Die Bürgerinitiative Neckarburg ohne Gefängnis sagt Nein zum Standort Esch. Bild: BI Neckarburg ohne Gefängnis

Im Janu­ar hat­te die Lan­des­re­gie­rung den Rott­wei­ler Gemein­de­rat und die Stadt­ver­wal­tung noch gewarnt: An eine Ver­schie­bung des geplan­ten Lan­des­ge­fäng­nis­ses weg von der Esch-Hoch­flä­che rüber zur B27 und rein in einen bestehen­den Wald sei eigent­lich nicht zu den­ken – der dro­hen­den Ver­zö­ge­run­gen und Kos­ten wegen. Heu­te nun lenkt das Land ein: Das Wald­ge­fäng­nis könn­te kom­men.

So sind die Rott­wei­ler halt: Sie machen eine eigent­lich abge­schlos­se­ne Dis­kus­si­on ger­ne noch­mal auf. So gesche­hen im ver­gan­ge­nen Jahr, als der Gemein­de­rat öffent­lich über­legt hat­te, ob er die neue Feu­er­wa­che nicht doch woan­ders bau­en soll­te, als am geplan­ten Stand­ort (weil es dort Pro­ble­me mit dem Schall­schutz für die Anwoh­ner gibt). Und so gesche­hen im Okto­ber, als die Frei­en Wäh­ler anreg­ten, das für das Esch geplan­te Gefäng­nis von dort weg in Rich­tung B27 zu ver­schie­ben. Rein in den Wald und wei­ter weg von Die­tin­gen, Vil­lin­gen­dorf und der Neckar­burg.

Mit die­sem Ansin­nen, das im Janu­ar dann im Gemein­de­rat behan­delt wor­den ist, haben die Rott­wei­ler die Stutt­gar­ter Lan­des­re­gie­rung kalt erwischt – und nur mühe­voll ver­hoh­le­ne Ableh­nung geern­tet. Am Tag der Abstim­mung im Gemein­de­rat mel­de­te sich das Land zu Wort. Die NRWZ titel­te: „Rott­wei­ler Wald­ge­fäng­nis? Das Land lehnt die­se Idee nicht ab, warnt aber vor Ver­zö­ge­run­gen“.

Der Rott­wei­ler Gemein­de­rat hat sich dann doch nicht getraut. Er schlug viel­mehr förm­lich dem Land Baden-Würt­tem­berg vor, die süd­lich des Plan­ge­bie­tes (Esch) lie­gen­de (Wald-) Flä­che bis 20 Meter vor der B27 zusätz­lich in das Plan­ge­biet ein­zu­be­zie­hen. Zugleich hat der Rat beschlos­sen, dem Land das süd­lich des bis­he­ri­gen Plan­ge­biets lie­gen­de städ­ti­sche Wald­grund­stück bis zur B 27 zur Erwei­te­rung des Plan­ge­biets für den Neu­bau einer Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt anzu­bie­ten. Alles kann, kein muss, also.

Am Diens­tag nun sehr ver­söhn­li­che Wor­te aus Stutt­gart: „Das Land hat sich zwi­schen­zeit­lich dazu ent­schie­den, die durch die Stadt Rott­weil vor­ge­schla­ge­ne poten­ti­el­le Erwei­te­rung des räum­li­chen Plan­ge­biets der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt grund­sätz­lich zu prü­fen“, schreibt der Pres­se­spre­cher des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums Baden-Würt­tem­berg, Dr. Stef­fen Gan­nin­ger.

Der Minis­te­ri­ums­spre­cher ver­weist auf eine Stel­lung­nah­me der Lan­des­re­gie­rung, die die NRWZ im Wort­laut wie­der­gibt:

Das Land begrüßt und unter­stützt die inten­si­ven Bemü­hun­gen der Stadt Rott­weil um eine opti­ma­le Lösung beim Bau der neu­en Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt. Gera­de im Inter­es­se einer größt­mög­li­chen Akzep­tanz in der Bevöl­ke­rung stre­ben wir eine mög­lichst land­schafts­ver­träg­li­che Ein­bet­tung der Anstalt an. Das Land hat sich daher ent­schie­den, die durch die Stadt Rott­weil vor­ge­schla­ge­ne Erwei­te­rung des räum­li­chen Plan­ge­biets für die Anstalt grund­sätz­lich zu prü­fen. Die­se Ent­schei­dung des Lan­des ent­spricht dabei auch dem Wunsch des Bür­ger­meis­ters von Vil­lin­gen­dorf und der loka­len Natur- und Umwelt­schutz­ver­bän­de (BUND – Orts­grup­pe Rott­weil, NABU – Grup­pe Rott­weil und Umge­bung sowie LNV Baden-Würt­tem­berg – Arbeits­kreis Rott­weil). Die­ser wur­de eben­so aus der Mit­te der Betei­li­gungs­grup­pe selbst wie auch auf der öffent­li­chen Ver­an­stal­tung zur Ein­bin­dung der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger vor Ort geäu­ßert.
 
