Miss Sophie wür­de sagen: „The same pro­ce­du­re as every year, James!” Denn ob Emden oder Heidelberg, Frankfurt oder Bonn — immer dann, wenn in einer Stadt ein Gastspiel des Zirkus Charles Knie ansteht, ver­schickt die Tierrechtsorganisation Peta eine Pressemitteilung, die ihn scharf kri­ti­siert. Und die Verwaltung gleich mit. Knie wie­der­um ant­wor­tet — schon bevor der Peta-Brief ein­ge­trof­fen ist.

Rottweil. „Der für sei­ne rück­sichts­lo­se Tierhaltung bekann­te Zirkus Charles Knie gas­tiert ab Mittwoch in Rottweil. Peta Deutschland übt nun schar­fe Kritik an der Stadtverwaltung für die Erteilung einer Gastspielgenehmigung.” Wortgleiche Pressemitteilungen ver­sen­den die Tierrechtler jeweils weni­ge Tage vor den Gastspielen, erset­zen nur den Namen der Stadt durch den jeweils aktu­el­len. Nun ist die ent­spre­chen­de Mitteilung an die loka­len Rottweiler Medien gegan­gen.

Der kri­ti­sier­te Zirkus Charles zeig­te sich vor­be­rei­tet. Sein Pressesprecher, Patrick Adolph, kün­dig­te die Peta-Mail 24 Stunden zuvor an. „Es han­delt sich”, schrieb Adolph dazu, „bei den Pressemitteilungen um stan­dar­di­sier­te Mails die in jeder unse­rer Gastspielstädte an alle Medien und Stadtverwaltungen ver­sandt wer­den. Ich kann jeden ange­spro­che­nen Punkt wis­sen­schaft­lich wie­der­le­gen.”

Beide Seiten haben Argumente. Zunächst Peta:

Der Elefantenhalter des Zirkus, Ricardo Errani, wur­de erst vor weni­gen Wochen vor dem Amtsgericht Darmstadt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldbuße ver­ur­teilt. Hintergrund der Verhandlung ist die auch durch die Tierrechtsorganisation beim Zirkus Charles Knie doku­men­tier­te und ange­zeig­te Praxis, die Elefanten zwi­schen den häu­fi­gen Ortswechseln bis zu 16 Stunden auf den engen LKW-Transportern zu belas­sen – eine Tortur für die sen­si­blen Rüsseltiere. Zudem wer­den die Elefanten wäh­rend den Gastspielen jede Nacht an zwei Beinen im Stallzelt fixiert. Diese tier­quä­le­ri­schen Praktiken bei Zirkus Charles Knie sind seit Jahren öffent­lich bekannt. Peta appel­lier­te in einem Schreiben an die Stadtverwaltung und den Stadtrat, ein kom­mu­na­les Wildtierverbot zu beschlie­ßen und als ers­ten Schritt kei­ne Zirkusse mehr zuzu­las­sen, die bereits wegen Tierquälerei akten­kun­dig gewor­den sind.

Knie ant­wor­tet dar­auf:

Dies ent­behrt jeg­li­cher Grundlage.

Es kann in Ausnahmefällen, etwa bei lan­gen Distanzen zwi­schen zwei Gastspielorten vor­kom­men, dass die Elefanten län­ger als üblich auf dem Transportwagen ver­blei­ben müs­sen. Allerdings ist auch hier zu berück­sich­ti­gen, dass die Tiere das Reisen gewohnt sind. Von Kindesbeinen an leben die inzwi­schen weit über 40 Jahre alten Elefanten des Ricardo Errani im Circus. Ohne Zwang und völ­lig frei­wil­lig bestei­gen sie den Transporter, da die­ser nicht nur Transportbehältnis für die Tiere ist, son­dern auch Stall, Heim ers­ter Ordnung, wie Fachleute sagen und des­halb unter Umständen sogar mehr Geborgenheit und Sicherheit bie­tet, als das leich­te Stallzelt.

