Beste Stimmung: So war das vergangene Stadtfest 2013. Archiv-Foto: Fritz Rudolf

2017 star­tet in Rott­weil gleich mit einem Groß­ereig­nis: dem Nar­ren­tag im Janu­ar. Dann folgt, im Früh­som­mer, die Eröff­nung des Test­turms. Zudem steht am 9. Sep­tem­ber das im zwei­jäh­ri­gen Rhyth­mus statt­fin­den­de Stadt­fest im Kalen­der. Zuviel für die Rott­wei­ler Ver­ei­ne? Das frag­ten sich die Stadt­rä­te mehr­heit­lich. Doch das war eher zu viel der Für­sor­ge: Denn die Rott­wei­ler Ver­ei­ne wol­len ihr Stadt­fest behal­ten.

Das hat eine vom Kul­tur- und Sport­amt im Auf­trag des Gemein­de­rats ange­sto­ße­ne Umfra­ge unter den Rott­wei­ler Ver­ei­nen erge­ben. Eine sat­te Mehr­heit kann sich dem­nach kei­ne Ver­bin­dung der Eröff­nung des thyssenkrupp-Test­turms mit dem Stadt­fest vor­stel­len. 21 von 26 Befrag­ten sag­ten dazu ganz klar. „Nein”. Vier wären dafür, ein Ver­ein ent­hielt sich der Aus­sa­ge. So die Zah­len, die Fest-Orga­ni­sa­to­rin Eva Moos­mann am Mitt­woch­abend dem Kul­tur-, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss des Gemein­de­rats vor­le­gen wird.

Die Turmeröffnung hat ein eigenes Fest verdient”

Die Begrün­dun­gen der Ver­ei­ne:

  • Das Stadt­fest sol­le eine „eige­ne Ver­an­stal­tung blei­ben.”
  • Es wer­de durch die Zusam­men­le­gung mit der Tur­m­er­öff­nung ver­lie­ren.
  • Der Turm ste­he im Fokus, nicht das Stadt­fest.
  • Ver­ei­ne haben bereits einen Aus­schank­wa­gen für den Ter­min im Sep­tem­ber reser­viert.
  • Das Stadt­fest gehö­re in den Sep­tem­ber. Bei vie­len Gäs­ten habe sich der Ter­min bereits eta­bliert.
  • Die Stadt­fest­aus­rich­ter wol­len ger­ne auch zur Tur­m­er­öff­nung gehen, an den dor­ti­gen Fei­er­lich­kei­ten teil­neh­men kön­nen.
  • Man­che Ver­ei­ne betei­li­gen sich auch am Nar­ren­tag, wodurch zwei kurz auf­ein­an­der fol­gen­de Ver­an­stal­tun­gen ent­stün­den.
  • Dast Stadt­fest ist ein Fest der Ver­ei­ne, die Tur­m­er­öff­nung ein pro­fes­sio­nel­les Fest. Die Ver­ei­ne kön­nen hier­bei nur ver­lie­ren.”
  • Es gebe zu vie­le offe­ne Fra­gen zur Tur­m­er­öff­nung. Tat­säch­lich ist deren Ter­min zur­zeit unklar.
  • Die Tur­m­er­öff­nung bedeu­te einen gro­ßen Schritt für Rott­weil und habe ein eige­nes Fest ver­dient.

Kritik am Plan des Gemeinderats

Bereits im Vor­feld der Ver­eins­um­fra­ge, mit der der Gemein­de­rat die Ver­wal­tung beauf­tragt hat­te, hat­te es Kri­tik am Plan der Stadt­rä­te gege­ben. „Das Stadt­fest Rott­weil ver­le­gen? „Ver­schie­ben wir doch ein­fach die CDU …”, hieß es. Die CDU hat­te den Vor­stoß gemacht. Deren Frak­ti­ons­spre­cher im Gemein­de­rat, Gün­ter Pos­selt, reg­te zunächst an, das Stadt­fest 2017 um ein Jahr, auf 2018 zu ver­schie­ben. Die Kri­tik auf der NRWZ-Face­book­sei­te folg­te furz­tro­cken: „Ver­schie­ben wir doch ein­fach die CDU …“, hieß es dort.