Das Land wird nun die zwin­gend erfor­der­li­che umfas­sen­de Begut­ach­tung der mög­li­chen Erwei­te­rungs­flä­che zeit­nah in die Wege lei­ten. Für eine zuver­läs­si­ge Ein­schät­zung der Eig­nung der Flä­che sind zeit­in­ten­si­ve fau­nis­ti­sche, flo­ris­ti­sche und geo­lo­gi­sche Unter­su­chun­gen not­wen­dig. Das Land wird die vor­aus­sicht­lich im Früh­jahr 2017 vor­lie­gen­den Unter­su­chungs­er­geb­nis­se selbst­ver­ständ­lich der Stadt Rott­weil zur Ver­fü­gung stel­len. Auf der Grund­la­ge eines gemein­sa­men Dia­logs wird das Land dann abschlie­ßend über die Erwei­te­rung des Plan­ge­biets ent­schei­den. Bis dahin ist aller­dings die Aus­lo­bung des Archi­tek­tur­wett­be­werbs nicht mög­lich.

Die­se Stel­lung­nah­me bezieht sich auf ein Schrei­ben des Vil­lin­gen­dor­fer Bür­ger­meis­ters Karl-Heinz Bucher. Die­ser hat­te sich im Dezem­ber an den Ober­bür­ger­meis­ter der Nach­bar­stadt Rott­weil, Ralf Broß, und an den Gemein­de­rat gewandt. Er schreibt dar­in von einem Respekt gegen­über der inner­halb eines Bür­ger­ent­scheids gefäll­ten Stand­ort­ent­schei­dung. Aber er bit­tet den­noch dar­um, die Lan­des-JVA zu ver­schie­ben. Hier sein Schrei­ben im Wort­laut:

Sehr geehr­ter Herr Kol­le­ge Broß, sehr geehr­te Damen und Her­ren des Gemein­de­ra­tes,

nach­dem sich durch Bür­ger­ent­scheid die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Gro­ßen Kreis­stadt Rott­weil mit einer aus­rei­chen­den Mehr­heit für den Stand­ort „Im Esch“ in unse­rer Nach­bar­schaft aus­ge­spro­chen haben, ist die gefäll­te Ent­schei­dung unse­rer­seits zu respek­tie­ren. Die Lan­des­re­gie­rung hat­te im Vor­feld der Ent­schei­dung mehr­fach auch die „ver­träg­li­che Ein­bin­dung einer JVA“ gera­de in die­ses Gebiet zuge­si­chert. Die Rah­men­be­din­gun­gen sol­len für die Aus­schrei­bung des Archi­tek­ten­wett­be­wer­bes ent­spre­chend vor­ab fest­ge­legt wer­den.
 
Sei­tens Herrn Jus­tiz­mi­nis­ter Rai­ner Sti­ckel­ber­ger, MdL, und Ihrer­seits wur­de unse­re Gemein­de auch ein­ge­la­den, sich am wei­te­ren Betei­li­gungs­ver­fah­ren mit ein­zu­brin­gen. Ich habe daher am ers­ten Betei­li­gungs­tref­fen unse­re Vor­schlä­ge und Anre­gun­gen vor­ge­bracht. Bei die­ser Ver­an­stal­tung wur­de ins­be­son­de­re auch der Vor­schlag der Frei­en Wäh­ler­frak­ti­on dis­ku­tiert und wei­ter­ent­wi­ckelt, den Stand­ort der JVA wei­ter nach Süden Rich­tung B 27 hin zu ver­schie­ben und eine ver­kehr­li­che Erschlie­ßung über die B 27 zu favo­ri­sie­ren.
 
Die­ser Vor­schlag wird auch durch die Gemein­de Vil­lin­gen­dorf nach­hal­tig mit unter­stützt. Vor­teil­haft ergä­be sich eine gerin­ge­re Beein­träch­ti­gung der bis­he­ri­gen Zuwe­gungs­si­tua­ti­on über das „Esch“ in das Nah­erho­lungs- und Natur­schutz­ge­biet Neckar­burg. Dies wäre ein posi­ti­ver Schritt in Rich­tung Siche­rung und Erhalt des male­ri­schen Ein­stie­ges in das Neckar­tal. Wir bit­ten, die­sen Vor­schlag favo­ri­sie­rend auch wei­ter zu ver­fol­gen. Herz­li­chen Dank.
 
Mit freund­li­chen Grü­ßen
Karl-Heinz Bucher
Bür­ger­meis­ter