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Rottweil
Sonntag, 23. Februar 2020

Neue Leiterin der JVA offiziell ins Amt eingeführt

ROTTWEIL – Jennifer-Catrin Rietschler ist seit Juni die neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Rottweil, am Montag wurde sie im Schwurgerichtssaal des Landgerichts offiziell in ihr Amt eingeführt. Dabei bedankte sie sich für die Enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt Rottweil.

Hier habe sie, die schon in vielen anderen Anstalten eingesetzt war, etwas ganz besonderes angetroffen, denn durch die vier weit auseinanderliegenden Standorte sei viel Flexibilität und Selbstständigkeit vonnöten. „Ich bin in Rottweil gut angekommen!“ Für sie sei die Resozialisierung der Inhaftierten
eine große Aufgabe, und da sei der geplante Neubau des Großgefängnisses eine Chance, denn hier brauche es
nicht nur bauliche Voraussetzungen, sondern vor allem Mitarbeiter, die sich damit identifizierten.

„Ich werde mich für eine stete Verbesserung der Arbeits- und Haftbedingungen einsetzen“, versprach Rietschler. Justizminister Rainer Stickelberger betonte, wie wichtig es ihm sei, dass die Bevölkerung Anteil an dem nehme, was im Strafvollzug
passiere, und da sei Rottweil gut aufgestellt, wie die Diskussionen um den Neubau und der Bürgerentscheid
gezeigt hätten.

„Das war eine klare Entscheidung, fast zwei Drittel der Bürger haben sich für den Standort Esch entschieden“, und im Vorfeld habe es viele Gespräche gegeben: „Die Auseinandersetzung hat sich gelohnt!“ Derzeit sei man mit den Planungen für die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs beschäftigt. „Wir klären die Einzelheiten und Modalitäten und gehen davon aus, dass der Wettbewerb im Frühjahr starten kann“, so der Minister.

Kürzlich habe man sich in Berlin Anregungen geholt, dort eine moderne JVA besichtigt. Klar sei, dass man dies nicht eins zu eins auf Rottweil übertragen könne, schon allein wegen der Geländesituation, denn in Rottweil sei es im Gegensatz zu Berlin
ja nicht flach. „Es gilt jetzt, die Anforderungen des Geländes zu berücksichtigen“, bis zur Inbetriebnahme sei es noch ein weiter
Weg.

Klar sei, dass die neue Anstalt eine Stärkung des Justizstandorts Rottweil bedeute, aber: „Dieser Weg wird kein
leichter sein!“ Immerhin sei klar, dass es bei Bauvorhaben mit solchem Volumen immer wieder Schwierigkeiten gäbe.
Stickelberger ging auch auf die fortschreitende Digitalisierung und andere Herausforderungen für die Justiz ein, zu denen unter anderem die demographische Entwicklung, das Thema Salafisten und Syrienrückkehrer gehörten.

„Wir müssen das verstärkt im Auge behalten!“ Die Justiz in Baden-Württemberg habe keine leichte Zeit hinter sich, so der Minister mit Blick auf die Vorfälle in Bruchsal und Adelsheim. Man habe daher eine Kommission eingesetzt, die viele Vorschläge zur Verbesserung im Umgang mit psychisch kranken Häftlingen gemacht habe.

Dafür würden nun zahlreiche neue Stellen geschaffen – 30 Millionen Euro sind kurzfristig dafür da. Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß blickte auf die lange Geschichte der Rottweiler Justiz zurück – 1299 wurde das kaiserliche Hofgericht erstmals erwähnt – und betonte, man wolle mit der neuen Anstalt im Esch ein Vorzeigeprojekt, „ein Gefängnis der Zukunft“ mit guten Resozialisierungsmöglichkeiten und ansprechender Architektur. „Ich bin sicher, dass das Land nicht die Blaupause von Offenburg kopieren wird!“

Derzeit bereite man die weiteren Verfahrensschritte vor, und man werde beim Planungsverfahren auch die Standortgegner und die Naturschützer mit einbeziehen. Klar stellte Broß auch, dass es in Rottweil nie Thema gewesen sei, ob das Gefängnis gebaut werde, sondern nur wo. Der Festakt wurde musikalisch umrahmt von Daniel Kübler (Violine) und Gabriele Hammen (Klavier).

 

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