Würde sich der Elefant im Transporter unwohl füh­len, wäre es für ihn kein Problem die­sen in nur weni­gen Minuten zu ver­las­sen, denn die dün­nen Wände aus Holz, Isolierung und einer 2 Millimeter dün­nen Blechhaut stel­len nicht wirk­lich ein Hindernis für die­se majes­tä­ti­schen Tiere dar.

Übrigens sind die Tiere auf dem Transporter nicht ange­ket­tet, wie Peta und bei­spiels­wei­se die Tierrechtsorganisation European Elefant Group behaup­ten.

Lange Standzeiten, die es auch nur in sehr sel­te­nen Ausnahmefällen gibt sind für die Elefanten abso­lut kein Problem. Der Transportwagen bie­tet den Tieren aus­rei­chen­den Bewegungsraum. Im Bedarfsfall könn­ten sich die Elefanten sogar able­gen.

Die aktu­el­le Route des Zirkus stützt den Tierrechtler-Vorwurf nicht. Er kommt aus Heidelberg nach Rottweil, zieht dann wei­ter nach Hilzingen im Kreis Konstanz und anschlie­ßend nach Kempten im Allgäu, um danach in Memmingen, Friedrichshafen, Stockach und Tuttlingen Halt zu machen. Alles Strecken unter 200 Kilometer. Außerdem lie­gen teils Tage zwi­schen den Spielzeiten.

Peta glaubt aber auch:

Die hohe Frequenz an Ortswechseln und die damit ein­her­ge­hen­den lan­gen Standzeiten auf Transportern bedeu­ten einen beson­ders rück­sichts­lo­sen Umgang mit den rund 100 Tieren des Betriebes. Insbesondere Wildtiere wie Elefanten, Tiger oder Seelöwen lei­den nach Auffassung der Tierrechtsorganisation erheb­lich unter die­sen Strapazen.

Dem hält der Zirkus Charles Knie ent­ge­gen:

Wer sich ein wenig mit Elefanten, deren Verhalten und Bedürfnissen aus­ein­an­der setzt (Peta hat dies augen­schein­lich ver­säumt) weiß, dass sich älte­re Elefanten sel­ten, oft über­haupt nicht mehr able­gen. Das heißt, dass sich Elefanten frei­wil­lig meh­re­re Wochen, sogar Monate und sehr alte Tiere über­haupt nicht mehr hin­le­gen. Dies hat zum Einen mit dem Gewicht der Tiere zu tun, zum ande­ren damit, dass ein alter Elefant nicht schnell genug wie­der auf­ste­hen kann und im Liegen sei­nen Gegnern (in frei­er Wildbahn) schutz­los aus­ge­lie­fert wäre.

Es ist also für einen Elefanten völ­lig nor­mal vie­le Stunden, Tage, Wochen und sogar Monate im Stehen zu ver­brin­gen. Somit sind auch aus­nahms­wei­se lan­ge Standzeiten im Transporter völ­lig beden­ken­los. An das Reisen sind die Tiere von Klein an gewöhnt und wis­sen­schaft­li­che Studien bele­gen, dass das Reisen nicht den gerings­ten Stress aus­löst.

Foto 2Rottweil
Zu die­sem Bild — es zeigt ein über­kleb­tes Ankündigungsplakat — fin­det der Pressesprecher des Zirkus Charles Knie deut­li­che Worte: „Unsere gesam­te Reklame war zer­stört und wur­de heu­te nacht wie­der erneu­ert. Wir haben die­se Zerstörung (über 400 Plastiktafeln, Wert cir­ca 7000 €) bei der Polizei Rottweil ange­zeigt. Da sieht man wie­der, dass die Tierrechtler bzw Tierschützer auch zu Straftaten grei­fen, um Ihre Ziele durch­zu­set­zen!” Foto: pm

Unbekannte Tierschützer wäh­len vor Ort durch­aus auch geschäfts­schä­di­gen­de Methoden. Sie über­kle­ben Werbeplakate des Zirkus im Stadtgebiet mit dicke, gel­ben Aufkleber mit der Aufschrift „Abgesagt wegen Tierquälerei“. Diese Aussage ist aller­dings falsch. Dass die Gastspiele wie geplant statt­fin­den, wird Knie-Pressemann  Adolph nicht müde zu erklä­ren..

