Rott­weil (här) – Die Fak­ten sind alar­mie­rend: Wäh­rend der ver­gan­ge­nen fünf Jah­re hat  sich die Zahl der Woh­nungs­ein­brü­che im Land­kreis Rott­weil von 49 auf 98 ver­dop­pelt. Erschwe­rend kommt hin­zu, dass die Auf­klä­rungs­quo­te dürf­tig ist – sie beweg­te sich 2014 bei 12,2 Pro­zent. Und in den ers­ten drei Mona­ten 2015 sind die Zah­len der­art gestie­gen, dass sich die Poli­zei scheut, Halb­jah­res-Ergeb­nis­se zu nen­nen.  Das ver­heißt nichts Gutes. Dabei steht die Hoch-Zeit erst noch bevor: Wäh­rend des Urlaubs, wenn vie­le Häu­ser leer ste­hen und/oder schlecht gesi­chert sind, machen die Ein­bre­cher alle Jah­re wie­der fet­te Beu­te.

Jetzt will das Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen mit sei­nen fünf Land­krei­sen  auf­rüs­ten im unglei­chen Kampf:  Eine Spe­zi­al­ein­heit mit zunächst 25 und ab Herbst 35 Beam­ten soll den Tätern das Hand­werk legen.

Diet­mar Schön­herr, Lei­ter der Kri­mi­nal­po­li­zei­di­rek­ti­on,  fasst den Ernst der Lage in einem prä­gnan­ten Satz zusam­men: „Die orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät ist an der Haus­tür ange­kom­men.“ Es sei­en vor allem ost­eu­ro­päi­sche Ban­den, berich­te­te er, die in wech­seln­den Beset­zun­gen und sehr varia­bel, aber gezielt und plan­mä­ßig  über genau aus­ge­wähl­te Gebie­te, oft nah an der Auto­bahn,  her­fal­len.

Der ers­te Ver­such des Poli­zei­prä­si­di­ums im ver­gan­ge­nen Herbst mit der Ein­rich­tung der Ermitt­lungs­grup­pe „Hebel“, die sechs bis acht Mit­glie­der umfass­te, erwies sich als nicht schlag­kräf­tig genug.

Als dann die Dimen­sio­nen der Woh­nungs­ein­brü­che immer bedenk­li­che­re Aus­ma­ße annah­men,  griff das Stutt­gar­ter Innen­mi­nis­te­ri­um ein und  ord­ne­te die Bil­dung von grö­ße­ren Spe­zi­al­ein­hei­ten ein.

Die des Poli­zei­prä­si­di­ums Tutt­lin­gen hat am 15 Juni ihre Arbeit auf­ge­nom­men und kann auch bereits einen ers­ten Erfolg auf­wei­sen. Eine Ein­bruch­se­rie in Bade Dür­rheim und Vil­lin­gen ste­he kurz vor der Auf­klä­rung, berich­tet Diet­mar Schön­herr. Der oder die Täter sei­en seit län­ge­rem im Visier der Poli­zei.

Wir sind jetzt reak­ti­ons­schnel­ler, effek­ti­ver und zen­tra­ler“, sagt Mar­kus Mast, der Lei­ter der neu­en Ein­heit.  In jedem Land­kreis sei­en Sach­be­ar­bei­ter ansäs­sig, die einen kur­zen Draht und einen täg­li­chen Aus­tausch mit der Zen­tra­le in Rott­weil pfleg­ten.

Auf die Fra­ge nach der Ziel­vor­ga­be gibt sich Kri­po­chef Schön­herr zurück­hal­tend: „Ob ein zwei­stel­li­ger Zuwachs mach­bar ist, weiß ich nicht“, sag­te er. „Aber wir wol­len deut­lich nach oben gehen und uns dar­an mes­sen las­sen.“

Einen ent­schei­den­den Bei­trag könn­ten auch die Haus­be­sit­zer leis­ten, betont Tho­mas Gertz, zustän­dig für die Prä­ven­ti­on beim Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen. Das begin­ne mit ganz simp­len Vor­sichts­maß­nah­men, setz­te sich fort mit dem poli­zei­li­chen Ange­bot einer kos­ten­lo­sen Bera­tung und kön­ne in Inves­ti­tio­nen zur Sicher­heit der Woh­nung mün­den. Der Nach­hol­be­darf sei groß, wenn immer noch 90 Pro­zent unzu­rei­chend gesi­chert sei­en. Ande­rer­seits neh­men immer mehr das Ange­bot zur Bera­tung wahr. 2013 waren es nach 540 Rat­su­chen­der, in die­sem Jahr sind es bis­her schon fast tau­send.

Gertz weiß aus ein­schlä­gi­gen Erfah­run­gen, welch tie­fe Spu­ren Ein­brü­che hin­ter­las­sen kön­nen:  Jeder Sechs­te, der Opfer wur­de, ver­kauft sei­ne Woh­nung oder sein Haus bin­nen zwei Jah­ren.

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