Am Samstag ist ein sogenannter Horror-Clown jetzt auch in Sulz am Neckar im Kreis Rottweil im südlichen Baden-Württemberg aufgetaucht. Er erschreckte nachts einen Passanten. Die verständigte Polizei konnte den Unbekannten nicht fassen. Zugleich gibt die Polizei Thüringen einige Verhaltenstipps – nicht nur für diejenigen, die einem Horror-Clown begegnen, sondern auch für die Täter selbst. Und inzwischen gibt es einen Fall in Rottweil, über den wir hier berichten, und einen weiteren aus Oberndorf am Neckar.

Ein 27-Jähriger laut Polizei war gegen 1 Uhr auf der Stuttgarter Straße auf dem Nachhauseweg und wurde nach eigenen Angaben plötzlich von der als Horror-Clown verkleideten Person verfolgt. Der völlig verängstigte junge Mann verständigte über Notruf die Polizei.

Die Polizei fahndete nach dem etwa 190 Zentimeter großen, maskierten Mann – ohne Erfolg. Sie bekam den Unbekannten nicht zu fassen. Seine Motive bleiben damit auch im Dunkeln.

Die oft in gruseligen Horror-Clown-Kostümen auftretenden Täter wollen unbeteiligte Personen erschrecken oder auch angreifen, erklärt die Polizei. Ein Trend, der aus den USA kommt und sich jetzt auch in Europa ausbreitet.

Hinweise auf den Fall aus Sulz nimmt das Polizeirevier Oberndorf (Tel.: 07423 8101-0) entgegen.

„Horror Clown Prank – Da verstehen wir keinen Spass“

Die Polizei Thüringen hat sich mit dem Phänomen beschäftigt. NRWZ.de bringt die Veröfffentlichung ungekürzt. 

Derzeit geht es durch die sozialen Medien wie ein Lauffeuer – die Horror Clowns sind auch in Mitteleuropa angekommen. Dieser fragwürdige Trend schwappte über Großbritannien und Schweden aus den Vereinigten Staaten zu uns nach Deutschland. Und so kommt es, dass die Clowns auch in verschiedenen deutschen Städten wie Leipzig, Gelsenkirchen und anderen deutschen Städten aufgetreten sind. Zuletzt wurde in Leipzig eine Radfahrerin von einem Nachahmer erschrocken und verfolgt.

In den USA und Großbritannien hat dieser Trend schon seit diesem Sommer bizarre Ausmaße angenommen- Jugendliche werden mit Baseballschlägern, Messern, Äxten und Kettensägen angegriffen, in Schweden wurde bereits auf einen Mann eingestochen.

Der Erfinder der gruseligen Clowns, Stephen King, meldete sich bereits bei Twitter zu Wort und bat darum, die Hysterie um die Clowns abzuschwächen. Im Vorfeld zu Halloween scheint sich hier ein „Spaß“ zu verbreiten, der bereits den Status der Viralität erlangt hat.

Angefeuert wird die Hysterie von den Möglichkeiten der sozialen Netzwerke. Gerade auf Jugendliche hat das Thema eine anziehende, weil gruselig-schauderige und zugleich nervenkitzelnde Wirkung. Andererseits sorgen die Clowns für Angst und Schrecken unter Teenagern. Die sekundenschnelle Verbreitung über Tweets, Posts und Kettennachrichten tut ihr Übriges und verstärkt die Viralität.

___Zur Herkunft___

Der Ursprung dieses Trends ist nicht genau zu ermitteln. Es gibt Thesen darüber, dass die Killer- Clown Hysterie eine groß angelegte PR- Aktion anlässlich des geplanten Remakes zu Stephen King’s „ES“ im Jahr 2017 ist. Andere sehen den Ursprung in der grundlegenden Angst vor Clowns. Wieder andere Quellen sprechen vom Ursprung in Greenville im US- Bundesstaat South Carolina. Dort hatten Clowns Kinder angesprochen und versucht, sie mit Süßigkeiten in den Wald zu locken. Eine weiterer Ursprung könnte der Serienmörder John Wayne Gacy Jr. Sein. Er ist ein amerikanischer Serienkiller und wurde am 10. Mai 1994 hingerichtet. Er war bekannt als der „Killer Clown“ und missbrauchte und tötete mindestens 33 Teenager in den Jahren 1972 – 1978. Er bekam den Beinamen, nachdem er auf Kinderpartys als „Pogo der Clown“ auftrat.