Und Peta wählt die Zermürbungstaktik — indem sie die Verwaltungen angrei­fen, die die Gastspiele der Zirkusse geneh­mi­gen. Auch hier ist der Wortlaut immer gleich: „Dutzende Städte wie Köln, Erlangen oder Potsdam”, so Peta, „haben der Tierquälerei im Zirkus bereits eine Absage erteilt und Vermietungen von kom­mu­na­len Flächen an Zirkusbetriebe mit Wildtieren aus­ge­schlos­sen.” Ein neu­es erst­in­stanz­li­ches Urteil des Verwaltungsgerichts München vom August 2014 bestä­ti­ge die Rechtmäßigkeit einer sol­chen Maßnahme (Az. M 7 K 13.2449). Die Stabsstelle Tierschutz des Ministeriums für Ländlichen Raum (MLR) infor­mie­re in einer aktu­el­len Handreichung, wie baden-württembergische Städte und Gemeinden Wildtier-Zirkusse unter Berücksichtigung recht­li­cher Gegebenheiten von ihren kom­mu­na­len Flächen aus­schlie­ßen könn­ten.

Derart in den Blickpunkt zu gera­ten und bezich­tigt zu wer­den, von ges­tern zu sein, ist einer Verwaltung nicht recht. Peta setzt also dar­auf, dass die Städte und Gemeinden nach und nach den leich­te­ren Weg wäh­len und die Zirkusse nicht mehr gas­tie­ren las­sen. Auch ein Weg, den Gegner zu bekämp­fen.

Knie bleibt jedoch bei sei­nem Weg, Wildtierdressuren anzu­bie­ten, und stellt Peta Fragen, die bis­lang unbe­ant­wor­tet blei­ben (hier ein Auszug):

  1. Welche bele­ge haben Sie dafür, dass Tiere im Zirkus grund­sätz­lich unglück­lich sind? Welche wis­sen­schaft­li­chen Abhandlungen gibt es für die­se Aussage?
  2. Außer ein paar Elefanten gibt es seit Jahrzehnten kei­ne Wildfänge mehr im Zirkus — war­um soll­ten Tiere ver­mis­sen, was sie nie ken­nen gelernt haben?
  3. Warum soll kei­ne har­mo­ni­sche Mensch-Tier-Beziehung mög­lich sein?
  4. Was soll mit den Tieren pas­sie­ren, die die soge­nann­ten Tierschützer aus den Zirkussen haben wol­len? Sollen sie, so wie in Mexiko gesche­hen, erschos­sen bezie­hungs­wei­se ein­ge­schlä­fert wer­den?

Charles Knie wirft Peta vor, es auch auf Haustiere abge­se­hen zu haben, auch deren Haltung zu ver­ur­tei­len, dies aber nicht bekannt zu machen, weil dann Spendengelder aus­blei­ben könn­ten. Außerdem bemän­gelt der Zirkus, dass Petas Stellungnahmen so wenig Spielraum zur eige­nen Meinungsbildung böten.

