SCHILTACH/SCHRAMBERG (pm) –Die Orts­grup­pe der Grü­nen Schram­berg-Lau­ter­bach hat­te ver­gan­ge­nen Diens­tag die baden-würt­tem­ber­gi­sche Minis­te­rin im Staats­mi­nis­te­ri­um Sil­ke Krebs und der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­an Kühn zu einem Dia­log­a­bend nach Schiltach ein­ge­la­den. Das Inter­es­se aus der Bevöl­ke­rung hät­te grö­ßer sein kön­nen, zumal die The­men Flücht­lings­po­li­tik und Kli­ma­wan­del zu kri­ti­schen Fra­gen ein­lu­den, wie es in einer Pres­se­mit­tei­lung der Grü­nen heißt.

Nie­man­dem sei klar gewe­sen, mit wel­cher Dyna­mik die Flücht­lings­zah­len im Som­mer anstei­gen soll­ten, gestand Krebs. Im Land habe man bei den Asyl­ver­fah­ren Kon­se­quen­zen gezo­gen. Nach dem Auf­ent­halt in Sam­mel­un­ter­künf­ten von rund drei Mona­ten, fän­de die Ver­tei­lung der Flücht­lin­ge auf die Land­krei­se statt. Das Lager in Meß­stet­ten sei voll, wei­te­re Stand­or­te sol­len fol­gen.

Ein wich­ti­ger Schritt sei, dass das Arbeits­ver­bot ent­fal­le. Asyl­be­wer­ber sol­len nach dem drit­ten Monat arbei­ten dür­fen, brau­chen im deut­schen Sys­tem aber Unter­stüt­zung. Kon­zep­te und Pro­gram­me wür­den gera­de erar­bei­tet wer­den. Wich­tig sei­en zudem Sprach­kur­se. Vie­le Flücht­lin­ge aus Syri­en kom­men mit einem hohen Bil­dungs­stand. »Es ist kei­ne gute Bot­schaft, zum Nichts­tun ver­don­nert zu sein«, beton­te Minis­te­rin Krebs und füg­te an: »Egal wer kommt, alle haben ihre Exis­tenz auf­ge­ge­ben. Wich­tig ist es, den Men­schen das Gefühl zu geben, sich hier eine neue Exis­tenz auf­bau­en zu kön­nen«. Jeder der sich selbst ver­sorgt, muss nicht ver­sorgt wer­den. Doch wie wirkt sich die Situa­ti­on vor Ort aus?

Vie­le Hän­de gibt es, die den Flücht­lin­gen ehren­amt­lich hel­fen wol­len. Wich­tig sei, jetzt schnell ver­nünf­ti­ge Struk­tu­ren zu schaf­fen. Wer benö­tigt kon­kret wel­che Hil­fe? Wo wird Kin­der­klei­dung gebraucht? Feh­len Möbel? Son­ja Rajsp, Mit­glied im Kreis­vor­stand der Grü­nen, hak­te bei den ver­schie­de­nen Sta­tu­en nach. Der eine Flücht­ling bekä­me einen Sprach­kurs, der nächs­te nicht. Man­che der Men­schen wüss­ten nicht, wo sie ihre Sprach­kur­se bele­gen kön­nen. Die Dif­fe­ren­zen bei den Dul­dun­gen sei­en teil­wei­se kom­pli­ziert, bestä­tig­te Krebs. Wich­tig sei es, Qua­li­fi­ka­tio­nen zu erken­nen. Leu­te mit Man­gel­be­ru­fen soll­ten sofort behal­ten wer­den. Auch im deut­schen Inter­es­se. Eine syri­sche Fami­lie war über Ita­li­en ein­ge­reist, die Mut­ter Medi­zi­ne­rin, der Vater Herz­chir­urg. Eine Abschie­bung konn­te gera­de noch ver­hin­dert wer­den.

»Ohne ehren­amt­li­che Hel­fer geht sowie­so nichts. Aber das hat nichts Schlim­mes, denn hier in der Gegend ist die Bevöl­ke­rung enga­giert. Nur mehr Infor­ma­tio­nen zu bekom­men wäre gut, damit man sich als Hel­fer nicht alles selbst zusam­men sam­meln muss«, for­der­te Rajsp, die mit in Schram­berg und Lau­ter­bach das »Netz­werk Will­kom­men« ins Leben rief.