___Falschmeldungen in sozialen Medien___

Ganz besonderen Anklang finden die Killer Clowns in den sozialen Netzwerken. Auf Youtube sind Videos zu sehen, die den „Killer Clown Prank“ inszenieren. Manche davon wirken eher gestellt und harmlos, andere machen auf den Betrachter einen verstörenden und beängstigenden Eindruck. Gemeinsam haben die Videos jedoch stets den Protagonisten in einem mal mehr, mal weniger gruseligen Clownskostüm, der den unfreiwilligen Komparsen auflauert und nachstellt. Mal wird ein Baseballschläger oder Axt geschwungen, mal mit einer Kettensäge gedroht. Andere heben ein Grab aus oder stehen einfach nur da und starren, bis sie plötzlich auf die Person zurennen. Die Situationen leben stets vom Effekt des Moments, in dem die Opfer den Clown erblicken. Viele Opfer treten die Flucht an, andere gehen sogar zum Angriff über.

Bei Facebook werden mit zunehmender Intensität gezielt Falschmeldungen über das Satire- Fake- Newsportal „24aktuelles“ über Clownsichtungen und Angriffe in Deutschland formuliert und verbreitet. In Facebook- Gruppen wie „Was ist los in Jena“ und anderen sind bereits Meldungen über Sichtungen aufgetaucht, die nicht verifiziert werden konnten.

Auch auf Twitter sind die Clowns vertreten. Verschiedene Hashtags beschäftigen sich mit den Sichtungen von Killer- oder Horrorclowns.

___Clownerie am Rande der Legalität___

Die Attacken der Clowns sind dabei mitnichten nur ein Scherz. Ein Blick ins Strafgesetzbuch verrät, dass die maskierten Erschrecker sich am Rande der Kriminalität bewegen. Je nach Fall kommt hier zunächst eine Ordnungswidrigkeit in Betracht, die mit einem Bußgeld geahndet wird. Selbst wenn die Verfolgung durch einen Clown nur als Spass gedacht sein sollte macht man sich unter Umständen strafbar. Hier sind Straftaten wie Bedrohung, Nötigung bzw. versuchte oder vollendete Körperverletzung oder gar gefährliche Körperverletzung einschlägig, denn unter Umständen kann sich das Opfer bei der Flucht in Todesangst verletzen. Ganz davon abgesehen haben die Opfer mit Angstzuständen zu kämpfen.

Die Angreifer müssen auch damit rechnen, selbst angegriffen zu werden. Denn wenn man attackiert wird, darf das Opfer dem Angriff innerhalb der Grenzen der Notwehr begegnen.

Die Grenze zwischen dem „bloßen Erschrecken“ und dem direkten Angriff durch einen Clown ist fließend. Die Thüringer Polizei beobachtet das Phänomen sehr genau und bittet darum, die Sichtung dieser Horrorclowns zu melden, denn nur dann können wir diesem Phänomen Einhalt gebieten.

___Verhaltenshinweise___

  • Sprechen Sie mit ihren Kindern und Bekannten über das Thema.
  • Überprüfen Sie Meldungen in den sozialen Netzwerken auf den Wahrheitsgehalt und bleiben Sie skeptisch (Quelle, Nachweise, Querverweise).
  • Verbreiten Sie die offensichtlichen Falschmeldungen nicht weiter.
    Behalten Sie bei Sichtung eines Horror Clowns die Ruhe und bleiben Sie gelassen. Dahinter steckt in der Regel ein Mensch, der einen Streich spielen will.
  • Zögern Sie bei einem Angriff nicht, die Polizei über den Notruf 110 zu verständigen. Melden Sie Sichtungen der nächsten Polizeidienststelle.

 

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