Staatsanwalt kassiert Polizeibericht: “Wir gehen mit Sicherheit von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus”

Am Son­ntagabend haben sich Polizei und Staat­san­waltschaft in ein­er gemein­samen Mit­teilung zum Stand der Ermit­tlun­gen nach dem Fund ein­er mit Sprengstoff gefüll­ten Hand­granate bei ein­er Villinger Flüchtling­sun­terkun­ft geäußert. Darin haben sie erst­mals deut­lich Zweifel an der These geäußert, es habe sich um einen frem­den­feindlichen Anschlag gehan­delt — und sehen auch die Sicher­heits­beamten, neben deren Con­tain­er die Granate aufge­fun­den wor­den war, als möglich­es Anschlagsziel. Einen Tag später kassiert die Staat­san­waltschaft Kon­stanz diesen Bericht: “Wir gehen mit Sicher­heit von einem frem­den­feindlichen Hin­ter­grund aus”, heißt es dort. 

Immer noch ist unklar, ob die in Villin­gen auf dem Gelände ein­er Flüchtling­sun­terkun­ft gefun­dene Hand­granate einen funk­tions­fähi­gen Zün­der gehabt hat­te, ob sie hätte von selb­st explodieren kön­nen. Bekan­ntlich war sie von Spezialkräften kon­trol­liert gezün­det wor­den. 

Nach wie vor ermit­tele die Staat­san­waltschaft Kon­stanz in erster Lin­ie wegen eines frem­den­feindlichen Hin­ter­grunds beim Hand­grana­te­nan­schlag auf eine Flüchtling­sun­terkun­ft in Villin­gen am ver­gan­genen Fre­itag. Das erk­lärte auf Nach­frage der NRWZ der lei­t­ende Ober­staat­san­walt Hans-Jörg Roth am Mon­tag. Die Staat­san­waltschaft gehe in der Zusam­men­schau der Umstände mit Sicher­heit von einem frem­den­feindlichen Hin­ter­grund aus, könne aber einen anderen Hin­ter­grund nicht auss­chließen: „Wir ermit­teln deshalb auch in andre Rich­tun­gen.“

Eine Aus­sage in ein­er gemein­samen Pressemit­teilung von Staat­san­waltschaft und Polizei am Son­ntag, wonach  „ins­beson­dere“ geprüft werde, „ob ein frem­den­feindlich­er Hin­ter­grund vor­liege“, sei „etwas unglück­lich for­muliert“ so Roth.

Die Staat­san­waltschaft gehe in der Zusam­men­schau der Umstände mit Sicher­heit von einem frem­den­feindlichen Hin­ter­grund aus, könne aber einen anderen Hin­ter­grund nicht auss­chließen: „Wir ermit­teln deshalb auch in andre Rich­tun­gen.“ 

Son­ntag hat­te es noch geheißen, die Ermit­tler prüften die Ver­hält­nisse vor Ort und ob die Tat möglicher­weise dem dort einge­set­zten Sicher­heitsper­son­al gegolten habe. Die Granate war in der Nacht zu Fre­itag in Rich­tung Con­tain­er des Wach­per­son­als auf dem Gelände geflo­gen.

Am Mon­tag­mor­gen habe die Staat­san­waltschaft noch keine neuen Erken­nt­nisse und warte auf Labor­ergeb­nisse: „Was uns gewaltig umtreibt, ist, ob die Granate wirk­lich scharf war.“ Dies zu klären, sei Auf­gabe der Krim­inal­tech­niker beim Lan­deskrim­i­nalamt. Diese unter­sucht­en mit Hil­fe eine Gaschrono­matografen die Reste der Granate auf Spuren von Zün­der­ma­te­r­i­al, so Roth.

Seit Fre­itagvor­mit­tag, hieß es dazu am Son­ntag, arbeite die Son­derkom­mis­sion “Con­tain­er” weit­er auf Hoch­touren und set­ze ihre inten­sive Ermit­tlungsar­beit fort. Die Son­derkom­mis­sion habe fern­er Spezial­is­ten des Lan­deskrim­i­nalamt Baden-Würt­tem­berg und des Bun­deskrim­i­nalamtes hinzuge­zo­gen.  Darüber hin­aus finde ein ständi­ger Aus­tausch mit den Ämtern des Ver­fas­sungss­chutzes statt.

Mit großem zeitlichem und per­son­ellem Aufwand wür­den die Ermit­tler Infor­ma­tio­nen erheben und sucht­en nach möglichen Zeu­gen der Tat. Die Ermit­tler haben zwis­chen­zeitlich die Bewohn­er der Dat­ten­bergstraße in Villin­gen — dem Tatort -, in den angren­zen­den Wohn­straßen, sowie der Bedarf­sori­en­tierten Erstauf­nahmestelle selb­st befragt. Mit Met­allde­tek­toren haben Krim­inal­tech­niker den Tatort, das Gelän­des des Flüchtling­sheimes sowie die Dat­ten­bergstraße abge­sucht.

Es kon­nten dabei keine rel­e­van­ten Gegen­stände aufge­fun­den wer­den. Die Unter­suchun­gen am Krim­inal­tech­nis­chen Insti­tut des Lan­deskrim­i­nalamtes Baden-Würt­tem­berg dauern noch an”, heißt es in der Erk­lärung.

Das Polizeiprä­sid­i­um Tut­tlin­gen hat nach dem Vor­fall die Polizeipräsenz erhöht. Die Polizei sei mit Fachkräften zur Betreu­ung im Kon­takt mit den Bewohn­ern der Bedarf­sori­en­tierten Erstauf­nahmestelle.

Trotz der bun­desweit­en Berichter­stat­tung seien aus der Bevölkerung bis­lang noch keine
Hin­weise zu möglichen Hin­ter­grün­den der Tat oder zu poten­tiellen Verdächti­gen beziehungsweise Tat­beteiligten bei der Polizei oder der Son­derkom­mi­sion einge­gan­gen. Die Son­derkom­mi­sion bit­tet die Bevölkerung um Mit­teilun­gen zu verdächti­gen Fahrzeu­gen und Per­so­n­en, die bere­its in den Tagen oder Nächt­en vor der Tat im Bere­ich der Dat­ten­bergstraße oder im Umfeld der Bedarf­sori­en­tierten Erstauf­nah­meein­rich­tung wahrgenom­men wur­den. Hin­weise nimmt die Son­derkom­mis­sion unter Tel. 0741 477–200 ent­ge­gen.