Koor­di­na­ti­on vom Land, Kreis und den Kom­mu­nen wünsch­te sich die Mache­rin. Nur im Kreis Rott­weil sei eine Frau für 470 Flücht­lin­ge zustän­dig – das gehe nicht. Ursu­la Buz­zi, die Vor­sit­zen­de des evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de­rats, wür­de ger­ne auch auf öku­me­ni­scher Ebe­ne den Flücht­lin­gen hel­fen wol­len.

Was pas­sie­re mit den trau­ma­ti­sier­ten oder behin­der­ten Kin­dern, sorg­te sich Peter Schi­mak vom Kin­der­schutz­bund um den son­der­päd­ago­gi­schen Bedarf. Sprach­kur­se und beson­de­re För­der­maß­nah­men sei­en drin­gend not­wen­dig. »Glo­bal gese­hen: Jeder hat ein Inter­es­se dar­an, dass Kin­der einen Bil­dungs­sta­tus bekom­men. Auch ein jun­ger Mensch in Aus­bil­dung soll sei­ne Dul­dung bekom­men«, for­der­te Krebs. Die Minis­te­rin berich­te­te wei­ter, dass die Geset­ze gelo­ckert wer­den sol­len. Durch­ge­setzt habe man bereits die Opti­on der Gesund­heits­kar­te.

»Was wir unter­schät­zen ist, dass die Flücht­lin­ge bereits Aben­teu­er­mut bewie­sen haben. Auf die­se Rei­se machen sich nicht die Zag­haf­ten oder Phleg­ma­ti­schen. Das sind die, die das Heft in die Hand neh­men und rich­tig ins Risi­ko gehen. Die Leu­te haben das Poten­ti­al sich Her­aus­for­de­run­gen zu stel­len – sonst wären sie nicht hier«, zeig­te sich Krebs sicher und bemän­gel­te, dass die Men­schen hier in ver­wal­tet und in die Pas­si­vi­tät gedrängt wür­den. Chris­ti­an Kühn berich­te­te von Gesprä­chen mit der IHK. Der Zwang, an einem Wohn­sitz zu blei­ben, wer­den gelo­ckert, so dass Arbeits­plät­ze bes­ser erreicht wer­den kön­nen.

Nur die For­de­rung der CSU, dass Flücht­lin­ge in ihren Fami­li­en deutsch spre­chen soll­ten, stieß auf Kopf­schüt­teln. Die ers­te Spra­che für Klein­kin­der in der Sprach­er­werbs­pha­se soll­te selbst­ver­ständ­lich die Mut­ter­spra­che, da nur sie mit all ihren Nuan­cen und der Tie­fe kom­plex sei und die Struk­tur für Spra­che anle­ge, so Krebs. Das wäre ein fata­ler Tipp für die teils sehr bil­dungs­en­ga­gier­ten Fami­li­en.

Schi­mak zeig­te sich völ­lig ent­setzt und ihm rutsch­te her­aus: »Ist die CSU wirk­lich so blöd? Da muss man nur Logo­pä­den fra­gen. Es ist eine kla­re Sache, in den Fami­li­en soll die Mut­ter­spra­che gespro­chen wer­den. Wich­tig ist, dass die Kin­der im Kin­der­gar­ten und außer­halb Deutsch spre­chen. So wach­sen sie zwei­spra­chig auf«.

»Die bes­te Inte­gra­ti­on ist ein Arbeits­platz, eine Per­spek­ti­ve und Loya­li­tät zu dem Ort, an dem man eine Chan­ce bekam«, for­der­te Krebs. Vor allem Jugend­li­che brauch­ten das Gefühl der Dazu­ge­hö­rig­keit.

