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Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Rott­weil Müns­ter­chor erforscht Juden­tum im mit­tel­al­ter­li­chen Spey­er

Münsterchor erforscht Judentum im mittelalterlichen Speyer

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ROTTWEIL, 13. Okto­ber (pm) – Der Jah­res­aus­flug des Müns­ter­cho­res Rott­weil führ­te die­ses Jahr an den Rhein nach Spey­er. Pas­send zum Semes­ter­the­ma der Volks­hoch­schu­le, „Juden­tum“, tauch­te der Müns­ter­chor ganz in die mit­tel­al­ter­li­che Zeit in Spey­er ein.

Spey­er beher­berg­te im Mit­tel­al­ter eine der bedeu­tends­ten jüdi­schen Gemein­den nörd­lich der Alpen. Des­halb kön­nen Juden in Isra­el noch heu­te SchPI­RA ein­ord­nen. Spey­er heißt nach der hebräi­schen Umschrift SchPI­RA. Mehr als 400 Jah­re lang bestand die jüdi­sche Gemein­de. Im 11. Jahr­hun­dert kamen Juden aus Ita­li­en und Frank­reich als Fern­kauf­leu­te und Ban­kiers in die Stadt.

Der Spey­rer Bischof nahm 1084 jüdi­sche Flücht­lin­ge aus Mainz auf. Bis ins 13. Jahr­hun­dert kamen Gelehr­te aus der gan­zen Welt an den Rhein. Die Stadt, die Kir­che und die Herr­scher benö­tig­ten die Juden für ihren flo­rie­ren­den Han­del. Im jüdi­schen Muse­um wird die­se Zeit leben­dig. Die Syn­ago­ge bil­de­te den Mit­tel­punkt des jüdi­schen Gemein­de­le­bens. Christ­li­che Hand­wer­ker bau­ten um 1100 die roma­ni­schen Räu­me der Män­ner­syn­ago­ge und des Frau­en­bet­hau­ses

Jüdi­sche Grab­stei­ne erlau­ben Ein­bli­cke in per­sön­li­che Lebens­we­ge. Vor allem das jüdi­sche Ritu­al­bad, hebrä­isch Mikwe, ist ein bedeu­ten­des Kul­tur­denk­mal des jüdi­schen Ritus. Um 1120 errich­tet, gilt es als das ältes­te sei­ner Art nörd­lich der Alpen. In die Mikwe ging man um sich nach Zei­ten der Unrein­heit durch „leben­di­ges und beleb­tes“ Was­ser rein zu waschen. Nach immer wie­der­keh­ren­den Juden­po­gro­men und durch anti­jü­di­sche Stim­mun­gen ende­te das Gemein­de­le­ben um 1500.

Die Spu­ren des roma­ni­schen Bau­stils führ­ten den Müns­ter­chor anschlie­ßend von den jüdi­schen Gebäu­den zum Dom. Als die kunst­his­to­risch größ­te roma­ni­sche Kir­che der Welt beein­druckt das Bau­werk. Durch Vor­hal­le und Por­tal schrei­tet man von Wes­ten gen Osten dem Licht der Erlö­sung ent­ge­gen. Durch das Mit­tel­schiff mit den 12 Pfei­lern und sechs Gewöl­be­kup­pen führt der Weg zur Vie­rung. Im Kir­chen­schiff weist die über­di­men­sio­na­le Nach­bil­dung der Grab­kro­ne Kai­ser Kon­rad II. auf die Kryp­ta und die Kai­ser­grä­ber hin.

Zunächst lei­tet aber eine majes­tä­ti­sche Trep­pe hin­auf zum König­schor. Eine gro­ße Mari­en­fi­gur emp­fängt den Besu­cher am reich geglie­der­ten Chor. Die Apsis bil­det den öst­li­chen Abschluss des Domes. Zurück zum roma­ni­schen Fun­da­ment führt der Weg in die Kryp­ta. Die­se ist durch den Rhyth­mus der rot-wei­­ßen Stei­ne geprägt. Von der Kryp­ta aus kann man die Grä­ber der Kai­ser und Köni­ge aus dem Geschlecht der Sali­er und Stau­fer besu­chen. Sie erin­nern an die Herr­scher und ihre Macht­aus­übung.

Die Kathe­dra­le war bereits wäh­rend der Bau­zeit von 1030–1124 als Grab­le­ge der Herr­scher gedacht. Bei so viel beein­dru­cken­der und tief­ge­hen­der Kul­tur kam aller­dings das gesel­li­ge Zusam­men­sein nicht zu kurz. Alle Chor­mit­glie­der konn­ten bei herr­li­chem Herbst­wet­ter die Stadt und die kuli­na­ri­schen Köst­lich­kei­ten der Pfalz genie­ßen. Ein gelun­ge­ner Tag klang aus.

 

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