HEILIGENBRONN (pm) – Die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn war im November wieder Treffpunkt für Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung und ihre Assistenten, Angehörigen und die betreuenden Fachkräfte. Für den Herbsttag für Taubblinde zum Thema Bewegung und Tanz meldeten sich mehr als 100 Teilnehmer aus Baden-Württemberg und darüber hinaus an, berichtet die Stiftung.

 

Für die 49 Taubblinden und Hörsehbehinderten war die Kommunikation in Form von Gebärden in taktiler und visueller Form oder durch Lormen sichergestellt. Dr. Andrea Wanka, Taubblindenbeauftragte der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn, begrüßte zum Herbsttag und freute sich über die wachsende Resonanz.
Die Bedeutung der Bewegung für die Menschen allgemein und für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen im Besonderen unterstrichen zwei Vorträge am Vormittag.

Physiotherapeutin Andrea Weber sprach über die Bewegung mit allen Sinnen und die Gefühle, die Bewegung auslösen kann. Sie gab Bewegungstipps und machte mit den Teilnehmern einige praktische Bewegungsübungen zur Auflockerung.
„Wo zum Teufel ist der Basketball?“ fragte in seinem Vortrag in Deutscher Gebärdensprache, von Dolmetscherinnen parallel in Lautsprache übersetzt, Georg Cloerkes aus Köln, der die positive Wirkung des Sports für Hörsehbehinderte und Taubblinde aus eigener Erfahrung schilderte und eine spezielle Form des Basketballspielens für Taubblinde vorstellte.

Referent Georg Cloerkes aus Köln (links) stellte den Teilnehmern des Herbsttages für Taubblinde in Heiligenbronn das Basketballspielen für Taubblinde mit Hilfe des Langstocks auch anhand eines Modells vor.
Referent Georg Cloerkes aus Köln (links) stellte den Teilnehmern des Herbsttages für Taubblinde in Heiligenbronn das Basketballspielen für Taubblinde mit Hilfe des Langstocks auch anhand eines Modells vor.

Bei diesem machen sich alle Teilnehmer durch Sicht- und Gehörschutz komplett taubblind und agieren auf einem Spielfeld mit ihrem Langstock, der den Basketball ersetzt und durch den Basketballkorb gestochen werden muss. Hierzu stellten die Zuhörer viele Fragen und betasteten auch das mitgebrachte Modell eines solchen Spielfeldes mit taktilen Markierungsfeldern.
In den Workshops am Nachmittag konnte dieses Taubblinden-Basketball auch gleich praktisch ausprobiert werden. In anderen Workshops gab es weitere sportliche Übungen oder Bewegungsangebote wie gemeinsames Tanzen, Rollstuhltanz oder Körperübungen, was den Menschen mit und ohne Behinderung großen Spaß bereitete und ihnen viele Anregungen mitgab. Eine Andacht mit Taubblindenseelsorger Peter Hepp aus Rottweil schloss den Herbsttag ab.
In den Herbsttag eingebunden war für einige Teilnehmer auch eine praktische Prüfung im Assistieren bei taubblinden und hörsehbehinderten Menschen. Sie und eine mündliche Prüfung bildeten den Abschluss einer mehrjährigen Fortbildung in drei Stufen zur Qualifikation als Taubblindenassistent, die die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn unter Leitung von Andrea Wanka für Fachkräfte, Angehörige und weitere Interessierte anbot.
In diesem Jahr erfolgte mit 13 Teilnehmern, die bereits den Abschluss als Alltagsassistenz für Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung gemacht hatten, die Weiterqualifizierung zum Taubblindenassistenten nach anerkanntem Standard. Dabei befassten sie sich unter Anleitung von jeweiligen Experten in drei mehrtägigen Kursen unter anderem mit den verschiedenen Kommunikationsformen, dem Vermitteln von Umgebung und Situation, mit technischen Hilfsmitteln und anderen wichtigen Voraussetzungen für gelingende Teilhabe der begleiteten Menschen.
Fünf der Teilnehmer schlossen ihre Ausbildung bereits beim Herbsttag ab, für weitere vier fehlt noch der Nachweis der Gebärdensprachkompetenz und die anderen Teilnehmer nutzten die Qualifikation zur persönlichen Weiterbildung. Aktion Mensch fördert diese Qualifizierung zu Taubblindenassistenten finanziell, da sie unentbehrlich ist für die gesellschaftliche Teilhabe von taubblinden und hörsehbehinderten Menschen.
Taubblindenbeauftragte Andrea Wanka will auch in Zukunft eine solche Qualifizierung wieder anbieten: „Wir erachten die Qualifizierung von Taubblindenassistenten als äußerst wichtig.“

 

 

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