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Dienstag, 25. Februar 2020

Haiti-Hilfe: „In Generationen, nicht in Wochen denken“

Haiti-Hilfe Schramberg ehrt die langjährige Vorsitzende Ilse Bäumer und ihren Mann Albert

SCHRAMBERG (him) – Die Haiti-Hilfe Schramberg feierte am Samstagabend mit Freunden Förderern und zahlreichen Gästen ihr 35-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt des Festabends in der Mensa des Schramberger Gymnasiums stand die Ehrung der langjährigen Vorsitzenden Ilse Bäumer und ihres Mannes Albert.

 

Nach der musikalischen Einstimmung mit einer Gruppe Trommler aus Villingen-Schwenningen hieß die zweite Vorsitzende der Haiti-Hilfe Schramberg (HHS), Mechthild Hunzinger, die Gäste willkommen.
In seinem Grußwort erinnerte Oberbürgermeister Thomas Herzog an die Gründungsgeschichte der Haiti-Hilfe: ursprünglich wollte ein Freundeskreis eine Grundschule in dem haitianischen Dorf Palmari bauen helfen. „Hätten Sie gedacht, dass das dann so viele Jahre dauern wird?“, fragte Herzog die Bäumers. Sie hätten gezeigt, was auch eine kleine Gruppe bewegen kann.
Herzog erinnerte an die vielen unterschiedlichen Projekte, die die Haiti-Hilfe-Schramberg auf der armen Karibikinsel begleitet hätte: Von den Patenschaften für Kinder, über Baumpflanzaktionen, Trinkwasseraufbereitung bis zu Alphabetisierungskampagnen.
Die Bäumers hätten sich auch durch gelegentliche Rückschläge nicht beirren lassen, sondern getan was nötig ist. Als Anerkennung der Stadt überreichte herzog einen Spendenscheck.
Seit ihrer Gründung hat die Haiti-Hilfe über Spenden, Zuschüsse und Aktionserlöse etwa 7,7 Millionen Euro an Hilfsgeldern nach Haiti geschickt.
Ministerialdirektor Herbert O. Zinell, zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Entwicklungshilfe Baden Württemberg, hielt in seinem Festvortrag ein Plädoyer für eine engagierte Entwicklungspolitik. Seine Frage: „Wird die Armut der anderen auch uns arm machen?“ beantwortete er mit einem eindeutigen Ja. Nämlich dann, wenn wir nicht auf vielen Feldern wie Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Ressourcenschonung radikal umsteuern, werde  uns die Entwicklung ärmer machen. Zinell erwähnte die neue Nachhaltigkeitsagenda der UN, die die bisherigen Milleniumsziele abgelöst habe. Von den insgesamt 17 Zielen hob Zinell die globale Partnerschaft, den Frieden und die Beseitigung der Armut besonders hervor.
Mit Bezug auf die Flüchtlingskrise wies er darauf hin, dass die meisten Flüchtlinge aus Ländern zu uns kämen, in denen Entwicklungshilfe gescheitert oder derzeit unmöglich sei: Syrien, Irak aber auch Afghanistan. „Dennoch dürfen wir diese Länder nicht aufgeben, sondern müssen jede Chance ergreifen, dort etwas zu tun.“ Auch die Flüchtlinge aus diesen Ländern würden ihrer Heimat helfen, etwa in dem sie ihren Familien Geld schicken. „Das ist oft überlebenswichtig.“
Zinell forderte, sich besonders auch um die Länder zu kümmern, in denen Hilfe noch möglich ist und nannte als Beispiele Tunesien, Marokko und mit Abstrichen Ägypten. Ansonsten würden auch von dort die jungen Leute zu uns kommen, wenn sie in ihrer Heimat keine Perspektive mehr sähen.
Zinell würdigte die Arbeit der etwa 1500 Initiativen im Land, die sich mit entwicklungspolitischen Projekten befassten. Die Landesregierung betrachte Entwicklungspolitik als Querschnittsaufgabe und stärke mit neuen Leitlinien die Arbeit der Initiativen. Die HHS leiste besonders wertvolle „Hilfe zur Selbsthilfe“; Ilse und Albert Bäumer stünden für den „notwendigen Optimismus“. Es brauche einen langen Atem in der Entwicklungspolitik, und man müsse „in Generationen nicht in Wochen oder Tagen denken“. Die Haiti-Hilfe habe allen Grund zu feiern, wenn gleich die Festtagslaune durch die Anschläge in Paris sehr gedrückt werde, so Zinell zum Schluss einer Rede.
Der Vorsitzende der HHS, Jean-Marc Herrgott, erinnerte an die Geschichte des Vereins und Ilse und Albert Bäumers jahrzehntelange Arbeit. Die beiden hätten bei der Begegnung mit Paul Antoine aus Palmari gewiss nicht gewusst, was auf sie zukomme. Doch dank der beiden sei Haiti heute in Schramberg allgegenwärtig. An Ilse Bäumer gewandt, meinte Herrgott unter allgemeinem Gelächter: „Jeder kennt Dich und weiß, dass man Dich nicht treffen kann, ohne dass Du anregst, etwas für Haiti zu tun.“
Herrgott zitierte aus Briefen und Mails aus Haiti von den dortigen Partnern, in denen die Arbeit der Bäumers besonders gewürdigt wird. „Ihr habt bei vielen Haitianern Veränderungen bewirkt“, nämlich zu Arbeit verholfen, zu einem kleinen Haus, Schulausbildung, sauberem Trinkwasser.
Für das Kindermissionswerk berichtete Christoph Huber von einer fast 20-jährigen Partnerschaft. Das Missionswerk stockt die Gelder der Haitihilfe regelmäßig aus den Spenden, die die Sternsinger sammeln, auf. Aber Kinder, die Kindern helfen, brauchten Personen, die die Projekte dann auch umsetzten.
Das Kindermissionswerk und die Haiti-Hilfe bedankten sich mit Geschenken bei den Bäumers für deren Arbeit. Ilse Bäumer ihrerseits versicherte, ohne die vielen Freunde, Paten und Helfer wäre die Arbeit für Haiti nicht möglich gewesen.

In einem Journal, das zum Festabend erschien, sind die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Haiti-Hilfe zusammengefasst, erläuterte Uwe Rettkowski, der die 70-Seitige Schrift gestaltet hat. Eine Ausstellung mit Fotos, Dokumenten und Zeitungsartikeln zeichnete die Geschichte der HHS nach.
Die Klimabotschafter reichten in der Pause Häppchen und verkauften fair gehandelte Schokolade. Im zweiten Teil des Abends stellte unter anderem Herrgott die Festschrift vor und hat Antonia Makutz in einem Beitrag Musik und Tanz aus Haiti präsentiert.
Info: Die Haiti-Hilfe Schramberg ist zu erreichen über E-Mail info@haiti-hilfe.de, per Telefon 07422 24 45 24 oder per Post Wolf-Hirt-Straße 13 78713 Schramberg. Weitere Informationen auch unter www.haiti-hilfe.de
Das Spendenkonto lautet Kreissparkasse Rottweil DE83 6425 0040 0000 5875 78 SWIFT-BIC: SOLADES1RWL

 

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