Mat­thi­as „Mat­ze” Mül­ler kam gera­de vom Trai­ning mit dem SV Zim­mern. Fuhr auf der Auto­bahn A 81 – und staun­te nicht schlecht: Plötz­lich bil­de­te sich ganz in der Nähe ein Tor­na­do. Oder war’s nur ein gewöhn­li­cher Fall­re­gen?

Kreis Rott­weil. Es ist der 24. Juli, kurz nach 21 Uhr. Mat­thi­as Mül­ler ist Bei­fah­rer, der Wagen hat gera­de die Rast­stät­te Neckar­burg pas­siert. Er und sein Kum­pel befin­den sich auf der Heim­fahrt vom Trai­ning mit dem Fuß­ball­club SV Zim­mern. Mül­ler, der aus Nagold kommt, ist dort Tor­hü­ter, seit 2012.

Es hat nicht gereg­net, der Him­mel war aber stark bewölkt”, erin­nert sich Mül­ler. Rechts habe es geblitzt, „ganz oft”, berich­tet der jun­ge Fuß­bal­ler, „das ging zack-zack-zack.”

Foto: Matthias Müller
Foto: Mat­thi­as Mül­ler

Und dann das: Aus den Wol­ken her­aus erscheint ein dunk­ler Strei­fen Rich­tung Erde. Er hat sich in einem Wald­ge­biet nahe Die­tin­gen gebil­det, ein aus­ge­dehn­ter Forst Rich­tung Vai­hin­ger Hof. „Ein Tor­na­do”, denkt Mül­ler, schnappt sich sein Han­dy und macht ein schnel­les Bild. Das ein­zi­ge, denn der Wagen ist auf der Über­hol­spur und bald behin­dern bewach­se­ne Hügel die Sicht auf das Natur­er­eig­nis.

War das ein Tor­na­do? Nach­dem Mül­ler das Bild auf einer Hor­ber Face­book­sei­te gepos­tet hat, mel­det sich „Tor­na­do­lis­te Deutsch­land”. „Hal­lo, ich bin Tho­mas Sävert”, heißt es dort „Meteo­ro­lo­ge und Betrei­ber der Tor­na­do­lis­te Deutsch­land. Wann und wo genau wur­de das Foto auf­ge­nom­men? Gibt es wei­te­re Fotos? Wie lan­ge konn­te das Gebil­de beob­ach­tet wer­den? Ver­än­der­te es sich in die­ser Zeit irgend­wie? Bitte mal das Bild in vol­ler Grö­ße und auch gern wei­te­re Bil­der und Beschrei­bun­gen mai­len … – das wür­de uns Meteo­ro­lo­gen hel­fen. Dan­ke und Grü­ße.”

Wir neh­men mit dem Meteo­ro­lo­gen und Geo­phy­si­ker Sävert Kon­takt auf. Ob es ein Tor­na­do war, wol­len wir wis­sen. „Lei­der gibt es nur die­ses eine Stand­bild”, ant­wor­tet Sävert. „Eine Bild­ana­ly­se hat kei­nen Hin­weis in Rich­tung Tor­na­do erge­ben und auch sonst spricht der­zeit nichts dafür.”

Das ver­mu­tet der Mete­ro­lo­ge: „Es kann sich um einen eng begrenz­ten Fall­strei­fen mit star­kem Nie­der­schlag gehan­delt haben. Ein sol­cher Fall­strei­fen kann schon mal so aus­se­hen wie ein Tor­na­do.”

Doch sicher ist er sich nicht. „Man bräuch­te eine wei­te­re Beob­ach­tung zu dem Fall oder Mel­dun­gen über Sturm­schä­den in dem Bereich. Der Fall wird also vor­läu­fig offen blei­ben. Oft mel­den sich wei­te­re Zeu­gen auch Mona­te oder sogar Jah­re spä­ter noch.”

Tor­na­do oder Fall­strei­fen – um eines han­delt es sich bei dem Foto­gra­fier­ten nicht: um den Rott­wei­ler Test­turm für Hoch­ge­schwin­dig­keits­auf­zü­ge. Die­sen hat­ten Mül­ler und sein Kum­pel gera­de pas­siert – er befand sich also im Rücken der bei­den.