Winterliche Idylle mit Platz für ein Großgefängnis: der Stallberg bei Rottweil. Foto: pm
Winterliche Idylle mit Platz für ein Großgefängnis: der Stallberg bei Rottweil. Foto: pm

Rott­weil (pm). Ein end­gül­ti­ges Aus für den Stall­berg als Stand­ort für eine mög­li­che Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt? „Aus­ge­rech­net die­ser Ort mit der gerings­ten öko­lo­gi­schen Belas­tung und der größ­ten Akzep­tanz im Gemein­de­rat und in der Rott­wei­ler Bür­ger­schaft? Das will dem Vor­stand der Rott­weil-Zim­mer­ner Grü­nen und der grü­nen Gemein­de­rats­frak­ti­on nicht in den Kopf”, heißt es in einer Pres­se­er­klä­rung der Grup­pie­rung.

Gemein­sam suchen sie nach eige­nen Anga­ben in einem Schrei­ben „den direk­ten grü­nen Draht zu ihrem grü­nen Minis­ter­prä­si­den­ten Win­fried Kret­sch­mann.” Ihr Wunsch: vol­le Trans­pa­renz bei der Ent­schei­dung, in Rott­weil nur noch auf die Stand­or­te Hoch­wald, Bitz­wald und Esch zu set­zen, heißt es in der Mit­tei­lung wei­ter.

Die Grü­nen gehen in ihrem Brief davon aus, dass die Fest­le­gung gegen den Stall­berg aus­schließ­lich wirt­schaft­lich begrün­det sei. Gegen die­sen engen Blick­win­kel wen­den sie laut der Press­mit­tei­lung ein: „Die Beson­der­heit des Stall­bergs gegen­über den ande­ren Rott­wei­ler Stand­or­ten liegt jedoch dar­in, dass er unum­strit­ten ist: Der Rott­wei­ler Gemein­de­rat favo­ri­siert ihn ein­stim­mig und auch die Rott­wei­ler Bür­ger­schaft steht ein­deu­tig hin­ter ihm.“ Gegen alle ande­ren Lie­gen­schaf­ten gibt es schar­fe Ein­wän­de, vor allem aus Grün­den des Land­schafts- und Arten­schut­zes sowie der Ver­sie­ge­lung bis­lang frei­er, abge­le­ge­ner Flä­chen.

Der Bau einer gro­ßen JVA in der Nach­bar­schaft löse nir­gend­wo in Baden-Würt­tem­berg Begeis­te­rung aus, mei­nen die Grü­nen. Gera­de des­halb sei die­se brei­te Zustim­mung Rott­weils zum Stall­berg so unge­wöhn­lich. Stadt und Bür­ger­schaft ori­en­tier­ten sich näm­lich am Gemein­wohl und nicht am Sankt-Flo­ri­an-Prin­zip, erklärt die Par­tei. Die Grü­nen brin­gen es so auf den Punkt: „Der Stand­ort Stall­berg dient also dem inner­städ­ti­schen Frie­den – ein sehr wert­vol­les Gut! Das wur­de bis­lang zu wenig gewür­digt.“ Von der Lan­des­re­gie­rung, deren Mar­ken­zei­chen offe­ne Ohren für den Bür­ger­wil­len sei­en, erwar­ten sie in die­ser Fra­ge beson­de­re Sen­si­bi­li­tät. Da das JVA-Pro­jekt lan­des­weit aus­strahlt, kön­ne die­ses Mar­ken­zei­chen an ihm beson­ders deut­lich wer­den. Die­ser inner­städ­ti­sche Frie­den müs­se dem Land Baden-Würt­tem­berg äußers­ten Falls auch mög­li­che Mehr­kos­ten wert sein.

Die ört­li­chen Grü­nen kön­nen sich nach eige­nen Anga­ben nicht vor­stel­len, dass der Stall­berg grund­sätz­lich nicht bebau­bar ist. Selbst im schwie­ri­gen Stutt­gar­ter Unter­grund wür­den Bahn­tun­nels gebaut. Und in unmit­tel­ba­rer Nähe des Stall­bergs ste­hen schon gro­ße Wirt­schafts­ge­bäu­de. Ein kom­pe­ten­tes Rott­wei­ler Insti­tut für Mate­ri­al­prü­fung stüt­ze die­se Ein­schät­zung – gemeint ist die Mate­ri­al­prü­fungs­an­stalt des Rott­wei­ler Stadt­rats der Frei­en Wäh­ler, Dr. Peter Schel­len­berg.

Die Grü­nen ver­lan­gen daher vom Land kla­re Kos­ten­trans­pa­renz: Dazu gehö­re die Kos­ten für die Bebau­bar­keit des Stall­bergs, die Gesamt­kos­ten des JVA-Neu­baus. Aber auch die Infra­struk­tur­kos­ten, denn ein Plus­punkt für den Stall­berg sei sei­ne sehr gute Erschließ­bar­keit.

Abschlie­ßend appel­lie­ren die Grü­nen an den Minis­ter­prä­si­den­ten: „Über­den­ken Sie die Ent­schei­dung gegen den Stall­berg bis zum Som­mer noch­mals – gera­de unter dem Aspekt der Wah­rung des inner­städ­ti­schen Frie­dens. Suchen Sie, etwa über die Staats­rä­tin für Zivil­ge­sell­schaft und Bür­ger­be­tei­li­gung Gise­la Erler, den Dia­log mit der Bür­ger­schaft, ins­be­son­de­re mit denen, die die Stand­or­te Esch, Hoch­wald und Bitz­wald ableh­nen.“