Der Eintrag zum Tod von Karl Katz im Geburtenregister der Stadt Schramberg: „Gefallen 24.10.1936 als Rotspanienkämpfer b[ei] Santa Quitera/Tardienta“. Foto: Stadtarchiv Schramberg

SCHRAMBERG-WALDMÖSSINGEN (ck) – In Spa­ni­en wird in die­sem Jahr bei vie­len Gedenk­fei­ern an den Beginn des Spa­ni­schen Bür­ger­krie­ges und an die Bil­dung der Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den vor 80 Jah­ren erin­nert. Zu den etwa 4500 deut­schen Spa­ni­en­kämp­fern gehör­te auch der gebür­ti­ge Schram­ber­ger Karl Katz, der heu­te vor 80 Jah­ren gefal­len ist. An ihn erin­nert Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann:

 Am 24. Okto­ber 1936 fand bei Tar­dien­ta in Nord­spa­ni­en heu­te vor 80 Jah­ren ein Gefecht zwi­schen der „Gru­po Thäl­mann“ und der „Cen­tu­ria Thäl­mann“ und Trup­pen des faschis­ti­schen Gene­rals Fran­cis­co Fran­co statt, der am 18. Juli 1936 gegen die recht­mä­ßig gewähl­te repu­bli­ka­ni­sche Regie­rung geputscht hat­te.

In den bei­den Ein­hei­ten „Gru­po Thäl­mann“ und „Cen­tu­ria Thäl­mann“ hat­ten sich weni­ge Wochen zuvor unter dem Namen des damals in Ber­lin inhaf­tier­ten KPD-Vor­sit­zen­den Ernst Thäl­mann die ers­ten Anti­fa­schis­ten aus dem Deut­schen Reich und aus eini­gen ande­ren Län­dern zusam­men­ge­fun­den, um gegen den Faschis­mus zu kämp­fen. Für die euro­päi­sche Lin­ke war der Spa­ni­sche Bür­ger­krieg ein wich­ti­ges Sym­bol und wur­de zu einem Mythos.

Im Herbst 1936 waren die Put­schis­ten – vor allem marok­ka­ni­sche Kolo­ni­al­trup­pen – nach Nor­den vor­ge­rückt und hat­ten bei Tar­dien­ta einen stra­te­gisch wich­ti­gen Höhen­zug besetzt, auf dem sich eine Kapel­le befand („Ere­mi­ta­ge de San­ta Qui­te­ria“). Der Berg wur­de zwar erobert, muss­te aber schon bald wie­der auf­ge­ge­ben wer­den. Unter den ins­ge­samt 19 Toten war der in Schram­berg gebo­re­ne Karl Katz, der aus einer Fami­lie im heu­ti­gen Stadt­teil Wald­mös­sin­gen stammt, seit sei­nem Tod vor 80 Jah­ren aber in völ­li­ge Ver­ges­sen­heit gera­ten ist.

grupo_thaelmann-dk-241016
Auf­stel­lung der „Gru­po Thäl­mann“ aus deut­schen Frei­wil­li­gen in Bar­ce­lo­na im August 1936 Foto: Bri­ga­da Inter­na­cio­nal, Band 1, Ber­lin 1974

In dem Buch „Bri­ga­de Inter­na­cio­nal ist unser Ehren­na­me … Erleb­nis­se ehe­ma­li­ger deut­scher Spa­ni­en­kämp­fer“, das die „Sek­ti­on der ehe­ma­li­gen Spa­ni­en­kämp­fer“ bei der „Zen­tral­lei­tung des Komi­tees der Anti­fa­schis­ti­schen Wider­stands­kämp­fer der DDR“ im Jahr 1974 her­aus­ge­ge­ben hat, ist der Tod von Karl Katz am 24. Okto­ber 1936 bei Tar­dien­ta in einem Bericht sei­nes Kame­ra­den Hans Beh­rend aus Bochum erwähnt. Im letz­ten Jahr wur­de er des­halb auch in das neu erschie­ne­ne Lexi­kon „’Sie wer­den nicht durch­kom­men.’ Deut­sche an der Sei­te der Spa­ni­schen Repu­blik und der sozia­len Revo­lu­ti­on“ auf­ge­nom­men.

