DUNNINGEN (him) – Dolmetscher, die in Asylangelegenheiten übersetzen, hat „Report München“ unter die Lupe genommen. Dabei hat das Politmagazin in seiner Sendung am Dienstag auch einen Fall aus Dunningen aufgegriffen.

„Unfassbar“ sei der Vorfall, berichtet das Magazin. Ein junger ezidischer Flüchtling aus dem Irak sei „gemobbt und körperlich angegriffen“ worden. Eine Attacke sei sogar mit einer Handykamera gefilmt worden. Ein Angreifer sagt: „Ich werde Deine Zunge abschneiden! Deine Zunge werde ich abschneiden! […] Hast Du das verstanden, oder nicht?“

Der junge Ezide habe  seine deutsche Verwandtschaft informiert, und seine in Köln lebende Cousine Gian habe den Dolmetscher am Telefon überprüft und festgestellt, dass dieser falsch übersetzt habe. Der junge Mann sei „voller Angst“ aus Dunningen geflohen. Das Magazin hat ihn befragt: „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass der Dolmetscher nicht richtig übersetzt. Ich wollte eine Anzeige erstatten, aber dazu kam es nicht!“

Auf Nachfrage der NRWZ bestätigt der Leiter des Kreissozialamtes Volker Weber, dass der junge Ezide in Dunningen untergebracht war. Als das Sozialamt von dem Konflikt in der Unterkunft erfuhr, habe man ihm anbieten wollen, umzuziehen. Aber dazu kam es nicht mehr: “Das Angebot wurde nicht angenommen.“ Der Junge war wohl schon im Februar  nach München gezogen.

Die Betreuer nutzen für das Übersetzen keine offiziellen Dolmetscher, erläutert Weber, sondern Mitbewohner, die bereits ausreichend Deutsch sprechen. „Diese können sich oft besser einbringen, weil sie die Verhältnisse kennen“, sagt Weber. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht.“ Aber es stimme sicher auch: „Es gibt Sprachvermittler, die falsch übersetzen.“ Nur Absicht sei da „nicht typisch“, glaubt Weber.

Es sei auch schwierig, Menschen unterschiedlicher Ethnien und Religionen immer getrennt unterzubringen. Das Kreissozialamt habe keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Menschen, die in den Kreis kommen.

Dass es gelegentlich zu Konflikten in den Unterkünften komme, und dass dabei Religion und Herkunft eine Rolle spielten, stimme sicherlich. „Wir können aber erst reagieren, wenn wir etwas mitbekommen.“ Dann versuche man über eine andere Unterbringung Konflikte zu lösen.

Weber appelliert deshalb an Flüchtlinge und Paten, Hinweise auf Bedrohungen wie im Fall des jungen Eziden direkt an die Sozialbetreuer vom Kreis zu melden, damit rechtzeitig Schlimmeres verhindert werden kann.

 

 

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