OBERNDORF  (him) – Ein dpa Bericht zu Heckler und Koch hat nicht nur in der Heimatpresse, sondern bundesweit für Aufsehen gesorgt.  Ein Manager des Unternehmens, der aber nicht genannt werden will, erzählte dem dpa-Journalisten Wolf von Dewitz, seine Firma wolle nur noch an „grüne“ Staaten Waffen verkaufen. „Grüne“ Staaten sind im Militär- und Waffenverkäufer-Jargon solche, die der NATO angehören oder nahe stehen und eindeutig demokratisch und nicht korrupt sind.

Das würde eine Abkehr vom bisherigen Geschäftsgebaren bedeuten. Hat das Unternehmen doch fleißig in „gelbe“ und gar „rote“ Staaten geliefert.  Die Türkei, Mexiko oder gar Saudi-Arabien wären künftig also tabu, so der dpa-Informant. Vom Unternehmen selbst gibt es zu dem dpa-Bericht keine Stellungnahme. Auf der Homepage lautet die aktuelle Top-Meldung „Großauftrag aus Frankreich.“ Die Oberndorfer  produzieren das neue Sturmgewehr der Franzosen. Eine Meldung vom 28. September. Was also steckt möglicherweise hinter der Geschichte und was bedeutet der Schwenk tatsächlich?

Darlehensrückzahlung droht

Heckler und Koch (HK) geht es wirtschaftlich nach wie vor miserabel. Die Firma drücken enorme Schulden von 236,7 Millionen Euro (drittes Quartal 2016). Die sind laut HK-Homepage zwar von 291 Millionen vor einem Jahr  gesunken, aber nur, weil Hauptanteilseigner Andreas Heeschen 60 Millionen Euro als Darlehen in die Firma gesteckt hat. Bei einem Zinssatz von 9,5 Prozent fressen auch bei 236 Millionen die Zinsen die Erträge komplett auf. Die betrugen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres  3,4 Millionen Euro. Wenigsten keine 10,3 Millionen Euro Verlust wie im Jahr 2015. Die von Heeschen vor einem Jahr angekündigte Schuldenreduzierung um ein Drittel hat die Firma also deutlich verfehlt. Laut Welt.online vom 17. November 2015  wollte er einen Schuldenstand von „Richtung 200 Millionen Euro“ Ende 2016 erreichen.

Im Mai 2018 muss das Darlehen komplett zurückbezahlt werden. Aber wie?  Die Ratingagentur Moodys lobt zwar den Schwenk zu „grünen“ Kunden. Aber die Firma bleibe auf ‚non-investment grade‘, also spekulativ‘, zitiert von Dewitz eine Moodys-Analystin. (Ein Satz, den der Schwarzwälder Bote, der ansonsten die dpa-Geschichte fast wörtlich übernommen hat, unter den Tisch fallen lässt.)

Keine „golden Parts“ für die Saudis

Die Geschäfte mit den „gelben“ und „roten“ Staaten laufen schlecht. Die Bundesregierung hat immer wieder Exportgenehmigungen verweigert oder verzögert. Das geht so weit, dass Heckler und Koch im Fall Saudi-Arabien per Verwaltungsgerichtsurteil die Bundesregierung zwingen will, endlich zu entscheiden. Für die Lizenz-Produktion des G 36 bei der saudischen Staats-Firma MIC fehlen die „golden parts“ – sechs Verschlussteile, die aus Deutschland geliefert werden müssen. Wenn die Waffen dort nicht produziert werden, drohten Millionenverluste, so von Dewitz.

HK-Manager als Bandenmitglieder

Der berühmt-berüchtigte Mexiko-Deal wird im kommenden Frühjahr vor dem Landgericht in Stuttgart aufgerollt. Dort werden sich sechs ehemalige HK-Manager als Bandenmitglieder unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz erhoben. Sie hätten „gemeinschaftlich…, gewerbsmäßig und als Mitglied einer Bande … vorsätzlich Kriegswaffen ausgeführt“, so die Anklage. Auf der Anklagebank wird auch der frühere Rottweiler Landgerichtspräsident Peter Beyerle Platz nehmen. Er war nach seiner Pensionierung Justiziar und Geschäftsführer bei HK.  Nicht gut fürs Image.

Im dpa-Artikel versichert der anonyme HK-Manager nun: „Auch moralische Kritik an solchen Exporten können wir durchaus nachvollziehen.“ Der Kurswechsel sei intern hitzig debattiert worden, denn das Exportpotenzial werde so eingeschränkt. Aber wenn die Bundesregierung sowieso die Kleinwaffenexporte stark einschränkt, kann das Unternehmen auch von sich aus drauf verzichten – und steht moralisch besser da.

