SCHRAMBERG (him) – Etwa 250 IG Metal­ler, Ver­trau­ens­leu­te und Betrieb­s­trä­te aus Betrie­ben im Raum Schram­berg – Obern­dorf haben sich am Mitt­woch um die Mit­tags­zeit bei eisi­ger Käl­te vor den Toren von Kern-Lie­bers auf dem Sul­gen ver­sam­melt, um ihren Tarif­for­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen.

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Warnstreik IG Metall KL d 040215 (26)Vor Beleg­schafts­ver­tre­tern von Trumpf-Laser, Kern-Lie­bers, Hetal, Carl Haas, Simon, Heckler& Koch, Rhein­me­tall, BBS, Gries­ha­ber, Jung­hans Micro­tec und ande­ren beton­te Ste­fan Prut­scher von der IG Metall in Freu­den­stadt, dass die For­de­run­gen nach 5,5 Pro­zent mehr Lohn, einer gerech­te­ren Alters­teil­zeit und bes­se­ren Wei­ter­bil­dungs­re­ge­lun­gen mehr als gerecht­fer­tigt sei­en. Was die Arbeit­ge­ber bis­her ange­bo­ten hät­ten, sei „so nicht in Ord­nung.“

Der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de von Kern-Lie­bers (KL), Fred Zehn­der, beklag­te sich über die „Tritt­brett­fah­rer“, die sich im Unter­neh­men die Nase an den Schei­ben platt drück­ten, statt mit zu strei­ken. Zehnder dk 040215Die letz­te der­ar­ti­ge Kund­ge­bung auf dem Sul­gen sei schon zehn Jah­re her. Sei­nem Unter­neh­men gehe es gut, betrach­te man die Umsät­ze, aller­dings sei „die Lage sehr durch­wach­sen.“
Die Geschäfts­lei­tung habe ent­schie­den, Stel­len abzu­bau­en, um das Ergeb­nis zu ver­bes­sern. Der­zeit sei von etwa 80 Jobs die Rede. „Sozi­al­ver­träg­lich, was das heißt, wisst Ihr“, rief Zehn­der den Warn­strei­ken­den zu. Es gehe um Alters­teil­zeit Rege­lun­gen und Auf­he­bungs­ver­trä­ge. Der Betriebs­rat wer­de alles dar­an set­zen um betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen bei KL zu ver­hin­dern. „Wir wol­len es ordent­lich hin­be­kom­men.“

Jas­min Trapp, IG Metall-Ver­trau­ens­frau für die Jugend­li­chen bei KL, for­der­te, es müs­se mehr Geld für Bil­dung ein­ge­setzt wer­den. Das kom­me schließ­lich auch den Betrie­ben zu Gute. Die Arbeit­ge­ber könn­ten nicht einer­seits den Fach­kräf­te­man­gel bekla­gen und ande­rer­seits die For­de­run­gen nach Wei­ter­bil­dungs­ur­laub blo­ckie­ren. Es gehe doch nicht um Koch­kur­se in der Tos­ka­na. Trapp Jasmin dk 040215Es sei kurz­sich­tig, wenn die Arbeit­ge­ber nicht in Bil­dung inves­tier­ten. Schon US-Prä­si­dent John F. Ken­ne­dy habe gewusst, nur eines sei „teu­rer als Bil­dung: Kei­ne Bil­dung.“

Die Betriebs­rats­vor­sit­zen­de Moni­ka Lan­ge des Rüs­tungs­her­stel­lers Heck­ler und Koch in Obern­dorf berich­te­te, dass die Export­be­schrän­kun­gen der Bun­des­re­gie­rung dem Unter­neh­men Pro­ble­me berei­te­ten und schon eini­ge des­halb ihren Arbeits­platz ver­lo­ren hät­ten.

