Raphael Deckart aus dem Jugendchor Zimmern ist für die Rolle des
Raphael Deckart aus dem Jugendchor Zimmern ist für die Rolle des "kleinen Tarzan" in dem gleichnamigen Musical ausgewählt worden. Fotos: pm

(pm). Seit Okto­ber 2014 steht der zwölf­jäh­ri­ge  Rapha­el Deck­art aus Zim­mern zwei bis drei Mal pro Monat im Stutt­gar­ter Apol­lo-Thea­ter auf der Büh­ne. Er spielt dort im Dis­ney-Musi­cal Tar­zan die Rol­le des jun­gen Tar­zan.

Raphael Deckart.
Rapha­el Deck­art.

Rapha­el gehört damit zu der­zeit 16 Jungs im Alter zwi­schen 8 und 13 Jah­ren, die von der Kin­der­ab­tei­lung des Apol­lo-Thea­ters betreut wer­den. Die­se cas­tet talen­tier­te Jun­gen, trai­niert und probt sie ein, beglei­tet sie all­abend­lich wäh­rend ihrer Auf­trit­te, küm­mert sich um das  Admi­nis­tra­ti­ve, orga­ni­siert und koor­di­niert die Anfra­gen und Arbeits­ab­läu­fe und hält Kon­takt zu den Eltern der klei­nen Dar­stel­ler.

Der künst­le­ri­sche Lei­ter, Tho­mas Hirsch­feld, arbei­tet gemein­sam mit einem Krea­tiv-Team, bestehend aus einer Gesangs­leh­re­rin, einem Akro­ba­tik-Coach und einem Sprech­erzie­her, an der Show-Vor­be­rei­tung der Kin­der. Der künst­le­ri­sche Lei­ter ent­schei­det, wel­ches Kind alle Kri­te­ri­en für den gro­ßen Büh­nen­auf­tritt erfüllt. Auch in den lau­fen­den Vor­stel­lun­gen begut­ach­tet Hirsch­feld die Jun­gen, gibt Kri­tik und Hin­wei­se.

Im wöchent­lich statt­fin­den­den „Clea­ning“, einer so genann­ten Putz­pro­be, kor­ri­giert Hirsch­feld immer wie­der alle Jun­gen und hilft den Kin­dern nach eige­nen Anga­ben so, dem Publi­kum immer wie­der eine beson­de­re Vor­stel­lung zu geben. Jeder Jun­ge darf damit bis zu 30 Auf­trit­te im Jahr absol­vie­ren. Die Gren­zen steckt der  Jugend­schutz. Das Wohl der Kin­der steht nach deren Anga­ben für die Kin­der­ab­tei­lung ganz oben. Daher ach­te sie dar­auf, dass die Kin­der die Arbeit im Thea­ter mit Freu­de absol­vie­ren und auch die schu­li­schen Leis­tun­gen nicht ver­nach­läs­sigt wer­den.

Raphael Deckart in der Rolle des kleinen Tarzan.
Rapha­el Deck­art in der Rol­le des klei­nen Tar­zan.

Die Beschäf­ti­gung als Musi­cal-Dar­stel­ler soll Freu­de berei­ten, den Selbst­wert der Jun­gen stär­ken und musi­sches, krea­ti­ves Talent för­dern. Wenn die Kin­der­ab­tei­lung fest­stellt, dass ein Kind in einem oder meh­re­ren Berei­chen für sei­ne Rol­le über­for­dert ist, wird die Reiß­lei­ne gezo­gen. Aber glück­li­cher Wei­se müs­sen sol­che Ent­schei­dun­gen nicht sehr oft getrof­fen wer­den”, heißt es in einer Mit­tei­lung des Apol­lo-Thea­ters.

Für unse­re Zei­tung hat sich Tar­zan-Dar­stel­ler Rapha­el Zeit genom­men und mit einem Repor­ter gespro­chen. Hin­ter­grund: Viel­leicht möch­te das eine oder ande­re Kind nach dem Lesen der Zei­len auch mal sein Glück in Stutt­gart ver­su­chen?

Fra­ge: Was gefällt Dir am Tar­zan-Musi­cal am bes­ten?

Rapha­el Deck­art: Ich mag vor allem die Musik und das Flie­gen an den Lia­nen.

Wie ver­lief die Aus­bil­dung?

Im Dezem­ber 2013 nahm ich am ers­ten Cas­ting teil. Damals waren fast 40 Kin­der ein­ge­la­den wor­den. Ich war einer von Neun, die es in die ers­te Run­de, die Vor­be­rei­tungs­grup­pe, schaff­ten. Gemein­sam hat­ten wir vier Mona­te ein­mal pro Woche Akro­ba­tik und Gesangs­un­ter­richt im Sta­ge Apol­lo Thea­ter Stutt­gart. Zum Abschluss gab es ein zwei­tes Cas­ting. In der zwei­ten Run­de, der Inten­siv­grup­pe waren wir nur noch vier Jungs. Zusam­men hat­ten wir meist drei Mal die Woche sowie in den Som­mer­fe­ri­en zwei Wochen­lang täg­lich Trai­ning. Jetzt lern­ten wir noch Tanz und Schau­spiel und hat­ten Sprech­erzie­hung. Ein High­light war das Trai­ning an den Lia­nen. Das ist nichts für Leu­te mit Höhen­angst, denn an man­chen Stel­len schwe­ben wir bis zu >15m über der Büh­ne. Den Abschluss bil­de­ten die Büh­nen­pro­ben und ein Abschluss­cas­ting, Hier wur­den an fünf Tagen alle Sze­nen die wir spie­len mit den gro­ßen Dar­stel­lern gemein­sam geprobt. Zwei Tage nach mei­ner Gene­ral­pro­be stand ich dann zum ers­ten Mal „rich­tig“ auf der Büh­ne.

