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Rottweil
Sonntag, 5. April 2020
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    Großes Interesse am Klimawandel

    ROTTWEIL – Es musste eifrig nachgestuhlt werden – denn für den  Auftaktvortrag der Lokalen Agenda 21  in der Veranstaltungsreihe Rottweiler Klimaforum  zum Thema „Klimawandel – was wir wissen (sollten)“  fanden sich sehr viele Interessierte im Alten Gymnasium zusammen. Schließlich drängten sich 120 Zuhörerinnen und Zuhörer, teils stehend, im Festsaal.

    Ulrich Wagner, Diplom-Physiker und Mathematiker, nahm die Zuhörer zunächst mit auf eine Reise durch die Erdgeschichte. Es wurde deutlich, dass große und rasche Temperaturänderungen schon mehrfach für Massenaussterben sorgten.  In der Menschheitsgeschichte waren schon kleinere Temperaturveränderungen Mitauslöser für kulturelle Blütezeiten wie auch für Zeiten des Kriegs und des Hungers. Sodann beleuchtete er anhand von wissenschaftlichen Fakten, dass die derzeitige Erderwärmung weder durch eine erhöhte Sonnenaktivität noch durch die Erdbahndaten oder den Vulkanismus zu erklären ist.

    All diese Faktoren, die sich in langen Zyklen immer wieder ändern, würden derzeit eher eine sanfte Abkühlung erwarten lassen. Wagner führte aus, dass alle verfügbaren Daten, unter anderem das ungewöhnliche und atemberaubende Tempo der Temperaturerwärmung,  dafür sprechen, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Er wird im Wesentlichen durch die vom Menschen in die Atmosphäre eingebrachten Gase Kohlendioxid, Methan und Lachgas verursacht. Über 99 % der Klimaforscher sind sich darin einig, es besteht also ein denkbar breiter Konsens.

    Wagner  gelang es, die Folgen des Klimawandels immer wieder plastisch darzustellen, wenn es etwa darum ging, dass durch das Ansteigen des Meeresspiegels die Heimat vieler Menschen im Meer versinken würde, dass in einigen Regionen der Welt deshalb bereits mit Umsiedelungen begonnen wird und Häfen ohne Anpassung nicht mehr bedient werden könnten. Beliebte südeuropäische Urlaubsländer würden in großen Teilen zu Wüstenregionen werden, weite Teile der Erde würden unter tödlichen Hitzewellen leiden, die einen Aufenthalt im Freien von mehr als zwei Stunden nicht mehr zuließen. Sogenannte Kippelemente könnten den Klimawandel noch verstärken, wie z.B. das bereits beginnende Auftauen der Permafrostböden, die dabei weiteres Kohlendioxid und Methan freisetzen und zu weiterer Erwärmung führten.

    Der Referent erläuterte, dass vor diesem Hintergrund der schnelle Ausstieg aus der Kohle sehr wichtig sei.  Die Brandrodungen in Brasilien für den dortigen Futtermittelanbau und für Weideflächen rückte er nahe an die eigene Welt der Zuhörer, indem er anregte, das eigene Konsumverhalten bei Rindfleisch zu überdenken. Denn die hohen Emissionen beim Transport der Futtermittel gerade auch nach Europa und die Anzahl von derzeit fast einer Milliarde Rindern auf der Welt wirken auch über ihren Methanausstoß stark klimaschädlich. Auch die eigene Mobilität, sei es auf Reisen oder im Alltagsverkehr, müsse  überdacht werden. Klimaschutz müsse, wie sich insbesondere in der anschließenden Diskussionsrunde herausstellte, auch beim Bau beachtet werden. Denn Beton sei für mindestens 5 Prozent des weitweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, während durch Holzbauweise die Klimabilanz deutlich verbessert werden könnte.

    Doch was bleibt nach so vielen Fakten, die auf eine existentielle Bedrohung für große Teile der Menschheit hinweisen, sollte das mutlos machen? Nein, es gelte, dass jeder für sich im Kleinen beginnen sollte, eigene Gewohnheiten zu überdenken und das eigene Handeln auf Klimagerechtigkeit zu überprüfen. Angesichts des Wissens, dass der CO2-Ausstoß jedes Jahr zur Eindämmung der Risiken des Klimawandels  um mindestens sieben Prozent verringert werden muss, während er derzeit faktisch noch steigt, genügen die wichtigen individuellen Maßnahmen aber nicht.

    Es gelte, die Politik für die Zukunft der Menschen in die Pflicht zu nehmen und ihr den Mut abzufordern, auch mit Verboten zu agieren. Denn das hat sich schon früher als wirksam erwiesen – die Ozonschicht erholt sich – das Ozonloch soll sich Prognosen zufolge bis 2060 schließen. Und dies war nur möglich, weil FCKW weltweit verboten wurde. Das Klima ist aber weitaus komplexer, weshalb hier sehr viel größere Anstrengungen notwendig wären um den Klimawandel zu begrenzen. 

    „Ich denke, ich spreche im Namen aller, dass wir einen großartigen und faszinierenden Vortrag gehört haben.“ ergriff die neue Leiterin der Volkshochschule Rottweil, Anja Rudolf, nach Wagners Ausführungen das Wort. Und die Zuhörerinnen und Zuhörer gingen randvoll mit Informationen, mit mehr Klarheit in Sachen Klimawandel, aber auch etwas beklommen nach Haus

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