Sehr zufrieden: Künstler und Ausstellungsmacher im Schramberger Schloss ( von links): Ralf Rota Maier, Rolf Storz, Bernhard Rüth (Landratsamt Rottweil), Lars Bornschein, Miriam Huschenbeth, Brigitte Landgrebe, Angelika Flaig, Andreas Wiertz und Remy Trevisan Foto: him

SCHRAMBERG (him) – Zwei Aus­stel­lungs­er­öff­nun­gen an einem Wochen­en­de in Lau­ter­bach und Schram­berg – und bei­de extrem gut besucht – wann hat es das zuletzt gege­ben? Podi­um Kunst und der Kunst­ver­ein Wil­helm Kim­mich haben es geschafft mit ihrem Pro­jekt Kunst­raum Schram­berg, bei dem die Wer­ke von 15 Künst­le­rin­nen und Künst­lern gezeigt wer­den.


Krea­ti­ven Men­schen also, die einen „Bezug zu Schram­berg“ haben, sei es, dass sie hier gebo­ren wur­den, zur Schu­le gin­gen oder hier leben und arbei­ten, und auch aktu­ell in der Stadt prä­sent sind, wie Lars Born­schein, der Vor­sit­zen­de von Podi­um Kunst am Sonn­tag­abend erläu­ter­te. Schon vor Jah­ren hat­te der Kunst­ver­ein in Lau­ter­bach eine sol­che Schau orga­ni­siert und als nun wie­der die Idee auf­kam, „fan­den wir die so char­mant und haben uns ein­ge­klinkt“, erzählt Born­schein

Die Aus­stel­lung zeigt in Schram­berg Arbei­ten von Miri­am Huschen­beth, Petra Lun­de, Rolf Storz, Andre­as Wiertz, Ange­la Flaig, Mario Moron­ti, Bri­git­te Land­gre­be und Remy Tre­vi­san. Eine gemein­sa­me Arbeits­grup­pe habe die Künst­ler und deren Wer­ke aus­ge­wählt, die alle aus den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren stamm­ten. „Wir haben vie­le ange­schrie­ben, nicht alle haben mit­ge­macht“, bedau­er­te Born­schein. Dank der Künst­ler, der Unter­stüt­zung durch den Land­kreis, die Stadt, das Regie­rungs­prä­si­di­um und die Kreis­spar­kas­se und des Enga­ge­ments der Aus­stel­lungs­ma­cher sei es „eine groß­ar­ti­ge Aus­stel­lung gewor­den“.

Schram­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog zitier­te den Maler Pablo Picas­so, der gesagt habe, “die Kunst wäscht den Staub des All­tags von der See­le.“ Die Aus­stel­lung sei inso­fern ein wohl­tu­en­des Kon­trast­pro­gramm zu den schlim­men Bil­dern aus Paris. Man dür­fe sich „vom Ter­ror aber auch nicht unter­krie­gen las­sen.“

In sei­ner Ein­füh­rung reflek­tier­te der Rott­wei­ler Jour­na­list Bodo Schne­ken­bur­ger über sei­ne Betrof­fen­heit nach den Anschlä­gen von Paris, und ob denn in einer sol­chen Lage über­haupt über Kunst gespro­chen wer­den kön­ne. Er sei wütend über die­sen Angriff auf die Frei­heit. Mit Schil­ler sah auch er „die Kunst als Toch­ter der Frei­heit“ und mein­te: „Wenn die Kunst kei­ne Stim­me mehr hat, hat die Frei­heit schlech­te Kar­ten.“

Schne­cken­bur­ger erklär­te, bei Petra Lun­des Reli­ef­bil­dern ver­schwin­de die Gren­ze zwi­schen Male­rei und Bild­haue­rei. Ange­li­ka Flaigs Arbei­ten mit Flug­sa­men erziel­ten ihren beson­de­ren Reiz aus dem Kon­trast des Mate­ri­als und den kla­ren geo­me­tri­schen For­men. Bri­git­te Land­gre­be (Nicht Gud­run, „das ist die Schau­spie­le­rin“, wie die Künst­le­rin den Red­ner kor­ri­gier­te) mit ihren OP-Art-Anlei­hen las­se in ihren „Vier Jahreszeiten“-Bildern Farb­stim­mun­gen ent­ste­hen. Rolf Storz set­ze mit sei­nen hel­len Bild­par­ti­en Licht­ef­fek­te, die an Alte Meis­ter erin­ner­ten. Andre­as Wiertz‘ Arbei­ten mit rei­nen Farb­pig­men­ten ent­stün­den in lang­wie­ri­gen Pro­zes­sen.

Miri­am Huschen­beth habe in ihren klei­nen Gemäl­den Mäd­chen­ge­stal­ten etwa in einen Mär­chen­wald ein­ge­fügt. Die groß­for­ma­ti­gen Bil­der von Mario Moron­ti und Remy Tre­vi­san haben die Aus­stel­lungs­ma­cher ein­an­der gegen­über gestellt: Moron­ti mal­te „mit Wucht und unge­heu­rer Ener­gie“, so Schne­ken­bur­ger, wäh­rend Tre­vi­san ein Künst­ler sei, der in sich hin­ein­hor­che und zum genau­en Hin­schau­en auf­for­de­re.
Das Streich­quar­tett der Musik­schu­le Schram­berg, das den Abend mit einem Satz aus Anto­nin Dvor­aks Streich­quar­tett Nr. 12 eröff­net hat­te, impro­vi­sier­te gelun­gen am Schluss über das Bild „Out­look“ von Bri­git­te Land­gre­be.

Lars Born­schein lud schließ­lich zu Gesprä­chen, einem Glas Wein, Sekt oder Saft und Häpp­chen – und bat um Ver­ständ­nis und Beschei­den­heit: „Mit so vie­len Besu­chern haben wir nicht gerech­net….“
Die Dop­pel­aus­stel­lung dau­ert bis zum 7. Febru­ar. In der Kim­mich-Gale­rie sind Arbei­ten von Ulri­ke Bal­kau, Ingrid Wild Jür­gen Born­schein, Ralf ROTA Mai­er, Gerold Rapp, Uwe Rett­kow­ski und Ben­ja­min Sau­rer zu sehen. Füh­run­gen sind nach Ver­ein­ba­rung unter Tele­fon 07422/94970 oder E-Mail info@kunstverein-wilhelm-kimmich.de mög­lich. Die Lau­ter­ba­cher Schau ist sams­tags, sonn­tags und fei­er­tags von 14 bis 17 Uhr geöff­net. In Schram­berg ist das Muse­um geöff­net von Diens­tag bis Sams­tag von 13 bis 17 Uhr, Sonn­tag und Fei­er­tag von 11 bis 17 Uhr.