Raphael Deckart.
Rapha­el Deck­art.

Warst Du vor Dei­ner Pre­mie­re auf­ge­regt?

In der Nacht davor habe ich schlecht geschla­fen. Jedoch war die Auf­re­gung am Pre­mie­ren­tag ver­flo­gen. Aber 5 Minu­ten vor mei­nem Auf­tritt war ich schon etwas ner­vös. Da zit­ter­te ich dem Anfang ent­ge­gen und die Zeit ver­ging sehr lang­sam. Sobald ich auf der Büh­ne stand, freu­te ich mich nur und alle Auf­re­gung war wie weg­ge­bla­sen.

Wie ist das, wenn man vor über 1.800 Zuschau­ern auf der Büh­ne steht?

Es kommt auf das Publi­kum an. Wenn die Zuschau­er mit­fie­bern und begeis­tert sind, fällt es mir leich­ter zu spie­len. Eigent­lich kommt es dann auf die Zahl der Zuschau­er gar nicht an. Und ich freue mich, dass ich mein Kön­nen zei­gen darf.

Wie ist der Umgang mit den „gro­ßen“ Kol­le­gen?

Die gro­ßen Kol­le­gen sind super. Wenn man sich vor der Show trifft, sagt man „Hal­lo“ und wech­selt noch ein paar Wor­te. Manch­mal kommt auch ein Dar­stel­ler in der Mas­ke oder im Kin­der­zim­mer vor­bei. Und auf der Büh­ne sind sie auch super. Sie wün­schen einem viel Glück oder machen auch mal Quatsch mit einem.

Wie läuft ein Auf­tritt ab?

Mei­ne Eltern brin­gen mich nach Stutt­gart, so dass ich spä­tes­tens 90 Minu­ten vor Show­be­ginn dort bin. Dann über­nimmt mich ein Mit­ar­bei­ter der Kin­der­ab­tei­lung und geht mit mir in die Mas­ke. Dort wer­den zunächst die Haa­re gemacht, das Mikro inkl. Sen­der auf dem Kopf befes­tigt und anschlie­ßend die Perü­cke auf­ge­setzt. Dann geht es zum Ein­sin­gen. Dort tref­fe ich dann mei­nem Affen­freund „Terk“ (wird gespielt von Ema­nue­le Caser­ta – d. Red.) und wir sin­gen gemein­sam unser Duett. Dort krie­ge ich vom Diri­gen­ten auch noch ein paar letz­te Tipps, auf was ich beim Gesang ach­ten soll. Dann geht es in die „Schmod­der-Box“. Dort wer­de ich von Kopf bis Fuß mit brau­ner Thea­ter­schmin­ke ange­malt und anschlie­ßend noch mit grü­nen, blau­en und gel­ben Strei­fen „ver­ziert“. Als letz­tes zie­he ich den Klet­ter­gurt und den Len­den­schurz an. Dann geht es ins Kin­der­zim­mer. Dort war­te ich gemein­sam mit mei­nem Betreu­er bis es Zeit für mei­nen Auf­tritt ist. Nach mei­ner Sze­ne im 1. Akt geht es in die Kan­ti­ne zum Essen. Nach dem Essen haben wir dann Zeit und machen im Kin­der­zim­mer ein paar Spie­le wie z.B. Mensch ärge­re dich nicht. Dann habe ich noch einen kur­zen Auf­tritt im 2. Akt und dann darf ich noch­mal zum Fina­le raus. Wenn der Vor­hang unten ist geht es schnell in die Mas­ke, wo Perü­cke und Len­den­schurz abge­nom­men wer­den und ich schlüp­fe in einen One­sie. Das ist ein Stramp­ler für Gro­ße. Zum Schluss bringt mich der Betreu­er wie­der zu mei­nen Eltern und die Heim­fahrt beginnt. Zuhau­se muss mei­ne Mut­ter mich dann von der Schmin­ke befrei­en. Das dau­ert mind. noch­mal 30 Minu­ten. Das fin­det mei­ne Mut­ter nicht so toll.

Was hast du an Vor­bil­dung mit­ge­bracht?

Auf der Sei­te der Akro­ba­tik und Fit­ness haben mir mein Judo­trai­ning und das Tram­po­lin im Gar­ten gehol­fen. Ganz wich­tig war aber die stimm­li­che Vor­bil­dung im Schul­kin­der­chor und spä­ter bei den Young Voices des Gesangs­ver­eins Zim­mern o.R. Eine Freun­din aus dem Chor hat mir damals auch den Tipp gege­ben, dass das Musi­cal Kin­der­dar­stel­ler sucht. Und für das Schau­spie­lern waren mei­ne Erfah­run­gen aus der Wal­dorf­schu­le hilf­reich.

Was machst Du zu Hau­se, um Dich fit zu hal­ten?

Ich mache täg­li­che Dehn- und eini­ge Fit­ness- und Akro­ba­tik­übun­gen wie z.B. Hand­stand oder Sit-ups. Eben­so sin­ge ich viel, um mei­ne Stim­me zu üben. Außer­dem mache ich wei­ter mein Judo­trai­ning und den Schul­sport.

Wel­che Zukunfts­plä­ne hast Du?

Abi machen, danach eine Aus­bil­dung als Musi­cal-Dar­stel­ler und hof­fen, dass ich bei vie­len Audi­tions genom­men wer­de.