Meine Welt erschließt sich auf einer Distanz von einer Armlänge“

Als Taubblinder auf den Jakobsweg

Sven Fiedler möchte den Jakobsweg gehen - als Taubblinder. Foto: pm

ROTTWEIL – Sven Fied­ler ist taub­blind. Und er will sich auf den Jakobs­weg machen. Dafür sucht er nun Spen­der und Spon­so­ren, denn durch sei­ne Behin­de­rung kann er den Weg nicht allei­ne machen, er braucht einen Assis­ten­ten, der ihn beglei­tet.

Mein Vor­ha­ben ist nicht nur ein per­sön­li­cher Traum, son­dern ich möch­te auf die Lebens­si­tua­ti­on taub­blin­der Men­schen auf­merk­sam machen.“ Denn mit die­ser Behin­de­rung leben deutsch­land­weit 6- bis 8000 Men­schen, vie­le iso­liert und ohne Assis­tenz von der Gesell­schaft aus­ge­schlos­sen.

Sven Fied­ler wur­de mit einer Hör­be­hin­de­rung gebo­ren, lern­te dann in einer spe­zi­el­len Ein­rich­tung eine Aus­bil­dung zum tech­ni­schen Zeich­ner, war berufs­tä­tig, bis sein Seh­ver­mö­gen immer schlech­ter wur­de. Seit 2010 ist er blind, Grund ist das Usher-Syn­drom, eine ange­bo­re­ne Schwer­hö­rig­keit in Kom­bi­na­ti­on mit einer Netz­haus­de­ge­ne­ra­ti­on, die man nicht auf­hal­ten kann.

Ich gab mich und mein Leben jedoch nicht auf. Im Gegen­teil, trotz Blind­heit und Schwer­hö­rig­keit wur­de ich noch akti­ver als jemals zuvor. Nun mache ich auch nicht vor dem Jakobs­weg halt, den ich im Früh­jahr 2017 gehen möch­te.“, erzählt er uns­rer Zei­tung. Erst kürz­lich war Fied­ler auf einer Aben­teu­er-Seil­bahn unter­wegs (wir haben berich­tet), und jetzt eben der Jakobs­weg.

Mei­ne Welt erschließt sich auf einer Distanz von einer Arm­län­ge. Was ich nicht ertas­ten kann, ist erst­mal nicht da. Alles basiert auf den Infor­ma­tio­nen, die ich über das Ertas­ten bekom­me, oder die mir ande­re Men­schen in mei­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form ver­mit­teln“, erzählt Fied­ler. „Für mich ist es das ers­te Mal, dass ich ein spen­den­fi­nan­zier­tes Pro­jekt pla­ne. Soll­te sich eine dau­er­haf­te Finan­zie­rungs­mög­lich­keit fin­den, habe ich die Visi­on, auch ande­ren Taub­blin­den den Jakobs­weg in Deutsch­land zu ermög­li­chen.”

Klar stellt Sven Fied­ler: Die Spen­den­gel­der will er nur dafür nut­zen, sei­ne Assis­ten­ten zu finan­zie­ren. Sei­ne eige­ne Rei­se wird er aus der eige­nen Tasche bezah­len.
Mehr Infos bekommt man hier: www.tbl-jakobsweg.de oder sven.fiedler@tbl-jakobsweg.de