SCHRAMBERG (him) – Neben Berich­ten und Wah­len hat­te der Stadt­ver­band Kul­tur bei sei­ner Jah­res­haupt­ver­samm­lung auch  einen Refe­ren­ten auf der Tages­ord­nung: Der Ver­lags­lei­ter und Chef­re­dak­teur der „Sindelfinger/Böblinger Zei­tung“, Hans-Jörg Zürn, infor­mier­te im Anschluss an die Regu­la­ri­en die Ver­tre­ter der Mit­glieds­ver­ei­ne des Stadt­ver­bands Kul­tur über „Erfolg­rei­che Öffent­lich­keits­ar­beit in Ver­ei­nen“.

Dabei griff er gleich die Wor­te des Stadt­ver­bands-Vor­sit­zen­den Franz Rapp auf, der sich über die Kla­gen, in Schram­berg sei „nichts los“, geär­gert hat­te. Er frag­te die ver­sam­mel­ten Vor­stän­de: „Machen Sie wirk­lich genug Öffent­lich­keits­ar­beit?“ Die Ver­ei­ne sei­en oft viel zu defen­siv und trau­ten sich mit ihren Akti­vi­tä­ten nicht an die Öffent­lich­keit. In den Vor­stand­sit­zun­gen rede man über alles, aber kaum über die Öffent­lich­keits­ar­beit.

Zürn, der selbst ehren­amt­lich in vie­len Ver­ei­nen unter­wegs ist, berich­te­te aus sei­ner Erfah­rung. Wich­tig sei zunächst, dass man sich im Kla­ren wer­de, was der Ver­ein errei­chen wol­le: neue Mit­glie­der, ein ande­res Image, mehr Aner­ken­nung, neue Spon­so­ren? „Wir set­zen oft ein­fach vor­aus, die Leu­te ken­nen uns.“ Das sei aber eben häu­fig nicht der Fall. Öffent­lich­keits­ar­beit sei des­halb auch wich­tig, um mit den Men­schen ins Gespräch zu kom­men. Sie rich­te sich zum einen nach innen, an die Ver­eins­mit­glie­der („Wir-Gefühl stär­ken“), zum ande­ren an das brei­te Publi­kum.

Im nächs­ten Schritt gel­te es mess­ba­re Zie­le zu for­mu­lie­ren. „Es macht kei­nen Sinn, mit der Schrot­flin­te in den Wald zu schie­ßen.“ Was im Geschäfts­le­ben ganz all­täg­lich sei, näm­lich dass man Ziel­grö­ßen angibt, sei in Ver­ei­nen oft unbe­kannt. Für die Öffent­lich­keits­ar­beit im Ver­ein müs­se man auch her­aus­fin­den, wie die Mit­glie­der ihren Ver­ein sehen, aber auch wie der Ver­ein von außen gese­hen wird: „War­um machen Sie nicht mal beim Weih­nachts­kon­zert eine klei­ne Umfra­ge?“ Mög­li­cher­wei­se wür­den die Besu­cher ja ganz ande­re Stü­cke lie­ber hören als die, die der Diri­gent aus­ge­wählt hat. Wich­tig sei, das eige­ne Pro­fil zu schär­fen, etwa mit der Aus­sa­ge „bei uns sind Ihre Kin­der in guten Hän­den.“

Zürn riet sei­nen Zuhö­rern, etwa mit einem „Schwar­zen Brett“ im Ver­eins­heim das Wir-Gefühl zu stär­ken. Mit­ar­bei­ter­tref­fen – „nicht gra­de vor Weih­nach­ten, da stöh­nen alle!“ – zur Moti­va­ti­on sei­en oft wirk­sam.

Um nach außen zu wir­ken, soll­ten die Ver­ei­ne die Zei­tun­gen und Amts­blät­ter nut­zen – und dabei alle gleich behan­deln: „Einen bevor­zu­gen, ist töd­lich.“ Pla­ka­te und Fly­er, rich­tig ein­ge­setzt, könn­ten sehr wirk­sam sein. Das Inter­net sei unver­zicht­bar: „Sie krie­gen die Jun­gen nicht ohne das Netz.“ Wich­tig sei dabei natür­lich, dass die Inhal­te aktu­ell sei­en. Erstaun­lich sei aber, dass etwa 70 Pro­zent der Nut­zer von Face­book zur Alters­grup­pe der 25 bis 45-Jäh­ri­gen gehö­ren. „Die ganz Jun­gen sind schon wie­der woan­ders.”

Aus sei­ner Erfah­rung als Zei­tungs­mann berich­te­te Zürn von guten Erfah­run­gen mit Vor­teils­an­ge­bo­ten: „Wenn Sie bis zum 31. Okto­ber mit­ma­chen, bekom­men Sie…“ Ver­ei­ne soll­ten sich an unge­wöhn­li­chen Orten zei­gen, die Sän­ger des  Lie­der­kranz bei­spiels­wei­se im Ein­kaufs­zen­trum sin­gen, das wecke Auf­merk­sam­keit.

Schöpfte aus reichem Erfahrungsschatz als Journalist und Vereinsmensch: Hans-Jörg Zürn.
Schöpf­te aus rei­chem Erfah­rungs­schatz als Jour­na­list und Ver­eins­mensch: Hans-Jörg Zürn.

Ganz aktu­ell riet Zürn, die neu ange­kom­me­nen Flücht­lin­ge als Chan­ce  für die Ver­ei­ne zu begrei­fen. Das größ­te Pro­blem für die­se Men­schen sei oft die Lan­ge­wei­le. Aber viel­leicht sind Musi­ker oder Fuß­bal­ler unter ihnen, die ger­ne mit­ma­chen wür­den.

Zum Schluss gab Zürn noch eini­ge Tipps, wie die Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen mit den Pres­se­leu­ten umge­hen soll­ten. Um Frust zu ver­mei­den, sei es wich­tig, sich abzu­spre­chen, was die Zei­tung ver­öf­fent­li­chen kann. Die Redak­tio­nen freu­ten sich auch über Anre­gun­gen, etwa einen lang­jäh­ri­gen Wan­der­wart zu por­trä­tie­ren oder Hin­ter­grün­de dar­zu­stel­len. Und ganz wich­tig: „Lie­fern Sie Fotos“, so Zürn, die sei­en Gold wert, denn: „Alles, was mit Foto erscheint, wird vor­ran­gig ange­schaut.“

Franz Rapp, dank­te dem Refe­ren­ten im Namen sei­ner Kol­le­gen, er habe ihn „regel­recht auf­ge­rüt­telt.“