Machtkampf beim Roten Kreuz

DRK-Kreisverband Rottweil: Beim Streit zwischen der Geschäftsführerin und dem Betriebsrats-Vorsitzenden geht es um Grundsätzliches

Unru­he im DRK-Kreis­ver­band Rott­weil. Geschürt wird sie von inter­es­sier­ten Krei­sen. Sie suchen mit anony­men Anschul­di­gun­gen die Öffent­lich­keit.

Betrof­fen ist ein ver­hält­nis­mä­ßig klei­ner, aller­dings auch zen­tra­ler Teil der des Kreis­ver­bands mit sei­nen 130 Ange­stell­ten Mit­ar­bei­tern und 820 Ehren­amt­li­chen: der Ret­tungs­dienst, der knapp 40 Beschäf­tig­te umfasst. Im Mit­tel­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung ste­hen Geschäfts­füh­re­rin Uta Swo­bo­da auf der einen Sei­te und Betriebs­rat-Vor­sit­zen­der Micha­el Tör­ök auf der ande­ren.

Es ist ein Macht­kampf, und Tör­ök, haupt­be­ruf­lich Lei­ter der Ret­tungs­wa­che, konn­te am Diens­tag die­ser Woche sozu­sa­gen einen Etap­pen­sieg ver­bu­chen: Da ent­schied das Arbeits­ge­richt Vil­lin­gen, dass die Geschäfts­füh­re­rin eine Abmah­nung zurück­neh­men muss. Die hat­te sich gegen eine Stamm­kraft des Ret­tungs­diens­tes gerich­tet.

Der Mann hat­te seit vie­len Jah­ren die Dienst­plä­ne für alle vier Ret­tungs­wa­chen im Kreis­ver­band orga­ni­siert. Zwei Tage vor Weih­nach­ten 2015 dann die Abmah­nung. Begrün­dung der Geschäfts­füh­re­rin: miss­bräuch­li­che Ein­grif­fe in die EDV-Anla­ge. Dage­gen ging der Mit­ar­bei­ter, in Abstim­mung mit dem Betriebs­rat, umge­hend juris­tisch vor – und bekam jetzt Recht vor dem Arbeits­ge­richt. Die Rich­te­rin mach­te klar, dass ein Betreu­er von der­art kom­pli­zier­ten Dienst­plä­nen einen umfas­sen­den Zugriff auf das Sys­tem haben müs­se, um sei­ner Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den zu kön­nen.

Der Fall ist ein Sym­ptom für die atmo­sphä­ri­schen Stö­run­gen, die sich zuletzt immer mehr auf­ge­schau­kelt haben, Ihr Ursprung geht auf das Jahr 2014 zurück, als Uta Swo­bo­da die Nach­fol­ge des lang­jäh­ri­gen Geschäfts­füh­rers Gerd Gien­ger antrat.

Die Ver­wal­tungs­wir­tin und Bilanz­buch­hal­te­rin hat­te zuvor den DRK-Sozi­al­dienst Tri­berg nach des­sen Insol­venz erfolg­reich saniert. In Rott­weil soll­te sie eine Moder­ni­sie­rung ein­lei­ten. „Wie nötig das war, zeigt sich allein dar­an, dass wir eine 20 Jah­re alte EDV-Anla­ge hat­ten“, berich­tet Tho­mas Engeser, der Prä­si­dent des DRK-Kreis­ver­ban­des und frü­he­re Rott­wei­ler Ober­bür­ger­meis­ter auf Nach­fra­ge der NRWZ.

Aller­dings stieß der neue Kurs auf Wider­stän­de in der Beleg­schaft, vor allem in der selbst­be­wuss­ten Trup­pe des Ret­tungs­diens­tes. Und so kam es, dass sich zuletzt die anonym gestreu­ten und teil­wei­se schwer­wie­gen­den Vor­wür­fe gegen die Geschäfts­füh­re­rin häuf­ten. Die 45-Jäh­ri­ge, Frau des Lau­ter­ba­cher Bür­ger­meis­ters, ver­weist auf die Fak­ten: „Wir wer­den von einer Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft jähr­lich geprüft und erhal­ten seit Jah­ren einen Bestä­ti­gungs­ver­merk über die kor­rek­te Buch­hal­tung.“

Der Prä­si­dent stützt sei­ne Geschäfts­füh­re­rin und beschei­nigt ihr „sehr gute Arbeit“. Aus­weis­lich diver­ser unab­hän­gi­ger Attes­te ste­he der DRK-Kreis­ver­band Rott­weil im Lan­des­ver­gleich gut da. „Groß­ar­tig“ sei­en nicht zuletzt die 7000 ehren­amt­li­chen Arbeits­stun­den im Jahr. Wahr sei aber auch, dass „die Che­mie zwi­schen ihr und Herrn Tör­ök nicht stimmt“, der im Übri­gen ein „hyper­ak­ti­ver Betriebs­rats­vor­sit­zen­der“ sei.

Uta Swo­bo­da führt ein grund­sätz­li­ches Pro­blem an, näm­lich dass „Ver­än­de­run­gen und Moder­ni­sie­run­gen in jedem Unter­neh­men eine Her­aus­for­de­rung für alle Betei­lig­ten bedeu­tet. Dies ist lei­der nicht für jeden Mit­ar­bei­ter ver­ständ­lich und bedau­erns­wert, aber lei­der letzt­lich nicht zu ver­hin­dern.“ Aller­dings kön­ne das Arbeits­kli­ma nicht so schlecht sein wie kol­por­tiert, Das bele­ge ein aktu­el­les Zer­ti­fi­kat des TÜV. Des­sen Audi­to­ren hät­ten der Ret­tungs­wa­che erst ver­gan­ge­ne Woche ein gutes Betriebs­kli­ma beschei­nigt.

Micha­el Tör­ök, der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de, war in den letz­ten Tagen tele­fo­nisch nicht zu errei­chen, Er hat sich acht Wochen Urlaub am Stück genom­men, was nicht jedem Kol­le­gen gefällt. „Das steht ihm zwar zu“, sagt einer der Kri­ti­ker, „aber bei einem Lei­ter der Ret­tungs­wa­che ist es pro­ble­ma­tisch.“

Was das Urteil des Arbeits­ge­richts ange­he, so Tho­mas Engeser, sei noch nicht ent­schie­den, ob man Wider­spruch ein­le­ge.