Ins Bild gesetzt – die Herrschaft Schramberg im Spiegel adeliger Porträts“

Noblesse oblige: OB Thomas Herzog mit (von links): Franz, Rosalie, Hermine, Leonie und Ferdinand von Bissingen vor dem Porträt von Cajetan von Bissingen und Nippenburg. Foto: him

SCHRAMBERG (him) – Bei einer sehr gut besuch­ten Aus­stel­lungs­er­öff­nung im Stadt­mu­se­um Schram­berg im Schloss hat Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog am Frei­tag­abend unter ande­rem drei Genera­tio­nen der Fami­lie von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg im Schloss ihrer Vor­fah­ren will­kom­men gehei­ßen.

Ehren­bür­ger und Minis­te­ri­al­di­rek­tor a.D. Her­bert O. Zinell und eini­ge ehe­ma­li­ge und aktu­el­le Gemein­de­rä­tin­nen und Gemein­de­rä­te waren eben­falls gekom­men. Her­zog erin­ner­te dar­an, dass seit fast einem Jahr­hun­dert „Schloss und Schlöss­le der Gra­fen von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg bereits von Bil­dungs- und Kul­tur-Ein­rich­tun­gen der Stadt Schram­berg genutzt“ wer­den. Im Schloss waren frü­her Schu­len und ist heu­te das Stadt­mu­se­um unter­ge­bracht, im Schlöss­le ist der Sitz der Volks­hoch­schu­le. Das ehe­ma­li­ge Gärt­ner­haus beher­bergt seit genau 25 Jah­ren das JUKS³. Der Schloss­park und die Gar­ten­an­la­gen sei­en lei­der schon in den 20er und 30er Jah­ren dem Stra­ßen­bau, der Aus­deh­nung der Indus­trie und dem Woh­nungs­bau im Tier­stein zum Opfer gefal­len.

Zur Aus­stel­lung beton­te Her­zog, man begeg­ne in zahl­rei­chen Por­träts „300 Jah­ren Fami­li­en­ge­schich­te, die mit der Schram­ber­ger Orts­ge­schich­te eng ver­knüpft ist.“ Es beginnt mit dem Bau­herrn und der Bau­her­rin: Por­träts aus dem Jah­re 1836 zei­gen Cajetan Graf von Bis­sin­gen und sei­ne Gemah­lin Marie Loui­se, gebo­re­ne Frei­in von Wars­berg als jun­ges Paar. Das Paar ließ die­ses Schloss einst als Fami­li­en­wohn­sitz bau­en. Die Ver­bin­dung der Fami­lie zur Indus­trie las­se sich erken­nen, eben­so wie die Ver­än­de­run­gen, die die­se mit sich brach­te.

Die His­to­ri­ke­rin Gise­la Rom­ing habe in ver­schie­de­nen Archi­ven recher­chiert und neue Per­spek­ti­ven eröff­net, „indem sie einen Blick auf den All­tag ver­gan­ge­ner Zei­ten gestat­ten“. Her­zog dank­te der Fami­lie von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg für den größ­ten Teil der Leih­ga­ben , dem haupt­amt­li­chen Muse­um­s­team Gise­la Lix­feld, Raphae­la Schnei­der, Ute Her­zog und Cezar Bucu­rea­sa, er dank­te den ehren­amt­li­chen Hel­fern und Cars­ten Kohl­mann vom Stadt­ar­chiv Schram­berg, Bern­hard Rüth vom Kreis­ar­chiv Rott­weil und Cajetan Schaub vom Kul­tur- und Muse­ums­zen­trum Schloss Glatt.

Franz von Bis­sin­gen erzähl­te eine Anek­do­te aus sei­ner Kind­heit, als er „vom erns­ten und stum­men Blick der Ahnen­por­träts“ zunächst vom Sti­bit­zen von Pra­li­nes abge­schreckt wor­den sei. Er wünsch­te der Aus­stel­lung und ihren Machern „Freu­de und gutes Gelin­gen“.