Umwelt

Beim Dia­log­a­bend mit Minis­te­rin Krebs und  Kühn wur­de auch das The­ma Umwelt stark dis­ku­tiert. Micha­el Buz­zi, stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­meis­ter von Schiltach, hak­te bei den Unter­stüt­zungs­pa­ke­ten für die Kom­mu­nen nach. Eben­so wur­de die Debat­te um die Wär­me­däm­mung auf­ge­grif­fen und in Fra­ge gestellt. Chris­ti­an Kühn berich­te­te zum Kli­ma­wan­del, dass 42 Pro­zent des deut­schen Wal­des geschä­digt sei. Bru­ta­ler sei der Kli­ma­wan­del in ande­ren Län­dern spür­bar. Lebens­grund­la­gen wer­den durch Umwelt­ka­ta­stro­phen zer­stört, als Fol­ge stei­ge wie­der­um die Zahl der Flücht­lin­ge. Ange­la Mer­kel ern­te­te Kri­tik, da sie der Kli­ma­kon­fe­renz in Lima fern blieb. »Wir for­dern von der Bun­des­re­gie­rung, dass sie als Vor­rei­ter rein geht. Wir wol­len, dass der Kli­ma­schutz unser Leit­mo­tiv ist«, for­der­te Chris­ti­an Kühn. Tra­gisch sei, dass Deutsch­land beim Kli­ma­schutz nur auf Platz 22 von 58 lie­ge und damit kein Fort­schritts­land sei.

Unter ande­rem wür­den Koh­le­kraft­wer­ke nach 35 Jah­ren nicht abge­schafft wer­den. Der Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en wer­de gede­ckelt. Der gro­ßen Koali­ti­on fehl­ten noch zwei Drit­tel der Maß­nah­men, die sie noch umset­zen müss­ten. Unter den Bun­des­län­dern habe Bay­ern im Bereich der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en, auf­grund von Solar­an­la­gen die Nase vorn. Baden-Würt­tem­berg habe es von einem Mit­tel­platz auf den zwei­ten Platz geschafft. Luft nach oben gebe es den­noch reich­lich.

Die Zeit­schie­ne sei Mit­te des Jahr­hun­derts auf erneu­er­ba­re Ener­gi­en set­zen, zeig­te Kühn an.Krebs hoff­te im Wär­me­dämm­be­reich auf fle­xi­ble­re Lösun­gen, abhän­gig von den Objek­ten. Mit Wär­me­bild­ka­me­ras kön­ne man etwa Schwach­stel­len an Gebäu­den erken­nen.

Tho­mas Kipp, Orts­vor­ste­her in Lehen­ge­richt, warn­te vor den Fol­gen der Kli­ma­ver­än­de­rung. »Wir müs­sen wirk­lich alles Erdenk­li­che tun, um den Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en vor­an zu trei­ben. Es ist alter­na­tiv­los«, ver­deut­lich­te Kipp. Was gebe es an kon­kre­ten Kon­zep­ten? Die Zeit ticke. Wenn die Umset­zung uns in Deutsch­land nicht gelin­ge, wem dann? Doch das Land schei­ne der­zeit gelähmt und es mang­le an Visio­nen. »Kon­kre­te Plä­ne zur Umset­zung kom­men nicht wei­ter, sta­gnie­ren oder wer­den abge­lehnt, aus einer Hal­tung, hin­ter der kein ganz­heit­li­ches Den­ken ste­he. Kämpft mit kon­kre­ten Pro­ble­men. Das ist ein Armuts­zeug­nis, was im Bund läuft. Man müss­te viel schnel­ler vor­an zu kom­men. Zuviel wird zer­re­det«, tadel­te Kipp.

Micha­el Buz­zi, dräng­te noch­mals auf den Lan­des­ent­wick­lungs­plan. Der sei 2002 von der CDU-Lan­des­re­gie­rung auf­ge­stellt wor­den, nach wie vor gül­tig – sowie inhalt­lich sehr grün und posi­tiv. Den Plä­nen wer­de nach­ge­gan­gen, nahm Krebs Stel­lung. Der sozia­le Woh­nungs­bau soll ver­stärkt wer­den, da der Wohn­raum in Bal­lungs­zen­tren nahe­zu unbe­zahl­bar wer­de.

Am 6. Janu­ar kann wei­ter­dis­ku­tiert wer­den. Dann kommt Alex­an­der Bonde, baden-würt­tem­ber­gi­scher Minis­ter für länd­li­chen Raum und Ver­brau­cher­schutz,  nach Zim­mern ob Rott­weil. Die Ver­an­stal­tung fin­det von 11.30 bis 13 Uhr im »Cafe zur Bie­nen­kö­ni­gin« statt.