Die haus- und fach­ärzt­li­che Ver­sor­gung in der Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg ist der­zeit noch sicher­ge­stellt. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine neue Stu­die der drei Land­krei­se Rott­weil, Tutt­lin­gen, Schwarz­wald-Baar sowie der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK). Die Beto­nung liegt auf noch. Schon die nahe Zukunft gibt Anlass zu Sor­gen. Das belegt allein die Tat­sa­che, dass 33 der ins­ge­samt 86 Haus­ärz­te im Kreis Rott­weil älter als 60 Jah­re alt – und Nach­fol­ger nicht in Sicht sind.

Die Stu­die basiert auf umfang­rei­chen Daten, die eine Bera­tungs­fir­ma erho­ben hat. Die gro­ße Über­ra­schung: Der Raum Schram­berg mit den Gemein­den Aich­hal­den, Dun­nin­gen, Esch­bronn, Hardt, Lau­ter­bach, Schen­ken­zell und Schiltach weist eine Über­ver­sor­gung von 120,7 Pro­zent auf. Der gro­ße Rest mit der Kreis­stadt Rott­weil kommt dage­gen nur auf 90,8 Pro­zent.

Zwar gibt es in ein­zel­nen Gemein­den eine Unter­ver­sor­gung, aber die grenz­ten an Kom­mu­nen mit einer „Voll- oder Über­ver­sor­gung“ und könn­ten des­halb aus­ge­gli­chen wer­den, erklärt Gabrie­le Dost­al von der gleich­na­mi­gen Bera­ter­fir­ma.

Weni­ger posi­tiv sieht die Pro­gno­se für die nächs­ten zehn Jah­re aus: Der alters­be­ding­te Rück­zug von Ärz­ten wird vor allem den Land­kreis Tutt­lin­gen tref­fen und die Ver­sor­gung im bis­he­ri­gen Umfang gefähr­den. „Knapp jeder zwei­te Haus­arzt steht zur Dis­po­si­ti­on“, dia­gnos­ti­ziert die Gut­ach­te­rin.

Tutt­lin­gen steht nicht allei­ne da, von Ärz­te­man­gel ist neben Gemein­den um Rott­weil vor allem das Städ­te-Drei­eck Donau­eschin­gen betrof­fen. Die gute Quo­te im Raum Schram­berg ist vor allem der Gemein­de Esch­bronn zu ver­dan­ken. Sie ver­fügt über 2025 Ein­woh­ner und 3,25 Arzt-Stel­len – und erreicht somit einen in der Regi­on uner­reich­ten Spit­zen­wert von 623 Ein­woh­ner pro Arzt.

Schramberg: überversorgt

Der von der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung vor­ge­ge­be­ne Richt­wert liegt bei 1621 Ein­woh­ner pro Arzt. Die Stadt Schram­berg, die bekannt­lich vor Jah­ren das Kran­ken­haus ver­lo­ren hat, kommt auf 1209. Sie hat bei 20.500 Ein­woh­nern mehr Haus­ärz­te (17) als Rott­weil (16) mit sei­nen 24 650 Ein­woh­nern und einer Quo­te von 1540. Und: Schram­berg hat bes­te Aus­sich­ten, dass die Ärz­te-Ver­sor­gung in abseh­ba­rer Zeit noch bes­ser wird: Im Lau­fe die­ses Jah­res will ein Inves­tor mit dem Bau von zwei Ärz­te­häu­sern begin­nen, ein klei­ne­res in Sul­gen am Kirch­platz und ein gro­ßes in der Tal­stadt auf dem ehe­ma­li­gen Carl-Haas-Gelän­de. Dort wer­den sich auch Fachäz­te ansie­deln.

Wei­te­re zen­tra­le Befun­de der Stu­die: Flu­orn-Win­zeln ist die ein­zi­ge selbst­stän­di­ge Gemein­de ohne Haus­arzt (im Kreis Tutt­lin­gen sind es 16 von 35), sehr gut ist auch Obern­dorf ver­sorgt, mit 13.600 Ein­woh­ner die dritt­größ­te Stadt im Kreis und zehn Haus­ärz­ten und einem Wert von 1360.

Nach Esch­bronn sind Wel­len­din­gen (1021) Dun­nin­gen, Deiß­lin­gen (je 1497) am bes­ten ver­sorgt. In ähn­li­cher Grö­ßen­ord­nung bewe­gen sich Hardt, Lau­ter­bach, Schiltach, Epfen­dorf, Bösin­gen und Sulz, das 12.000 Ein­woh­ner und sie­ben Haus­ärz­te auf­weist.

Schlecht sieht es dage­gen in Die­tin­gen aus, wo die Quo­te bei 4026 liegt, und noch schlech­ter in Dorn­han mit 5886. Aller­dings gibt es nach Anga­ben von Land­rat Wolf-Rüdi­ger Michel auch hier Plä­ne für ein Ärz­te­haus.