Pos­selt merk­te aber auch schon in der Gemein­de­rats­sit­zung schnell, dass der CDU-Frak­ti­ons­vor­schlag nicht mehr­heits­fä­hig sein könn­te. So lehn­te etwa der Gölls­dor­fer Orts­vor­ste­her, Wolf­gang Dre­her, Stadt­rat der Frei­en Wäh­ler, eine dann not­wen­di­ge Vor­ver­le­gung der Gölls­dor­fer Sau­kir­be nach 2017 ab. Deren Macher haben sich bereits auf 2018 ein­ge­rich­tet, um mit ihrer Herbst­ver­an­stal­tung dem Stadt­fest aus­zu­wei­chen, das nur alle zwei Jah­re statt­fin­det. Also hat­te sich der Gemein­de­rat dar­auf ver­stän­digt, die Stadt­ver­wal­tung prü­fen zu las­sen, ob das Stadt­fest aus­fal­len und die Ver­ei­ne in die Fei­ern zur Eröff­nung des thyssenkrupp-Auf­zug­test­turms ein­be­zo­gen wer­den könn­ten.

Das Stadtfest im September ist Tradition”

Ganz kla­re Ansa­ge: 25 von 26 befrag­ten Ver­ei­nen bevor­zu­gen es, das Stadt­fest am 9. und 10. Sep­tem­ber 2017 zu fei­ern. Die Stadt­ver­ewal­tung hat­te ihnen meh­re­re Vari­an­ten vor­ge­stellt. Eine davon, das Stadt­fest in die Fei­ern zur Tur­m­er­öff­nung ein­zu­bin­den, befan­den nur zwei Ver­ei­ne als rich­tig. Eben­so weni­ge woll­ten das Stadt­fest um ein Jahr ver­scho­ben wis­sen. Und eben­falls nur zwei Ver­ei­ne wür­den sich damit abfin­den, das Stadt­fest ganz aus­fal­len zu las­sen und es erst 2019 wie­der zu fei­ern.

Eini­ge der Begrün­dun­gen dafür: „Das Stadt­fest im Sep­tem­ber ist Tra­di­ti­on.” Der Ter­min habe sich bewährt, man blie­be im geplan­ten Rhyth­mus. Das sei auch den Gölls­dor­fer Ver­ei­nen gegen­über fair, die ja 2018 ihre Sau­kir­be fei­ern wol­len, die sie auf ein Stadt­fest-frei­es Jahr ver­scho­ben haben. Zur Ent­zer­rung.

Nur ein Ver­ein erklär­te – den Namen nennt die Stadt­ver­wal­tung nicht: „Das Nar­ren­tref­fen ist eine Groß­ver­an­stal­tung, ver­eins­in­tern haben wir auch eine Groß­ver­an­stal­tung. Es ist ein­fach zuviel in 2017.”

Der Gemein­de­ratssaus­schuss soll das Ergeb­nis der Umfra­ge am Mitt­woch­abend zur Kennt­nis neh­men. Im Janu­ar dann soll sich das Gre­mi­um im Rah­men der Haus­halts­be­ra­tun­gen mit dem Bud­get beschäf­ti­gen. Moos­mann wünscht sich als Stadt­fest­ma­che­rin mehr Geld, will 48.000 Euro ab 2017 haben. Zugleich rech­net sie mit Ein­nah­men aus Spon­so­ring und Stand­mie­ten von 27.000 Euro, was ein Gesamt­bud­get von 75.000 Euro bedeu­te­te. Der Gemein­de­rat soll­te bereits dar­über bera­ten, kam dann auf die Idee einer Ver­schie­bung des Fests. Zum Ver­gleich: Das Bud­get der Lan­gen Schwen­nin­ger Kul­tur­nacht, die jähr­lich vom städ­ti­schen Kul­tur­amt koor­di­niert wird, beträgt 100.000 Euro.