Nach nur knapp zehn Mona­ten Bau­zeit haben thyssenkrupp und die für die Bau­aus­füh­rung Ver­ant­wort­li­chen der Fir­ma Züb­lin am Mitt­woch  zum Richt­fest für den ein­ma­li­gen Auf­zug­test­turm in Rott­weil ein­ge­la­den. Die Turm­röh­re aus Beton hat mit 232 Metern ihre vol­le Höhe und damit das Niveau der Aus­sichts­platt­form erreicht. In den nächs­ten bei­den Wochen fol­gen die abschlie­ßen­den Auf­bau­ten. Ab Mit­te August beginnt mit dem Innen­aus­bau dann die nächs­te Bau­pha­se des höchs­ten Gebäu­des in Baden-Würt­tem­berg. Ende 2016 soll das Bau­werk fer­tig­ge­stellt sein und in Betrieb gehen.

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Fotos: Andre­as Lin­sen­mann

Rott­weil (pm). Der Bau­fort­schritt seit dem sym­bo­li­schen Spa­ten­stich lässt sich sehen: Unter Ein­hal­tung des Zeit- und Kos­ten­plans wur­den im Drei­schicht­be­trieb rund um die Uhr in gera­de ein­mal 245 Tagen die 32 Meter tie­fe Gru­be aus­ge­ho­ben, die Boden­plat­te gegos­sen und mit Hil­fe der inno­va­ti­ven Gleit­scha­lungs­bau­wei­se der mitt­ler­wei­le 232 Meter hohe Turm gebaut. An Spit­zen­ta­gen wuchs der Bau um bis zu vier Meter in die Höhe. „Der gro­ße Ein­satz und die rei­bungs­lo­se Zusam­men­ar­beit aller Betei­lig­ten sind ein­zig­ar­tig – bei Groß­pro­jek­ten die­ser Art kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit”, unter­streicht Alex­an­der Kel­ler, CEO für Zentral‑, Ost- und Nord­eu­ro­pa bei thyssenkrupp Ele­va­tor und ver­ant­wort­lich für den Bau des Turms.

Mit dem Bau des glä­ser­nen letz­ten Stock­werks und dem Abschluss der Auf­zugs­schäch­te wird der Turm in den kom­men­den bei­den Wochen eine Höhe von 244 Metern errei­chen. Die letz­ten bei­den Meter bis zur fina­len Höhe von 246 Metern fol­gen schließ­lich mit der Fer­tig­stel­lung der Fas­sa­de. Bevor es soweit ist, beginnt ab Mit­te August zunächst der Inn­aus­bau. „Im ers­ten Schritt wer­den die ein­zel­nen Stock­werks­de­cken ein­ge­zo­gen, denn mit Hil­fe der Gleit­scha­lungs­tech­nik, bei der die Arbeits­platt­form kon­ti­nu­ier­lich mit dem Turm nach oben wuchs, ist zunächst eine Beton­röh­re mit­samt Auf­zugs­schäch­ten und Wän­den ent­stan­den”, so Ulrich Wein­mann, Vor­stand der Ed. Züb­lin AG. Im nächs­ten Schritt folgt ab Herbst dann der Ein­bau der Gebäu­de- und Auf­zugs­tech­nik. Im März 2016 begin­nen die Arbei­ten an der Außen­mem­bran.

Beim Richtspruch. Foto: Andreas Linsenmann
Beim Richt­spruch. Foto: Andre­as Lin­sen­mann

Für thyssenkrupp Ele­va­tor wird der Test­turm in Rott­weil künf­tig eine Schlüs­sel­funk­ti­on bei der Umset­zung der glo­ba­len Inno­va­ti­ons­stra­te­gie spie­len, die eine maß­geb­li­che Bedeu­tung für den Erfolg des Unter­neh­mens hat”, so Andre­as Schie­ren­beck, CEO von thyssenkrupp Ele­va­tor. Gemein­sam mit dem Auf­zugs­werk in Neu­hau­sen auf den Fil­dern und als Teil des For­schungs- und Ent­wick­lungs­stand­orts in Pliez­hau­sen bil­det der Test­turm das Inno­va­ti­ons­zen­trum für Auf­zugs­tech­no­lo­gi­en in Deutsch­land. Hier wer­den künf­tig inno­va­ti­ve Mobi­li­täts­lö­sun­gen der Zukunft erforscht, ent­wi­ckelt und geprüft. Die zahl­rei­chen Uni­ver­si­tä­ten in der Regi­on – dar­un­ter in Stutt­gart, Kon­stanz, St. Gal­len, Zürich und Win­ter­thur – sind mit ihren rund zehn­tau­send Maschi­nen­bau­stu­den­ten ein wei­te­rer wich­ti­ger Stand­ort­fak­tor.

Zu den Zukunfts­tech­no­lo­gi­en, die in Rott­weil zukünf­tig getes­tet wer­den, zählt ins­be­son­de­re auch das neue MUL­TI-Sys­tem, das Ende 2014 erst­mals vor­ge­stellt wur­de und momen­tan in der Pro­to­ty­pen­pha­se ist. Als Antrieb der neu­es­ten Auf­zugs­ge­nera­ti­on kommt die Magnet­schwe­be­tech­no­lo­gie aus dem Trans­ra­pid zum Ein­satz. Die­se hat gleich meh­re­re Vor­tei­le: Durch die seil­lo­se Kon­struk­ti­on kön­nen meh­re­re Auf­zugs­ka­bi­nen in einem Auf­zugs­schacht betrie­ben wer­den. Das erhöht die Beför­de­rungs­ka­pa­zi­tät in einem Schacht um bis zu 50 Pro­zent und redu­ziert gleich­zei­tig den Platz­be­darf des Auf­zugs im Gebäu­de um die Hälf­te. Dazu kön­nen sich die Auf­zü­ge sowohl seit­wärts als auch ohne Limi­tie­rung der Fahr­stre­cke in die Höhe bewe­gen, was völ­lig neue Anwen­dun­gen erlaubt. Im neu­en Test­turm sind allei­ne drei der zwölf Turm­schäch­te für das neue MUL­TI-Sys­tem vor­ge­se­hen.

Von außen ist davon nichts zu sehen. Und trotz­dem hat sich der Turm bereits wäh­rend der Bau­pha­se zu einem Publi­kums­ma­gne­ten ent­wi­ckelt. An schö­nen Tagen ist die Besu­cher­ter­ras­se samt Infor­ma­ti­ons­box neben der Bau­stel­le hoch­fre­quen­tiert. Die­ser Trend wird sich sicher noch ver­stär­ken sobald der Turm sein end­gül­ti­ges Erschei­nungs­bild hat. Dafür haben die Archi­tek­ten Hel­mut Jahn und Wer­ner Sobek, bei­de inter­na­tio­nal renom­mier­te Ver­tre­ter ihres Fachs, einen Ent­wurf geschaf­fen, der eine schlüs­si­ge Ver­bin­dung zwi­schen der his­to­ri­schen Turm- und Kirch­turm­land­schaft von Rott­weil und dem zukunfts­wei­sen­den Indus­trie­de­sign des Turms her­stellt.