Der­weil kämp­fen ver­schie­de­ne Initia­ti­ven im Kreis gegen die unheil­vol­le Ent­wick­lung an, wie der Land­rat berich­tet. Dazu gehö­ren vor allem Ver­sor­gungs­as­sis­ten­tin­nen in Haus­arzt­pra­xen (Ver­ahs), die den Medi­zi­nern ein­fa­che Tätig­kei­ten wie zum Bei­spiel imp­fen abneh­men. Im Raum Schram­berg sind bereits 22 im Ein­satz, im Raum Rott­weil 21. Hin­zu kom­men Kom­mu­nal­po­li­ti­sche Gesund­heits­kon­fe­ren­zen, der Ärz­te­bund Schram­berg, die „Regio-Docs“ (über­ört­li­cher Gemein­schafts­pra­xis) und nicht zuletzt das Vin­zenz-von-Paul-Hos­pi­tal Rot­ten­müns­ter mit sei­nem viel­fäl­ti­gen Enga­ge­ment.

Von Pes­si­mis­mus geprägt ist die lang­fris­ti­ge Pro­gno­se, die bis zum Jahr 2035 reicht. Da sei „die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in der Qua­li­tät von heu­te mas­siv gefähr­det“, so die Stu­die. Ursa­chen sei­en die Bevöl­ke­rungs-Ent­wick­lung mit immer mehr älte­ren Men­schen und die hohen Flücht­lings­zah­len.

Vorschläge zur Lösung

Die Bera­tungs­fir­ma emp­fiehlt „ers­te Lösungs­an­sät­ze“, um die Ärz­te-Ver­sor­gung in der länd­lich gepräg­ten Regi­on auch künf­tig zu sichern:

  • Es wer­de dar­auf ankom­men, den Pati­en­ten eine leich­te­re Erreich­bar­keit der weni­ger wer­den­den Ärz­te sicher­zu­stel­len. Mög­lich sei das über Ruf-Taxis, eine Ver­bes­se­rung des Öffent­li­chen Nah­ver­kehrs, aber auch durch Tele-Medi­zin, den ver­stärk­ten Ein­satz von Ver­sor­gungs-Assis­ten­ten/in­nen in der Haus­arzt­pra­xis (Ver­ah) oder Tele-Medi­zin.
  • Zusätz­li­che För­der- und Anwer­be-Pro­gram­me, um jun­ge Ärz­te für die Pra­xen zu gewin­nen.
  • Eine wich­ti­ge Auf­ga­be, so Gabrie­le Dost­al, kom­me auch den Betrie­ben zu, die – schon im eige­nen Inter­es­se – ihren Mit­ar­bei­tern Maß­nah­men zur Stress-Ver­mei­dung, gesun­den Ernäh­rung, zum Gesund­heits-Manage­ment und zur Vor­sor­ge anbie­ten soll­ten.
  • Eine zen­tra­le Stel­lung, so sind sich die Land­rä­te aller drei Krei­se einig, kom­me auch der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung (KV) zu, die letzt­lich über die Ansied­lung von Arzt­pa­xen ent­schei­de. Zum einen, so hieß es, sei die Rege­lung unsin­nig, dass eine Pra­xis erst dann aus­ge­schrie­ben wer­den dür­fe, wenn der alte Arzt auf­hö­re; nötig sei ein naht­lo­ser Über­gang. Und zwei­tens wäre es hilf­reich, die der­zeit bestehen­den Berei­che für Pra­xis-Ansied­lun­gen rea­li­täts­nä­her und klein­räu­mi­ger zu gestal­ten.

Sowohl Land­rat Ste­fan Bär als auch sein Rott­wei­ler Kol­le­ge Micha­el und Joa­chim Gwin­ner, Vize-Land­rat des Schwarz­wald-Baar-Krei­ses, kün­dig­ten an, die Stu­die mit ihrem umfang­rei­chen Daten­ma­te­ri­al als Grund­la­ge zur Siche­rung der Ärz­te-Ver­sor­gung zu nut­zen.
Außer­dem, so wur­de bekannt, will das Land in der Regi­on ein „Modell­pro­jekt Ambu­lan­ten Ver­sor­gung“ mit einer Lauf­zeit von etwa ein­ein­halb Jah­ren star­ten. Dabei sol­len mit ver­schie­de­nen „Basis-Ana­ly­sen“ neue Mög­lich­kei­ten der ärzt­li­chen Ver­sor­gung auf dem Land aus­ge­lo­tet wer­den.

Nach Gwin­ners Anga­ben kann ein Medi­zi­ner, der auf dem Land eine Haus­arzt-Pra­xis eröff­net, mit einem Start­ka­pi­tal von fast 100.000 Euro aus ver­schie­de­nen För­der­töp­fen rech­nen.