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Dienstag, 2. Juni 2020
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    Richtig bewerben: So klappt’s mit dem Ausbildungsplatz!

    HWK: Wer sich erfolgreich für eine freie Lehrstelle bewerben möchte, sollte ein paar Spielregeln beachten. Welche das sind, verraten wir dir auf dieser Seite.

    Gute Ratschläge, wie man sich richtig bewirbt, gibt es viele – nur leider widersprechen sie sich häufig oder stammen oft noch aus Zeiten, in denen man sich noch ganz anders beworben hat als heute.  Wer sich vor seiner Bewerbung aber ein paar Gedanken macht und unsere nachfolgenden Tipps beherzigt, der hat gute Chancen, den gewünschten Ausbildungsplatz zu ergattern.

    Wir haben auf dieser Seite  einige Hilfestellungen für dich zusammengetragen. Sie reichen von der optimalen Vorbereitung über gut aufbereitete Bewerbungsunterlagen bis hin zum erfolgreichen Bewerbungsgespräch. Solltest du darüber hinaus noch Hilfe benötigen, kannst du dich kostenlos an Patrick Wolf wenden – einfach anrufen und einen Termin vereinbaren oder per E-Mail nachfragen. Unser Berater sieht sich auf Wunsch auch deine Bewerbungsunterlagen durch und gibt dir anschließend Tipps, wie du deine Bewerbung noch attraktiver gestalten kannst.

    Eine gute Bewerbung ist die halbe Miete

    Wenn du dich für einen Handwerksberuf entschieden und eine ausgeschriebene Lehrstelle entdeckt hast, folgt der nächste Schritt: die Bewerbung!

    Bei deiner ersten Bewerbung stellen sich jede Menge Fragen, aber keine Panik: Eine gute Bewerbung ist auch kein Hexenwerk. Um dir die ersten Schritte zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Antworten zusammengestellt.

    Wann muss ich mich bewerben?

    Die beste Zeit zum Bewerben ist etwa ein Jahr vor Beginn der Ausbildung. Wer vorab im Wunschberuf und Wunschbetrieb schon ein Praktikum gemacht hat, ist den anderen Bewerbern oft eine Nasenlänge voraus. Die Ferien sind ein sehr guter Zeitraum dafür. Freie Praktikumsplätze findest du über unsere Lehrstellenbörse.

    Wo soll ich mich bewerben?

    Wenn du eine freie Lehrstelle gefunden hast, schickst du deine Bewerbung direkt an den Betrieb.

    Wie bewerbe ich mich richtig?

    Der erste Eindruck zählt. Stell dir einfach vor, du selbst müsstest einen Bewerber oder eine Bewerberin einstellen, den du gar nicht kennst. Was hast du dann in der Hand, um ihn oder sie zu beurteilen? Nur die Bewerbungsunterlagen und vielleicht ein kurzes telefonisches Vorgespräch. Deshalb muss die Bewerbung gut vorbereitet sein und den möglichen Ausbilder überzeugen. Im folgenden Absatz geben wir dir ein paar Tipps dazu.

    Auch beim Vorstellungsgespräch ist eine gute Vorbereitung das A und O.

    Was in die Bewerbungsmappe gehört

    Anschreiben, Lebenslauf, Foto und Zeugnisse passen locker in einen großen Briefumschlag. Die meisten Bewerbungen werden heutzutage aber digital verschickt. Beide Varianten unterscheiden sich vor allem äußerlich – drin stehen sollte so ziemlich dasselbe.

    Die nachfolgenden Tipps gelten daher für beide Varianten. Was du bei einer digitalen Bewerbung – am besten im pdf-Format – beachten solltest, kannst du hier nachlesen:

     Erstellen eines pdf-Dokuments aus den Bewerbungsunterlagen

    Die Bewerbungsmappe

    Wenn du auf die klassische Variante setzt und eine Bewerbungsmappe einschickst, muss der erste Eindruck unbedingt stimmen. Daher müssen Anschreiben, Lebenslauf, Foto und Zeugnisse ordentlich in der Mappe eingeheftet und präsentiert werden.

    Wenn du eine Bewerbungsmappe verschickst, die aussieht, als sei sie schon zehn Mal verschickt worden, wird deine Bewerbung gleich aussortiert – ganz egal, was drin steht.

    Das Anschreiben

    Das Anschreiben sollte nie länger als eine DIN-A4-Seite sein und ist der wichtigste Teil deiner Bewerbung. Texte mit Rechtschreibfehlern sind keine gute Visitenkarte – da kann dein Lebenslauf noch so toll und deine Vorerfahrung noch so groß sein. Ohne überzeugendes Anschreiben hat deine Bewerbung keine Chance.

    Es muss deutlich werden, warum du dich gerade für diesen Beruf interessierst und warum du gerade in diesem Betrieb arbeiten möchtest – zwei Fragen, die auch gerne im Vorstellungsgespräch gestellt werden. Der Brief muss auf das Unternehmen zugeschnitten sein und darf nicht so klingen, als hättest du nur schnell Datum und Anschrift eines Anschreibens an eine andere Firma ausgetauscht.