Das Streich­trio der Musik­schu­le Schram­berg mit Kat­rin Haf­ner, Mela­nie Kopp und Bene­dikt Schä­fer hat die Ein­füh­rung und die Gruß­wor­te auf einer musi­ka­li­schen Zeit­rei­se durch drei Jahr­hun­der­te mit Wer­ken von Arcan­ge­lo Corel­li, Fran­cois Cou­pe­rin, Wolf­gang Ama­de­us Mozart, Lui­gi Boc­cheri­ni und Béla Bar­tók beglei­tet.

Die His­to­ri­ke­rin Gise­la Rom­ing hat­te aus Über­lie­fe­run­gen des Archivs der Gra­fen von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg Brie­fe und Doku­men­te der gräf­li­chen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen aus­ge­wählt, die Harald und Gabrie­le From­mer aus­zugs­wei­se vor­tru­gen. Rom­ing wies auf die Bedeu­tung der Por­trät­ma­le­rei aus der Zeit vor der Foto­gra­fie hin. Einer­seits Aus­druck von Wohl­stand, ande­rer­seits Mas­sen­wa­re. Die Aus­stel­lung zei­ge Por­träts aus acht Genera­tio­nen.

In den Lesun­gen ver­an­schau­lich­ten die From­mers die Lebens­wei­se das Adels jener Zeit: 1762 ver­lang­te etwa Hans Fried­rich von Bis­sin­gen in sei­nem Tes­ta­ment, dass sei­ne Kin­der ihrer Mut­ter gehor­chen soll­ten und droh­te ihnen, falls sie nicht stan­des­ge­mäß hei­ra­te­ten, mit dem Ver­lust der Hälf­te ihres Erb­teils. 1687 warf eine Frei­frau von Bis­sin­gen ihrer Toch­ter und beson­ders ihrem Schwie­ger­sohn und des­sen Fami­lie vor, mit dem Geld nicht umge­hen zu kön­nen, und lis­te­te fein säu­ber­lich auf, was sie ihrer Toch­ter und ihrem Schwie­ger­sohn doch alles geschenkt habe, von 3000 Gul­den bis zu einem ordent­li­chen Reit­pferd.

Ama­lie, eine gebo­re­ne Grä­fin  von Spaur, muss­te sich ziem­lich allein durch­schla­gen, denn ihr Gat­te, Josef Cajetan, war noch vor der Geburt des zwei­ten Kin­des „geis­tig ver­wirrt“. Als ihr Sohn mit fast fünf­zig ein zwei­tes Mal hei­ra­ten möch­te, fin­det sie das nicht so toll. Er schreibt ihr von den Vor­zü­gen sei­ner Braut und warnt sie drin­gend, die „gif­ti­gen Ver­leum­dun­gen“, die im Umlauf sei­en, zu glau­ben.

Graf Cajetan, der das Schram­ber­ger Schloss spä­ter erbau­en ließ, hat­te ordent­lich mit Geld­not zu kämp­fen – und so woll­te die Fami­lie sei­ner ange­be­te­ten Loui­se von Wars­berg einer Ver­lo­bung erst zustim­men, wenn er sei­ne finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se in Ord­nung gebracht hät­te. In einem Lie­bes­brief bat er sei­ne Loui­se „fal­schen Gerüch­ten über mei­ne Ver­hält­nis­se“ kei­nen Glau­ben zu schen­ken. Die bei­den hei­ra­te­ten schließ­lich 1834, so Rom­ing.

Muse­ums­lei­te­rin Gise­la Lix­feld schließ­lich freu­te sich, dass in der Aus­stel­lung All­tags- und Frau­en­geschich­te sicht­bar gewor­den“ sei­en, und füg­te augen­zwin­kernd an: „Ohne dass ich das beein­flusst hät­te.“