Auf die Geschich­te von Karl Katz wur­de das Stadt­ar­chiv Schram­berg erst vor kur­zem durch einen Zufall auf­merk­sam. Bei einer Recher­che im Bun­des­ar­chiv ergab sich, dass in des­sen Bestand „Reichs­si­cher­heits­haupt­amt“ aus der NS-Zeit auch eine Kar­tei­kar­te der „Gehei­men Staats­po­li­zei“ („Gesta­po“) über einen Schlos­ser Karl Katz ver­wahrt wird, der am 24. Sep­tem­ber 1895 in Schram­berg gebo­ren wur­de. Ein Blick in das Gebur­ten­re­gis­ter der Stadt Schram­berg aus dem Jahr 1895 offen­bar­te, dass sich mit die­sem Namen eine lan­ge ver­ges­se­ne Geschich­te ver­bin­det, da dort zu sei­nem Tod ver­merkt wur­de: „Gefal­len 24.10.1936 als Rot­s­pa­ni­en­kämp­fer b[ei] San­ta Quitera/Tardienta.“

Die bis­he­ri­gen Recher­chen konn­ten die mit sei­ner offen­bar recht beweg­ten Bio­gra­phie ver­bun­de­nen Fra­gen noch nicht voll­stän­dig klä­ren. In gro­ben Zügen zeich­net sich sei­ne Lebens­ge­schich­te aber bereits ab. Die Mut­ter von Karl Katz, Maria Katz aus Wald­mös­sin­gen, brach­te ihren Sohn am 24. Sep­tem­ber 1895 in Schram­berg unehe­lich zur Welt, wo sie damals ver­mut­lich wie so vie­le ande­re jun­ge Frau­en in der ört­li­chen Uhren­in­dus­trie gear­bei­tet haben dürf­te.

Sie leb­te damals bei ihrer Schwes­ter Mag­da­le­na Ander­gas­sen (1861–1915) in Schram­berg, die sich 1888 mit dem Schuh­ma­cher Georg Ander­gas­sen (1862–1931) aus der Stei­er­mark in Öster­reich ver­hei­ra­tet hat­te. Die fünf Kin­der von Georg und Mag­da­le­na Ander­gas­sen, dar­un­ter die in Schram­berg wohn­haf­ten Töch­ter Johan­na Hützsch­ke (1889–1986) und Katha­ri­na Krebs (1891–1971), waren Cou­si­nen von Karl Katz.

Wie lan­ge Karl Katz in Schram­berg gelebt hat, liegt der­zeit noch im Dun­keln. Frü­her oder spä­ter hat er jedoch offen­sicht­lich sei­ne Hei­mat im Schwarz­wald ver­las­sen. Im Ers­ten Welt­krieg dürf­te er Sol­dat gewe­sen sein und könn­te sich durch die Novem­ber­re­vo­lu­ti­on wei­ter poli­ti­siert haben. In der Wei­ma­rer Repu­blik war er jeden­falls ein­deu­tig im „lin­ken Lager“ behei­ma­tet. Ins­ge­samt vier gegen ihn geführ­te Straf­pro­zes­se wegen Hoch­ver­rat vor dem Reichs­ge­richt Leip­zig ver­mit­teln das Bild eines radi­ka­len Kom­mu­nis­ten, der mehr­fach Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al in der Reichs­wehr ver­brei­te­te und auch zum Ein­satz von Gewalt zur Durch­set­zung sei­ner poli­ti­schen Zie­le bereit war.

Ob er in der NS-Zeit ver­haf­tet wur­de, liegt der­zeit eben­falls noch im Dun­keln. Die „Gehei­me Staats­po­li­zei“ war ihm auf jeden Fall auf der Spur. Im Lexi­kon „Wider­stand in Ber­lin gegen das NS-Regime gegen das NS-Regime“ aus dem Jahr 2012 wird er zwar erwähnt, genaue Anga­ben feh­len jedoch. Sein Kame­rad Hans Beh­rend bezeich­net ihn zwar als „par­tei­los“, es erscheint aber doch sehr wahr­schein­lich, dass er wie vie­le ande­re Spa­ni­en­kämp­fer der KPD ange­hör­te oder ihr nahe gestan­den hat.

Im Som­mer 1936 befand er sich jeden­falls zusam­men mit ande­ren Anti­fa­schis­ten aus dem Deut­schen Reich in Spa­ni­en und war bei der Bil­dung der Vor­läu­fer der „Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den“ in Bar­ce­lo­na unter den Frei­wil­li­gen der ers­ten Stun­de. Das Stadt­ar­chiv Schram­berg wird die Erfor­schung sei­nes Lebens fort­set­zen und ins­be­son­de­re auch nach sei­nem Grab in Spa­ni­en suchen.