    Tipp: Vier Augen sehen mehr als zwei! Lass also immer jemanden, der sich ein bisschen mit Bewerbungen auskennt, deine Unterlagen Korrektur lesen.

    Ein Musteranschreiben für Bewerbungen stellen wir dir hier zur Verfügung. Aber bitte nicht einfach abschreiben: Wenn das alle machen, haben hinterher alle gleich schlechte Chancen. Der Text sollte auf jeden Fall variiert werden, so dass jedes Anschreiben ein wenig anders klingt.

    Bewerbung: Musteranschreiben (34kB)

    Der tabellarische Lebenslauf

    Der tabellarische Lebenslauf listet in Form einer Tabelle die Stationen deines Lebens auf. Dazu zählen auch Umzüge, Schulwechsel und Praktika. Wer sich in Vereinen oder Organisationen engagiert, sollte das unbedingt erwähnen. Abschließend sollte der Lebenslauf so überprüft werden, wie das wahrscheinlich die Ausbilder tun, die ihn später beurteilen. Dafür haben wir dir eine Checkliste und einen Muster-Lebenslauf bereitgestellt:

    Bewerbung: Checkliste für den Lebenslauf (28kB)

    Bewerbung: Vorlage für den Lebenslauf (42kB)

    Das Bewerbungsfoto

    Ein gutes Foto ist zwar keine Pflicht – aber es empfiehlt sich. Und es lohnt sich, ein bisschen mehr Geld für ein Bewerbungsbild auszugeben, das ein Fotograf aufgenommen hat. Er kann dich auch beim passenden Outfit beraten. "Selfies" oder Schnappschüsse aus dem letzten Urlaub – auch wenn du darauf noch so nett strahlst – wirken unprofessionell und sind ein absolutes No-Go.

    Das Foto wird auf dem Titelblatt der Bewerbung oder im Lebenslauf angebracht. Wenn du eine Mappe verschickst, solltest du das Foto so fest anbringen, dass es beim Versand oder Öffnen des Briefumschlags nicht einfach abfallen kann.

    Zeugnisse und Bescheinigungen

    Zeugniskopien des letzten Schuljahres sind ein Muss – auch wenn die Noten vielleicht nicht ganz so gut ausgefallen sind, wie du es gerne hättest. Zeugnisse und Bescheinigungen von absolvierten Praktika und über ehrenamtliches Engagement werten deine Bewerbungsunterlagen erheblich auf, denn sie verraten oft mehr über deine persönlichen Stärken als Schulnoten. Also unbedingt beilegen – natürlich immer nur als Kopie, denn die Originale bleiben bei dir.

    Keine Angst vorm Vorstellungsgespräch

    Wenn du zum Vorstellungsgespräch eingeladen wirst, dann hast du schon eine ganze Menge erreicht und kannst erstmal tief durchatmen. So weit sind die meisten anderen Bewerber nämlich erst gar nicht gekommen. Jetzt heißt es: Einen kühlen Kopf bewahren und die Gedanken für einen überzeugenden Endspurt sammeln!

    Gute Vorbereitung ist alles

    Auf das Bewerbungsgespräch solltest du dich gut vorbereiten. Angst brauchst du keine zu haben – dir gegenüber sitzen schließlich auch nur Menschen, die dich näher kennenlernen möchten. Und wenn du nicht schon ihr Interesse geweckt hättest, hätten sie dich schließlich gar nicht erst eingeladen, oder?

    Zur gründlichen Vorbereitung gehört es, möglichst viele Informationen über das Wunschunternehmen zu sammeln – zum Beispiel im Internet. Info-Material kann aber auch direkt im Betrieb angefordert werden – das macht einen guten Eindruck und zeigt, dass sich der Bewerber wirklich für die Ausbildung interessiert. Auch über das Berufsbild, in dem du deine Ausbildung beginnen möchtest, solltest du im Vorfeld Infos einholen.

    Auf unserer Website findest du im Bereich Berufe von A-Z eine Kurzbeschreibung jedes Ausbildungsberufs in der Region Stuttgart.Bewerbung: Typische Fragen beim Vorstellungsgespräch (25kB)

    Fragen überlegen

    Im Gespräch ist irgendwann der Bewerber an der Reihe, selbst Fragen zu stellen. Hier solltest du dir vorher überlegen, was dich in Bezug auf das Unternehmen, den Ausbildungsplatz und die Zukunftschancen  interessiert und nicht ohne Weiteres aus dem Info-Material herauszulesen war.

    Tipp: Es macht sich besonders gut, wenn man an vorhandene Informationen anknüpft und tiefer gehende Fragen stellt. Das zeigt echtes Interesse!

    Das passende Outfit

    Die Kleidung sollte immer dem Anlass entsprechend gewählt werden. Du solltest ordentlich aussehen, aber auch nicht übertrieben schick. Nur wenn du dich in deinen Klamotten wohlfühlst, wirkst du glaubwürdig und authentisch. Auch zum Beruf sollte dein Outfit passen: Für eine Bewerbung im Bürobereich mag ein Kostüm oder ein Anzug gut passen; bei einer Bewerbung als Kfz-Mechatroniker oder Schreinerin wirkt das eher übertrieben.

