Ver­kehrs­füh­rung, Sper­run­gen und Umlei­tun­gen, (Behinderten-)Parkplätze, Bus­fahr­plä­ne, Pen­del­bus­an­bin­dun­gen, Wohn­mo­bil­stell­flä­chen, Abstim­mun­gen mit Poli­zei und Feu­er­wehr, alles will orga­ni­siert und gere­gelt sein, wenn die Nar­ren­zunft Rott­weil 10.000 Gäs­te aus Elzach, Über­lin­gen und Obern­dorf will­kom­men heißt.

Von Zunftschrei­ber Prof. Frank Huber

Mar­cus Hein­ze steht bei sich zu Hau­se in der Küche. Es kom­men die neu­es­ten Ver­kehrs­mel­dun­gen im Radio und er dreht den Laut­stär­ke­reg­ler auf lei­se. „Ich kann im Moment kei­ne Ver­kehrs­nach­rich­ten mehr hören. Sper­rung hier, Umlei­tung da, geän­der­te Ver­kehrs­füh­rung dort, das ist mir im Moment zu viel”, meint das Aus­schuss­mit­glied der Nar­ren­zunft mit „gnitz”lachenden Augen und nippt an sei­ner Kaf­fee­tas­se.

Die Verkehrskonzeptentwickler

Das ist nur zu ver­ständ­lich, wenn man weiß, was Hein­ze seit Sep­tem­ber 2014 hob­by­mä­ßig macht. Nar­ren­tag ist hier das Stich­wort, das im Wesent­li­chen zur Lösung des Rät­sels bei­trägt. Mar­cus Hein­ze und sein Team, zu dem Die­ter Mai­er, Micha­el Mar­schall und Jochen Hug­ger gehö­ren, ent­wi­ckeln das Ver­kehrs­kon­zept für das Wochen­en­de, an dem sich die Nar­ren­zunft und die Stadt Rott­weil mit vor­aus­sicht­lich rund 20.000 Zuschau­ern kon­fron­tiert sehen. Die meis­ten kom­men natür­lich von aus­wärts und mit dem Auto.

In der Tas­se von Hein­ze klim­pert der Löf­fel. Er rührt gedan­ken­ver­sun­ken in sei­nem Espres­so. Heu­te steht die Zusam­men­stel­lung der Bus­fahr­plä­ne auf dem Pro­gramm, denn auch das gehört zum Auf­ga­ben­ge­biet die­ser Trup­pe. Die Orga­ni­sa­ti­on des Nah­ver­kehrs obliegt kom­plett den Man­nen um Hein­ze.

Von der Bleibe mit dem Bus zum Umzug

Micha­el Mar­schall, der heu­te mit am Küchen­tisch sitzt, erklärt: „Wir haben Nar­ren wegen der gro­ßen Nach­fra­ge in Quar­tie­ren weit außer­halb von Rott­weil unter­brin­gen müs­sen. Da der Nar­ren­tag unter dem Mot­to ‚Der Vie­rer­bund zu Gast bei sei­nen Freun­den’ steht, ver­hal­ten wir uns auch ent­spre­chend. Das heißt, wir sor­gen dafür, dass die Teil­neh­mer die Mög­lich­keit haben, von ihrer Blei­be mit dem Bus zum Umzug zu kom­men.”

In der Kon­se­quenz bedeu­tet das für Mar­schall, dass es sechs Bus­li­ni­en zu orga­ni­sie­ren gilt. Vil­lin­gen­dorf, Hor­gen, Deiß­lin­gen, Büh­lin­gen, Gölls­dorf und Die­tin­gen sind die Vor­or­te, die am Nar­ren­tagsams­tag von 15.30 bis 3 Uhr im 20- bis 30-Minu­ten-Takt ange­fah­ren wer­den. Am Sonn­tag beginnt der Pen­del­ver­kehr bereits ab 9 Uhr, jedoch zunächst bis 11 Uhr nur im Stun­den­takt. Danach fah­ren die Bus­se wie­der alle 20 bis 30 Minu­ten, und das bis 20 Uhr.
„Damit auch vie­le das Ver­kehrs­mit­tel Bus nut­zen, ist die Fahrt kos­ten­los, wenn der­je­ni­ge, der mit­fah­ren möch­te, ent­we­der eine Teil­neh­mer- oder eine Zuschau­er­pla­ket­te vor­zei­gen kann”, betont Micha­el Mar­schall. Die dadurch ins­ge­samt beim Bus­un­ter­neh­men Hau­ser ent­ste­hen­den Kos­ten für den Nar­ren­tag über­nimmt die Nar­ren­zunft. Ein fast fünf­stel­li­ger Betrag. Der ist aber gut ange­legt, bringt doch Geschäfts­füh­rer Hans Kel­ler vom Omni­bus Hau­ser sei­ne Erfah­run­gen aus dem Jahr 2003 mit ein, glaubt die Nar­ren­zunft.

Flächendefinition

Aber auch die Defi­ni­ti­on von geeig­ne­ten Park­plät­zen, P&R-Flächen, Taxi­s­tell­flä­chen sowie die Aus­schil­de­rung der­sel­ben berei­te­ten Hein­ze und Kon­sor­ten zunächst Kopf­zer­bre­chen. „Blö­der­wei­se liegt der Nar­ren­tag im Janu­ar, so dass die Wit­te­rungs­be­din­gun­gen schwie­rig sein könn­ten. Das heißt, auch das The­ma Schnee­räu­mung die­ser Flä­chen muss­te mit den Ver­ant­wort­li­chen der Stadt abge­spro­chen wer­den”, erklärt Hein­ze.

Über die Zusam­men­ar­beit mit die­sen wis­sen die bei­den übri­gens nur Gutes zu berich­ten.
Ein dickes Pfund für die Orga­ni­sa­to­ren. Man hilft sich hier, wo man kann, um ein Ver­kehrs­cha­os zu ver­mei­den und den schnel­len Abfluss der Ver­kehrs­strö­me am Sams­tag- und Sonn­tag­abend zu gewähr­leis­ten.

Außer­dem haben wir mit Die­ter Mai­er ja einen erfah­re­nen Hasen mit in der Grup­pe, der schon beim letz­ten Nar­ren­tag in Rott­weil im Orga­ni­sa­ti­ons­team war. Auch die­sen Erfah­rungs­schatz kön­nen wir nut­zen, wenn es um Details geht. Die Nar­ren­zunft kann also nicht nur Finan­zen, Ver­an­stal­tung, PR und Quar­tier, son­dern auch Ver­kehr.”

Überraschende Nachfrage

Trotz­dem kann man nicht alles im Vor­feld pla­nen. Über­rascht waren die „Ver­kehrs­wer­ker” zum Bei­spiel von der Nach­fra­ge nach Wohn­mo­bil­stell­plät­zen. Auf­grund der vie­len Anfra­gen wer­den die Stell­plät­ze am Frei­bad im Janu­ar vom Schnee geräumt sein, so dass die­se dort genutzt wer­den kön­nen.

Tja, irgend­wann Ende Janu­ar höre ich mir dann auch mal wie­der die Ver­kehrs­nach­rich­ten an, aber bis dahin kon­zen­trie­ren wir uns nur auf den Nar­ren­tag”, sagt Mai­er. Die­se schöns­te Brauch­tums­ver­an­stal­tung im süd­deut­schen Raum mit orga­ni­sie­ren zu dür­fen, sei etwas ganz Beson­de­res. „Da ist der Ver­kehrs­funk Neben­sa­che.”
Frank Huber

Infos unter: www.narradag.de