te anzu­schau­en?“, so die Fra­ge aus dem Publi­kum) eine nahe­zu läh­men­de Stim­mung in den Saal. Spür­bar auch dadurch, dass dem über­zeug­ten Christ­de­mo­kra­ten ange­sichts der Dra­ma­tik der Lage bei­na­he die Stim­me ver­sag­te. Klar und deut­lich jedoch sei­ne Aus­sa­ge: „Krieg ist kei­ne Lösung. Sie schafft nur Ver­lie­rer.“

Die Kreis­vor­sit­zen­de der Frau­en-Uni­on, Karin Schmeh, die durch die Ver­an­stal­tung im Refek­to­ri­um des Kapu­zi­ners führ­te, beschei­nig­te Andre­as Schwab bei ihren Dan­kes­wor­ten, dass er ange­sichts der Fül­le von Fra­gen sein pro­fun­des Wis­sen um die Zusam­men­hän­ge in ein­drucks­vol­ler Wei­se bewie­sen habe. So wie er, der „seit vie­len Jah­ren lei­den­schaft­li­che Euro­pä­er“ mit gro­ßer Über­zeu­gungs­kraft beton­te: „Trotz man­nig­fa­cher Schwie­rig­kei­ten, Holp­rig­kei­ten und all der ange­spro­che­nen Pro­ble­me gibt es kei­ne Alter­na­ti­ve zu einem geein­ten Euro­pa, das sich sei­ner ver­bind­li­chen Wer­te bewusst ist.“ Viel­mehr kön­nen die aller­meis­ten Her­aus­for­de­run­gen nur in einem geein­ten Euro­pa bewäl­tigt wer­den.