Die For­de­rung nach 5,5 Pro­zent mehr Lohn sei nicht zu viel, denn die Arbeit­neh­mer müss­ten schließ­lich auch pri­vat vor­sor­gen, die gesetz­li­che Ren­te wer­de bei wei­tem nicht aus­rei­chen. Die For­de­rung nach einer ver­bes­ser­ten Alters­teil­zeit sei eben­falls gerecht­fer­tigt: „Wir wol­len gesund in die Ren­te, um die Ren­te auch noch genie­ßen zu kön­nen“, so Lan­ge.Lange Monika HK dk 040215

Der 1. Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall, Rei­ner Neu­meis­ter, lob­te zunächst, dass die „Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen Schul­ter an Schul­ter“ kämpf­ten, egal woher sie urs­rpe­rüng­lich gekom­men sei­en. Das sei eine Absa­ge an „alle ras­sis­ti­schen Umtrieb von Pegi­da und Rechts­ra­di­ka­len.“ Er atta­ckier­te auch die „Bos­se in den Chef­eta­gen“. Es sei übel, wenn dort Leu­te säßen, von denen die Exis­tenz von Fami­li­en abhin­ge, die aber von Wirt­schaft wenig Ahnung hät­ten. Er mokier­te sich über die Bun­des­bank­ver­tre­ter, die im Herbst erkannt hät­ten, dass höhe­re Löh­ne auch zu mehr Nach­fra­ge führ­ten. „Für die­se Erkennt­nis haben die Jahr­zehn­te gebraucht.“ Inzwi­schen sei­en sie aber erstaun­lich ruhig.

Neu­meis­ter beklag­te, dass die Arbeit­ge­ber einer­seits die ver­bind­li­che Über­nah­me von aus­ge­bil­de­ten Jugend­li­chen blo­ckier­ten, ande­rer­seits aber älte­ren Arbeit­neh­mern die Alters­teil­zeit ver­wei­ger­ten, weil deren Wis­sen unent­behr­lich sei.Neumeister reiner dk 040215

Mit den Warn­streiks – allein im Bezirk Freu­den­stadt sei­en etwa 2000 Leu­te am Mitt­woch im Warn­streik gewe­sen, so Neu­meis­ter – mache die IG Metall Druck auf die Arbeit­ge­ber. „Wenn im Febru­ar nix zum Loch naus geht, wird’s im März derb zur Sache gehen“, kün­dig­te er schon Urab­stim­mung und Streiks an für den Fall, dass die Arbeit­ge­ber nicht noch ein akzep­ta­bles Ange­bot mach­ten.

Die­se hat­ten zuletzt, 2,2 Pro­zent mehr Lohn ange­bo­ten. Dr. Joa­chim Schulz, Vor­sit­zen­der der Süd­west­me­tall-Bezirks­grup­pe Schwarz­wald-Hegau hat dazu erklärt: „Eine stär­ke­re Anhe­bung der Ent­gel­te wäre ange­sichts des aktu­el­len Kon­junk­tur­ver­laufs und der Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jah­re nicht ange­mes­sen.“ Wäh­rend Pro­duk­ti­on und Pro­duk­ti­vi­tät nach wie vor auf dem Vor­kri­sen­ni­veau von 2007 ver­harr­ten, sei­en seit­dem nicht nur die Löh­ne, son­dern auch die Lohn­stück­kos­ten kräf­tig gestie­gen. Bei der Alters­teil­zeit will Süd­west­me­tall für beson­ders belas­te­te Beschäf­tig­te wei­ter­hin einen Anspruch auf Alters­teil­zeit geben, auf frei­wil­li­ger Basis soll Alters­teil­zeit in begrenz­tem Maß auch für alle Beschäf­tig­ten mög­lich sein. Die For­de­rung nach einer geför­der­ten Bil­dungs­teil­zeit leh­nen die Arbeit­ge­ber ab. „Die IG-Metall-For­de­rung geht am Bedarf der Betrie­be vor­bei“, so Schulz.

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