    Pünktlichkeit ist ein absolutes Muss. Plane also unbedingt genug Zeit für die Anfahrt ein und kalkuliere Vespätungen oder Staus mit ein. Wenn du zu früh dran bist, geh einfach noch ein wenig spazieren und überleg dir noch einmal, was du alles sagen und fragen willst.

    Faustregel: Maximal fünf Minuten zu früh kommen und keine Minute zu spät!

    Wenn es geklappt hat – herzlichen Glückwunsch! Und wenn nicht, dann lautet die Devise "Kopf hoch und weitermachen". Vielleicht war der Betrieb ja auch einfach nicht der Richtige. Oft hilft dann ein Blick über den Tellerrand: Vielleicht gibt es ja  Alternativberufe, die genauso spannend sind wie dein vermeintlicher Traumjob?

    Mit Schlüsselqualifikationen punkten

    Natürlich sind Zeugnisnoten ein wichtiges Kriterium im Anforderungskatalog an Bewerber, die sich um einen Ausbildungsplatz bemühen. Aber auch wenn deine Noten besser sein könnten: Nicht zu unterschätzen – und in der späteren Praxis oft wichtiger – sind deine Motivation, deine persönlichen Stärken, dein Talent und deine Interessen.

    Persönliche Stärken und Fähigkeiten

    Zuverlässig, leistungsbereit, verantwortungsbewusst, selbstständig, teamfähig: Das sind persönliche Stärken. Auf dem Papier sind es nur Worte, im Berufsleben sind es Werte, auf die es ankommt. Diese Worte mit Leben füllen – das kann deine Bewerbung enorm bereichern. Zeig sie deinem Gegenüber also!

    Das Beste daran ist: Jeder besitzt Schlüsselqualifikationen. Es ist vielen nur nicht klar. Wer in einem Mannschaftssport aktiv ist, der ist teamfähig. Wer im Verein erfolgreich Veranstaltungen organisiert, zeigt Organisationstalent. Und wer zu Schulzeiten einmal Klassensprecher war, dem lassen sich erste Führungsqualitäten zuweisen.

    • Tipp 1: Stärken untermauern
      Teamfähig bin ich, weil ich in einer Handballmannschaft spiele oder in einer Rockband die Gitarre zupfe. Verantwortungsbewusstsein habe ich durch jahrelanges Babysitten meiner jüngeren Geschwister erworben oder weil ich in einem Tierschutzverein vielen Hunden und Katzen die Chance auf ein Weiterleben ermögliche.
    • Tipp 2: Motivationen ergründen
      Warum spiele ich Theater? Nicht nur aus Spaß, sondern auch, weil ich gerne Leute unterhalte und begeisterungsfähig bin.
    • Tipp 3: Auf Spurensuche
      Hobbys spiegeln nützliche Fähigkeiten wider. Pfadfinder sein bedeutet mehr, als zelten zu gehen. Ich muss körperlich fit sein, zeige Leistung und bin teamfähig. Die Reise ins Ich soll also das Ziel verfolgen: Wo genau sind meine Stärken? Wie kann ich sie im Beruf einsetzen? Letzteres signalisiert auch Interesse am Ausbildungsberuf.
    • Tipp 4: Stärken sind prima, aber alles im Maße
      Ich bin kein Super-Genie, das alles kann und ist. Aber ich sollte mich auch nicht unter Wert verkaufen, denn ich kann etwas.
    • Tipp 5: Ich bin ich
      Sowohl im Anschreiben als auch im Vorstellungsgespräch. Ein persönliches Bild wünscht der künftige Chef, keine Standards aus klugen Bewerbungsbüchern. Eigene Worte über mich punkten und machen die individuelle Note aus.

    Streifzug durch die Fachkompetenz

    Mit sozialen und persönlichen Stärken sammelst du Pluspunkte, aber Unternehmen erwarten natürlich auch fachliche Kompetenz. Dazu gehören grundlegende Fähigkeiten wie:

    • Sprechen und Schreiben
      Ohne das geht es nicht. Handwerk ist auch Mundwerk, es lebt von seinen Kunden. Terminabsprachen, Sachverhalte erklären und Kundenberatung stehen auf dem Tagesprogramm. Hilfreich ist es auch, im geschriebenen Deutsch fit zu sein.
    • Rechnen
      Egal ob Grundrechnen, Prozentrechnen, Flächen-, Volumen-, und Masseberechnungen oder das Bedienen eines Taschenrechners: Mindestens eine Rechenart taucht in den meisten Handwerksberufen auf. Selbst in Berufen, die das auf den ersten Blick nicht vermuten lassen: Ein Friseur beispielsweise muss vor dem Haarefärben die Farbmenge berechnen.
    • Naturwissenschaftliche Kenntnisse
      Chemie, Biologie, Physik, manchmal auch Informatik – grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse helfen in vielen Berufen weiter.
    • Fremdsprachen
      Kommunikation ist alles, denn die Welt wächst zusammen. Erst recht im Handwerk.