Knie meint Peta-Stellungnahmen wie die­se: 

Peta for­dert ein grund­sätz­li­ches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in klei­nen Gehegen, die stän­di­gen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang gepräg­te Dressur füh­ren zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oft­mals zu einem frü­hen Tod. Bezüglich exo­ti­scher Wildtierarten wie Elefanten, Tiger oder Affen spricht sich auch die Bundestierärztekammer sowie der Bundesrat für ein Verbot aus, eben­so wie die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland. Einer aktu­el­len reprä­sen­ta­ti­ven FORSA-Umfrage vom Mai 2014 zufol­ge ver­tre­ten 82 % der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht art­ge­recht im Zirkus gehal­ten wer­den kön­nen. 18 euro­päi­sche Länder wie bei­spiels­wei­se Belgien, Österreich und Griechenland haben bereits bestimm­te oder alle Tierarten im Zirkus ver­bo­ten. Peta übt in dem Zusammenhang schar­fe Kritik an der CDU/CSU-Fraktion, die als ein­zi­ge Partei im Bundestag ihre Zustimmung zu einem Wildtierverbot ver­wei­gert.

Knie kon­tert …

Wir ver­si­chern Ihnen, dass Sie unse­re Vorstellungen ohne Bedenken besu­chen können.Unsere Tierlehrer und Tierpfleger haben ein part­ner­schaft­li­ches Verhältnis zu den Tieren. Kein Tier wird gezwun­gen etwas zu tun, was es nicht will.Moderne huma­ne Dressur basiert auf Vertrauen zwi­schen Mensch und Tier, baut auf den natür­li­chen Verhaltensweisen und Bewegungsabläufen der Tiere auf und setzt auf das Belohnungsprinzip. Gewalt in der Dressur exis­tiert nur in den Flyern und den Köpfen der Tierrechtler. Wie man einem Hund bei­bringt, auf Kommando zu sit­zen, so brin­gen unse­re Tierlehrer den Zirkustieren bei, Bewegungsabläufe die in der Kinderstube beob­ach­tet wur­den, auf Kommando zu zei­gen.

Alle Tiere in unse­rem gro­ßen rol­len­den Zoo ent­stam­men nicht der frei­en Wildbahn, son­dern sind seit Generationen in Zoos, Zirkusbetrieben oder Aufzuchtsstationen zu Hause.Selbst unse­re indi­schen Elefanten wur­den nicht in der Wildnis gefan­gen, son­dern stam­men aus Elefantenfarmen, wo sie schon seit tau­sen­den von Jahren als Arbeitstiere ein­ge­setzt wur­den und damit den Konatkt zum Menschen von Geburt an gewöhnt sind.

… und appel­liert an die Besucher der Vorstellungen.

Lassen Sie sich also bit­te von den fana­ti­schen Tierrechtlern nicht ver­un­si­chern, die per­ma­nent ver­wei­gern, sich sich selbst ein Bild von einem moder­nen Zirkusbetrieb zu machen. Sie wer­den selbst wäh­rend unse­rer Vorstellung oder bei einem Besuch unse­rer Tierschau sehen, dass unse­re Tiere nicht gequält sind – denn durch den engen Bezug zu unse­ren Tieren haben wir über die Tiere in den ver­gan­ge­nen Jahrzehnten sehr viel gelernt und so die Haltungs-, Pflege- und Dressurbedingungen stets opti­miert. Nur wer mit Tieren arbei­tet und lebt, kann deren Bedürfnisse auch ver­ste­hen.

Update: Die Stadtverwaltung Rottweil steht hin­ter dem Gastspiel des Zirkus Charles Knie:  

Gastspiele von Zirkus-Betrieben haben in Rottweil eine lan­ge Tradition. Wir haben uns daher nach Abstimmung mit dem zustän­di­gen Veterinäramt dazu ent­schlos­sen, dem Zirkus Charles Knie in Rottweil ein Gastspiel zu ermög­li­chen. Tierschutzrechtliche Fragen kann eine Stadtverwaltung nicht allei­ne ent­schei­den. Wir müs­sen uns hier auf die Expertise der Fachbehörden (Veterinäramt) ver­las­sen und auf die gesetz­li­chen Grundlagen ver­trau­en kön­nen, die Zirkusbetriebe mit Wildtierhaltung bun­des­weit ja wei­ter­hin erlau­ben.