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G 36 Nachfolge bei der Bundeswehr

Ein wichtiger Auftrag wartet auf die Oberndorfer: Das Nachfolgegewehr für das eigene G 36, das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ausmustert. 167.000 alte Gewehre sollen ersetzt werden. Nachdem Frankreich 100.000 Gewehre HK416 aus Oberndorf für angeblich 300 Millionen Euro bestellt hat, hätte HK gute Chancen das  HK 416 als G 36-Ersatz an die Bundeswehr zu verkaufen, berichtet die „Welt“ und bezieht sich auf „Bundestagskreise“. Mit der neuen Politik gehe  HK auf „Schmusekurs“ zur Bundesregierung und wolle in Berlin „Punkte sammeln“, mutmaßt die Zeitung.

Und was sagt Heckler-und-Koch-Kritiker Jürgen Grässlin zum Schwenk?

Er weist zunächst einmal drauf hin, dass die anonyme Ankündigung lediglich für neue Geschäfte gelten soll. Die Lizenzgeschäfte würden „mit keinem Wort“ erwähnt. Auch seien Umgehungsgeschäfte an „gelbe“ und „rote“ Länder über die US-Tochter Hechler &Koch Defence in Ashburn/Virginia „in keinster Weise ausgeschlossen“.

In einem Interview mit dem SWR-Fernsehen meint der Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft, Heckler und Koch sei „massiv in der Defensive“, nachdem das Unternehmen  in den vergangenen Jahren „den Globus vollgepumpt“ habe mit Kriegswaffen. In der Defensive wegen des Mexiko-Prozesses und der Anleihe.

Außerdem habe Heckler und Koch in die „roten“ Länder wie Mexiko, Türkei und Saudi-Arabien Nachbaulizenzen geliefert. Dorthin werde die Firma sowieso keine weiteren Waffen liefern, ist Grässlin überzeugt. „Da baut man die Waffen selbst.“ Glaubwürdig wäre, wenn dorthin keine Ersatzteile mehr geliefert würden. Aber genau dazu sage Heckler und Koch, ‚das machen wir weiterhin‘. Die Firma gebe nur die Geschäftsfelder auf, in denen es wegen der verschärften Bestimmungen durch die Bundesregierung schwieriger geworden sei. Stattdessen exportiere man 100.000 Sturmgewehre nach Frankreich. „Und Frankreich führt bekanntlich Kriege rund um den Globus.“

Ganz aktuell kritisiert Grässlin die Entscheidung des Bundessicherheitsrates vom 30. November. Darin erlaubt die Bundesregierung HK, an die ‚unsoliden Länder‘ Indonesien, Malaysia und Südkorea  mehrere hundert vollautomatische Gewehre, Maschinengewehre und Maschinenpistolen im Wert von insgesamt etwa sieben Millionen Euro liefern zu dürfen. Falls HK tatsächlich liefere, habe der „anonyme H&K-Manager die dpa und damit die Öffentlichkeit offensichtlich massiv getäuscht“.

 

Der großzügige Herr Heeschen

Wenig bekannt dürfte übrigens sein, dass HK-Hauptanteilseigner Andreas Heeschen sich nach seiner Übernahme bei Heckler und Koch mit einem Darlehen bedient hat:  “Bei der 60 Millionen Euro Kapitalspritze handelt es sich finanztechnisch um ein abgeschriebenes Gesellschafterdarlehen aus dem Jahr 2008, das wieder auflebt und von Heeschen der Firma zurückbezahlt wird. Das Geld sei bei ihm durch ‘Umschichtungen‘ im Privatvermögen entstanden”, berichtete „Die Welt online“.

In einer englischsprachigen Pressemitteilung von HK las man das so: „As previously agreed with H&K AG and its management, Andreas Heeschen, the majority shareholder of the H&K AG, is providing the company with € 60 million euros cash as a shareholder loan repayment. The proceeds received by H&K AG will be transferred to Heckler & Koch GmbH, as a partial repayment of the HKB PIK Loan." (Wie früher mit H&K AG und dessen Management vereinbart, wird Andreas Heeschen, Mehrheitseigner der H&K AG das Unternehmen mit 60 Millionen Euro in bar ausstatten als Anteilseigner-Darlehensrückzahlung. Die Gelder, die die H&K AG erhalten hat, werden an Heckler & Koch GmbH überwiesen als teilweise Rückzahlung  des HKB PIK Darlehens, Übersetzung d. Red.).

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Im Jahresabschluss 2008 der HK-Dachgesellschaft steht, das Unternehmen habe „Darlehensforderungen einschließlich Zinsen“ in Höhe von  36,26 Millionen Euro (im Vorjahr 50,2 Millionen Euro), darin enthalten seien Darlehensforderungen (inklusive Zinsforderungen) gegenüber Gesellschafter in Höhe von  29,579 Millionen Euro (im Vorjahr Null Euro).

Die großherzige Finanzspritze von Heeschen erweist sich zumindest zur Hälfte als schlichte Rückzahlung eines Darlehens.

 

 

 

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